Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 6 › Seite 22

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-11-15, Seite 22

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Hölle 6 · Kirche · Luthers Schriften. — · Offenbarung. — 1 · Organiſtenamt 4

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Zeiten?“ (Er springt nehmlich von einer Sache schnell auf die andere, ohne eine gewisse thetische Ordnung fest zu halten.) Ich kann ihm keine bessere Antwort geben, als daß ich ihn auf die Vollkommenheit der göttlichen Offenbarung und ihren für alle künftigen Zeiten vollendeten Abschluß zurückverweise, was ich oben bereits dargethan habe. Was die Möglichkeit und Nothwendigkeit derselben betrifft, so möge, anstatt daß ich mich wiederhole, ein großer Philosoph und Arzt der neuern Zeit in seiner Sprache reden: „Worin besteht das Erlösungswerk auf Erden, und woran ist es zu erkennen? Daran, daß der Hirt sein Leben gibt für die Heerde, daß er durch seinen Tod ihr Leben- besiegelt (?), und zum Zeichen des überwundenen Todes sich siegreich aus den Banden desselben erhebt. Tod und Auferstehung: dies ist die Summe des irdischen Erlösungswerkes. Indem Gott seinen Sohn nicht verschont, der sich der Sünder erbarmt, zeigt er sich als den Heiligen; indem er ihnen den Sohn gibt, damit sie in ihm und durch ihn leben, zeigt er sich als den Gnädigen, als den durch vergebende Liebe wirkenden. Findet ihr Widersprüche, ja Ungereimtheiten in diesem Wirken? Aendert die Heiligkeit, ändert das Wesen Gottes und seine ewige Wahrheit! oder laßt euch gefallen, was er für euch gethan hat nach seiner unbegreiflichen Weisheit und Güte. Es sei so! Es sei wirklich nicht begreiflich zu machen, wie der Heilige den Heiligen ansehe um der Sünder willen! Wer hat in Gottes Rath gesessen? wer ist in die Tiefe der heiligen Nothwendigkeit seines Wesens gedrungen? Daß die Liebe das Lösegeld bezahlt hat, welches die Gerechtigkeit fordern mußte: es ist doch auch menschlicher Weise denkbar, warum nicht göttlicher? Geht von der Sünde aus: sie ist da! Geht von dem heiligen Gebote aus: es ist auch da! Wo ist nun Hülfe? Da sie nicht im heiligen Gotte ist, kann sie nur im liebenden sein. Demnach nochmals: Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Herr Münch stellt unsern HErrn und gnadenreichen Lebensfürsten als einen unvergeßlichen Lehrer des Menschengeschlechts, und, wie es recht ist, „das Muster seines Lebens als Vorbild zur Nachahmung“ dar: will er aber die Kräfte, um JEsu Fußtapfen nachzufolgen, aus sich selber schöpfen, so fürchte ich, er wird entweder als Lasterhafter vermöge der mißbrauchten Freiheit oder als Werkheiliger aus vermessener Einbildung Gott das Einzige entziehen, was von den Menschen nach geschehener Versöhnung und Genugthuung gefordert wird, das dankbare Herz und Leben. Unglaube und Undank verschließen uns alle geistliche Gabe, Hülfe und Beistand, und machen uns dem Satan ähnlich. Wie kann er aber den HErrn JEsum als Lehrer der Wahrheit und Musterbild eines frommen Lebens beschreiben, wenn er ihn der lügenhaften Anbequemung an jüdische Vorurtheile und irrige Begriffe in der Annahme böser und guter unsichtbarer Wesen oder Geister ıc. zeiht? (S. 15.) Sind die verführerischen Gedanken in des Allerheiligsten Seele selbst bei seiner Versuchung aufgestiegen, dann mußte eine Neigung zu denselben ihm angeboren sein; er war also nicht vollkommen rein und heilig, sondern sündhaft; folglich konnte er auch nicht an unserer Statt dem göttlichen Gesetz Genüge leisten. S. Ps. 49, 8. fg., Matth. 16, 26., Röm. 5, 18. fg., 2 Cor. 5, 21., Hebr. 7, 26. fg. Die Versuchung unsers HErrn ist das Gegenstück zu 1 Mos. 3. Daß unter der Schlange daselbst der Teufel verstanden werde, lehrt Christus selbst Joh. 8, 44. Vgl. Offenb. 12, 9. Gibts keinen Teufel, so ist entweder ein dualistischer Gott oder der Mensch selbst das Princip alles Bösen; im letztern Falle ist dem Menschen alle Möglichkeit der Rückkehr zu Gott und somit alles Heil auf ewig abgeschnitten. — O fluchwürdiger Rationalismus, der dem Christen den frommen, auf Kind und Kindeskind vererbten und mit den innigsten Ahnungen und Empfindungen eines höheren Waltens verwebten Glauben jener heiligen Heerschaaren rauben will, die gleich einer feurigen Mauer sich um den von gefährlichen Netzen umstellten Lebenspilger schließen! Werde du doch den guten, holdseligen Geistern an himmlischem Sinne und Reinigkeit gleich, so wirst du nicht mehr ihren ewigen Schöpfer einer heuchlerischen Hingabe an israelitischen Aberglauben bezüchtigen. Warum sie jetzt nicht mehr so häufig sichtbar erscheinen, davon ist derselbe Grund zu vermuthen, wie von der Seltenheit der Wundergaben; wir sollen der geschriebenen Offenbarung glauben und daran unserm Vorwitz die nöthigen Grenzen stecken; wäre noch apostolischer Heldenmuth und Zeugenkraft vorhanden, würden auch der Wunder wieder viele geschehen, die freilich zur ersten Ausbreitung und Bestätigung der christlichen Lehre um so förderlicher waren; es sind die wohlverdienten Gerichte über unsere Zeit, daß Gott so vieles nicht mehr geschehen läßt, was er vor diesen Tagen des Unglaubens und des Abfalls an den lieben Vätern und frommen Alten gethan hat. Man vergl. Luthers Kirchenpostille Ed. Walchs S. 599. § 25. (über das Evangelium am Himmelfahrtstage.)

