# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 11 01_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Anerbieten eben wie des Teufels gegen Christum, da er ihm alle Reiche der Welt zeigte und sagte: Siehe, das Alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Meinet ihr denn, daß ich die Reichthümer dieser vergänglichen Welt größer achte, als Gottes ewigwährendes Wort und Reich? Lieber wollte ich und meine Catharina mit dem Stecken in der Hand ledig davon gehen, als Gott und sein Wort verleugnen.“ Die Räthe, die hieraus nun wohl abnahmen, daß hier nichts auszurichten sei, unterließen nun alles weitere Eindringen in den glaubenstreuen, redlichen Herzog, und traten unverzüglich ihre Rückreise nach Dresden an. Unterdessen hatte sich die Krankheit Georgs bedeutend verschlimmert und, von seiner Todesnoth übereilt, hatte er, ohne an die völlige Ausfertigung seines Testamentes zu denken, nur nach seinem Beichtvater, dem Pater Eisenberg, geschickt. Dieser bemühte sich nun bestens, den sterbenden Herzog auf sein eignes Verdienst und die Heiligen zu weisen, besonders befahl er ihm die Anrufung seines Schutzheiligen, St. Jacobi, ernstlich an. Als man nun aber wohl sah, wie dieser Trost den Beängstigten nicht beruhigen wollte, so faßte sich Dr. Rothe, sein Leibarzt, der evangelisch gesinnt war, ein Herz, schlang die Arme um den in den letzten Zügen Liegenden und schrie ihm zu: „Gnädiger Herr! ihr habt ein Sprüchwort: Gerade zu, gibt die besten Renner! darum so achtet nicht, was man euch von verstorbenen Heiligen und andern Fürbittern sagt, sondern richtet euer Herz gerade zu auf den gekreuzigten JEsum, welcher für unsere Sünden gestorben und unser einiger Fürbitter und Seligmacher ist: so seid ihr eurer Seligkeit gewiß.“ Mit lallender Zunge antwortete hierauf der mit dem Tode ringende Herzog: „Ei, so hilf mir, du treuer Heiland JEsu Christe, erbarme dich über mich, und mache mich selig durch dein bitter Leiden und Sterben. Amen.“ Noch einmal wollte er sprechen, aber seine Stunde war gekommen, er verschied, — und so blieb denn das Testament ununterschrieben. Als daher noch an diesem Tage spät Abends sein Bruder Heinrich, der bereit gewesen war, um Gottes Worts willen das Herzogthum des Verstorbenen auszuschlagen, in Dresden ankam, so wurde er hier sogleich von dem Volke mit Frohlocken empfangen und als der neue Landesherr begrüßt. Die Priester und Mönche waren sehr bestürzt und betrübt über die unerwartete Wendung, die die Verhältnisse in diesem Theile Sachsens hiermit genommen hatten. Die Vornehmsten bei Hof, Georgs vormalige Schmeichler, die sich bei dessen Lebzeiten hoch verschworen hatten, eher alles verlieren und sich lieber ins Elend jagen lassen zu wollen, ehe sie die alte Religion verlassen wollten, bezeugten nun ebenfalls eine große Freude über ihren neuen Herrn und waren bei der Ankunft desselben so geschäftig, daß seine eigenen Bedienten nicht mehr zum Wagen kommen, noch beim Aussteigen ihm helfen konnten. So hatte denn Gott Herzog Heinrich, der sich im Kleinen treu bewiesen hatte, nach Matth. 25, 21. schon hier bald über viel gesetzt und ihm die im Vergleich mit den seinigen mehr als zehnmal größeren Lande seines Bruders durch eine merkwürdige Fügung der Umstände zugetheilt. Der Erfolg war herrlich. Heinrich verfuhr zwar gütig und gelind gegen Professoren, Pfaffen und Mönche, und versorgte und trug sie so lange bei ihren alten Irrthümern, bis sie selbst die Wahrheit erkannten oder auswanderten, doch ließ er sogleich auf Luthers Rath eine Kirchenvisitation im Lande halten und alle abgöttischen Gebräuche, insonderheit die Messe und die Communion unter Einer Gestalt, abschaffen, und borgte sich von vielen Orten her einstweilen eifrige und begabte Prediger der Augsb. Confession, welche allenthalben im Lande dem Volke das reine Evangelium predigen mußten. So kam es denn dahin, daß, nachdem am Osterfeste des Jahres 1539 alles im sogenannten Meißnerlande noch papistisch gewesen war, am Pfingstfeste desselben Jahres schon in allen Kirchen des Landes