Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 3 › Seite 10
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-09-29, Seite 10
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeugnis des Geiſtes 5
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suchen, die Ruhe zu finden für meine durch die Zerstreuungen des Lebens müde Seele, die Nahrung, welche mein unsterblicher Geist bedarf? Wie unterscheide ich seine wahre Offenbarung von den betrügerischen, fälschlich vorgegebenen Religionen? Die Sache ist leicht, sobald ich nur bei dem stehen bleibe, wozu die Offenbarung mir gegeben sein muß. Diejenige Offenbarung, die mir auf eine der höchsten göttlichen Majestät durchgehends geziemende Weise das einzige Mittel und den Weg zeigt, in seine Gemeinschaft versetzt zu werden, wo seine Liebe und sein unverletzbares Recht beide gleich groß und herrlich sich mir enthüllen; eine Offenbarung, die aus geschichtlichen Gründen fest, wie der Erdboden, auf dem wir stehen, so alt ist, als das Menschengeschlecht, deren Gebung, Erhaltung und Bewahrung seit Abraham's Zeiten mitten unter den finstersten Greueln der Abgötterei, unbegreifliche Fortpflanzung und Verbreitung durch die geringsten Werkzeuge trotz des mächtigsten Widerstandes — ihre Göttlichkeit auf's Unverkennbarste an den Tag legt, die durch zusammenhängende prophetische Weissagungen im Laufe von Jahrtausenden und durch die wunderbare Uebereinstimmung des Alten und Neuen Testaments unwidersprechlich bestätigt, und durch das Blut so vieler Wahrheitszeugen, die durch Jahrhunderte von einander getrennt immer eine und dieselbe Erfahrung bekannten, versiegelt worden ist; eine Offenbarung, die in eine so liebliche Hoheit, Einfachheit und Kraft der Worte gekleidet ist, daß sie auch den rohesten Sünder und das verhärtetste ungläubige Herz, wenn es nicht mit freiwilligem Muthe seinem Gewissen entgegen widerstrebt, zu rühren, zu bewegen und aus dem eingewurzeltsten Lasterkothe zu befreien vermag; eine solche Offenbarung kann nur Gott selbst zum Urheber haben. Und eine solche Offenbarung ist mir in der Bibel gegeben, und von den Weisesten und Edelsten unseres Geschlechtes immer anerkannt worden.
Diese zusammengedrängte Beweisführung für die Wahrheit der christlichen Religion und Göttlichkeit der Bibel überhaupt in's Einzelne zu verfolgen, und unter fleißigem Gebet durch Studiren und Nachdenken wider der Hölle Pforten fest zu machen, ist aber zwar die Sache des gemeinen Mannes nicht; derselbe wird aber schon von dem Kirchenvater Origenes*) auf das Eine, das hier den Ausschlag gibt, nehmlich auf die geistliche Erfahrung von der Kraft des Wortes durch den Glauben selbst gewiesen, als auf den allerdings stärksten, an Gewißheit die leiblichen Sinne übertreffenden Beweis, der alle andern überflüssig macht. Er wird mit einem schönen Ausdruck der christlichen Lehre das Zeugniß des heiligen Geistes genannt. (Röm. 8, 16. 10. 1, 16. Joh. I, 5, 6. 9 fgg. Hebr. 4, 12. Petr. I, 1, 23. Joh. 6, 63. 7, 16 fg. Jerem. 33, 29. Pf. 19, 8. 9.) Hier ist von keiner Enthusiasterei die Rede, die aus unverständlichen Einbildungen übereilte Schlüsse macht und in fanatische Irrthümer sich verstrickt; sondern von einem sicheren, unfehlbaren, klaren und deutlichen Bewußtsein, aus dem Tod in's Leben, aus der Knechtschaft der Sünde in Freiheit und Gerechtigkeit, aus der Finsterniß in's Licht versetzt zu sein, welche Erfahrung in Allem auf ein geschriebenes, aller Welt offenbares Wort gegründet ist. Es ist das eigene, innerliche, geistliche Urtheil des Glaubens, (Joh. 4, 42. 6, 68 fg.:) Ich glaube, weil ich durch den Glauben erkannt habe — fest in dem Grund der Seele eingedrückt von der Gottesgerechtigkeit, welche kommt aus Glauben in Glauben (Röm. 1, 17.) mit Ausschließung aller menschlichen Würdigkeit, die Versiegelung durch den Geist der Wahrheit, ein heller Schein in's finstere Herz, (Cor. II, 1, 22. 4, 6. Joh. 3, 33. 14, 26. Auch einem Gelehrten ist dies Zeugniß unentbehrlich, wie einem Wanderer das Auge, um den Heimathsweg zu gehen. Die ewige Liebe Gottes gegen die tiefgefallenen Menschen, die freiwillige Dahingebung des HErrn JEsu in den Tod, die unerwartete Barmherzigkeit an so viel Millionen widerspenstiger Herzen — welche großen, mannigfaltigen, unaussprechlichen Empfindungen (— mit oder ohne empfindliche Affection —) müssen eine Seele, die sich nicht selbst verstockt, durchdringen! Wie könnte da die Macht der Sünde widerstehen, daß nicht ihre stärksten Ketten zersprängen! Hier gilt es nicht, handgreiflich zu rechnen oder langsam geometrisch zu schließen (wie ein mathematisches Genie der Franzosen selber redet —): man würde die Größe der Gedanken verlieren. Ueberwältigt von der ungeheuren Macht der Gnade wirst du auf deinen Knieen im Staube flehen: O JEsu, du Sonne der Gerechtigkeit, erbarme dich mein! Und dir wird es gegeben werden, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen und mit offenen Augen in die durch die Menschheit JEsu Christi gemilderten Strahlen der ewigen und unbegreiflichen Gottheit hineinzuschauen.
