Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 5 › Seite 19
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-11-01, Seite 19
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 5 · Bekenntnisſchriften 11 · Gott 2 · Juden. 6²2³3 · Luther · Ratioualismus
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groß darnach fragt, was das neue Glied glaubt; wiederum aber nehmen hier die Gemeinden auch Prediger an, wenn sie nur höchstens einen christlichen Schein, ein gutes Mundwerk und eine gute Stimme haben, nach ihrem Glauben aber fragen sie nicht. Wie weit ist es doch gekommen! und wohin wird es noch führen?
Große Freude hat es uns daher gemacht, in der lutherischen Kirchen-Zeitung aus Pittsburg von dem Herausgeber derselben, dem lieben Herrn P. Schmidt, eine Bekanntmachung davon zu lesen, wie es in den erwähnten Puncten in seinen Gemeinden gehalten werde. Wir können nicht umhin, diese Anzeige hier zur Aufmunterung für andere Gemeinden wieder einzurücken. Hr. P. Schmidt schreibt nehmlich Folgendes:
„Eine wichtige Frage für jede Ev.-Lutherische Gemeinde in den Vereinigten Staaten, welcher die reine, unverfälschte Kirchenlehre noch lieb und werth, und theuer ist, ist die: wie kann unsere Gemeinde vor dem Eindringen falscher, irrgläubiger Lehrer gesichert werden, da unsere Synoden uns hierin nicht Schutz geben durch die Verpflichtung ihrer Prediger auf die Glaubensbekenntnisse unserer Kirche?
Die Gemeinden in Pittsburg, Alleghany und Boston haben diese Frage auf einfache Weise gelöst; in jeder dieser Gemeinden müssen Prediger und Gemeindeglieder bei ihrer Aufnahme eine Erklärung unterschreiben; die Erklärung der Bostoner Gemeinde lautet wie folgt:
„„Wir, die Endesunterschriebenen, Glieder der deutschen Ev. Lutherischen Gemeinde in Boston, bekennen hiermit vor Gott und unserem Gewissen, daß wir die Schriften des Alten und Neuen Testamentes als das geoffenbarte Wort Gottes betrachten. Wir wollen darauf sehen, daß dasselbe in unserer Gemeinde immer rein auf Grund der Apostel und Propheten und nach Anleitung der ungeänderten Augsburgischen Confession und der übrigen symbolischen Bücher unserer Kirche, als da sind: die Apologie der Augsburgischen Confession, die Schmalkaldischen Artikel, die zwei Katechismen Lutheri und die Concordienformel, geprediget wird; wir wollen selbst bei diesem Glauben unserer Väter verharren bis an unser Ende, das walte Gott! Amen.““
Diese Erklärung muß nicht nur jedes, zur Communion berechtigte Glied, Mann, Weib, Sohn, Tochter, Knecht oder Magd, sondern auch der Prediger bei seinem Amtsantritt unterschreiben. Der Prediger erhält dadurch freie Zuversicht, ohne Rückhalt die volle Kirchenlehre zu predigen und mit der Schärfe des Wortes gegen Sectirer zu zeugen; die Gemeindeglieder erhalten eine Garantie gegen das Eindringen einer falschen Predigt.“
(Eingesandt von Pastor O. Fürbringer.)
Der Rationalismus und die Bibel.
(Fortsetzung.)
