Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 3 › Seite 24
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-09-30, Seite 24
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„
Ittroffen; das iſt nicht Zufall, und wer es döch
fur Zufall ausgeben will, handelt der Vernunft
pwider. Aber noch mehr; wir möchten die Geg⸗
ner auch erinnern, daß die Weiſſagung von Chri⸗
go nicht etwa nur an einer einzelnen Stelle im
Alten Teſtamente ſtebt, und nur zu einer Zeit
gegeben iſt, ſondern in verſchiedenen Büchern,
und zu verſchiedenen Zeiten; ja von Adams Zeit
hindurch bis auf die Zeit Maleachi's des letzten
Propheten. Das macht es noch viel vernunft⸗
widriger zu ſagen, das Zuſammentreffen der Er⸗
rigniſſe mit ihr ſei zufällig. Denn, um auf das
vorige Beiſpiel zurück zu kommen; man denke
ſch, es fände Jemand jenen Spruch nicht Ein⸗
nal, ſondern an vielen verſchiedenen Tagen hin⸗
urtinander an die Tafel geſchrieben; würde es
nicht dann noch viel unverſtändiger ſein, als zu⸗
ver, zu ſagen, es ſei durch Zufall geſchehen, durch
die Spielerei eines Kindes, das den Spruch we⸗
der wiſſe, noch auch zu ſchreiben verſtehe?
ESo müſſen alſo die Gegner gänzlich abſtehen,
entweder davon, daß das Zuſammentreffen der
Weiſſagungen und der Ereigniſſe zufällig ſei;
oder davon, daß ſie ſich an die Vernunft halten,
und von den Regeln des gemeinen Menſchenver⸗
gandes leiten laſſen. Einige werden ſich nun
vielleicht für überwunden erkennen, andere dage⸗
Igen ibre Behauptung dennoch zu verfechten ſu⸗
ſchen. Dies führt uns auf den zweiten Punct.
Einige Gegner werden ſagen: Freilich, wenn
ts ſi 0 mit den Weiſſagungen und deren Erfül⸗
lung im Neuen Teſtament hält, wie ibr Chriſten
glaubt, ſo iſt da kein Zweifel im Spiel, ſondern
es iſt von Gott. Aber wir Gegner glauben nicht,
— daß es ſich damit ſo hält. Wer weiß, von wem
die Weiſſagungen im Alten Taſtament herrüh⸗
den? Vielleicht ſind ſie von den Jüngern erſt ge⸗
ſchrieben nachdem das, was im Neuen Teſta⸗
ment berichtet wird, längſt geſchehen war, und
ſnd alſo gefälſchte Weiſſagungen. Einem Chri⸗
ſen, der von der heiligen Geſinnung der Jünger
Cbriſti und der Göttlichkeit des Alten Teſtaments
aufs innigſte überzeugt iſt, iſt es erſchrecklich, der⸗
gleichen zu hören; er möchte, wo es geſagt wird,
lieber gleich abbrechen. Aber laßt uns, Geliebte,
nur gelaſſen ſein, und die Sache weiter betrach⸗
ien; denn, wie ſchon im Voraus angedeutet iſt,
es wird am Ende nur die heilige Geſinnung der
IJinger Chriſti, wonach ſie keines Betrugs, auch
keines ſogenannten frommen Betrugs, fäbig wa⸗
ten, und die Göttlichkeit des Alten Teſtaments
um ſo heller hervorleuchten, dagegen ſich zeigen,
wit die Gegner, die dergleichen ſagen oder anneh⸗
men, aller Vernunft, auf die ſie ſich doch berufen,
uwider handeln.