Nur diejenige Accommodation ist zulässig für ein wahrheitliebendes, lauteres Gemüth, wenn der weise Lehrer dem unerfahrenen Schüler nicht mit der Thür in das Haus fällt, sondern mit väterlicher Sorgfalt ihn von Stufe zu Stufe leitet. Von jener andern (positiven) aber, welche der gewissenhafte Rationalismus, in Deutschland namentlich um der irdischen Versorgung willen auch durch das eigene Exempel, (nach des weimarischen General-Superintendenten Röhr naivem Sich verlauten lassen,) vertheidigt, schreibt schon Irenäus wider die Ketzer III, 5. also: „Es ist ein Gedicht, wenn jene Verführer vorgeben, die Apostel haben bei ihrem Vortrag geheuchelt, und sich nach der Fähigkeit der Zuhörer und bei ihren Antworten nach den Meinungen und Vorurtheilen der Fragenden gerichtet. Nein, Christus sowohl als die Apostel haben ohne Lüge, ohne Anstrich, ohne sich um die Meinungen der Menschen zu bekümmern, gelehrt. Es käme sonst heraus, als wenn man Blinden, die am Rande des Abgrunds stehen, vollends zu ihrem Verderben helfen wolle. Man vgl. damit Gal. 2, 11. fg.

Was von dem Himmel und der Hölle*) zu halten, die JEsus und seine Knechte lehren, davon gibt die bejammernswürdige Seelenverfassung ungläubiger Sünder, wenn sie auf dem Sterbebette liegen, und die heitere Aussicht der Christen, wenn ihnen sich die Pforten der Ewigkeit öffnen, genugsames Zeugniß. Den Stachel des Todes hat ihr Heiland, an den sie geglaubt, den sie geliebt und den sie nun schauen sollen, durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß gebrochen. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens die Freude (Ps. 30, 6.) Wir wünschen, daß der Verfasser die Wahrheit der göttlichen Offenbarung nicht zu spät erfahren möge.

*) Gesetzt, es wäre irdisches Feuer, was die Schrift von der Hölle meldet, obgleich sie darüber gar nichts bestimmt, so ist dies so wenig undenkbar, so gut es möglich ist, daß die Seele in dem viel gröberen Stoff des Leibes sich befindet.