Nachdem wir denn auf solche Weise unserm Versprechen, soweit es in unsern Kräften stand, nachgekommen sind, und die gute Sache der christlichen Lehre, sowie den Ungrund des Rationalismus in kurzen Zügen gezeigt haben: so bleibt uns nur noch übrig, auf etliches Einzelne in Herrn Münchs Schrift, das vielleicht dem Unerfahrenen die meiste Schwierigkeit darböte, Rücksicht zu nehmen. Das Andere alles wird einem gläubigen Bibelleser nun von selbst sich heben. — (S. 7 fg.) Moses, dessen vorgegebener Umgang mit Gott kein Betrug sein konnte, wie der eines Pythagoras oder des alten römischen Königs Numa, theils wegen der Größe und Erhabenheit seiner Lehre und des harten Joches seiner Gesetze, theils weil wir nirgends auch nur die kleinste Spur hiervon, wie bei jenen Männern, finden, dieser Moses steht so wenig im Widerspruch mit seinem Meister JEsu Christo, daß vielmehr die schönste Harmonie und Einklang zwischen beiden zu finden ist. Abgesehen, daß alle die weitläufigen Anordnungen betreffend den Gottesdienst und das bürgerliche Leben, welche Moses auf Befehl Gottes den Israeliten gab, (— theocratia nach dem Ausdruck des jüdischen Geschichtsschreibers Josephus —) bald einen tiefern geistlichen Sinn und Bedeutung für die messianischen Zeiten (vgl. die Ep. an die Hebr.), bald die Anwendung des Naturgesetzes auf Zeit und Ort enthielten, so ist die Predigt des HErrn JEsu vom galiläischen Berge im 5—7. Cap. St. Matthäi die deutlichste Auslegung von dem Sinn der mosaischen Lehre. Vgl. Joh. 5, 46. Apostelg. 7, 35 fgg. Hebr. 11, 24 fgg. Gal. 3, 10—14. Marc. 12, 24 fg., 28 fg. mit Mos. V, 6, 5. 33, 3. III, 19, 8. (Röm. 12, 20. mit Sprüchw. 25, 21 fg. — Sam. I, 16, 7.) Und warum sollen wir Mosi nicht glauben, daß Gott zum öfteren menschlich erschien? Warum sollte Gott nicht als Mensch den Menschen erscheinen können, da er in der Fülle der Zeit als Mensch für sie blutete, litt und starb? Jakob's Zweikampf mit ihm wird als Thatsache bestätigt Hos., 12, 4fg. Was ferner die menschlichen Redensarten von Gott betrifft, so hüte man sich ja, seine Augen so klar zu machen, daß sie zuletzt vor lauter Klarheit gar nichts mehr sehen; Gott will nicht in scharfen metaphysischen Abstractionen, durch welche er ohne Vergleichung gedacht und damit alles unvollkommene Bild von ihm abgesondert wird, sondern in menschlich-concreten, für das Leben fruchtbaren Vorstellungen aufgefaßt sein. Zu dem kommt, daß die ältesten Sprachen, wie sie überhaupt mehr und kühnere Bilder haben, auch in jenen Redensarten noch weiter, als die heutigen abendländischen gehen, wiewohl auch diese letzteren ihrer gar nicht entbehren können. Ach, wie entstellt wird von den Feinden der Gott des Volkes Israel, wie verdreht und gedeutelt seine Worte und Wege, mißverstanden sein heil. Gesetz, wie verhöhnt die Gerichte seiner Hand! Den Verkehrten ist er verkehrt (Ps. 18, 27.); er wandelt ihnen entgegen und gibt sie dahin in einen verblendeten Sinn, daß sie nicht sehen können das helle Licht seines göttlichen Worts. Wie Viele ihn aufnehmen, denen gibt er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; die aber nicht erkennen die Zeit, darinnen sie heimgesucht werden, und bedenken, was zu ihrem Frieden dienet, dieselben werden gleich jenem unglücklichen Volke ausgestoßen werden aus seinem Reich. Israels Predigerberuf für die abgöttische übrige Welt gereichte ihm zum Falle und den Heiden zum Licht (Jes. 60.)*) Den Reinen dient auch Alles, was sie in dem Worte Gottes lesen, zu immer höherer Reinigung; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist beides, ihr Sinn und Gewissen. (Tit. 1, 15.) Ein Zeugniß für die höchste Lauterkeit der heiligen Schriftsteller ist es, was zum Strick und Fall denen, die den Irrthum lieben, und ein Stein des Anstoßes ist, daß jene nicht nur die Schwachheiten, sondern die tiefsten Sündenfälle heiliger Personen, ja ihre eigenen, zu warnenden Beispielen aufstellen und das Unedle und Menschliche mit ihrer göttlichen Schreibart als Griffel des heiligen Geistes verknüpfen. — Wir gehen über zum N. T. (S. 9 fg.)
