Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 1 › Seite 4
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-09-06, Seite 4
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibel.—Lesart 15 · Gemeindeglied 7 · Synoden · Sakramente 5
ihres Textes bestritten und wankend zu werden vermag,*) da sie niemals einer nur moralischen Glaubwürdigkeit sich unwürdig gemacht haben (s. die nächst vorhergehende Anmerkung), ja das Gegentheil schlechterdings unmöglich ist, weil sie in einer solchen Stellung und unter solchen Verhältnissen lebten, wo ihr Betrug von dem halsstarrigen, widerspenstigen, zur Abgötterei und allem Ungehorsam so geneigten Volke, dessen fleischlichen Erwartungen sie stets widersprachen, jedenfalls entdeckt worden wäre: so müssen wir, wenn wir den Inhalt ihrer Schriften nach richtiger Auslegung gewonnen haben, vor demselben entweder mit unverantwortlichem Unglauben vorübergehen, oder durch eine innere Nöthigung der Wahrheit und ihrer Beweise bewogen sie einem höhern Ursprunge, wie sie es selbst thun, zuschreiben.
(Fortsetzung folgt.)
zur Wahrheit, überhaupt die Heiligkeit ihrer Lehre, ihre Nächstenliebe, deren oberster Grundsatz Matth. 7, 12., ihre nüchterne Besonnenheit, Freiheit von allem Fanatismus, Verachtung alles irdischen Vortheils ꝛc. ꝛc.; und endlich 3) wegen der ungeheuren Wirkungen, die ihre Schriften geäußert haben, da doch ihre Lehre nur durch Ueberzeugung, nicht, wie der Islam, durch Feuer und Schwert ausgebreitet wurde. Paulus war sicherlich ein gescheidter Mann, der wohl wissen konnte, was er schrieb — wie wird er, wie werden Männer, wie Justin der Märtyrer, Origenes u. a. m., Alles genau und scharf geprüft haben! Ja, man weiß, lieber Leser, von manchem heidnischen Schriftsteller, dem man heutzutage vollen Glauben schenkt, viel weniger als von den Verfassern der heiligen Bücher. Darum gewiß, wenn ich etwas aus den alten Geschichten glauben soll, so muß ich die Geschichte der Christen und Juden glauben. Und eben die fabelhaften Erzählungen der heidnischen Urzeit bekräftigen bei unbefangener Zusammenstellung die Wahrheit der biblischen Aussagen.
*) Es sei denn, daß wir mit unvernünftigem Verdachte alle treu überlieferten und mit besonnener Unterscheidung (Kritik) geprüften Werke (—gleich einem Harbum—) bezweifeln. Bei weiterer Ausführung dieser jetzt berührten Puncte möchten freilich die vermessenen Behauptungen und Uebergriffe des Rationalismus in ihrer Nichtigkeit und Schande erscheinen, als wären nicht bloß „ganze Bücher zweifelhaft, sondern auch einzelne Kapitel und Verse offenbar unecht“ ꝛc. (S. 6. 9. 10.) Was die verschiedenen Lesarten des heiligen Grundtextes betrifft, so ist, um nur das Eine anzuführen, merkwürdig genug, daß, obgleich der berühmte englische Variantensammler Benj. Kennikot, dessen Unternehmung durch die reichliche Unterstützung der vornehmsten europäischen Bibliotheken befördert ward, gegen das Ende des 18. Jahrhunderts eine sehr veränderte hebräische Bibel angekündigt hatte, man dennoch bis auf den heutigen Tag der alten Ausgabe des Holländers van der Hooght ihre Vorzüge nicht hat benehmen können; so wie der masorethische Text (nach der Ueberlieferung der Juden) einer sorgfältigen Kritik unentbehrlich bleibt. — Daß Herr Münch noch die zwei ersten Kapitel des Evangelii St. Matthäi und das letzte des Evangelii St. Johannis ꝛc. für untergeschoben erklärt, zeigt weiter nichts, als seine Unwissenheit, mit welcher er die gröbsten Excesse einiger Gelehrten seiner religiösen Schule nachspricht, ohne auf die Gegenbeweise gründlicherer und gemäßigterer Rationalisten zu achten. Wenn aber Gott den Text der heiligen Bücher, dessen Theile vor ihm, wie das Haar unseres Hauptes, gezählt sind, (vergl. Matth. 5, 18.) vor aller Verschiedenheit der Lesarten hätte bewahren wollen: so hätte er das größte Wunder von der Welt thun müssen, und der Glaube der Schrift würde dann nicht mehr Glaube sein können. Eine sorgfältige Vergleichung aller noch so verschiedenen Lesarten überführt uns, daß dieselben nicht den geringsten Einfluß auf die Glaubenslehre haben; es sind hohe, weise Absichten der Regierung und Gerichte Gottes gewesen, die jene Variation zugelassen haben; und sie werden gewiß mit der Folge der Zeit noch offenbarer werden. Wer mehr darüber nachlesen will und lateinisch versteht, vergleiche des hochverständigen Bengels Apparat. crit., besonders epilog. S. 881 sgg.