*) S. dessen Schrift contra Celsum I, 2.: „Man sage mir, welches von beiden besser sei, daß die Gläubigen ihre Sitten geändert und ihr Leben gebessert, indem sie ohne genaue Untersuchung geglaubt, daß die Sünden eine Strafe und die guten Thaten eine Belohnung zu erwarten haben; oder daß sie mit ihrer Bekehrung so lange verzogen, bis sie solches nicht nur geglaubt, sondern auch den Grund davon sorgfältig untersucht hätten. Wenn man diesen letztern Weg erwählen wollte, so würden gewiß Wenige dahin kommen, wohin sie ihr ganz einfältiger und nackender Glaube führt, sondern die Meisten würden in ihrem Verderben stecken bleiben." Er erklärt das Erstere selbst von der herzlenkenden Kraft des Geistes. Vgl. die Erzählung aus der Geschichte des Concils zu Nicäa in diesen Blättern Jahrg. I. No. 1. Ein berühmter Freidenker von gar klugem Verstande ward durch die einzige Geschichte der Bekehrung des Apostels Paulus, Apgesch. 9., die er einstmals las, zum christlichen Glauben gebracht.
Was versteht ein Blinder von der Farbe, ein Trunkener von einer lieblichen Poesie, wie kann ich die Sonne wahrnehmen, wenn ich muthwillig mir das Gesicht zuhalte? Was versteht ein Rationalist von dem Reichthum des Trostes im Evangelio und den darin geoffenbarten göttlichen Lehren? So kommt es freilich, daß auch der Verfasser jenes Schriftchens sich an dem Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit und der Menschwerdung des Sohnes Gottes stößt. (Timoth. I. 3, 16.) Abscheu erfaßt mich, wenn ich seine Worte darüber S. 11 lese. Ahnt er nicht die tiefe, heilige Wahrheit, auf die sein Taufbund geschlossen ist? Tritt er die theuren Geheimnisse mit Füßen, die uns den wunderbaren Gott aus dem Dunkel der unermeßlichen Verborgenheit heraus so nahe stellen und doch die Idee seines unerforschlichen göttlichen Lebens bewahren? Die Geheimnisse der christlichen Religion, sie begegnen den Bedürfnissen des menschlichen Geistes in seinen höchsten Entwickelungen; denn in den edleren philosophischen Systemen finden wir, wenn auch Anderes, doch der biblischen Offenbarung mißverstandene Nachklänge. Fremd ist dem Rationalisten die Idee, die schon ein Plato hatte, von obenher von den unseligen Fesseln der Sünde gelöst und von Gott gewirkter Tugend theilhaftig zu werden; er schreibt verblendet, wie der Türke, der eigenen Kraft des Menschen zu, den Himmel durch gute Werke zu verdienen. Fremd ist ihm der Gedanke eines in lebendiger Allwirksamkeit die Schöpfung tragenden Gottes, und die tiefe Sehnsucht, den an sich unerreichbaren ewigen Urquell gleichsam zu entfalten, daß er den endlichen Wesen, die seiner nöthig haben, näher komme, wie wir das so schön bei Augustin dem Kirchenvater lesen; (woher es erklärlich ist, daß der Polytheismus oder die Vielgötterei eine solche Aufnahme finden konnte:) er denkt sich, in kalter Gleichgültigkeit, wie er selbst, ein Wesen hinter den Wolken, welches ein todtes Räderwerk von Naturgesetzen aufgezogen hat, daß es, während die schaffenden Hände sich daran gebunden, in müßiger Beschauung ablaufe. Fremd und thöricht ist ihm daher, wie freilich aller sich selbst überlassenen menschlichen Weisheit, der alleinige Grund eines vernünftigen Gottesdienstes (Röm. 12, 1.), die Wiederherstellung des zerrissenen Bandes der Liebe und des Vertrauens, der wahren Verehrung Gottes, dabei man wegen der Vergangenheit ungeängstigt, für die Gegenwart und Zukunft voll zuversichtlicher Hoffnung und Freudigkeit zu Gott sein kann; er ist sich selbst, sei es in furchtsamer Heuchelei oder falscher Sicherheit, der Mittler, der Versöhner, und läßt Gott auf Kosten seiner heiligen Majestät und Hoheitsrechtes mit seiner Gnade so leichtfertig und verschwenderisch umgehen, daß er den Menschen, die ihn täglich und immer wieder mit so wenig Schonung seiner Ehre beleidigen und seinem ausgesprochenen Gesetze mit so frecher Kränkung hohnlachen, ja