Wenn unser Erlöser „keinen todten Buchstaben, sondern nur den lebendigen Geist seiner Lehre“ (nicht den heiligen Geist) der Menschheit nach ihm hätte hinterlassen wollen: so würden wir wahrscheinlich nichts anderes behalten haben auf die Nachkommen fortzupflanzen, als was die gerühmten neueren Verbesserer des Christenthums uns geben, das herrliche Extract des Rationalismus, „das seine unzer-
*) Nichts beweist die Wahrheit und Göttlichkeit der heiligen Schrift fast stärker, als der merkwürdige Gang dieses Volkes in der Weltgeschichte. Ein Volk, merkwürdig durch seinen Ursprung — denn alle andern Völker sammeln sich aus unendlich vielen Familien, dieses aber stammt von einer einzigen her; merkwürdig durch das Alter seiner Schriften — denn die 5 Bücher Mosis finden unter allen noch vorhandenen Ueberbleibseln des Alterthums keines, das über ihre Zeit hinaus ginge; (dasjenige, welches von einigen Gegnern des Christenthums für älter ausgegeben wird, des Phöniziers Sanchuniathan Geschichtsbuch, trägt in sich selbst die Kennzeichen eines späteren Entstehens, weil es in der Beschreibung der Schöpfung vielfach den Fußtapfen Mosis nachgehend sie in dunkele Gedichte verhüllt ꝛc., weshalb seine Nachrichten den Christen zum großen Vortheile gedient haben; ja es ist noch nicht einmal erwiesen, wie Joh. Alb. Fabricius meldet, ob sein Uebersetzer zu Kaiser Hadrians Zeiten nicht auch der Urheber des ganzen Werkes sei;) merkwürdig durch seine ihm gegebenen Weissagungen und Verheißungen eines Messias, dessen Verkündiger sie für die andern Völker sein sollten; merkwürdig durch seine Absonderung von diesen allen in Betreff des Gottesdienstes und der Sitten; merkwürdig durch den Wechsel seiner Schicksale, der alle mal mit ihrer Treue oder Untreue gegen die Gesetze Mosis zusammenhing; merkwürdig durch seinen Glanz unter König David und Salomo; merkwürdig durch seine Dauer, die bis jetzt ununterbrochen fortwährt, während daß viele spätere Völker längst spurlos verschwunden sind, und die mächtigsten Könige der Erde seinen Untergang beabsichtigt hatten; merkwürdig durch die Erfüllung der Weissagung Christi, Luc. 21, 21., deren Wahrheit der heutige Tag noch verbürgt; merkwürdig durch seine Verwickelung mit der Geschichte der größten Reiche und angesehensten Nationen und seinen Einfluß auf die Heidenwelt, sowie durch sein Musterbild für die Erziehung des ganzen Menschengeschlechts: — ein solches Volk macht mit Recht die gegründetsten Ansprüche auf die universale Bestimmung, der Träger einer göttlichen Offenbarung zu sein, und es ist daher der Mühe werth, dasselbe genauer zu betrachten.
English translation AI translation
…much caring to ask what the new member believes; and likewise, congregations here also accept preachers so long as they have at most some certificate of scholarship, a good gift of gab, and a good voice, but they do not ask about their faith. How far things have come indeed! And where will it yet lead?
It has therefore given us great joy to read, in the Lutheran Kirchen-Zeitung from Pittsburgh, an announcement by its editor, the dear Rev. P. Schmidt, telling how matters stand on the points mentioned above in his congregations. We cannot refrain from reprinting this notice here, for the encouragement of other congregations. Rev. P. Schmidt writes as follows:
"An important question for every Evangelical Lutheran congregation in the United States to which the pure, unadulterated doctrine of the church is still dear, precious, and valuable, is this: how can our congregation be secured against the intrusion of false, erring teachers, since our synods give us no protection in this regard through binding their preachers to the confessions of our church?
The congregations in Pittsburgh, Allegheny, and Boston have solved this question in a simple way: in each of these congregations, preachers and members must sign a declaration upon their admission; the declaration of the Boston congregation reads as follows:
"'We, the undersigned, members of the German Evangelical Lutheran congregation in Boston, hereby confess before God and our conscience that we regard the Scriptures of the Old and New Testaments as the revealed Word of God. We will see to it that the same is always preached purely in our congregation on the foundation of the apostles and prophets and according to the guidance of the unaltered Augsburg Confession and the other symbolical books of our church, namely: the Apology of the Augsburg Confession, the Smalcald Articles, the two catechisms of Luther, and the Formula of Concord; we ourselves will persevere in this faith of our fathers until our end — God grant it! Amen.'
This declaration must be signed not only by every member entitled to communion — man, wife, son, daughter, manservant, or maidservant — but also by the preacher upon entering his office. The preacher thereby receives the free confidence to preach the full doctrine of the church without reservation and to testify against sectarians with the sharpness of the Word; the members of the congregation receive a guarantee against the intrusion of false preaching."
(Submitted by Pastor O. Fürbringer.)
Rationalism and the Bible.
(Continued.)