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Gottes Antwort.
Es hatte ein sonst christlich gesinnter Mann die Gewohnheit, in Fällen, in welchen er nicht sogleich wußte, was er thun sollte, die Bibel aufzuschlagen; den ersten Spruch, der ihm in die Augen fiel, nahm er dann als die göttliche Antwort und Entscheidung an. Als er dies einstmals bei einer sehr wichtigen Angelegenheit wieder that, kam er auf die Stelle: Hesek. 20, 31.: „Ich sollte mich euch vom Hause Israel fragen lassen? So wahr ich lebe, spricht der HErr HErr, ich will von euch ungefragt sein.“ Erschrocken schlug er seine Bibel wieder zu, und erkannte nun, daß ein solches Loosen mit Bibelstellen eine gewisse Versuchung Gottes sei. Von nun an hielt sich der Mann nach dem Befehle Christi: „Suchet in der Schrift.“ Joh. 5, 39.
Subscription
auf unveränderten Abdruck der
Hauspostille Doctor Martin Luthers, nach Veit Dietrich's Ausgabe.
Gewiß ist die Zahl der Lutheraner in diesem Abendlande nicht gering und nimmt mit jedem Jahre zu, welche nach der kerngesunden geistlichen Nahrung, die wir in Dr. Luther's Schriften finden, ein aufrichtiges Verlangen tragen. Leider aber sind diese Schriften im Allgemeinen hier so selten und nur mit großen Unkosten von Deutschland zu beziehen, daß nur wenige, namentlich unter der ärmeren Klasse des Volks, sich des Besitzes dieses Schatzes erfreuen können.
Darum hofft der Unterzeichnete vielen seiner Glaubensgenossen einen wesentlichen Dienst zu erweisen, wenn er sich erbietet, einen getreuen Abdruck von Dr. Luther's Hauspostille zu liefern; er gedenkt, das Werk in 624 Royal-Octav-Seiten auf schönes weißes, festes Papier, mit deutlicher, auch für ein blödes Auge leserlichen Corpus-Schrift gedruckt, zu den äußerst niedrigen Preisen von $1.50 in Papierumschlag geheftet und $2 in Schafleder gut gebunden, zu liefern, und gibt die Versicherung, nicht die geringste Veränderung oder Verstümmelung des ursprünglichen Textes vorzunehmen und beim Abdruck sich streng an die Leipziger Ausgabe von Lutheri Schriften vom Jahr 1732 zu halten. Der Druck wird unverzüglich beginnen, sobald 1000 reelle Unterschriften vorhanden sind, und soll binnen drei Monaten beendigt werden. Sammler erhalten für zehn Exemplare, für welche sie mit Zahlung einstehen, ein Freiexemplar. Die Versendung der Exemplare geschieht auf Kosten der Agenten oder Sammler. Diese können den Betrag der Transportation den Subscribenten auflegen und von denselben erheben, der dann einem jeden derselben nur niedrig zu stehen kommen wird.
Da der Unterzeichnete bei dem Unternehmen nicht seinen eigenen Gewinn sucht und ihm darum um so weniger zu verdenken ist, wenn er sich gegen etwaige Verluste sicher stellt, so macht er den Subscribenten oder Sammlern derselben es zur Bedingung, wenn das Werk seiner Vollendung nahe ist, die Zahlung für dasselbe baar an ihn einzusenden; dagegen macht er sich anheischig, für pünctliche Ablieferung des Buches bis zum Betrag der Kosten von 1000 Exemplaren sichre Bürgschaft zu stellen. Sobald der Druck begonnen hat, wird in der Lutherischen Kirchenzeitung zu Pittsburg, sowie im Lutheraner zu St. Louis davon Nachricht gegeben werden.
Sollte das Unternehmen eine günstige Aufnahme finden, so wird mit Gottes Hilfe auch zum Abdruck der Kirchenpostille Dr. Luthers unter gleichen Bedingungen geschritten werden.