So unſinnig wird wol Niemand ſein, zu be⸗
haupten, das ganze Alte Teſtament ſei von den
Jüngern verfaßt,
nachdem geſchehen, was im
Neuen Teſtament berichtet wird; und ſo viel wir
vibſſen, iſt dies auch noch von Niemand behauptet
worden. Wenn deshalb die Gegner vorgeben,
rie Weiſſagungen rühren von den Jüngern herz
o kann die Meinung nur die ſein, daß die Jün⸗
ter die Weiſſagungen nach Geſchehung deſſen,
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was im Neuen, Teſtament berichtet wird, ins
Alte Teſtament hineintrugen.
Wir wollen nun ſehen, wer ſich an die Ver⸗
nunft hält, und den Regeln des gemeinen Men⸗
ſchenverſtandes folgt: wir Chriſten, die wir glau⸗
ben, die Weiſſagungen des Alten Teſtaments
ſeien von den heiligen Männern des alten Bun⸗
des, in deren Büchern ſie ſich finden, und zu ver⸗
ſchiedenen Zeiten, doch alle mehrere Jahrhunderte
vor Chriſto, geſchrieben; oder die Gegner, die da
die Behaupeung aufſtellen, die Weiſſagungen
rühren erſt von den Jüngern her, und ſeien nach
Chriſti Erſcheinung auf Erden in die Bücher des
Alten Teſtaments hineingetragen worden.
Wir erinnern hier die Gegner an den Zuſam⸗
menhang, in welchem die Weiſſagungen auf
Chriſtum mit den andern Worten und Stücken
des Alten Teſtaments ſtehen, die nicht Weiſſa⸗
gungen ſind; es iſt kein loſer, ſondern ein inni⸗
ger; die Weiſſagungen bilden gleichſam die Stütze
des Uebrigen, und ſind unzertrenulich damit ver⸗
flochten; ſo daß ſich die Weiſſagungen im Alten
Teſtament und das Uebrige, das nicht Weiſſa⸗
gung iſt, in Abſicht auf den Zuſammenhang, in
welchem ſie untereinander ſtehen, mit den Pfählen
eines Zelts und dem Zelttuche, oder etwa mit
dem Grunde in einem Stück Damaſt oder ge⸗
blümter Leinwand und den Figuren darin ver⸗
gleichen laſſen. Wer nun meint, das Uebrige
des Alten Teſtaments hätte erſt geſchrieben, und
die Weiſſagungen nachher in daſſelbe hineinge⸗
tragen ſein können, der muß auch ganz begreiflich
finden, daß man erſt ein Zelt aufſchlägt, und
dann die Pfähle ſetzt; oder daß man erſt den
Grund eines Stücks Damaſt fertig webt, und
nachher die Figuren hineinwebt.
Doch die Gegner müſſen noch viel Widerſin⸗
nigeres annehmen.
Freilich iſt manches Buch verfälſcht, und in
dasſelbe von Spätern hineingetragen worden,
was von den Verfaſſern nicht geſchrieben war.
Aber wie wäre das möglich in dem Fall des
A. T.s. Die Gegner mögen bedenken, daß die
Schriften des A. T.s dem geſammten jüdiſchen
Volke ein Heiligtbum waren, und daß es mit
großem Ernſt, ja mit Angſtlichkeit darüber wach—
te, daß auch nicht ein Titelchen daran verändert
würde. Bei den ſpätern Juden, denen, die zur
Zeit Ehriſti lebten, war dies noch in höherem
Grade der Fall, als bei den früheren, eben weil
der Gottesdienſt der letztern meiſt ein äußerlicher
war, und ſie je mehr ſie dem Geiſt des Geſetzes
ſich entfremdet hatten, deſto mehr am Buchſtaben
hielten. Wie ſollte es nun zugehen können, daß
hin und wieder ganze Stücke in ein Buch getra⸗
gen wären, über welches ein ganzes Volk wach⸗
te, daß auch nicht ein Titelchen daran verändert
würde! Und noch mehr. Wir erinnern die
Gegner, in weſſen Händen die Bücher des