Auf solchen thatsächlichen Beweis der Geschichte berufen wir uns nochmals zu guter Letzte beim Schluß unserer ganzen Abhandlung. Eine Religion von solchen zuverlässigen Gründen der Gewißheit, daß der Haß der ganzen übrigen Welt dagegen, wie bei dem Meister, so bei den Jüngern für nichts geachtet wird, eine Religion, die eine so erhabene Tugend in die Herzen der Gläubigen aller Zeiten gepflanzt, daß sie selbst Verfolgungssüchtige mit Staunen und unverhehlter Bewunderung erfüllte und die Kirche auf den Leichen von Märtyrern erbaute, eine Blutsaat von der fruchtbarsten Ernte, die sich im Zeitalter der Reformation herrlich und glänzend wiederholte, eine Religion, die das übermenschliche Ideal der aufopferndsten Liebe, Gottes-, Nächsten- (und Feindes-) Liebe, dieser Tochter des Himmels, nicht bloß im Gedicht, sondern in der That verwirklicht, deren die heutigen Aufklärer, wie es tagtäglich sich herausstellt, nimmer fähig sind, eine solche Religion, sie ist ewig und unvergänglich, die vollendetste, wie der, aus dessen Schoß und Herzen ihr Dasein geboren ward. Unsere Zeit ist nicht vorwärts geschritten, sondern rücklings abgegleitet von der Bahn, auf welcher auch die Thoren nicht irren mögen. (Jes. 35, 8.) „Ist ein Rath oder Werk aus den Menschen, wie der Abschaum aller Häresien, der Rationalismus, so wird es untergeben; ist es aber aus Gott, so könnet ihr es nicht dämpfen, auf daß ihr nicht erfunden werdet, als die wider Gott streiten wollen.“ (Apg. 5, 38. 39.)

Der Kirche Heiligkeit.

Laß dichs nicht anfechten, wenn die Rottengeister sagen: die Schriftgelehrten zu Wittenberg können nichts, denn predigen und das äußerliche Wort hoch heben; darum folget bei

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times long past?" (He jumps, namely, quickly from one matter to another, without holding to any fixed, orderly arrangement.) I can give him no better answer than to refer him back to the perfection of divine revelation and its conclusion, completed for all future ages, which I have already demonstrated above. As for the possibility and necessity of the same, instead of repeating myself, let a great philosopher and physician of recent times speak in his own words:

"In what does the work of redemption on earth consist, and by what is it to be recognized? By this: that the shepherd gives his life for the flock, that through his death he seals their life (?), and, as a sign of death overcome, rises victoriously from its bonds. Death and resurrection: this is the sum of the earthly work of redemption. In that God does not spare his Son, who has mercy on sinners, he shows himself as the Holy One; in that he gives them the Son, so that they may live in him and through him, he shows himself as the Gracious One, as the one who works through forgiving love. Do you find contradictions, indeed absurdities, in this working? Then change holiness, change the very nature of God and his eternal truth! Or else be content with what he has done for you according to his incomprehensible wisdom and goodness. So be it! Let it truly be incomprehensible how the Holy One regards the Holy One for the sake of sinners! Who has sat in God's council? Who has penetrated the depth of the holy necessity of his being? That love has paid the ransom which justice had to demand — this is, after all, conceivable even in a human way; why not in a divine way? Start from sin: it is there! Start from the holy commandment: it too is there! Where, then, is help to be found? Since it is not in the holy God, it can only be in the loving God. Therefore, once more: For God so loved the world that he gave his only-begotten Son, so that all who believe in him should not perish but have eternal life."