Die beste Empfehlung der Hauspostille ist gegeben in dem Zeugniß, das der fromme Churfürst von Sachsen, Johann Friedrich der Großmüthige, für Dr. Luther's Schriften abgelegt hat, wenn er spricht: „Dr. Martin Luther's Bücher herzen, gehen durch Mark und Bein, und es ist in einem Blättlein mehr Saft und Kraft, auch mehr Trost, als in ganzen Bogen anderer Scribenten!“
Heinrich Ludwig, Herausgeber,
No. 70 und 72 Vesey-Straße.
New York, am 3. Juli 1845.
☞ Der Herausgeber des „Lutheraner“ erbietet sich, Subscription für obiges Werk anzunehmen; diejenigen, welche durch ihn dasselbe beziehen wollen, sind aufgefordert, sich so bald als möglich deswegen an ihn schriftlich oder mündlich zu wenden. Den Lesern kann die Versicherung gegeben werden, daß Herr H. Ludwig, der Unternehmer, als ein reeller, solider Mann bekannt ist und daß selbiger daher sein Versprechen gewiß pünctlich halten wird.
Quittungen.
Bezahlt haben den ersten Jahrgang: Herr Zühelsdorf; die zweite Hälfte des ersten Jahrgangs, Hr. Gräb; die erste Hälfte des zweiten Jahrgangs, Hr. Gerding.
NB. Der Herausgeber freut sich, seinen geehrten Unterschreibern melden zu können, daß er in den Stand gesetzt ist, den zweiten Jahrgang, wie oben bemerkt, für $1,00, und jede einzelne Nummer für 5 Cents auszugeben.
NB. Der Herausgeber ist bereit, denjenigen Unterschreibern, welchen einige Nummern des ersten Jahrgangs nicht zugekommen oder verloren gegangen sein sollten, dieselben auf Verlangen unentgeldlich zu ergänzen, mit Ausnahme der ersten Nummer, welche bis auf wenige Exemplare vergriffen ist.
Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber.
Gedruckt bei Weber und Olshausen.
English translation AI translation
[continued from Seite 3] ...of their text be disputed or shaken,* since they have never made themselves unworthy of even a merely moral credibility (see the note immediately preceding)—indeed the opposite is absolutely impossible, because they lived in such a position and under such circumstances that their deceit would in any case have been discovered by the stiff-necked, rebellious people, so inclined to idolatry and to all disobedience, whose carnal expectations they constantly contradicted: therefore, once we have grasped the content of their writings through correct interpretation, we must either pass it by with irresponsible unbelief, or, moved by an inner compulsion of the truth and its proofs, ascribe it—as they themselves do—to a higher origin. (To be continued.)
[Footnote continued from Seite 3] ...of truth, the holiness of their teaching in general, their love of neighbor (whose supreme principle is Matthew 7:12), their sober-mindedness, their freedom from all fanaticism, their contempt for all earthly advantage, etc., etc.; and finally 3) because of the immense effects their writings have produced, since their teaching was spread only through conviction, and not, as with Islam, through fire and sword. Paul was certainly a shrewd man who well knew what he was writing—how carefully and sharply must he, and men such as Justin Martyr, Origen, and others, have examined everything! Indeed, dear reader, one knows far less about many a pagan writer to whom full credence is given nowadays than about the authors of the holy books. Therefore, surely, if I am to believe anything at all out of the ancient histories, I must believe the history of the Christians and Jews. And it is precisely the fabulous tales of pagan antiquity that, upon impartial comparison, confirm the truth of the biblical statements.
* Unless we wish, with unreasonable suspicion, to doubt all faithfully transmitted works that have been examined with sober discernment (criticism)—like a Hardouin. In a fuller treatment of the points touched on here, the presumptuous assertions and encroachments of rationalism would indeed appear in their nullity and shame, as though not merely "whole books were doubtful, but individual chapters and verses were evidently spurious," etc. (pp. 6, 9, 10). As for the various readings of the sacred original text, it is—to name only this one instance—remarkable enough that, although the famous English collector of variants, Benjamin Kennicott, whose undertaking was furthered by the generous support of the foremost European libraries, had announced toward the end of the eighteenth century a greatly altered Hebrew Bible, people have nevertheless, to this very day, been unable to strip the old edition of the Dutchman van der Hooght of its merits; just as the Masoretic text (according to the tradition of the Jews) remains indispensable for careful criticism. — That Mr. Münch further declares the first two chapters of the Gospel of St. Matthew and the last chapter of the Gospel of St. John, etc., to be spurious shows nothing more than his ignorance, with which he merely repeats the crudest excesses of certain scholars of his religious school, without heeding the counter-evidence of more thorough and more moderate rationalists. But if God had wished to preserve the text of the holy books—every part of which is numbered before him, like the hairs of our head (cf. Matthew 5:18)—from all variation of readings, he would have had to perform the greatest miracle in the world, and the faith of Scripture could then no longer be faith. A careful comparison of all the readings, however various, convinces us that they have not the slightest influence on the doctrine of faith; it has been the high, wise purposes of the governance and judgments of God that have permitted that variation, and they will surely become still more evident as time goes on. Whoever wishes to read further on this, and understands Latin, may consult the highly learned Bengel's Apparatus Criticus, especially the epilogue, p. 881 and following.