A. T.s waren und unter weſſen beſonderer Auf⸗
ſicht ſie ſtanden. Sie waren in denen der
Schrifgelehrten und Phariſäer, und der hobe
Rath hatte im beſondern die Aufſicht über
ihre Bewahrung. Wie ſollte es denn den
Jüngern gelungen ſein, etwas hineinzumagen,
Ida doch die Schriftgelehrten und Phariſãer und
der hohe Rath ihnen feind waren; und etwas
hineinzutragen, daß gerade gegen die Phariſäer,
Schriftgelehrten und den hohen Rath zeugte, und
worauf die Jünger ſich beriefen, daß Jeſus der
Chriſt ſei, und daß jene den Herrn der Herrlich⸗
keit gekreuzigt hätten! Aber vielleicht geſchah's
doch wol mittels Beſtechung. Die Hüter am
Grabe des Herrn ließen ſich ja beſtechen zu ſchwei⸗
gen, wenn die Juden ſagen würden, Chriſti
Jünger hätten ſeinen Leichnam geſtohlen, dieweil
die Hüter ſchliefen; warum ſollten ſich denn auch
die Schriftgelehrten und Phariſäer und der hohe
Rath nicht haben beſtechen laſſen zu ſchweigen,
wenn die Jünger die Weiſſagungen eintrugen
ins A. T.? Allein woher ſollten die lieben
Jünger das Geld genommen haben, die meiſt
arme Fiſcher waren, deren Meiſter nicht hatte,
wohin er ſein Haupt legte, von denen Petrus
ſagt: Silber und Gold habe ich nicht. Und wenn
ſie auch Gold genug gehabt hätten, und albe
Schriſigelehrten ꝛc. willig geweſen wären, ſich
beſtechen zu laſſen, warum machten die Jünger
nicht viel lieber, oder doch zugleich mit aus, daß
ihnen nicht verwehrt wäre, das Evangelium von
Ehriſto zu predigen? Denn die Ohberſten ver⸗
boten es ihnen ja, und warfen ſie darum ins
Gefängniß, und ſtäupeten ſie, und verfolgten
ſie bis auf den Tod. Ferner bedenke man doch,
daß die Juden damals überall in der bekannten
Welt anſäſſig waren, und ihre Synagogen hat⸗
ten, in denen ſich ein A. T. befand, aus welchem
an jedem Sabbath eine Vorleſung geſchah.
Zeugniß dafür giebt uns nicht nur die allgemeine
Geſchichte, ſondern die heilige, namentlich die
Apoſtelgeſchichte. Auf dem erſten Pfingſtfeſte
nach der Himmelfahrt Chriſti waren Juden aus
allen Theilen des römiſchen Reichs, das die da⸗
mals bekannte Erde umfaßte, zugegen; und der
Apoſtel Paulus auf ſeinen großen Reiſen hin
und wieder durchs römiſche Reich traf überall
Juden an, an die er zuerſt mit der Verkündi⸗
gung ſich wandte, und in deren Synagogen er
zuerſt mit der Predigt von Chriſto auftrat. Diceſe
zu beſtechen, hätten die Apoſtel doch nun auch
die Mittel haben müſſen; und dieſe hätten doch
auch alle willig ſein müſſen, ſich beſtechen zu
laſſen; denn es bedurfte ja nur eines Einzigen,
der nicht gewonnen wäre, um die ganze Siacht
an den Tag zu bringen. Und ſollte ſich nicht
eine einzige Stimme gegen eine ſolche Fälſchang
erhoben haben; kein einziges Exemplar des à. Ts
unverfälſcht geblieben ſein, ſo daß ſich kein ächtes
mehr fände; ſollte eine ſolche Fälſchung auch
nachher nicht enideckt ſein? Und von dem alen
ſinder ſich doch auch keine Spur; vielmehr Haben
ſtament als die Cbriſten, und behaupren cin
müthiglich, ſie haben es ſo mit jeglichem Wert
und mit jeglicher Sylbe von ihren Vätern rer
Chriſto empfangen.
(Schluß folgt.)
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