# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 11 15_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 23 ihnen weder Glaube, Liebe, Geduld, noch andere gute Früchte. Auch wir haben den Geist, sagen sie, der wirket in uns Glauben, Liebe, Geduld, Verachtung zeitlicher Ehre und Güter, Beständigkeit in allerlei Trübsalen, Noth und Tod. Es sind hoffärtige, vermessne Heuchler, die jedermann urtheilen und richten können, sehen den Splitter in unserm Auge, werden aber des Balkens in ihrem nicht gewahr. Darum laß sie fahren. — Wo diese Heuchler mit ihrem Geist hinwollen, da gedenke ich nicht hin zu kommen. Der barmherzige Gott behüte mich ja für der christlichen Kirche, darinnen eitel Heilige sind. Ich will unter der Kirche und unter dem Häuflein sein und bleiben, darinnen Kleinmüthige, Schwache und Kranke sind, die ihre Sünde, Jammer und Elend erkennen und fühlen, auch ohne Unterlaß zu Gott um Trost und Hülfe herzlich seufzen und schreien, und die Vergebung der Sünden gläuben, und um des Wortes willen (das sie rein und ungefälscht bekennen), Verfolgung leiden. Der Satan ist ein listiger Schalk, er will durch seine Schwärmerei den Einfältigen einbilden, es sei nichts mit der Predigt des Evangelii, wir müßten uns anders angreifen, als: einen heiligen Wandel führen, das Kreuz tragen und viel Verfolgung leiden; und durch solchen Schein der selbsterwählten Heiligkeit (so wider Gottes Wort ist), wird mancher verführt. Aber unsere Heiligkeit und Gerechtigkeit ist Christus, in welchem, und nicht in uns, wir vollkommen sind, Col. 2, 10. Und da tröste und halte ich mich des Worts St. Pauli, da er spricht, 1 Cor. I, 30.: Christus sei uns von Gott gemacht zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. — Luther über Joh. 1, 7. (Eingesandt.) Falsche Lehre der Methodisten von der Rechtfertigung, nachgewiesen aus ihrer Kirchenordnung.*) *) Gegenwärtiger Aufsatz war uns schon vor einigen Monaten eingesandt worden, derselbe konnte aber wegen Mangel an Raum bisher nicht mitgetheilt werden. Der Herausg. Dem Einsender ist in Folge seines in No. 18 des Lutheraners geführten Beweises, „daß die Methodisten eine Secte sind," nun schon in mehreren Nummern des „Apologeten" der Vorwurf der Verleumdung gemacht worden, so daß es nicht um seiner Ehre willen — denn diese soll ein Christ nicht suchen —, sondern um der Ehre Gottes willen Pflicht wird, darauf gründlich zu antworten. Denn weil die Methodisten auf dem Ruhm bestehen, den so wichtigen Artikel von der Rechtfertigung rein zu haben, der doch offenbar von ihnen verfälscht und verunstaltet wird, so muß die Ehre Gottes und das Heil vieler Sünder nothwendig darunter leiden, wenn sie ihre falsche Münze für die echte, ihren Irrthum für Wahrheit ausgeben. Sie berufen sich zwar auf das, was sie Seite 13, Art. IX. ihrer Kirchenordnung von der Rechtfertigung sagen, wo es heißt: „Wir werden für gerecht vor Gott angesehen, einzig um des Verdienstes unsers HErrn und Heilandes JEsu Christi willen, durch den Glauben, nicht wegen unsrer Werke oder Verdienste: und, daß wir durch den Glauben allein gerechtfertigt werden, ist eine sehr heilsame und trostvolle Lehre." Mit diesem Bekenntniß meinen die Methodisten ihre Rechtgläubigkeit in dem fraglichen Puncte hinlänglich dargethan zu haben. Und wir würden ihnen dies gern einräumen, wenn dieses Bekenntniß nicht mit ihrer übrigen Lehre und Praxis in allzugrellem Widerspruch stände. Sie werden sich hoffentlich nicht beschwert finden, wenn wir ihnen diesen Widerspruch aus ihrer eignen Kirchenordnung zeigen, indem dies ja nur zu ihrem eignen Besten geschieht, und die Widerlegung solcher Irrthümer, die öffentlich wider Gottes Wort gelehrt werden, nicht ohne Sünde mit derjenigen Sünde verwechselt werden kann, welche Luc. 6, 37. verboten wird. Ehe ich indeß diesen Widerspruch nachweise, muß ich mein Befremden darüber ausdrücken, daß in dem ganzen Buche, welches den Titel führt: „Lehre und Kirchenordnung der bischöfl. Methodistenkirche," so wenig auf die Wichtigkeit des Artikels von unserer Rechtfertigung vor Gott hingewiesen wird.