Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 3 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-09-30, Seite 22
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inr ewih mein Gewinn. Denn die Welt ver⸗
eht mit ihrer Luſt, wer aber den Willen Gottes
tut, der bleibt in Ewigkeit. —Und damit iſt auch
der Sache ein Genüge geſchehen. Denn wenn
ich in mir die unumſtößliche Gewißheit habe, daß
die chriſtliche Religion wahr, und die Bibel Got⸗
ies Wort iſt: das Zeugniß des heiligen Geiſtes,
indem ich überall Frieden des Herzens und Ruhe
rer Seele geſucht, und nirgends als im Chriſten⸗
thum gefunden habe; ſo iſt das ein Beweis, ge⸗
gen den kein anderer, und wäre er anſcheinend
auch noch ſo ſtark, ja wären's ihrer tauſend, et⸗
was vermag. ö
Doch wie ſicher der Chriſt ſich auch bei vieſem
Beweiſe fühlen, und wie fröhlich er ſich auch
darauf ſtützen mag; ſo iſt doch zweierlei zu be⸗
denken. Einmal, daß der Chriſt die Kraft dieſes
ſeines Beweiſes für die Wahrheit der chriſtlichen
Religion nicht immer gleichmäßig fühlt, daß in
ihm zuweilen Zweifel aufſteigen, ja daß es in
der Stunde der Anfechtung ſcheinen kann, als
wolle ihm der Boden unter den Füßen verſchwin⸗
ven. Zum andern iſt der Vorwurf der Gegner
ſo ernſter Art, daß leicht allerhand Bedenken da⸗
vurch verurſacht werden können. Denn auch die
Cbriſten müſſen einräumen, daß die Vernunft die
eeelſte natürliche Gabe Gottes iſt, dadurch ſich
der Menſch eben vom Thiere unterſcheidet, und
durch deren Beſitz er erſt der Erkenntniß Gottes,
die ihn ſelig macht, und ſo der Seligkeit, fähig
wird. Und wenn nun auch die Vernunft durch
den Fall Adams verderbt und verfinſtert iſt, wie
die Schrift bezeugt und die Chriſten glauben,
und innerlich erfabren; ſo kann dennoch Alles,
was wirtlich Wahrheit iſt, alſo namentlich göttli⸗
che Offenbarung, ihr nicht in der Art zuwider
ſein, vaß ſie dieſelbe durchaus nicht annehmen
könnte, ſondern ſchlechterdings verwerfen müßte;
denn ſie bleibt fort und fort das Mittel, durch
welches, obwohl es der Erneuerung bedarf, allein
wir das vernehmen, was Gott uns verkündigen
läßt, auf daß wir durch Erkenniniß Seiner, wie
Er in Chriſto ſich offenbart hat, das ewige Leben
erlangen. Dazu darf auch das, was wir von
Herzen glauben ſollen, der Vernunft nicht durch⸗
aus zuwider ſein, denn um dies zu können, wird
rurch die weſentliche Einrichtung des Menſchen
eben die Zuſtimmung der Vernunft erfordert, die
ſie nun und nimmer einer Sache geben kann, die
ihr ſchlechterdings zuwider iſt.
Demnach iſt die Behauptung der Gegner, der
Chriſtenglaube laufe der Vernunft zuwider, der
Beachtung werth; und wir werden wohl thun,
dieſelbe in der Furcht Gottes, die aller Weisheit
Anfang iſt und nach Anleitung Seines Wortes
veiter zu prüfen, ob etwa auch hier geſchehe, was
ſonſt noch immer geſchehen, nämlich daß jeder
Angriff aufs Chriſtenthum in einen neuen Sieg
deſſelben ausgeſchlagen iſt, und zu einer neuen
Verberrlichung deſſelben gedient hat; und daß
jede Waffe, die gegen daſſelbe gerichtet war, am
Ende als eine ſolche erfunden iſt, welche diejeni⸗
gen ſchlägt, die ſie nahmen und die für das Chri⸗
ſtenthum ſtreitet.
