Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 5 › Seite 18
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-11-01, Seite 18
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 4 · Reformation · Geſang · Gemeindegeſang 3
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Anerbieten eben wie des Teufels gegen Christum, da er ihm alle Reiche der Welt zeigte und sagte: Siehe, das Alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Meinet ihr denn, daß ich die Reichthümer dieser vergänglichen Welt größer achte, als Gottes ewigwährendes Wort und Reich? Lieber wollte ich und meine Catharina mit dem Stecken in der Hand ledig davon gehen, als Gott und sein Wort verleugnen.“ Die Räthe, die hieraus nun wohl abnahmen, daß hier nichts auszurichten sei, unterließen nun alles weitere Eindringen in den glaubenstreuen, redlichen Herzog, und traten unverzüglich ihre Rückreise nach Dresden an.
Unterdessen hatte sich die Krankheit Georgs bedeutend verschlimmert und, von seiner Todesnoth übereilt, hatte er, ohne an die völlige Ausfertigung seines Testamentes zu denken, nur nach seinem Beichtvater, dem Pater Eisenberg, geschickt. Dieser bemühte sich nun bestens, den sterbenden Herzog auf sein eignes Verdienst und die Heiligen zu weisen, besonders befahl er ihm die Anrufung seines Schutzheiligen, St. Jacobi, ernstlich an. Als man nun aber wohl sah, wie dieser Trost den Beängstigten nicht beruhigen wollte, so faßte sich Dr. Rothe, sein Leibarzt, der evangelisch gesinnt war, ein Herz, schlang die Arme um den in den letzten Zügen Liegenden und schrie ihm zu: „Gnädiger Herr! ihr habt ein Sprüchwort: Gerade zu, gibt die besten Renner! darum so achtet nicht, was man euch von verstorbenen Heiligen und andern Fürbittern sagt, sondern richtet euer Herz gerade zu auf den gekreuzigten JEsum, welcher für unsere Sünden gestorben und unser einiger Fürbitter und Seligmacher ist: so seid ihr eurer Seligkeit gewiß.“ Mit lallender Zunge antwortete hierauf der mit dem Tode ringende Herzog: „Ei, so hilf mir, du treuer Heiland JEsu Christe, erbarme dich über mich, und mache mich selig durch dein bitter Leiden und Sterben. Amen.“ Noch einmal wollte er sprechen, aber seine Stunde war gekommen, er verschied, — und so blieb denn das Testament ununterschrieben.
Als daher noch an diesem Tage spät Abends sein Bruder Heinrich, der bereit gewesen war, um Gottes Worts willen das Herzogthum des Verstorbenen auszuschlagen, in Dresden ankam, so wurde er hier sogleich von dem Volke mit Frohlocken empfangen und als der neue Landesherr begrüßt. Die Priester und Mönche waren sehr bestürzt und betrübt über die unerwartete Wendung, die die Verhältnisse in diesem Theile Sachsens hiermit genommen hatten. Die Vornehmsten bei Hof, Georgs vormalige Schmeichler, die sich bei dessen Lebzeiten hoch verschworen hatten, eher alles verlieren und sich lieber ins Elend jagen lassen zu wollen, ehe sie die alte Religion verlassen wollten, bezeugten nun ebenfalls eine große Freude über ihren neuen Herrn und waren bei der Ankunft desselben so geschäftig, daß seine eigenen Bedienten nicht mehr zum Wagen kommen, noch beim Aussteigen ihm helfen konnten.
So hatte denn Gott Herzog Heinrich, der sich im Kleinen treu bewiesen hatte, nach Matth. 25, 21. schon hier bald über viel gesetzt und ihm die im Vergleich mit den seinigen mehr als zehnmal größeren Lande seines Bruders durch eine merkwürdige Fügung der Umstände zugetheilt. Der Erfolg war herrlich. Heinrich verfuhr zwar gütig und gelind gegen Professoren, Pfaffen und Mönche, und versorgte und trug sie so lange bei ihren alten Irrthümern, bis sie selbst die Wahrheit erkannten oder auswanderten, doch ließ er sogleich auf Luthers Rath eine Kirchenvisitation im Lande halten und alle abgöttischen Gebräuche, insonderheit die Messe und die Communion unter Einer Gestalt, abschaffen, und borgte sich von vielen Orten her einstweilen eifrige und begabte Prediger der Augsb. Confession, welche allenthalben im Lande dem Volke das reine Evangelium predigen mußten. So kam es denn dahin, daß, nachdem am Osterfeste des Jahres 1539 alles im sogenannten Meißnerlande noch papistisch gewesen war, am Pfingstfeste desselben Jahres schon in allen Kirchen des Landes evangelische Predigt und Gottesdienst gehalten wurde. In Leipzig insonderheit, wo der verstorbene Georg entsetzlich wider die Lutheraner gewüthet hatte, (er hatte hier u. A. den Buchhändler Herrgott 1521 sogleich auf öffentlichem Markte enthaupten lassen, weil er die Schriften Luthers verkauft hatte,) da nahm fast die ganze Bürgerschaft das Evangelium mit Frohlocken an, ja als Luther am zweiten Pfingstfeiertage in der Stadtkirche predigte, sind die Zuhörer auf ihre Knie niedergefallen und haben Gott mit vielen Thränen für die erlangte Wohlthat der reinen evangelischen Predigt gedankt. Damit war denn erfüllt, was Luther schon viele Jahre vorher mit den Worten verkündigt hatte: „Ich sehe, daß Herzog Georg nicht aufhört, das Wort Gottes und die Prediger desselben sowohl, als die armen Lutheraner zu verfolgen, ja daß er noch alle Tage heftiger und tobender wird; ich werde es aber gewiß noch erleben und sehen, wie sein ganzer Name und Stamm von Gott vertilgt werden, und ich werde noch selbst zu Leipzig predigen.“
Luther, ein ungelehrter Mönch.