Now that we have in this way kept our promise, so far as lay within our power,
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have shown in brief outline the good cause of Christian doctrine as well as the groundlessness of rationalism, it only remains for us to give some attention to certain particulars in Mr. Münch's writing which might perhaps present the greatest difficulty to the inexperienced reader. Everything else will resolve itself for a believing reader of the Bible. — (see p. [Pfg.]) Moses — whose alleged converse with God could not have been a deception, as was the case with Pythagoras or the ancient Roman king Numa, partly because of the greatness and sublimity of his teaching and the hard yoke of his laws, and partly because we find nowhere even the slightest trace of such invented converse, as we do with those men — this Moses stands so little in contradiction with his Master, Jesus Christ, that on the contrary the most beautiful harmony and accord is to be found between the two. Apart from the fact that all the extensive ordinances concerning worship and civil life which Moses, at God's command, gave to the Israelites — a theocracy, in the expression of the Jewish historian Josephus — contained now a deeper spiritual sense and meaning for the messianic age (compare the Epistle to the Hebrews), now the application of natural law to time and place, the sermon of the Lord Jesus on the mountain in Galilee, in chapters 5–7 of St. Matthew, is the clearest exposition of the meaning of the Mosaic teaching. Compare John 5:46; Acts 7:35ff.; Hebrews 11:24ff.; Galatians 3:10–14; Mark 12:24f., 28f. with Deuteronomy 6:5; 33:3; Leviticus 19:8 (Romans 12:20 with Proverbs 25:21f. — 1 Samuel 16:7). And why should we not believe Moses that God frequently appeared in human form? Why should God not be able to appear to men as a man, since in the fullness of time he bled, suffered, and died for them as a man? Jacob's wrestling match with him is confirmed as fact in Hosea 12:4f. As for the human manner of speaking about God, one must be careful not to make one's eyes so clear that in the end, from sheer clarity, they see nothing at all; God does not wish to be grasped in sharp metaphysical abstractions, by which he is thought without any likeness and thereby stripped of every imperfect image of himself, but rather in humanly concrete conceptions that are fruitful for life. To this must be added that the oldest languages, having in general more and bolder images, go even further than the languages of the modern West in such figures of speech, although the latter, too, cannot do without them entirely. Ah, how the enemies distort the God of the people of Israel, how they twist and misconstrue his words and ways, misunderstand his holy law, how they mock the judgments of his hand! To the perverse he shows himself perverse (Psalm 18:27); he walks contrary to them and gives them over to a blinded mind, so that they cannot see the bright light of his divine Word. As many as receive him, to them he gives power to become children of God, even to those who believe in his name; but those who do not recognize the time of their visitation, and do not consider what serves their peace, will, like that unhappy people, be cast out of his kingdom. Israel's calling as preacher to the idolatrous rest of the world became its own downfall, and a light to the Gentiles (Isaiah 60).*) To the pure, everything they read in the Word of God likewise serves for ever higher purification; but to the impure and unbelieving nothing is pure, for both their mind and conscience are unclean (Titus 1:15). It is a testimony to the utmost integrity of the sacred writers that what becomes a snare and a stumbling block to those who love error is this: that they set forth not only the weaknesses but the deepest sinful falls of holy persons — even their own — as warning examples, and join what is base and human, in their divinely inspired style, to the pen of the Holy Spirit. — We now turn to the New Testament. (see p. 9f.)
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*) Nothing proves the truth and divinity of Holy Scripture almost more strongly than the remarkable course of this people through world history. A people remarkable for its origin — for all other peoples gather themselves out of countless families, but this one descends from a single one; remarkable for the age of its writings — for among all the remaining relics of antiquity, none is found older than the five books of Moses (that work put forward by some enemies of Christianity as older, the history-book of the Phoenician Sanchuniathon, bears in itself the marks of a later origin, since in its description of creation it repeatedly follows in the footsteps of Moses, veiling them in obscure poetic accounts, etc., for which reason its reports have actually served Christians to great advantage; indeed, it is not even established, as Johann Albert Fabricius reports, whether its translator in the time of Emperor Hadrian was not also the author of the whole work); remarkable for the prophecies and promises of a Messiah given to it, whose heralds they were to be for the other nations; remarkable for its separation from all these others in matters of worship and custom; remarkable for the changes in its fortunes, which always corresponded to its faithfulness or unfaithfulness toward the laws of Moses; remarkable for its splendor under King David and Solomon; remarkable for its endurance, which continues uninterrupted to this very day, while many later peoples have long since vanished without a trace, and the mightiest kings of the earth had intended its destruction; remarkable for the fulfillment of Christ's prophecy, Luke 21:21, whose truth the present day still bears out; remarkable for its entanglement with the history of the greatest empires and most eminent nations and its influence upon the heathen world, as well as for its being a model for the education of the whole human race: — such a people rightly makes the most well-founded claims to the universal calling of being the bearer of a divine revelation, and it is therefore worth the trouble to consider it more closely.