das höchste Gut durch die angethane Schmach der Creaturenliebe heftig betrüben, ihre empörende Sünde soll zu Gute halten und ohne Satisfaction vergeben, ohne Satisfaction, an die doch das Naturrecht die Gewissen mahnt. Er leugnet einen Einfluß, eine Wirkung des allerhöchsten Geistes der Liebe in die vernünftige Seele durch das von ihm gegebene Wort und hält's für Schwärmerei, weil er es vorzieht, in der Freiheit fleischlicher Gesinnung sich und seinen selbstsüchtigen Trieben zu leben. Gerade das, was den Christen gegen die Bibel mit der ehrerbietigsten Andacht erfüllt und ihr den Stempel eines göttlichen Ursprungs am deutlichsten aufdrückt, daß sie so hohe, des erhabe-
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to find rest for my soul, wearied by the distractions of life, and the nourishment that my immortal spirit needs? How do I distinguish His true revelation from deceptive religions that falsely make the same claim? The matter is easy, as soon as I hold fast only to that for which revelation must have been given to me.
That revelation which shows me, in a manner throughout befitting the highest divine majesty, the sole means and the way of being brought into His fellowship, where His love and His inviolable justice are both revealed to me, equally great and glorious; a revelation which, for historical reasons, is as firm as the ground on which we stand, as old as the human race itself, whose giving, preservation, and safekeeping — in the very midst, since the time of Abraham, of the darkest abominations of idolatry, through an incomprehensible propagation and spread by the humblest instruments despite the most powerful resistance — displays its divinity in the most unmistakable way; a revelation confirmed beyond contradiction by connected prophetic predictions over the course of millennia and by the wonderful agreement of the Old and New Testaments, and sealed by the blood of so many witnesses to the truth who, separated from one another by centuries, always confessed one and the same experience; a revelation clothed in so lovely a majesty, simplicity, and power of language that it is able, even in the crudest sinner and the most hardened unbelieving heart — provided that heart does not, with willful courage, resist its own conscience — to move it, to touch it, and to free it from the most deeply rooted filth of vice: such a revelation can have none but God Himself for its author. And such a revelation has been given to me in the Bible, and has always been acknowledged as such by the wisest and noblest of our race.
To pursue this condensed line of argument for the truth of the scriptural religion and the divinity of the Bible generally down into its particulars, and, through diligent prayer, study, and reflection, to fortify it against the gates of hell, is indeed not a task for the common man; yet he is directed by the church father Origen** to the one thing that here settles the matter,
**) See his work Contra Celsum, I, 2: "Tell me which of the two is better: that believers changed their ways and bettered their lives by believing, without exact investigation, that sins are to expect punishment and good deeds a reward; or that they delayed their conversion until they had not only believed this but had also carefully investigated the grounds for it. If one wished to choose this latter path, certainly few would arrive at that to which their wholly simple and unadorned faith leads them, but most would remain stuck fast in their ruin." He himself explains the former by the heart-guiding power of the Spirit. Compare the account from the history of the Council of Nicaea in these pages, Volume I, No. 1. A famous freethinker of quite keen understanding was brought to the Christian faith solely by the story of the conversion of the apostle Paul, Acts 9, which he happened once to read.