Unſern Tert finden wir aufgezeichnet 2 Petri
— 19—
getrieben von dem heiligen Geiſt.“
ſie geben, noch, nachdem ſie gegeben waren,
darauf zu achten.
Chriſtenglaubens, nämlich der Erfüllung
1„.19—21: ‚ ö
In den verleſenen Worten führt der Apoſtel Gott überall ſei, und doch die Fuͤlle der Gottheit
die Weiſſagungen des Alten Teſtaments, die in leibhaftig in Jeſu wohne, was nur unſere Ver⸗
der Erſcheinung des Herrn Chriſti ihre Erfüllung. nunft Überſteigt. Zum andern, wenn uns dit
gefunden haben, als einen Beweis dafür auf, göttliche Eingebung der heiligen Schrift gelehrt
daß das Evangelinm von Chriſto eine Botſchaft wird, und wir ſehen, daß St. Lucas gleichwohl
von Gott ſei. Denn, ſagt der Apoſtel, es kann Alles von Augen⸗ und Ohren⸗Zeugen erkundet
jeder leichtlich abnebmen, daß weder ein Menſch hat; ſo liegt darin nichts der Vernunft Wider⸗
Menſch ſie erfüllen konnte; daß alſo ſie und ihre ſchen ſich unterrichten laſſen und nachher doch,
Erfüllung von Gott ſind, und darum ein gewal⸗ als er ſchrieb, ihm Wort für Wort eingeben konn⸗
tiges Zeugniß für die Göttlichkeit und Wahrheit te u. ſ. w. Kurz nichts von alle dem, was in
der Lehren der chriſtlichen Neligion und der hei⸗der Lehre des Chriſtenthums wider die Vernunft
ligen Schrift, in welcher dieſelben enthalten ſind, ſein ſoll, iſt im eigentlichen Sinne des Worts
ablegen; weshalb auch ein jeder wohl thue, wider dieſelbe, ſondern es iſt über dieſelbe,
Aus dieſem Beweiſe für die Wahrheit des Mit jener Behauptung der Gegner kann aber
meſſianiſchen Weiſſagungen des Alten Teſta⸗nunft, daß Lehren, die von Gott und Seinem
ments wollen wir nun auch unſere Sache führen, Weſen, Eigenſchaften, Willen, Rathſchlüſſen,
wie gleich mit mehrerem ſoll angegeben werden. Werken handeln, die Vernunft überſteigen. und
Bevor aber dies geſchieht, wollen wir erſt noch unbegreiflich, oder ſchwer begreiflich ſind; denn
den Vorwurf der Gegner, es ſei wider die Ver⸗ dies liegt in der Natur der Sache. Bedenke doch
nunft, die Lehren der chriſtlichen Religion fürſnur, o Menſch, wer Gott iſt, und wer du biſt!
wahr, und die Bibel für Gottes Wort zu halten, Er iſt von Ewigkeit zu Ewigkeit; Er der Schöp⸗
ein wenig mehr aufhellen, damit ein jeder um ſo fer Himmels und der Erde, der ſie auch beide
beſſer wiße, um was es ſich eigentlich handle.