Mr. Münch presents our Lord and gracious Prince of Life as an unforgettable teacher of the human race, and, as is right, presents "the pattern of his life as a model for imitation." But if he seeks to draw the strength to follow in Jesus's footsteps from himself alone, then I fear that he will — whether as a vicious man by means of abused freedom, or as a work-righteous man out of presumptuous self-conceit — withhold from God the one thing that is required of men after reconciliation and satisfaction have taken place, namely, a thankful heart and life. Unbelief and ingratitude shut us off from every spiritual gift, help, and assistance, and make us like Satan. But how can he describe the Lord Jesus as a teacher of truth and a model of a godly life, when he accuses him of a lying accommodation to Jewish prejudices and erroneous notions in accepting evil and good invisible beings or spirits, etc.? (p. 15.) If seductive thoughts arose in the soul of the All-Holy One himself at the time of his temptation, then an inclination toward them must have been innate in him; he was, therefore, not perfectly pure and holy, but sinful, and consequently he could not have satisfied the divine law in our place either. See Psalm 49:8ff, Matthew 16:26, Romans 5:18ff, 2 Corinthians 5:21, Hebrews 7:26ff. The temptation of our Lord is the counterpart to Genesis 3. That the serpent there is to be understood as the devil is taught by Christ himself in John 8:44. Compare Revelation 12:9. If there is no devil, then either God is dualistic, or man himself is the principle of all evil; in the latter case, all possibility of man's return to God, and thus all salvation, is cut off from him forever. — O accursed rationalism, which seeks to rob the Christian of the pious faith — inherited from child to child's child, and interwoven with the most intimate intimations and feelings of a higher governance — in those holy hosts who close about the pilgrim of life, surrounded by dangerous snares, like a wall of fire! Only become like the good, gracious spirits in heavenly disposition and purity, and you will no longer accuse their eternal Creator of a hypocritical concession to Israelite superstition. Why they no longer appear so frequently visible, one may suppose, is due to the same reason as the rarity of the gifts of miracles; we are to believe the written revelation and to set the necessary bounds to our presumptuous curiosity by it. Were apostolic heroic courage and power of witness still present, many miracles would again take place, which indeed were all the more conducive to the first spread and confirmation of the Christian teaching; it is one of the well-deserved judgments upon our age that God no longer allows so much to happen as he did, in these days of unbelief and apostasy, for the dear fathers and pious men of old. Compare Luther's Church Postil, Walch edition, p. 599, §25 (on the Gospel for Ascension Day).

Only that kind of accommodation is admissible to a truth-loving, sincere mind, in which the wise teacher does not burst in upon the inexperienced pupil like one bursting through the door into the house, but with fatherly care leads him step by step. But of that other (positive) kind, which conscientious rationalism defends — in Germany, notably for the sake of worldly provision, even by its own example (according to the naive avowal of the Weimar General Superintendent Röhr) — Irenaeus already wrote, in Against Heresies III, 5, as follows: "It is a fabrication when those seducers pretend that the apostles dissembled in their preaching, and adapted themselves to the capacity of their hearers, and in their answers conformed to the opinions and prejudices of those who asked. No — Christ, as well as the apostles, taught without lying, without pretense, without concerning themselves about the opinions of men. Otherwise it would amount to helping the blind, who stand at the edge of the abyss, straight on to their ruin." Compare with this Galatians 2:11ff.

What one is to think of the heaven and the hell* that Jesus and his servants teach, of this the pitiable state of soul of unbelieving sinners as they lie on their deathbeds, and the serene prospect of Christians as the gates of eternity open before them, give sufficient testimony. The sting of death has been broken by their Savior, in whom they believed, whom they loved, and whom they shall now behold, through his death-struggle and bloody sweat. Weeping may endure for the evening, but joy comes in the morning (Psalm 30:6). We wish that the author might not come to experience the truth of divine revelation too late.

To such factual evidence of history we appeal once more, finally, at the close of our entire treatise. A religion resting on such reliable grounds of certainty that the hatred of the whole rest of the world against it — against the Master as against the disciples alike — is counted as nothing; a religion that has planted such a sublime virtue in the hearts of believers of every age that it filled even persecution-loving men with astonishment and undisguised admiration, and built the Church upon the corpses of martyrs — a sowing of blood of the most fruitful harvest, which repeated itself gloriously and brilliantly in the age of the Reformation; a religion that realizes, not merely in poetic fancy but in actual deed, the superhuman ideal of the most self-sacrificing love — love of God, of neighbor, and of enemy — this daughter of heaven, of which the enlighteners of today, as becomes plain day by day, are never capable; such a religion is eternal and imperishable, as perfect as he from whose bosom and heart its existence was born. Our age has not advanced forward, but has slid backward off the path on which even fools need not go astray. (Isaiah 35:8.) "If this counsel or work is of men — like rationalism, the scum of all heresies — it will come to nothing; but if it is of God, you will not be able to overthrow it, lest you be found even to fight against God." (Acts 5:38–39.)

The Holiness of the Church.

Let it not trouble you when the factious spirits say: the scholars at Wittenberg can do nothing but preach and exalt the outward Word; therefore neither faith, love, patience, nor other good fruits follow among

* Supposing that what Scripture reports of hell were earthly fire — though Scripture determines nothing definite about it — this is no more unthinkable than it is possible that the soul resides within the far coarser substance of the body.