# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 09 30_S24 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) „ Ittroffen; das iſt nicht Zufall, und wer es döch fur Zufall ausgeben will, handelt der Vernunft pwider. Aber noch mehr; wir möchten die Geg⸗ ner auch erinnern, daß die Weiſſagung von Chri⸗ go nicht etwa nur an einer einzelnen Stelle im Alten Teſtamente ſtebt, und nur zu einer Zeit gegeben iſt, ſondern in verſchiedenen Büchern, und zu verſchiedenen Zeiten; ja von Adams Zeit hindurch bis auf die Zeit Maleachi's des letzten Propheten. Das macht es noch viel vernunft⸗ widriger zu ſagen, das Zuſammentreffen der Er⸗ rigniſſe mit ihr ſei zufällig. Denn, um auf das vorige Beiſpiel zurück zu kommen; man denke ſch, es fände Jemand jenen Spruch nicht Ein⸗ nal, ſondern an vielen verſchiedenen Tagen hin⸗ urtinander an die Tafel geſchrieben; würde es nicht dann noch viel unverſtändiger ſein, als zu⸗ ver, zu ſagen, es ſei durch Zufall geſchehen, durch die Spielerei eines Kindes, das den Spruch we⸗ der wiſſe, noch auch zu ſchreiben verſtehe? ESo müſſen alſo die Gegner gänzlich abſtehen, entweder davon, daß das Zuſammentreffen der Weiſſagungen und der Ereigniſſe zufällig ſei; oder davon, daß ſie ſich an die Vernunft halten, und von den Regeln des gemeinen Menſchenver⸗ gandes leiten laſſen. Einige werden ſich nun vielleicht für überwunden erkennen, andere dage⸗ Igen ibre Behauptung dennoch zu verfechten ſu⸗ ſchen. Dies führt uns auf den zweiten Punct. Einige Gegner werden ſagen: Freilich, wenn ts ſi 0 mit den Weiſſagungen und deren Erfül⸗ lung im Neuen Teſtament hält, wie ibr Chriſten glaubt, ſo iſt da kein Zweifel im Spiel, ſondern es iſt von Gott. Aber wir Gegner glauben nicht, — daß es ſich damit ſo hält. Wer weiß, von wem die Weiſſagungen im Alten Taſtament herrüh⸗ den? Vielleicht ſind ſie von den Jüngern erſt ge⸗ ſchrieben nachdem das, was im Neuen Teſta⸗ ment berichtet wird, längſt geſchehen war, und ſnd alſo gefälſchte Weiſſagungen. Einem Chri⸗ ſen, der von der heiligen Geſinnung der Jünger Cbriſti und der Göttlichkeit des Alten Teſtaments aufs innigſte überzeugt iſt, iſt es erſchrecklich, der⸗ gleichen zu hören; er möchte, wo es geſagt wird, lieber gleich abbrechen. Aber laßt uns, Geliebte, nur gelaſſen ſein, und die Sache weiter betrach⸗ ien; denn, wie ſchon im Voraus angedeutet iſt, es wird am Ende nur die heilige Geſinnung der IJinger Chriſti, wonach ſie keines Betrugs, auch keines ſogenannten frommen Betrugs, fäbig wa⸗ ten, und die Göttlichkeit des Alten Teſtaments um ſo heller hervorleuchten, dagegen ſich zeigen, wit die Gegner, die dergleichen ſagen oder anneh⸗ men, aller Vernunft, auf die ſie ſich doch berufen, uwider handeln. So unſinnig wird wol Niemand ſein, zu be⸗ haupten, das ganze Alte Teſtament ſei von den Jüngern verfaßt, nachdem geſchehen, was im Neuen Teſtament berichtet wird; und ſo viel wir vibſſen, iſt dies auch noch von Niemand behauptet worden. Wenn deshalb die Gegner vorgeben, rie Weiſſagungen rühren von den Jüngern herz o kann die Meinung nur die ſein, daß die Jün⸗ ter die Weiſſagungen nach Geſchehung deſſen, —21— was im Neuen, Teſtament berichtet wird, ins Alte Teſtament hineintrugen. Wir wollen nun ſehen, wer ſich an die Ver⸗ nunft hält, und den Regeln des gemeinen Men⸗ ſchenverſtandes folgt: wir Chriſten, die wir glau⸗ ben, die Weiſſagungen des Alten Teſtaments ſeien von den heiligen Männern des alten Bun⸗ des, in deren Büchern ſie ſich finden, und zu ver⸗ ſchiedenen Zeiten, doch alle mehrere Jahrhunderte vor Chriſto, geſchrieben; oder die Gegner, die da die Behaupeung aufſtellen, die Weiſſagungen rühren erſt von den Jüngern her, und ſeien nach Chriſti Erſcheinung auf Erden in die Bücher des Alten Teſtaments hineingetragen worden. Wir erinnern hier die Gegner an den Zuſam⸗ menhang, in welchem die Weiſſagungen auf Chriſtum mit den andern Worten und Stücken des Alten Teſtaments ſtehen, die nicht Weiſſa⸗ gungen ſind; es iſt kein loſer, ſondern ein inni⸗ ger; die Weiſſagungen bilden gleichſam die Stütze des Uebrigen, und ſind unzertrenulich damit ver⸗ flochten; ſo daß ſich die Weiſſagungen im Alten Teſtament und das Uebrige, das nicht Weiſſa⸗ gung iſt, in Abſicht auf den Zuſammenhang, in welchem ſie untereinander ſtehen, mit den Pfählen eines Zelts und dem Zelttuche, oder etwa mit dem Grunde in einem Stück Damaſt oder ge⸗ blümter Leinwand und den Figuren darin ver⸗ gleichen laſſen. Wer