evangelische Predigt und Gottesdienst gehalten wurde. In Leipzig insonderheit, wo der verstorbene Georg entsetzlich wider die Lutheraner gewüthet hatte, (er hatte hier u. A. den Buchhändler Herrgott 1521 sogleich auf öffentlichem Markte enthaupten lassen, weil er die Schriften Luthers verkauft hatte,) da nahm fast die ganze Bürgerschaft das Evangelium mit Frohlocken an, ja als Luther am zweiten Pfingstfeiertage in der Stadtkirche predigte, sind die Zuhörer auf ihre Knie niedergefallen und haben Gott mit vielen Thränen für die erlangte Wohlthat der reinen evangelischen Predigt gedankt. Damit war denn erfüllt, was Luther schon viele Jahre vorher mit den Worten verkündigt hatte: „Ich sehe, daß Herzog Georg nicht aufhört, das Wort Gottes und die Prediger desselben sowohl, als die armen Lutheraner zu verfolgen, ja daß er noch alle Tage heftiger und tobender wird; ich werde es aber gewiß noch erleben und sehen, wie sein ganzer Name und Stamm von Gott vertilgt werden, und ich werde noch selbst zu Leipzig predigen.“ Luther, ein ungelehrter Mönch. Als die Mönche zu Löwen im Anfang der Reformation gegen Margaretha, Königin von Belgien, heftig klagten, daß durch die Schriften Luthers die ganze Christenheit mit Untergang bedroht werde, fragte die Königin die Mönche: Was für ein Mann ist denn der Luther? Sie antworteten: O, es ist ein ungelehrter, einfältiger Mönch. Nun denn, erwiederte die scharfsichtige Königin, so hats ja keine Noth: so schreibet nur ihr vielen Gelehrten gegen den einen Ungelehrten, so wird doch ohne Zweifel die Welt auch vielen Gelehrten mehr glauben, als Einem Ungelehrten! Luthers zwei schwere Sünden. Als durch Luthers Auftreten allenthalben ein großer Lärm entstand und über denselben besonders von Rom aus die zornigsten Verdammungsurtheile ergingen, ließ Churfürst Friedrich der Weise den berühmten Gelehrten Erasmus von Köln zu sich kommen und fragte ihn, worin denn eigentlich der Haß seinen Grund habe, den man am römischen Hofe auf Luther geworfen habe. Hierauf gab Erasmus folgenden Aufschluß: Dies komme daher, weil Luther zwei Sünden begangen habe, die man ihm nicht vergeben könne, durch seine Disputationen habe er den Mönchen an die Bäuche und dem Pabste an die Krone gegriffen; was er lehre, sei zwar wahr und gewiß, er wünsche nur, daß er in seiner Schreibart gegen die Widersacher etwas glimpflichere Ausdrücke gebrauchen möchte. Reformation durch das Volk. Unter der Regierung Churfürst Friedrich des Andern (starb 1556) ward in der Pfalz das Verlangen nach Reformation unter dem Volk so groß, daß die geistlichen und weltlichen Obern nicht mehr widerstehen konnten. Als einstmals in der Heiligen-Geist-Kirche in Heidelberg wieder Messe gelesen werden sollte, fing das versammelte Volk, so bald der Priester am Altare begonnen hatte, mit lauter Stimme an, das lutherische Rechtfertigungslied zu singen: Es ist das Heil uns kommen her Von Gnad und lauter Güte, Die Werk' die helfen nimmermehr, Sie mögen nicht behüten. Der Glaub sieht JEsum Christum an, Der hat gnug für uns all gethan, Er ist der Mittler worden. ꝛc. ꝛc. Dies wurde das Signal zur Einführung des evangelischen Gottesdienstes im ganzen Lande. Wollte Gott, unsere theuren Glaubensbrüder in Deutschland faßten auch endlich diesen Muth gegen die ihnen aufgedrungenen rationalistischen Hirten, oder vielmehr Wölfe! Verpflichtung auf die Glaubensbekenntnisse. Ein besonders trauriges Zeugniß von dem tiefen Verfall der Kirche in diesem unseren neuen Vaterlande ist die Art, wie die meisten Gemeinden entstehen und bestehen. Weil sehr viele der Prediger selbst keinen wahren göttlichen Glauben haben, sondern Wetterhähne sind, die sich in Glaubenssachen drehen, je wohin der Wind bläst, so suchen auch dieselben nicht solche Gemeinden zu sammeln, welche, wie es nach Gottes Wort sein soll, durch gleichen Glauben und gleiches Bekenntniß ihrer Glieder zusammen gehalten werden. In den meisten Gemeinden hier geht es vielmehr nach dem Grundsatz: wer so oder so viel jährlich zahlt, ist ein Gemeindeglied, ohne daß man