# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 11 01_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 19 groß darnach fragt, was das neue Glied glaubt; wiederum aber nehmen hier die Gemeinden auch Prediger an, wenn sie nur höchstens einen christlichen Schein, ein gutes Mundwerk und eine gute Stimme haben, nach ihrem Glauben aber fragen sie nicht. Wie weit ist es doch gekommen! und wohin wird es noch führen? Große Freude hat es uns daher gemacht, in der lutherischen Kirchen-Zeitung aus Pittsburg von dem Herausgeber derselben, dem lieben Herrn P. Schmidt, eine Bekanntmachung davon zu lesen, wie es in den erwähnten Puncten in seinen Gemeinden gehalten werde. Wir können nicht umhin, diese Anzeige hier zur Aufmunterung für andere Gemeinden wieder einzurücken. Hr. P. Schmidt schreibt nehmlich Folgendes: „Eine wichtige Frage für jede Ev.-Lutherische Gemeinde in den Vereinigten Staaten, welcher die reine, unverfälschte Kirchenlehre noch lieb und werth, und theuer ist, ist die: wie kann unsere Gemeinde vor dem Eindringen falscher, irrgläubiger Lehrer gesichert werden, da unsere Synoden uns hierin nicht Schutz geben durch die Verpflichtung ihrer Prediger auf die Glaubensbekenntnisse unserer Kirche? Die Gemeinden in Pittsburg, Alleghany und Boston haben diese Frage auf einfache Weise gelöst; in jeder dieser Gemeinden müssen Prediger und Gemeindeglieder bei ihrer Aufnahme eine Erklärung unterschreiben; die Erklärung der Bostoner Gemeinde lautet wie folgt: „„Wir, die Endesunterschriebenen, Glieder der deutschen Ev. Lutherischen Gemeinde in Boston, bekennen hiermit vor Gott und unserem Gewissen, daß wir die Schriften des Alten und Neuen Testamentes als das geoffenbarte Wort Gottes betrachten. Wir wollen darauf sehen, daß dasselbe in unserer Gemeinde immer rein auf Grund der Apostel und Propheten und nach Anleitung der ungeänderten Augsburgischen Confession und der übrigen symbolischen Bücher unserer Kirche, als da sind: die Apologie der Augsburgischen Confession, die Schmalkaldischen Artikel, die zwei Katechismen Lutheri und die Concordienformel, geprediget wird; wir wollen selbst bei diesem Glauben unserer Väter verharren bis an unser Ende, das walte Gott! Amen.““ Diese Erklärung muß nicht nur jedes, zur Communion berechtigte Glied, Mann, Weib, Sohn, Tochter, Knecht oder Magd, sondern auch der Prediger bei seinem Amtsantritt unterschreiben. Der Prediger erhält dadurch freie Zuversicht, ohne Rückhalt die volle Kirchenlehre zu predigen und mit der Schärfe des Wortes gegen Sectirer zu zeugen; die Gemeindeglieder erhalten eine Garantie gegen das Eindringen einer falschen Predigt.“ (Eingesandt von Pastor O. Fürbringer.) Der Rationalismus und die Bibel. (Fortsetzung.) Nachdem wir denn auf solche Weise unserm Versprechen, soweit es in unsern Kräften stand, nachgekommen sind, und die gute Sache der christlichen Lehre, sowie den Ungrund des Rationalismus in kurzen Zügen gezeigt haben: so bleibt uns nur noch übrig, auf etliches Einzelne in Herrn Münchs Schrift, das vielleicht dem Unerfahrenen die meiste Schwierigkeit darböte, Rücksicht zu nehmen. Das Andere alles wird einem gläubigen Bibelleser nun von selbst sich heben. — (S. 7 fg.) Moses, dessen vorgegebener Umgang mit Gott kein Betrug sein konnte, wie der eines Pythagoras oder des alten römischen Königs Numa, theils wegen der Größe und Erhabenheit seiner Lehre und des harten Joches seiner Gesetze, theils weil wir nirgends auch nur die kleinste Spur hiervon, wie bei jenen Männern, finden, dieser Moses steht so wenig im Widerspruch mit seinem Meister JEsu Christo, daß vielmehr die schönste Harmonie und Einklang zwischen beiden zu finden ist. Abgesehen, daß alle die weitläufigen Anordnungen betreffend den Gottesdienst und das bürgerliche Leben, welche Moses auf Befehl Gottes den Israeliten gab, (— theocratia nach dem Ausdruck des jüdischen Geschichtsschreibers Josephus —) bald einen tiefern geistlichen Sinn und Bedeutung für die messianischen Zeiten (vgl. die Ep. an die Hebr.), bald die Anwendung des Naturgesetzes auf Zeit und Ort enthielten, so ist die Predigt des HErrn JEsu vom galiläischen Berge im 5—7. Cap. St. Matthäi die deutlichste Auslegung von dem Sinn der mosaischen Lehre. Vgl. Joh. 5, 46. Apostelg. 7, 35 fgg. Hebr. 11, 24 fgg. Gal. 3, 10—14. Marc. 12, 24 fg., 28 fg. mit Mos. V, 6, 5. 33, 3. III, 19, 8. (Röm. 12, 20. mit Sprüchw. 