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namely, to the spiritual experience of the power of the Word through faith itself — as the proof which is indeed the strongest, surpassing the bodily senses in certainty, and which renders all others superfluous. It is called, in a beautiful expression of Christian doctrine, the testimony of the Holy Spirit. (Rom. 8:16; 10:1, 16. 1 John 5:6. Acts; Heb. 4:12. 1 Pet. 1:23. John 6:63; 7:16f. Jer. 33:29. Ps. 19:8-9.) Here there is no question of any enthusiasm that draws hasty conclusions from unintelligible fancies and becomes entangled in fanatical errors; but rather of a sure, infallible, clear, and distinct consciousness of having been transferred from death into life, from the bondage of sin into freedom and righteousness, from darkness into light — an experience which in every respect is grounded on a written Word, revealed to the whole world. It is the believer's own inward, spiritual judgment of faith (John 4:42; 6:68f.): I believe, because through faith I have come to know — impressed firmly upon the foundation of the soul by the righteousness of God, which comes from faith to faith (Rom. 1:17), to the exclusion of all human merit, the sealing by the Spirit of truth, a bright light shining into the dark heart (2 Cor. 1:22; 4:6. John 3:33; 14:26).
Even for a scholar, this testimony is indispensable, just as the eye is indispensable to a traveler for finding his way home. The eternal love of God toward deeply fallen mankind, the voluntary self-surrender of the Lord Jesus unto death, the unexpected mercy shown to so many millions of rebellious hearts — what great, manifold, inexpressible feelings (whether with or without perceptible emotion) must penetrate a soul that does not harden itself! How could the power of sin possibly withstand this, so that its strongest chains would not burst asunder! Here it is not a matter of reckoning things tangibly or of drawing slow geometric conclusions (as a certain mathematical genius among the French himself has said) — one would lose the greatness of the thought. Overwhelmed by the immense power of grace, you will plead on your knees in the dust: O Jesus, Sun of Righteousness, have mercy on me! And it will be given to you to understand the mysteries of the kingdom of God, and to gaze with open eyes into the rays of the eternal and incomprehensible Godhead, softened for us through the humanity of Jesus Christ.
What does a blind man understand of color, a drunken man of lovely poetry — how can I perceive the sun if I willfully cover my own face? What does a rationalist understand of the wealth of comfort in the Gospel and of the divine teachings revealed therein? Thus it happens, of course, that even the author of that little tract takes offense at the mystery of the Holy Trinity and the incarnation of the Son of God. (1 Tim. 3:16.) I am seized with revulsion when I read his words on this on page 11. Does he not sense the deep, holy truth on which his baptismal covenant was concluded? Does he trample underfoot the precious mysteries that bring the wondrous God so near to us out of the darkness of immeasurable hiddenness, while yet preserving the idea of His unfathomable divine life? The mysteries of the Christian religion meet the needs of the human spirit in its highest developments; for in the nobler philosophical systems we find, alongside much else, misunderstood echoes of biblical revelation. Foreign to the rationalist is the idea — one that even a Plato already had — of being released from above from the unhappy fetters of sin and becoming a partaker of a virtue worked by God; blinded, he ascribes, like the Turk, to man's own strength the earning of heaven through good works. Foreign to him is the thought of a God who sustains creation in living, all-effecting activity, and the deep yearning to have the eternal source, unreachable in itself, unfold itself, as it were, so that it might come nearer to the finite beings who need it — as we read so beautifully in Augustine, the church father (from which it is explicable how polytheism, or the worship of many gods, could find such acceptance). He imagines to himself, in cold indifference like his own, a being behind the clouds who has wound up a dead clockwork of natural laws, so that, while the creating hands remain bound to it, it might run down in idle contemplation. Foreign and foolish to him therefore is — as indeed it is to all human wisdom left to itself — the sole ground of a reasonable worship of God (Rom. 12:1): the restoration of the torn bond of love and trust, of the true veneration of God, whereby one, untroubled about the past, can be full of confident hope and joy toward God for the present and future. He is himself, whether in fearful hypocrisy or false security, his own mediator and reconciler, and lets God deal with His grace so carelessly and wastefully, at the cost of His holy majesty and sovereign right, that he supposes God ought to overlook the outrageous sin of men who daily and repeatedly offend His honor with so little regard, who mock His declared law with such impudent contempt, indeed who grievously afflict the highest good through the disgrace done it by their love of the creature — and that He should forgive it without satisfaction, without the satisfaction to which natural law itself nonetheless admonishes the conscience. He denies any influence, any working of the most high Spirit of love upon the rational soul through the Word given by Him, and considers it fanaticism, because he prefers to live for himself and his selfish impulses in the freedom of a carnal disposition. Precisely that which fills the Christian with the most reverent devotion toward the Bible, and which most clearly stamps it with the mark of a divine origin — namely, that it reveals mysteries so lofty, so worthy of the exalted