*) Es wird nicht ein einziges Mal erwähnt, wie schwer dieser Artikel, daß wir ohne alle Werke allein aus Gnaden durch ein fremdes Verdienst gerecht und selig werden, nicht allein von der Welt, sondern selbst von den rechten Christen gefaßt und geglaubt wird. Es wird nicht ein einziges Mal mit nachdrücklichen Worten hervorgehoben, daß dieser Artikel, nehmlich die Gerechtigkeit, die Gott selbst in uns wirkt ohne unser Zuthun, der einzige Trost ist, zu dem ein erschrockenes Gewissen Zuflucht haben kann. Es wird nichts erwähnt von den Ursachen, die selbst dem redlichen Christen in der Anfechtung diesen Trost verdunkeln und nicht ins Herz hineinlassen wollen. Vom Unterschied des Gesetzes und Evangeliums wird gar nichts, und von dem Unterschied zwischen Glauben und Werken wird keineswegs so gelehrt, daß der herrliche Artikel von der Rechtfertigung dadurch mehr Licht und Klarheit bekäme. Nirgends in dem ganzen Buche blickt eine Bekümmerniß hervor, die Seelen von allem falschen Trost und Vertrauen auf eigne Werke und Frömmigkeit abzulenken, ihnen alles Eigene zu nehmen, dahingegen ihnen auch Alles zu geben, nehmlich den ganzen Christum mit allem Reichthum seiner Gnade frei und umsonst und für Alle, die sich dessen freuen wollen. *) Das Mißverhältniß der 13 Seiten Lehre zu den 190 Seiten neue Maaß- und andere Regeln, und die daraus hervorleuchtende Geringschätzung der Lehre und Hochstellung der menschlichen Satzungen ist schon mehrmals mit Recht von Andern gerügt worden. Wenn aber unsre Gegner einwenden: das Buch hat nicht den Zweck, den Grund des Glaubens zu legen, sondern soll nur eine Kirchenordnung sein: so müssen sie doch einräumen, daß der Zweck ihres Büchleins auch zugleich ein erbaulicher ist. Denn es wird bei aller Gelegenheit dazu ermahnt, sein Seelenheil „auszuschaffen"; es ist darauf berechnet, daß ein Mensch, wo möglich, schon durch Lesen dieses Buchs erweckt und bekehrt werde. Daher sollte man ja mit gutem Grunde erwarten, daß besonders der Artikel von der Rechtfertigung in diesem Buche sorgfältig abgehandelt, und als der höchste, dem alle übrigen Satzungen und Vorschriften unterworfen sind, obenan gestellt sei. Allein dies ist nicht geschehen, sondern es wird vielmehr Gesetz über Gesetz, Vorschrift über Vorschrift, Regel über Regel gegeben, und der allertröstlichste und nöthigste Artikel von der Rechtfertigung nur kurz mit ein paar Worten abgemacht, so daß er unter dem Ballast von Satzungen fast unsichtbar wird, und noch viel weniger Jemand auf den Gedanken kommen kann, er sei die köstliche Perle, die man vor allen aufheben und als das theuerste Kleinod bewahren müsse. Darum soll mich Niemand überreden, daß es unsern Gegnern mit der Rechtfertigung aus Gnaden allein durch den Glauben, ohne unsere Werke und Verdienste, ein Ernst sei, und daß sie mit Dr. Luther von Herzen sagen können: „In meinem Herzen herrschet allein, und soll auch herrschen dieser einige Artikel, nehmlich der Glaube an meinen lieben HErrn Christum, welcher aller meiner geistlichen und göttlichen Gedanken, so ich immerdar Tag und Nacht haben mag, der einige Anfang, Mittel und Ende ist." Gehen wir auf den Widerspruch selbst ein, in welchem die ganze übrige Lehre und Praxis der Methodisten zu dem Artikel von der Rechtfertigung steht, den sie so rein zu haben vorgeben; so ist ihnen leider der allerdings schwere Vorwurf zu machen, daß sie aus Christo einen Moses, d. h. einen neuen Gesetzgeber machen. Seite 58. ihrer Kirchenordnung steht die Frage: „Welches ist der wirksamste Weg Christum zu predigen?" und die Antwort lautet: „ihn in allen seinen Aemtern darzustellen, und sein Gesetz sowohl als sein Evangelium Gläubigen und Ungläubigen zu verkündigen. Lasset uns kräftig und bestimmt auf äußere und innere Heiligung in allen Stücken dringen." Sie reden also von einem Gesetz Christi, als gehöre das Gesetz ebensowohl zu seinem Amte, als das Evangelium. Nach der heiligen Schrift ist Christus nicht gekommen, als ein zweiter Moses, der Welt Gesetze zu geben, sondern alle, die unter dem Fluch des Gesetzes sind, zu erlösen und frei zu machen. Joh. 1, 16-17. „Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mosen gegeben: die Gnade und Wahrheit ist durch Christum geworden." Hier macht St. Johannes einen bestimmten Gegensatz zwischen Moses und Christus, zwischen Gesetz und Evangelium; darum sind beide weit von einander zu scheiden und keineswegs zu vermengen. Mosis Amt ist nicht Christi Amt und Christi Amt ist nicht Mosis Amt, sonst wäre Moses eben so wohl ein Seligmacher, als Christus. Es ist nicht meine Absicht hier den Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium weitläuftig auseinander zu setzen; auch läugnen wir nicht, daß Christus