25, 21 fg. — Sam. I, 16, 7.) Und warum sollen wir Mosi nicht glauben, daß Gott zum öfteren menschlich erschien? Warum sollte Gott nicht als Mensch den Menschen erscheinen können, da er in der Fülle der Zeit als Mensch für sie blutete, litt und starb? Jakob's Zweikampf mit ihm wird als Thatsache bestätigt Hos., 12, 4fg. Was ferner die menschlichen Redensarten von Gott betrifft, so hüte man sich ja, seine Augen so klar zu machen, daß sie zuletzt vor lauter Klarheit gar nichts mehr sehen; Gott will nicht in scharfen metaphysischen Abstractionen, durch welche er ohne Vergleichung gedacht und damit alles unvollkommene Bild von ihm abgesondert wird, sondern in menschlich-concreten, für das Leben fruchtbaren Vorstellungen aufgefaßt sein. Zu dem kommt, daß die ältesten Sprachen, wie sie überhaupt mehr und kühnere Bilder haben, auch in jenen Redensarten noch weiter, als die heutigen abendländischen gehen, wiewohl auch diese letzteren ihrer gar nicht entbehren können. Ach, wie entstellt wird von den Feinden der Gott des Volkes Israel, wie verdreht und gedeutelt seine Worte und Wege, mißverstanden sein heil. Gesetz, wie verhöhnt die Gerichte seiner Hand! Den Verkehrten ist er verkehrt (Ps. 18, 27.); er wandelt ihnen entgegen und gibt sie dahin in einen verblendeten Sinn, daß sie nicht sehen können das helle Licht seines göttlichen Worts. Wie Viele ihn aufnehmen, denen gibt er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; die aber nicht erkennen die Zeit, darinnen sie heimgesucht werden, und bedenken, was zu ihrem Frieden dienet, dieselben werden gleich jenem unglücklichen Volke ausgestoßen werden aus seinem Reich. Israels Predigerberuf für die abgöttische übrige Welt gereichte ihm zum Falle und den Heiden zum Licht (Jes. 60.)*) Den Reinen dient auch Alles, was sie in dem Worte Gottes lesen, zu immer höherer Reinigung; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist beides, ihr Sinn und Gewissen. (Tit. 1, 15.) Ein Zeugniß für die höchste Lauterkeit der heiligen Schriftsteller ist es, was zum Strick und Fall denen, die den Irrthum lieben, und ein Stein des Anstoßes ist, daß jene nicht nur die Schwachheiten, sondern die tiefsten Sündenfälle heiliger Personen, ja ihre eigenen, zu warnenden Beispielen aufstellen und das Unedle und Menschliche mit ihrer göttlichen Schreibart als Griffel des heiligen Geistes verknüpfen. — Wir gehen über zum N. T. (S. 9 fg.) Wenn unser Erlöser „keinen todten Buchstaben, sondern nur den lebendigen Geist seiner Lehre“ (nicht den heiligen Geist) der Menschheit nach ihm hätte hinterlassen wollen: so würden wir wahrscheinlich nichts anderes behalten haben auf die Nachkommen fortzupflanzen, als was die gerühmten neueren Verbesserer des Christenthums uns geben, das herrliche Extract des Rationalismus, „das seine unzer- *) Nichts beweist die Wahrheit und Göttlichkeit der heiligen Schrift fast stärker, als der merkwürdige Gang dieses Volkes in der Weltgeschichte. Ein Volk, merkwürdig durch seinen Ursprung — denn alle andern Völker sammeln sich aus unendlich vielen Familien, dieses aber stammt von einer einzigen her; merkwürdig durch das Alter seiner Schriften — denn die 5 Bücher Mosis finden unter allen noch vorhandenen Ueberbleibseln des Alterthums keines, das über ihre Zeit hinaus ginge; (dasjenige, welches von einigen Gegnern des Christenthums für älter ausgegeben wird, des Phöniziers Sanchuniathan Geschichtsbuch, trägt in sich selbst die Kennzeichen eines späteren Entstehens, weil es in der Beschreibung der Schöpfung vielfach den Fußtapfen Mosis nachgehend sie in dunkele Gedichte verhüllt ꝛc., weshalb seine Nachrichten den Christen zum großen Vortheile gedient haben; ja es ist noch nicht einmal erwiesen, wie Joh. Alb. Fabricius meldet, ob sein Uebersetzer zu Kaiser Hadrians Zeiten nicht auch der Urheber des ganzen Werkes sei;) merkwürdig durch seine ihm gegebenen Weissagungen und Verheißungen eines Messias, dessen Verkündiger sie für die andern Völker sein sollten; merkwürdig durch seine Absonderung von diesen allen in Betreff des Gottesdienstes und der Sitten; merkwürdig durch den Wechsel seiner Schicksale, der alle mal mit ihrer Treue oder Untreue gegen die Gesetze Mosis zusammenhing; merkwürdig durch seinen Glanz unter König David und Salomo; merkwürdig durch seine Dauer, die bis jetzt ununterbrochen fortwährt, während daß viele spätere Völker längst spurlos verschwunden sind, und die mächtigsten Könige der Erde seinen Untergang beabsichtigt hatten; merkwürdig durch die Erfüllung der Weissagung Christi, Luc. 21, 21., deren Wahrheit der heutige Tag noch verbürgt; merkwürdig durch seine Verwickelung mit der Geschichte der größten Reiche und angesehensten Nationen und seinen Einfluß auf die Heidenwelt, sowie durch sein Musterbild für die Erziehung des ganzen Menschengeschlechts: — ein solches Volk macht mit Recht die gegründetsten Ansprüche auf die universale Bestimmung, der Träger einer göttlichen Offenbarung zu sein, und es ist daher der Mühe werth, dasselbe genauer zu betrachten.