God's Answer.
There was a man, otherwise of Christian disposition, who had the habit, in cases where he did not immediately know what he should do, of opening the Bible; whatever verse first caught his eye he then took as the divine answer and decision. When he once did this again in a very important matter, he came upon the passage Ezekiel 20:31: "Should I let myself be inquired of by you, O house of Israel? As I live, says the Lord GOD, I will not be inquired of by you." Startled, he shut his Bible again, and now recognized that such a casting of lots with Bible verses was a kind of tempting of God. From then on the man conducted himself according to the command of Christ: "Search the Scriptures." John 5:39.
Subscription for an Unaltered Reprint of Dr. Martin Luther's House Postil, According to Veit Dietrich's Edition.
Certainly the number of Lutherans in this western land is not small, and it increases with every year, who carry a sincere longing for the wholesome, solid spiritual nourishment that we find in Dr. Luther's writings. Unfortunately, however, these writings are in general so rare here, and obtainable from Germany only at great expense, that only a few—particularly among the poorer class of the people—can enjoy possession of this treasure.
The undersigned therefore hopes to render an essential service to many of his fellow believers by offering to supply a faithful reprint of Dr. Luther's House Postil. He intends to produce the work in 624 royal-octavo pages, on fine white, sturdy paper, printed in clear type legible even to a weak eye, at the extremely low prices of $1.50 stitched in a paper cover and $2.00 well bound in sheepskin, and gives the assurance that he will make not the slightest alteration or mutilation of the original text, and will adhere strictly, in the printing, to the Leipzig edition of Luther's writings of the year 1732. Printing will begin without delay as soon as 1,000 genuine subscriptions are on hand, and is to be completed within three months. Collectors will receive one free copy for every ten copies for whose payment they stand surety. The shipping of the copies is at the expense of the agents or collectors. These may charge the subscribers for the amount of the transportation and collect it from them, so that it will come to only a small sum for each of them.
Since the undersigned is not seeking his own profit in this undertaking, and is therefore all the less to be blamed for securing himself against possible losses, he makes it a condition for the subscribers, or their collectors, that when the work is nearing completion, the payment for it be sent to him in cash; in return, he pledges himself to furnish sure security, up to the amount of the cost of 1,000 copies, for the punctual delivery of the book. As soon as printing has begun, notice of it will be given in the Lutheran Church Gazette at Pittsburgh, as well as in the Lutheraner at St. Louis.
Should the undertaking meet with a favorable reception, then, with God's help, steps will also be taken to reprint Dr. Luther's Church Postil under the same conditions.
The best recommendation of the House Postil is given in the testimony that the pious Elector of Saxony, John Frederick the Magnanimous, bore to Dr. Luther's writings, when he says: "Dr. Martin Luther's books go to the heart, they penetrate marrow and bone, and there is more sap and strength, and more comfort, in a single leaf of them than in whole quires of other writers!"
Heinrich Ludwig, Publisher, No. 70 and 72 Vesey Street.
New York, July 3, 1845.
Note. — The editor of the "Lutheraner" offers to accept subscriptions for the above work; those who wish to obtain it through him are requested to contact him in writing or in person about it as soon as possible. Readers may be given the assurance that Mr. H. Ludwig, the publisher, is known as a reliable, solid man, and that he will therefore surely keep his promise punctually.
Receipts.
Payment has been received for the first volume from: Mr. Zühelsdorf; for the second half of the first volume, from Mr. Gräb; for the first half of the second volume, from Mr. Gerding.
N.B. The editor is pleased to be able to inform his esteemed subscribers that he is in a position to issue the second volume, as noted above, for $1.00, and each single issue for 5 cents.
N.B. The editor is prepared, upon request, to supply free of charge, to those subscribers to whom some numbers of the first volume may not have reached them or may have been lost, the missing issues, with the exception of the first number, which is sold out except for a few copies.
The "Lutheraner" can always be obtained at the residence of the carrier, Mr. Gräber (South Fifth Street, opposite the oil mill), further at Mr. Quast's (Olive Street, between Second and Third, below the theater), and from the editor.
Printed by Weber and Olshausen.