tann damit nicht gemeint ſein, daß der Glaube Weſen—Du von geſtern, Du ein Waſſertröpflein
der Chriſten der Vernunft ſchnurſtracks wider⸗ am Eimer in der Schöpfung, Du ein beſchränk⸗
ſpräche, und daß er ſich nun und nimmermehr tes, ſchwaches, ſündliches Weſen. Were nichts
mit ibr vertrüge. Ein Beweis dafür, daß dies Unbegreifliches oder ſchwer Begreifliches in Ihm;
nicht gemeint ſein könne, den die Erfahrung ſo müßte Er ſein wie wir, ja noch weniger, denn
giebt, iſt der, daß viel Tauſend den Glauben von wie viel Unbegreifliches und ſchwer Begreifliches
Herzen angenommen haben, und noch annehmen, finden wir ſelbſt noch an uns! Und grade in der
was, wie in den einleitenden Worten gezeigt, ein geoffenbarten Religion muß ſolches Unbegreifliche
Ding der Unmöglichkeit wäre, und nun und nim⸗und ſchwer Begreifliche ſich finden; denn ließe
mermehr geſchehen würde, wäre Beides: Lehre ſich, was die Offenbarung bringen ſoll, ſchon
des Chriſtenthums und Vernunft einander ſo aus der Natur erkennen, wozu ſollte dann die
zuwider. Einen andern Beweis liefert die Prü⸗ Offenbarung dienen? Daß alſo die Lehre des
fung der Sache. Man nehme jeden einzeinen Chriſtenthums manches Unbegreifliche und ſchwer
Lehrpunct, von welchem die Feinde des Chriſten⸗ Begreifliche für uns arme Creaturen enthält, liegt
thums ſagen, derſelbe ſei wider die Bernunft, und in der Natur der Sache, und zwar ſo ſehr, daß
ſehe zu, ob es an dem iſt. Man wird in jedem die Vernunft dadurch nicht abgehalten, ſondern
Falle, und wären es hundert oder tauſend, fin⸗vielmehr angetrieben wird, zu glauben; in wel⸗
den, daß er nur vie Vernunft überſteigt. Z. B. chem Sinne auch gar fromme und weiſe Männer
Wenn die Gegner die Lehre von der heiligen eben das Hohe und Unbegreifliche, was uns die
Dreicinigkeit anführen; da wird uns nicht auf⸗ heilige Schrift von Gott offenbart, als ein Zeug⸗
gegeben zu glauben, daß Ein Gott ſei, und daß niß für deren Göttlichkeit und Wahrheit angeſe⸗
zugleich drei Götter ſeien: das würde ſich wider⸗ hen haben. Mit jener Behauptung der Gegner
ſprechen, und wäre wider die Vernunft; ſondern kann alſo nur gemeint ſein, es ſei der Vernunft
daß Ein Weſen, Gott, und in demſelben ein drei⸗zuwider, die Beweiſe, die für die Wahrheit der
facher Unterſchied, den wir mit dem Wort Perſo⸗Lehren des Chriſtenbums angeführt werden, alio
nen bezeichnen, iſt, was über unſere Vernunftauch den, auf die Erfüllung der meſſianiſchen
iſt, da wir nichts Aehnliches kennen. Oder der Weiſſagungen geſtützten, anzunehmen und gelten
Nathſchluß der Erlöſung. Aber es iſt nicht wi⸗zu laſſen. 4 ö
„Wir daben ein feſtes prophetiſches Wortz der, ſandern nur über unſere Vernunſt, die wir
und ibr thut wohl, daß ibr darauf achtet, ſel he Liebe und ſolch Erxbarmen nicht haben, noch
als auf ein Licht, das da ſcheinet in einem faſſen können, daß Goit ſich der Sünder, die nichi
dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und ſeiner Beachtung, geſchweige ſeiner Gnave werth
der Morgenſtern aufgehe in euren Herzen.“ waren, angeſehen, und ihrer ſich erbarmt, ja daß
„Und das ſollt ihr für das erſte wiſſen, Er ſeinen Sohn für ſie in den Tod gegeben hat.
daß keine Weiſſagung in der Schrift ge⸗ Oder die Menſchwerdung des Sohnes Gottes;
ſchieht aus eigner Auslegung; denn es iſt aber da wird uns nicht aufgegeben zu glauben,
noch nie keine Weiſſagung aus menſchli⸗Gott ſei überall, und voch auch zu gleicher Zeit
chem Willen hervorgebracht; ſondern die nicht überall, ſondern in dem Leibe Jeſu von Na⸗
heiligen Menſchen Gottes haben geredet, zareth eingeſchloſſen, was ſich widerſpräche und
wider die Vernunft wäre; ſondern vielmehr, daß
ein ſprechendes, indem Gott ja wohl ihn bei Men⸗
d. i. ſie kann es nicht oder nur ſchwer begreifen.
der auch nicht gemeint ſein, es ſei wider die Ver⸗
Es füllet; Er das allerhöchſte und allervollkommenſte
—
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