# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 09 29_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 10 suchen, die Ruhe zu finden für meine durch die Zerstreuungen des Lebens müde Seele, die Nahrung, welche mein unsterblicher Geist bedarf? Wie unterscheide ich seine wahre Offenbarung von den betrügerischen, fälschlich vorgegebenen Religionen? Die Sache ist leicht, sobald ich nur bei dem stehen bleibe, wozu die Offenbarung mir gegeben sein muß. Diejenige Offenbarung, die mir auf eine der höchsten göttlichen Majestät durchgehends geziemende Weise das einzige Mittel und den Weg zeigt, in seine Gemeinschaft versetzt zu werden, wo seine Liebe und sein unverletzbares Recht beide gleich groß und herrlich sich mir enthüllen; eine Offenbarung, die aus geschichtlichen Gründen fest, wie der Erdboden, auf dem wir stehen, so alt ist, als das Menschengeschlecht, deren Gebung, Erhaltung und Bewahrung seit Abraham's Zeiten mitten unter den finstersten Greueln der Abgötterei, unbegreifliche Fortpflanzung und Verbreitung durch die geringsten Werkzeuge trotz des mächtigsten Widerstandes — ihre Göttlichkeit auf's Unverkennbarste an den Tag legt, die durch zusammenhängende prophetische Weissagungen im Laufe von Jahrtausenden und durch die wunderbare Uebereinstimmung des Alten und Neuen Testaments unwidersprechlich bestätigt, und durch das Blut so vieler Wahrheitszeugen, die durch Jahrhunderte von einander getrennt immer eine und dieselbe Erfahrung bekannten, versiegelt worden ist; eine Offenbarung, die in eine so liebliche Hoheit, Einfachheit und Kraft der Worte gekleidet ist, daß sie auch den rohesten Sünder und das verhärtetste ungläubige Herz, wenn es nicht mit freiwilligem Muthe seinem Gewissen entgegen widerstrebt, zu rühren, zu bewegen und aus dem eingewurzeltsten Lasterkothe zu befreien vermag; eine solche Offenbarung kann nur Gott selbst zum Urheber haben. Und eine solche Offenbarung ist mir in der Bibel gegeben, und von den Weisesten und Edelsten unseres Geschlechtes immer anerkannt worden. Diese zusammengedrängte Beweisführung für die Wahrheit der christlichen Religion und Göttlichkeit der Bibel überhaupt in's Einzelne zu verfolgen, und unter fleißigem Gebet durch Studiren und Nachdenken wider der Hölle Pforten fest zu machen, ist aber zwar die Sache des gemeinen Mannes nicht; derselbe wird aber schon von dem Kirchenvater Origenes*) auf das Eine, das hier den Ausschlag gibt, nehmlich auf die geistliche Erfahrung von der Kraft des Wortes durch den Glauben selbst gewiesen, als auf den allerdings stärksten, an Gewißheit die leiblichen Sinne übertreffenden Beweis, der alle andern überflüssig macht. Er wird mit einem schönen Ausdruck der christlichen Lehre das Zeugniß des heiligen Geistes genannt. (Röm. 8, 16. 10. 1, 16. Joh. I, 5, 6. 9 fgg. Hebr. 4, 12. Petr. I, 1, 23. Joh. 6, 63. 7, 16 fg. Jerem. 33, 29. Pf. 19, 8. 9.) Hier ist von keiner Enthusiasterei die Rede, die aus unverständlichen Einbildungen übereilte Schlüsse macht und in fanatische Irrthümer sich verstrickt; sondern von einem sicheren, unfehlbaren, klaren und deutlichen Bewußtsein, aus dem Tod in's Leben, aus der Knechtschaft der Sünde in Freiheit und Gerechtigkeit, aus der Finsterniß in's Licht versetzt zu sein, welche Erfahrung in Allem auf ein geschriebenes, aller Welt offenbares Wort gegründet ist. Es ist das eigene, innerliche, geistliche Urtheil des Glaubens, (Joh. 4, 42. 6, 68 fg.:) Ich glaube, weil ich durch den Glauben erkannt habe — fest in dem Grund der Seele eingedrückt von der Gottesgerechtigkeit, welche kommt aus Glauben in Glauben (Röm. 1, 17.) mit Ausschließung aller menschlichen Würdigkeit, die Versiegelung durch den Geist der Wahrheit, ein heller Schein in's finstere Herz, (Cor. II, 1, 22. 4, 6. Joh. 3, 33. 14, 26. Auch einem Gelehrten ist dies Zeugniß unentbehrlich, wie einem Wanderer das Auge, um den Heimathsweg zu gehen. Die ewige Liebe Gottes gegen die tiefgefallenen Menschen, die freiwillige Dahingebung des HErrn JEsu in den Tod, die unerwartete Barmherzigkeit an so viel Millionen widerspenstiger Herzen — welche großen, mannigfaltigen, unaussprechlichen Empfindungen (— mit oder ohne empfindliche Affection —) müssen eine Seele, die sich nicht selbst verstockt, durchdringen! Wie könnte da die Macht der Sünde widerstehen, daß nicht ihre stärksten Ketten zersprängen! Hier gilt es nicht, handgreiflich zu rechnen oder langsam geometrisch zu schließen (wie ein mathematisches Genie der Franzosen selber redet —): man würde die Größe der Gedanken verlieren. Ueberwältigt von der ungeheuren Macht der Gnade wirst du auf deinen Knieen im Staube flehen: O JEsu, du Sonne der Gerechtigkeit, erbarme dich mein! Und dir wird es gegeben