# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 11 15_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Zeiten?“ (Er springt nehmlich von einer Sache schnell auf die andere, ohne eine gewisse thetische Ordnung fest zu halten.) Ich kann ihm keine bessere Antwort geben, als daß ich ihn auf die Vollkommenheit der göttlichen Offenbarung und ihren für alle künftigen Zeiten vollendeten Abschluß zurückverweise, was ich oben bereits dargethan habe. Was die Möglichkeit und Nothwendigkeit derselben betrifft, so möge, anstatt daß ich mich wiederhole, ein großer Philosoph und Arzt der neuern Zeit in seiner Sprache reden: „Worin besteht das Erlösungswerk auf Erden, und woran ist es zu erkennen? Daran, daß der Hirt sein Leben gibt für die Heerde, daß er durch seinen Tod ihr Leben- besiegelt (?), und zum Zeichen des überwundenen Todes sich siegreich aus den Banden desselben erhebt. Tod und Auferstehung: dies ist die Summe des irdischen Erlösungswerkes. Indem Gott seinen Sohn nicht verschont, der sich der Sünder erbarmt, zeigt er sich als den Heiligen; indem er ihnen den Sohn gibt, damit sie in ihm und durch ihn leben, zeigt er sich als den Gnädigen, als den durch vergebende Liebe wirkenden. Findet ihr Widersprüche, ja Ungereimtheiten in diesem Wirken? Aendert die Heiligkeit, ändert das Wesen Gottes und seine ewige Wahrheit! oder laßt euch gefallen, was er für euch gethan hat nach seiner unbegreiflichen Weisheit und Güte. Es sei so! Es sei wirklich nicht begreiflich zu machen, wie der Heilige den Heiligen ansehe um der Sünder willen! Wer hat in Gottes Rath gesessen? wer ist in die Tiefe der heiligen Nothwendigkeit seines Wesens gedrungen? Daß die Liebe das Lösegeld bezahlt hat, welches die Gerechtigkeit fordern mußte: es ist doch auch menschlicher Weise denkbar, warum nicht göttlicher? Geht von der Sünde aus: sie ist da! Geht von dem heiligen Gebote aus: es ist auch da! Wo ist nun Hülfe? Da sie nicht im heiligen Gotte ist, kann sie nur im liebenden sein. Demnach nochmals: Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Herr Münch stellt unsern HErrn und gnadenreichen Lebensfürsten als einen unvergeßlichen Lehrer des Menschengeschlechts, und, wie es recht ist, „das Muster seines Lebens als Vorbild zur Nachahmung“ dar: will er aber die Kräfte, um JEsu Fußtapfen nachzufolgen, aus sich selber schöpfen, so fürchte ich, er wird entweder als Lasterhafter vermöge der mißbrauchten Freiheit oder als Werkheiliger aus vermessener Einbildung Gott das Einzige entziehen, was von den Menschen nach geschehener Versöhnung und Genugthuung gefordert wird, das dankbare Herz und Leben. Unglaube und Undank verschließen uns alle geistliche Gabe, Hülfe und Beistand, und machen uns dem Satan ähnlich. Wie kann er aber den HErrn JEsum als Lehrer der Wahrheit und Musterbild eines frommen Lebens beschreiben, wenn er ihn der lügenhaften Anbequemung an jüdische Vorurtheile und irrige Begriffe in der Annahme böser und guter unsichtbarer Wesen oder Geister ıc. zeiht? (S. 15.) Sind die verführerischen Gedanken in des Allerheiligsten Seele selbst bei seiner Versuchung aufgestiegen, dann mußte eine Neigung zu denselben ihm angeboren sein; er war also nicht vollkommen rein und heilig, sondern sündhaft; folglich konnte er auch nicht an unserer Statt dem göttlichen Gesetz Genüge leisten. S. Ps. 49, 8. fg., Matth. 16, 26., Röm. 5, 18. fg., 2 Cor. 5, 21., Hebr. 7, 26. fg. Die Versuchung unsers HErrn ist das Gegenstück zu 1 Mos. 3. Daß unter der Schlange daselbst der Teufel verstanden werde, lehrt Christus selbst Joh. 8, 44. Vgl. Offenb. 12, 9. Gibts keinen Teufel, so ist entweder ein dualistischer Gott oder der Mensch selbst das Princip alles Bösen; im letztern Falle ist dem Menschen alle Möglichkeit der Rückkehr zu Gott und somit alles Heil auf ewig abgeschnitten. — O fluchwürdiger Rationalismus, der dem Christen den frommen, auf Kind und Kindeskind vererbten und mit den innigsten Ahnungen und Empfindungen eines höheren Waltens verwebten Glauben jener heiligen Heerschaaren rauben will, die gleich einer feurigen Mauer sich um den von gefährlichen Netzen umstellten Lebenspilger schließen! Werde du doch den guten, holdseligen Geistern an himmlischem Sinne und Reinigkeit gleich, so wirst du nicht mehr ihren ewigen Schöpfer einer heuchlerischen Hingabe an israelitischen Aberglauben bezüchtigen. Warum sie jetzt nicht