nun meint, das Uebrige des Alten Teſtaments hätte erſt geſchrieben, und die Weiſſagungen nachher in daſſelbe hineinge⸗ tragen ſein können, der muß auch ganz begreiflich finden, daß man erſt ein Zelt aufſchlägt, und dann die Pfähle ſetzt; oder daß man erſt den Grund eines Stücks Damaſt fertig webt, und nachher die Figuren hineinwebt. Doch die Gegner müſſen noch viel Widerſin⸗ nigeres annehmen. Freilich iſt manches Buch verfälſcht, und in dasſelbe von Spätern hineingetragen worden, was von den Verfaſſern nicht geſchrieben war. Aber wie wäre das möglich in dem Fall des A. T.s. Die Gegner mögen bedenken, daß die Schriften des A. T.s dem geſammten jüdiſchen Volke ein Heiligtbum waren, und daß es mit großem Ernſt, ja mit Angſtlichkeit darüber wach— te, daß auch nicht ein Titelchen daran verändert würde. Bei den ſpätern Juden, denen, die zur Zeit Ehriſti lebten, war dies noch in höherem Grade der Fall, als bei den früheren, eben weil der Gottesdienſt der letztern meiſt ein äußerlicher war, und ſie je mehr ſie dem Geiſt des Geſetzes ſich entfremdet hatten, deſto mehr am Buchſtaben hielten. Wie ſollte es nun zugehen können, daß hin und wieder ganze Stücke in ein Buch getra⸗ gen wären, über welches ein ganzes Volk wach⸗ te, daß auch nicht ein Titelchen daran verändert würde! Und noch mehr. Wir erinnern die Gegner, in weſſen Händen die Bücher des A. T.s waren und unter weſſen beſonderer Auf⸗ ſicht ſie ſtanden. Sie waren in denen der Schrifgelehrten und Phariſäer, und der hobe Rath hatte im beſondern die Aufſicht über ihre Bewahrung. Wie ſollte es denn den Jüngern gelungen ſein, etwas hineinzumagen, Ida doch die Schriftgelehrten und Phariſãer und der hohe Rath ihnen feind waren; und etwas hineinzutragen, daß gerade gegen die Phariſäer, Schriftgelehrten und den hohen Rath zeugte, und worauf die Jünger ſich beriefen, daß Jeſus der Chriſt ſei, und daß jene den Herrn der Herrlich⸗ keit gekreuzigt hätten! Aber vielleicht geſchah's doch wol mittels Beſtechung. Die Hüter am Grabe des Herrn ließen ſich ja beſtechen zu ſchwei⸗ gen, wenn die Juden ſagen würden, Chriſti Jünger hätten ſeinen Leichnam geſtohlen, dieweil die Hüter ſchliefen; warum ſollten ſich denn auch die Schriftgelehrten und Phariſäer und der hohe Rath nicht haben beſtechen laſſen zu ſchweigen, wenn die Jünger die Weiſſagungen eintrugen ins A. T.? Allein woher ſollten die lieben Jünger das Geld genommen haben, die meiſt arme Fiſcher waren, deren Meiſter nicht hatte, wohin er ſein Haupt legte, von denen Petrus ſagt: Silber und Gold habe ich nicht. Und wenn ſie auch Gold genug gehabt hätten, und albe Schriſigelehrten ꝛc. willig geweſen wären, ſich beſtechen zu laſſen, warum machten die Jünger nicht viel lieber, oder doch zugleich mit aus, daß ihnen nicht verwehrt wäre, das Evangelium von Ehriſto zu predigen? Denn die Ohberſten ver⸗ boten es ihnen ja, und warfen ſie darum ins Gefängniß, und ſtäupeten ſie, und verfolgten ſie bis auf den Tod. Ferner bedenke man doch, daß die Juden damals überall in der bekannten Welt anſäſſig waren, und ihre Synagogen hat⸗ ten, in denen ſich ein A. T. befand, aus welchem an jedem Sabbath eine Vorleſung geſchah. Zeugniß dafür giebt uns nicht nur die allgemeine Geſchichte, ſondern die heilige, namentlich die Apoſtelgeſchichte. Auf dem erſten Pfingſtfeſte nach der Himmelfahrt Chriſti waren Juden aus allen Theilen des römiſchen Reichs, das die da⸗ mals bekannte Erde umfaßte, zugegen; und der Apoſtel Paulus auf ſeinen großen Reiſen hin und wieder durchs römiſche Reich traf überall Juden an, an die er zuerſt mit der Verkündi⸗ gung ſich wandte, und in deren Synagogen er zuerſt mit der Predigt von Chriſto auftrat. Diceſe zu beſtechen, hätten die Apoſtel doch nun auch die Mittel haben müſſen; und dieſe hätten doch auch alle willig ſein müſſen, ſich beſtechen zu laſſen; denn es bedurfte ja nur eines Einzigen, der nicht gewonnen wäre, um die ganze Siacht an den Tag zu bringen. Und ſollte ſich nicht eine einzige Stimme gegen eine ſolche Fälſchang erhoben haben; kein einziges Exemplar des à. Ts unverfälſcht geblieben ſein, ſo daß ſich kein ächtes mehr fände; ſollte eine ſolche Fälſchung auch nachher nicht enideckt ſein? Und von dem alen ſinder ſich doch auch keine Spur; vielmehr Haben ſtament als die Cbriſten, und behaupren cin müthiglich, ſie haben es ſo mit jeglichem Wert und mit jeglicher Sylbe von ihren Vätern rer Chriſto empfangen. (Schluß folgt.)