werden, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen und mit offenen Augen in die durch die Menschheit JEsu Christi gemilderten Strahlen der ewigen und unbegreiflichen Gottheit hineinzuschauen. *) S. dessen Schrift contra Celsum I, 2.: „Man sage mir, welches von beiden besser sei, daß die Gläubigen ihre Sitten geändert und ihr Leben gebessert, indem sie ohne genaue Untersuchung geglaubt, daß die Sünden eine Strafe und die guten Thaten eine Belohnung zu erwarten haben; oder daß sie mit ihrer Bekehrung so lange verzogen, bis sie solches nicht nur geglaubt, sondern auch den Grund davon sorgfältig untersucht hätten. Wenn man diesen letztern Weg erwählen wollte, so würden gewiß Wenige dahin kommen, wohin sie ihr ganz einfältiger und nackender Glaube führt, sondern die Meisten würden in ihrem Verderben stecken bleiben." Er erklärt das Erstere selbst von der herzlenkenden Kraft des Geistes. Vgl. die Erzählung aus der Geschichte des Concils zu Nicäa in diesen Blättern Jahrg. I. No. 1. Ein berühmter Freidenker von gar klugem Verstande ward durch die einzige Geschichte der Bekehrung des Apostels Paulus, Apgesch. 9., die er einstmals las, zum christlichen Glauben gebracht. Was versteht ein Blinder von der Farbe, ein Trunkener von einer lieblichen Poesie, wie kann ich die Sonne wahrnehmen, wenn ich muthwillig mir das Gesicht zuhalte? Was versteht ein Rationalist von dem Reichthum des Trostes im Evangelio und den darin geoffenbarten göttlichen Lehren? So kommt es freilich, daß auch der Verfasser jenes Schriftchens sich an dem Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit und der Menschwerdung des Sohnes Gottes stößt. (Timoth. I. 3, 16.) Abscheu erfaßt mich, wenn ich seine Worte darüber S. 11 lese. Ahnt er nicht die tiefe, heilige Wahrheit, auf die sein Taufbund geschlossen ist? Tritt er die theuren Geheimnisse mit Füßen, die uns den wunderbaren Gott aus dem Dunkel der unermeßlichen Verborgenheit heraus so nahe stellen und doch die Idee seines unerforschlichen göttlichen Lebens bewahren? Die Geheimnisse der christlichen Religion, sie begegnen den Bedürfnissen des menschlichen Geistes in seinen höchsten Entwickelungen; denn in den edleren philosophischen Systemen finden wir, wenn auch Anderes, doch der biblischen Offenbarung mißverstandene Nachklänge. Fremd ist dem Rationalisten die Idee, die schon ein Plato hatte, von obenher von den unseligen Fesseln der Sünde gelöst und von Gott gewirkter Tugend theilhaftig zu werden; er schreibt verblendet, wie der Türke, der eigenen Kraft des Menschen zu, den Himmel durch gute Werke zu verdienen. Fremd ist ihm der Gedanke eines in lebendiger Allwirksamkeit die Schöpfung tragenden Gottes, und die tiefe Sehnsucht, den an sich unerreichbaren ewigen Urquell gleichsam zu entfalten, daß er den endlichen Wesen, die seiner nöthig haben, näher komme, wie wir das so schön bei Augustin dem Kirchenvater lesen; (woher es erklärlich ist, daß der Polytheismus oder die Vielgötterei eine solche Aufnahme finden konnte:) er denkt sich, in kalter Gleichgültigkeit, wie er selbst, ein Wesen hinter den Wolken, welches ein todtes Räderwerk von Naturgesetzen aufgezogen hat, daß es, während die schaffenden Hände sich daran gebunden, in müßiger Beschauung ablaufe. Fremd und thöricht ist ihm daher, wie freilich aller sich selbst überlassenen menschlichen Weisheit, der alleinige Grund eines vernünftigen Gottesdienstes (Röm. 12, 1.), die Wiederherstellung des zerrissenen Bandes der Liebe und des Vertrauens, der wahren Verehrung Gottes, dabei man wegen der Vergangenheit ungeängstigt, für die Gegenwart und Zukunft voll zuversichtlicher Hoffnung und Freudigkeit zu Gott sein kann; er ist sich selbst, sei es in furchtsamer Heuchelei oder falscher Sicherheit, der Mittler, der Versöhner, und läßt Gott auf Kosten seiner heiligen Majestät und Hoheitsrechtes mit seiner Gnade so leichtfertig und verschwenderisch umgehen, daß er den Menschen, die ihn täglich und immer wieder mit so wenig Schonung seiner Ehre beleidigen und seinem ausgesprochenen Gesetze mit so frecher Kränkung hohnlachen, ja das höchste Gut durch die angethane Schmach der Creaturenliebe heftig betrüben, ihre empörende Sünde soll zu Gute halten und ohne Satisfaction vergeben, ohne Satisfaction, an die doch das Naturrecht die Gewissen mahnt. Er leugnet einen Einfluß, eine Wirkung des allerhöchsten Geistes der Liebe in die vernünftige Seele durch das von ihm gegebene Wort und hält's für Schwärmerei, weil er es vorzieht, in der Freiheit fleischlicher Gesinnung sich und seinen selbstsüchtigen Trieben zu leben. Gerade das, was den Christen gegen die Bibel mit der ehrerbietigsten Andacht erfüllt und ihr den Stempel eines göttlichen Ursprungs am deutlichsten aufdrückt, daß sie so hohe, des erhabe-