# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 09 06_S4 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) ihres Textes bestritten und wankend zu werden vermag,*) da sie niemals einer nur moralischen Glaubwürdigkeit sich unwürdig gemacht haben (s. die nächst vorhergehende Anmerkung), ja das Gegentheil schlechterdings unmöglich ist, weil sie in einer solchen Stellung und unter solchen Verhältnissen lebten, wo ihr Betrug von dem halsstarrigen, widerspenstigen, zur Abgötterei und allem Ungehorsam so geneigten Volke, dessen fleischlichen Erwartungen sie stets widersprachen, jedenfalls entdeckt worden wäre: so müssen wir, wenn wir den Inhalt ihrer Schriften nach richtiger Auslegung gewonnen haben, vor demselben entweder mit unverantwortlichem Unglauben vorübergehen, oder durch eine innere Nöthigung der Wahrheit und ihrer Beweise bewogen sie einem höhern Ursprunge, wie sie es selbst thun, zuschreiben. (Fortsetzung folgt.) zur Wahrheit, überhaupt die Heiligkeit ihrer Lehre, ihre Nächstenliebe, deren oberster Grundsatz Matth. 7, 12., ihre nüchterne Besonnenheit, Freiheit von allem Fanatismus, Verachtung alles irdischen Vortheils ꝛc. ꝛc.; und endlich 3) wegen der ungeheuren Wirkungen, die ihre Schriften geäußert haben, da doch ihre Lehre nur durch Ueberzeugung, nicht, wie der Islam, durch Feuer und Schwert ausgebreitet wurde. Paulus war sicherlich ein gescheidter Mann, der wohl wissen konnte, was er schrieb — wie wird er, wie werden Männer, wie Justin der Märtyrer, Origenes u. a. m., Alles genau und scharf geprüft haben! Ja, man weiß, lieber Leser, von manchem heidnischen Schriftsteller, dem man heutzutage vollen Glauben schenkt, viel weniger als von den Verfassern der heiligen Bücher. Darum gewiß, wenn ich etwas aus den alten Geschichten glauben soll, so muß ich die Geschichte der Christen und Juden glauben. Und eben die fabelhaften Erzählungen der heidnischen Urzeit bekräftigen bei unbefangener Zusammenstellung die Wahrheit der biblischen Aussagen. *) Es sei denn, daß wir mit unvernünftigem Verdachte alle treu überlieferten und mit besonnener Unterscheidung (Kritik) geprüften Werke (—gleich einem Harbum—) bezweifeln. Bei weiterer Ausführung dieser jetzt berührten Puncte möchten freilich die vermessenen Behauptungen und Uebergriffe des Rationalismus in ihrer Nichtigkeit und Schande erscheinen, als wären nicht bloß „ganze Bücher zweifelhaft, sondern auch einzelne Kapitel und Verse offenbar unecht“ ꝛc. (S. 6. 9. 10.) Was die verschiedenen Lesarten des heiligen Grundtextes betrifft, so ist, um nur das Eine anzuführen, merkwürdig genug, daß, obgleich der berühmte englische Variantensammler Benj. Kennikot, dessen Unternehmung durch die reichliche Unterstützung der vornehmsten europäischen Bibliotheken befördert ward, gegen das Ende des 18. Jahrhunderts eine sehr veränderte hebräische Bibel angekündigt hatte, man dennoch bis auf den heutigen Tag der alten Ausgabe des Holländers van der Hooght ihre Vorzüge nicht hat benehmen können; so wie der masorethische Text (nach der Ueberlieferung der Juden) einer sorgfältigen Kritik unentbehrlich bleibt. — Daß Herr Münch noch die zwei ersten Kapitel des Evangelii St. Matthäi und das letzte des Evangelii St. Johannis ꝛc. für untergeschoben erklärt, zeigt weiter nichts, als seine Unwissenheit, mit welcher er die gröbsten Excesse einiger Gelehrten seiner religiösen Schule nachspricht, ohne auf die Gegenbeweise gründlicherer und gemäßigterer Rationalisten zu achten. Wenn aber Gott den Text der heiligen Bücher, dessen Theile vor ihm, wie das Haar unseres Hauptes, gezählt sind, (vergl. Matth. 5, 18.) vor aller Verschiedenheit der Lesarten hätte bewahren wollen: so hätte er das größte Wunder von der Welt thun müssen, und der Glaube der Schrift würde dann nicht mehr Glaube sein können. Eine sorgfältige Vergleichung aller noch so verschiedenen Lesarten überführt uns, daß dieselben nicht den geringsten Einfluß auf die Glaubenslehre haben; es sind hohe, weise Absichten der Regierung und Gerichte Gottes gewesen, die jene Variation zugelassen haben; und sie werden gewiß mit der Folge der Zeit noch offenbarer werden. Wer mehr darüber nachlesen will und lateinisch versteht, vergleiche des hochverständigen Bengels Apparat. crit., besonders epilog. S. 881 sgg. 4 Gottes Antwort. Es hatte ein sonst christlich gesinnter Mann die Gewohnheit, in Fällen, in welchen er nicht sogleich wußte, was er thun sollte, die Bibel aufzuschlagen; den ersten Spruch, der ihm in die Augen fiel, nahm er dann als die göttliche Antwort und Entscheidung an. Als er dies einstmals bei einer sehr wichtigen Angelegenheit wieder that, kam er auf die Stelle: Hesek. 