Als die Mönche zu Löwen im Anfang der Reformation gegen Margaretha, Königin von Belgien, heftig klagten, daß durch die Schriften Luthers die ganze Christenheit mit Untergang bedroht werde, fragte die Königin die Mönche: Was für ein Mann ist denn der Luther? Sie antworteten: O, es ist ein ungelehrter, einfältiger Mönch. Nun denn, erwiederte die scharfsichtige Königin, so hats ja keine Noth: so schreibet nur ihr vielen Gelehrten gegen den einen Ungelehrten, so wird doch ohne Zweifel die Welt auch vielen Gelehrten mehr glauben, als Einem Ungelehrten!
Luthers zwei schwere Sünden.
Als durch Luthers Auftreten allenthalben ein großer Lärm entstand und über denselben besonders von Rom aus die zornigsten Verdammungsurtheile ergingen, ließ Churfürst Friedrich der Weise den berühmten Gelehrten Erasmus von Köln zu sich kommen und fragte ihn, worin denn eigentlich der Haß seinen Grund habe, den man am römischen Hofe auf Luther geworfen habe. Hierauf gab Erasmus folgenden Aufschluß: Dies komme daher, weil Luther zwei Sünden begangen habe, die man ihm nicht vergeben könne, durch seine Disputationen habe er den Mönchen an die Bäuche und dem Pabste an die Krone gegriffen; was er lehre, sei zwar wahr und gewiß, er wünsche nur, daß er in seiner Schreibart gegen die Widersacher etwas glimpflichere Ausdrücke gebrauchen möchte.
Reformation durch das Volk.
Unter der Regierung Churfürst Friedrich des Andern (starb 1556) ward in der Pfalz das Verlangen nach Reformation unter dem Volk so groß, daß die geistlichen und weltlichen Obern nicht mehr widerstehen konnten. Als einstmals in der Heiligen-Geist-Kirche in Heidelberg wieder Messe gelesen werden sollte, fing das versammelte Volk, so bald der Priester am Altare begonnen hatte, mit lauter Stimme an, das lutherische Rechtfertigungslied zu singen:
Es ist das Heil uns kommen her
Von Gnad und lauter Güte,
Die Werk' die helfen nimmermehr,
Sie mögen nicht behüten.
Der Glaub sieht JEsum Christum an,
Der hat gnug für uns all gethan,
Er ist der Mittler worden.
ꝛc. ꝛc.
Dies wurde das Signal zur Einführung des evangelischen Gottesdienstes im ganzen Lande. Wollte Gott, unsere theuren Glaubensbrüder in Deutschland faßten auch endlich diesen Muth gegen die ihnen aufgedrungenen rationalistischen Hirten, oder vielmehr Wölfe!
Verpflichtung auf die Glaubensbekenntnisse.
Ein besonders trauriges Zeugniß von dem tiefen Verfall der Kirche in diesem unseren neuen Vaterlande ist die Art, wie die meisten Gemeinden entstehen und bestehen. Weil sehr viele der Prediger selbst keinen wahren göttlichen Glauben haben, sondern Wetterhähne sind, die sich in Glaubenssachen drehen, je wohin der Wind bläst, so suchen auch dieselben nicht solche Gemeinden zu sammeln, welche, wie es nach Gottes Wort sein soll, durch gleichen Glauben und gleiches Bekenntniß ihrer Glieder zusammen gehalten werden. In den meisten Gemeinden hier geht es vielmehr nach dem Grundsatz: wer so oder so viel jährlich zahlt, ist ein Gemeindeglied, ohne daß man
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…just like the devil's toward Christ, when he showed him all the kingdoms of the world and said: See, all this I will give you, if you will fall down and worship me. Do you then think that I esteem the riches of this passing world greater than God's everlasting Word and kingdom? I would rather my Catharina and I go forth destitute, staff in hand, than deny God and his Word." The councillors, who gathered from this that nothing was to be accomplished here, thereupon ceased all further pressing of the faithful, upright duke, and set out at once on their return journey to Dresden.