mehr so häufig sichtbar erscheinen, davon ist derselbe Grund zu vermuthen, wie von der Seltenheit der Wundergaben; wir sollen der geschriebenen Offenbarung glauben und daran unserm Vorwitz die nöthigen Grenzen stecken; wäre noch apostolischer Heldenmuth und Zeugenkraft vorhanden, würden auch der Wunder wieder viele geschehen, die freilich zur ersten Ausbreitung und Bestätigung der christlichen Lehre um so förderlicher waren; es sind die wohlverdienten Gerichte über unsere Zeit, daß Gott so vieles nicht mehr geschehen läßt, was er vor diesen Tagen des Unglaubens und des Abfalls an den lieben Vätern und frommen Alten gethan hat. Man vergl. Luthers Kirchenpostille Ed. Walchs S. 599. § 25. (über das Evangelium am Himmelfahrtstage.) Nur diejenige Accommodation ist zulässig für ein wahrheitliebendes, lauteres Gemüth, wenn der weise Lehrer dem unerfahrenen Schüler nicht mit der Thür in das Haus fällt, sondern mit väterlicher Sorgfalt ihn von Stufe zu Stufe leitet. Von jener andern (positiven) aber, welche der gewissenhafte Rationalismus, in Deutschland namentlich um der irdischen Versorgung willen auch durch das eigene Exempel, (nach des weimarischen General-Superintendenten Röhr naivem Sich verlauten lassen,) vertheidigt, schreibt schon Irenäus wider die Ketzer III, 5. also: „Es ist ein Gedicht, wenn jene Verführer vorgeben, die Apostel haben bei ihrem Vortrag geheuchelt, und sich nach der Fähigkeit der Zuhörer und bei ihren Antworten nach den Meinungen und Vorurtheilen der Fragenden gerichtet. Nein, Christus sowohl als die Apostel haben ohne Lüge, ohne Anstrich, ohne sich um die Meinungen der Menschen zu bekümmern, gelehrt. Es käme sonst heraus, als wenn man Blinden, die am Rande des Abgrunds stehen, vollends zu ihrem Verderben helfen wolle. Man vgl. damit Gal. 2, 11. fg. Was von dem Himmel und der Hölle*) zu halten, die JEsus und seine Knechte lehren, davon gibt die bejammernswürdige Seelenverfassung ungläubiger Sünder, wenn sie auf dem Sterbebette liegen, und die heitere Aussicht der Christen, wenn ihnen sich die Pforten der Ewigkeit öffnen, genugsames Zeugniß. Den Stachel des Todes hat ihr Heiland, an den sie geglaubt, den sie geliebt und den sie nun schauen sollen, durch seinen Todeskampf und blutigen Schweiß gebrochen. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens die Freude (Ps. 30, 6.) Wir wünschen, daß der Verfasser die Wahrheit der göttlichen Offenbarung nicht zu spät erfahren möge. *) Gesetzt, es wäre irdisches Feuer, was die Schrift von der Hölle meldet, obgleich sie darüber gar nichts bestimmt, so ist dies so wenig undenkbar, so gut es möglich ist, daß die Seele in dem viel gröberen Stoff des Leibes sich befindet. Auf solchen thatsächlichen Beweis der Geschichte berufen wir uns nochmals zu guter Letzte beim Schluß unserer ganzen Abhandlung. Eine Religion von solchen zuverlässigen Gründen der Gewißheit, daß der Haß der ganzen übrigen Welt dagegen, wie bei dem Meister, so bei den Jüngern für nichts geachtet wird, eine Religion, die eine so erhabene Tugend in die Herzen der Gläubigen aller Zeiten gepflanzt, daß sie selbst Verfolgungssüchtige mit Staunen und unverhehlter Bewunderung erfüllte und die Kirche auf den Leichen von Märtyrern erbaute, eine Blutsaat von der fruchtbarsten Ernte, die sich im Zeitalter der Reformation herrlich und glänzend wiederholte, eine Religion, die das übermenschliche Ideal der aufopferndsten Liebe, Gottes-, Nächsten- (und Feindes-) Liebe, dieser Tochter des Himmels, nicht bloß im Gedicht, sondern in der That verwirklicht, deren die heutigen Aufklärer, wie es tagtäglich sich herausstellt, nimmer fähig sind, eine solche Religion, sie ist ewig und unvergänglich, die vollendetste, wie der, aus dessen Schoß und Herzen ihr Dasein geboren ward. Unsere Zeit ist nicht vorwärts geschritten, sondern rücklings abgegleitet von der Bahn, auf welcher auch die Thoren nicht irren mögen. (Jes. 35, 8.) „Ist ein Rath oder Werk aus den Menschen, wie der Abschaum aller Häresien, der Rationalismus, so wird es untergeben; ist es aber aus Gott, so könnet ihr es nicht dämpfen, auf daß ihr nicht erfunden werdet, als die wider Gott streiten wollen.“ (Apg. 5, 38. 39.) Der Kirche Heiligkeit. Laß dichs nicht anfechten, wenn die Rottengeister sagen: die Schriftgelehrten zu Wittenberg können nichts, denn predigen und das äußerliche Wort hoch heben; darum folget bei