20, 31.: „Ich sollte mich euch vom Hause Israel fragen lassen? So wahr ich lebe, spricht der HErr HErr, ich will von euch ungefragt sein.“ Erschrocken schlug er seine Bibel wieder zu, und erkannte nun, daß ein solches Loosen mit Bibelstellen eine gewisse Versuchung Gottes sei. Von nun an hielt sich der Mann nach dem Befehle Christi: „Suchet in der Schrift.“ Joh. 5, 39. Subscription auf unveränderten Abdruck der Hauspostille Doctor Martin Luthers, nach Veit Dietrich's Ausgabe. Gewiß ist die Zahl der Lutheraner in diesem Abendlande nicht gering und nimmt mit jedem Jahre zu, welche nach der kerngesunden geistlichen Nahrung, die wir in Dr. Luther's Schriften finden, ein aufrichtiges Verlangen tragen. Leider aber sind diese Schriften im Allgemeinen hier so selten und nur mit großen Unkosten von Deutschland zu beziehen, daß nur wenige, namentlich unter der ärmeren Klasse des Volks, sich des Besitzes dieses Schatzes erfreuen können. Darum hofft der Unterzeichnete vielen seiner Glaubensgenossen einen wesentlichen Dienst zu erweisen, wenn er sich erbietet, einen getreuen Abdruck von Dr. Luther's Hauspostille zu liefern; er gedenkt, das Werk in 624 Royal-Octav-Seiten auf schönes weißes, festes Papier, mit deutlicher, auch für ein blödes Auge leserlichen Corpus-Schrift gedruckt, zu den äußerst niedrigen Preisen von $1.50 in Papierumschlag geheftet und $2 in Schafleder gut gebunden, zu liefern, und gibt die Versicherung, nicht die geringste Veränderung oder Verstümmelung des ursprünglichen Textes vorzunehmen und beim Abdruck sich streng an die Leipziger Ausgabe von Lutheri Schriften vom Jahr 1732 zu halten. Der Druck wird unverzüglich beginnen, sobald 1000 reelle Unterschriften vorhanden sind, und soll binnen drei Monaten beendigt werden. Sammler erhalten für zehn Exemplare, für welche sie mit Zahlung einstehen, ein Freiexemplar. Die Versendung der Exemplare geschieht auf Kosten der Agenten oder Sammler. Diese können den Betrag der Transportation den Subscribenten auflegen und von denselben erheben, der dann einem jeden derselben nur niedrig zu stehen kommen wird. Da der Unterzeichnete bei dem Unternehmen nicht seinen eigenen Gewinn sucht und ihm darum um so weniger zu verdenken ist, wenn er sich gegen etwaige Verluste sicher stellt, so macht er den Subscribenten oder Sammlern derselben es zur Bedingung, wenn das Werk seiner Vollendung nahe ist, die Zahlung für dasselbe baar an ihn einzusenden; dagegen macht er sich anheischig, für pünctliche Ablieferung des Buches bis zum Betrag der Kosten von 1000 Exemplaren sichre Bürgschaft zu stellen. Sobald der Druck begonnen hat, wird in der Lutherischen Kirchenzeitung zu Pittsburg, sowie im Lutheraner zu St. Louis davon Nachricht gegeben werden. Sollte das Unternehmen eine günstige Aufnahme finden, so wird mit Gottes Hilfe auch zum Abdruck der Kirchenpostille Dr. Luthers unter gleichen Bedingungen geschritten werden. Die beste Empfehlung der Hauspostille ist gegeben in dem Zeugniß, das der fromme Churfürst von Sachsen, Johann Friedrich der Großmüthige, für Dr. Luther's Schriften abgelegt hat, wenn er spricht: „Dr. Martin Luther's Bücher herzen, gehen durch Mark und Bein, und es ist in einem Blättlein mehr Saft und Kraft, auch mehr Trost, als in ganzen Bogen anderer Scribenten!“ Heinrich Ludwig, Herausgeber, No. 70 und 72 Vesey-Straße. New York, am 3. Juli 1845. ☞ Der Herausgeber des „Lutheraner“ erbietet sich, Subscription für obiges Werk anzunehmen; diejenigen, welche durch ihn dasselbe beziehen wollen, sind aufgefordert, sich so bald als möglich deswegen an ihn schriftlich oder mündlich zu wenden. Den Lesern kann die Versicherung gegeben werden, daß Herr H. Ludwig, der Unternehmer, als ein reeller, solider Mann bekannt ist und daß selbiger daher sein Versprechen gewiß pünctlich halten wird. Quittungen. Bezahlt haben den ersten Jahrgang: Herr Zühelsdorf; die zweite Hälfte des ersten Jahrgangs, Hr. Gräb; die erste Hälfte des zweiten Jahrgangs, Hr. Gerding. NB. Der Herausgeber freut sich, seinen geehrten Unterschreibern melden zu können, daß er in den Stand gesetzt ist, den zweiten Jahrgang, wie oben bemerkt, für $1,00, und jede einzelne Nummer für 5 Cents auszugeben. NB. Der Herausgeber ist bereit, denjenigen Unterschreibern, welchen einige Nummern des ersten Jahrgangs nicht zugekommen oder verloren gegangen sein sollten, dieselben auf Verlangen unentgeldlich zu ergänzen, mit Ausnahme der ersten Nummer, welche bis auf wenige Exemplare vergriffen ist. Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber. Gedruckt bei Weber und Olshausen.