Meanwhile George's illness had grown considerably worse, and, overtaken by his mortal agony without thinking of the full execution of his will, he had sent only for his confessor, Father Eisenberg. The latter now did his best to point the dying duke to his own merit and to the saints, urgently commending to him above all the invocation of his patron saint, St. James. But when it became clear that this comfort would not calm the frightened man, Dr. Rothe, his personal physician, who was of evangelical mind, took heart, threw his arms around the man lying in his last throes, and cried out to him: "Gracious lord! You have a proverb: Straight ahead makes the best runners! Therefore pay no heed to what men tell you of departed saints and other intercessors, but direct your heart straight to the crucified Jesus, who died for our sins and is our sole intercessor and Savior: then you may be certain of your salvation." With faltering tongue the duke, wrestling with death, answered: "Ah, then help me, thou faithful Savior Jesus Christ, have mercy upon me, and make me blessed through thy bitter suffering and death. Amen." He wished to speak once more, but his hour had come; he passed away — and so the will remained unsigned.
So when, that same day, late in the evening, his brother Henry — who had been prepared, for God's Word's sake, to decline the deceased's dukedom — arrived in Dresden, he was at once received there by the people with rejoicing and greeted as the new sovereign. The priests and monks were greatly dismayed and grieved at the unexpected turn that affairs had thus taken in this part of Saxony. The foremost men at court, George's former flatterers, who during his lifetime had sworn solemnly that they would rather lose everything and be driven into misery than abandon the old religion, now likewise professed great joy over their new lord, and were so busy at his arrival that his own servants could no longer get near the carriage, nor help him in alighting.
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Thus God had already, according to Matthew 25:21, set Duke Henry — who had proved faithful in a small matter — soon over much, and had, through a remarkable turn of circumstances, allotted to him his brother's lands, more than ten times greater than his own. The outcome was glorious. Henry did indeed deal kindly and gently with professors, priests, and monks, and supported and tolerated them for a time in their old errors, until they themselves recognized the truth or emigrated; yet he immediately, on Luther's advice, had a church visitation held throughout the land, and abolished all idolatrous practices, especially the Mass and communion in one kind, and borrowed for the time being, from many places, zealous and gifted preachers of the Augsburg Confession, who had to preach the pure gospel to the people everywhere in the land. So it came about that, whereas at Easter of the year 1539 everything in the so-called Meissen land had still been papist, by Pentecost of that same year evangelical preaching and worship were already being held in all the churches of the land. In Leipzig especially, where the late George had raged terribly against the Lutherans (among other things, he had had the bookseller Hergot beheaded there in the public market in 1521 for selling Luther's writings), almost the entire citizenry now received the gospel with rejoicing; indeed, when Luther preached in the town church on the second day of Pentecost, the hearers fell down upon their knees and thanked God with many tears for the blessing of pure evangelical preaching they had obtained. Thus was fulfilled what Luther had proclaimed many years before in these words: "I see that Duke George does not cease to persecute the Word of God and its preachers, as well as the poor Lutherans; indeed, he grows more violent and furious every day; but I shall surely yet live to see how his entire name and line are blotted out by God, and I shall myself yet preach at Leipzig."
Luther, an Unlearned Monk.
When the monks of Louvain, at the beginning of the Reformation, complained bitterly to Margaret, Queen of Belgium, that Luther's writings threatened the whole of Christendom with…
Luther's Two Grave Sins.
When, as a result of Luther's public appearance, a great uproar arose everywhere, and the harshest judgments of condemnation were issued against him, especially from Rome, the Elector Frederick the Wise summoned the famous scholar Erasmus of Cologne and asked him what the hatred that had been directed at Luther at the Roman court was actually grounded in. To this Erasmus gave the following explanation: this came about because Luther had committed two sins which could not be forgiven him — through his disputations he had struck the monks in their bellies and the pope in his crown; what he taught was indeed true and certain, he only wished that Luther would use somewhat gentler expressions in his writing style against his adversaries.
Reformation Through the People.
Under the reign of Elector Frederick II (died 1556), the longing for reformation among the people in the Palatinate grew so great that the spiritual and secular authorities could no longer resist it. When on one occasion Mass was again to be read in the Church of the Holy Spirit in Heidelberg, the assembled people, as soon as the priest had begun at the altar, started singing loudly the Lutheran hymn of justification:
Salvation now has come to us
through grace and pure goodness;
good works can never help at all,
they offer no protection.
Faith looks upon Jesus Christ,
who has done enough for us all;
he has become our mediator.
etc., etc.
This became the signal for the introduction of evangelical worship throughout the entire land. Would to God that our dear brothers in the faith in Germany would also finally take up this same courage against the rationalist shepherds — or rather, wolves — that have been forced upon them!
Commitment to the Confessions of Faith.
A particularly sad testimony to the deep decline of the church in this our new fatherland is the manner in which most congregations arise and continue to exist. Because very many of the preachers themselves have no true, God-given faith, but are weathervanes who turn in matters of faith wherever the wind blows, they likewise do not seek to gather such congregations as, according to God's Word, ought to be held together by their members' shared faith and shared confession. In most congregations here, the rule instead is: whoever pays such-and-such an amount annually is a member of the congregation, without anyone…