CollectionDer Lutheraner (Frankfurt am Main)Jahrgang 4, Nummer 1 › Seite 7

Der Lutheraner Frankfurt am Main — Januar 1950, Seite 7

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Nummer 1                                                            Januar 1950                                                            Seite 7

meinde in Gottes Wort unterrichten lassen? Aber viele Eltern lassen es dabei bewenden und erkennen nicht ihre Pflicht, daß sie selbst auch weiterhin ihre Kinder in den Wahrheiten der christlichen Lehre unterweisen sollen. Warum hat Luther in seinem Kleinen Katechismus jedes Hauptstück überschrieben mit den Worten: „Wie ein Hausvater seinem Gesinde einfältiglich vorhalten soll"? Der Katechismus sollte heute wieder viel mehr ein Familienbuch werden, das die Eltern benutzen, um ihre Kinder aufzuziehen in der Zucht und Vermahnung zum HErrn. Beachten wir, daß in der Erläuterung zum dritten Gebot 2. Mos. 20, 10 die Hausväter für die Heiligung des Feiertags verantwortlich gemacht werden, wenn es da heißt: „Aber am siebenten Tag ist der Sabbath des HErrn, deines Gottes, da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd." Wenn wir heute nicht mehr den alttestamentlichen Sabbath so feiern, wie es im Alten Bunde geschah, so ist dennoch auch jetzt der Hausvater noch ebenso verantwortlich vor Gott wie einst, daß sein Haus, seine Familie den Feiertag recht heilige und Gottes Wort höre und lerne. Man kann es auch immer deutlich an den Kindern erkennen und merken, ob ein Hausvater diese seine Pflicht recht erfüllt oder nicht.

Eine Familie, die Gottes Wort reichlich unter sich wohnen läßt, die ihre regelmäßigen Hausandachten hält — auch dann, wenn Besuch da ist — und die gemeinsam regelmäßig zur Kirche geht — auch dann, wenn sie Gäste hat — ist ebenso wie die ganze Gemeinde einer Stadt gleich, die auf dem Berge liegt und nicht verborgen bleiben kann.

Im Freundeskreis

Damit, daß wir im engsten Kreis der eigenen Familie Gottes Wort reichlich unter uns wohnen lassen, haben wir ja die Möglichkeit, unser persönliches Zeugnis auch vor dem weiteren Kreis der Verwandten und der persönlichen Freunde und Bekannten abzulegen. Wie oft aber wird diese Möglichkeit übersehen und versäumt! Denn es kommt doch immer wieder vor, daß man die tägliche Hausandacht unterläßt, wenn man gerade Besuch hat, ja daß man sich dadurch sogar hindern läßt, zur Kirche zu gehen, und mit dem Besuch lieber zuhause bleibt. Und das wird dann auch oft dem Pastor gesagt als Entschuldigung für das Versäumen des Gottesdienstes. Man empfindet da gar nicht mehr, daß ein solches Verhalten zu einer Verleugnung des Glaubens werden kann.

Welche Möglichkeiten wir haben, gerade im Kreise unserer Angehörigen und Verwandten unsere Missionsaufgabe zu erfüllen, zeigt uns die Heilige Schrift an vielen Beispielen. Denken wir an Andreas: „Derselbige findet am ersten seinen Bruder Simon" und führt ihn zu Christo. Philippus findet seinen Freund Nathanael. In der Apostelgeschichte hören wir wiederholt von solchen, die „mit ihrem ganzen Hause" das Wort Gottes annahmen. Die Purpurkrämerin Lydia hörte zunächst allein die Predigt des Apostels Paulus. Als ihr aber der HErr das Herz aufgetan hatte, da ließ sie sich mit ihrem Hause taufen, und inbrünstig bat sie den Apostel und seine Begleiter: „So ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an den HErrn, so kommt in mein Haus und bleibet allda."

Vor Jedermann

Sind wir aber darin treu, daß wir in dem Kreis unserer nächsten Verwandten und Freunde unsern Glauben ungescheut bekennen, dann mögen wir den Kreis derer, die wir mit unserem Zeugnis zu erreichen suchen, weiterziehen, daß wir uns auch an unsere Nachbarn wenden und an die Menschen, mit denen wir an den Stätten unseres Berufs und unserer Arbeit zusammengeführt werden. Auch da haben wir es noch mit Menschen zu tun, die wir schon kennen; und mit solchen läßt sich ein Gespräch über Glaubenswahrheit immer leichter anknüpfen als mit völlig Unbekannten. Aber auch diese sollen erreicht werden. Denn der HErr, unser Heiland, will ja keinen Menschen ausnehmen von der Erkenntnis seines Heils. „Prediget das Evangelium aller Kreatur" heißt es und: „Gott will, daß allen Menschen geholfen werde und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen."                                                                                                          Hch. Hübener

Nachrichten aus unseren Kirchen

Rektoratswechsel an der Lutherischen Theologischen Hochschule zu Oberursel

Nach einer nunmehr im Statut unserer Hochschule festgelegten Gepflogenheit wechselt das Rektorat jährlich zwischen den beiden an der theologischen Arbeit der Anstalt unmittelbar beteiligten lutherischen Freikirchen. Da für das kommende Jahr die Ev.-Luth. Freikirche den Vertreter für dies Amt zu stellen hatte, war von der Fakultät diesmal Dozent Pastor Wilhelm Oesch zum Rektor erwählt worden und wurde an Luthers Geburtstag, 10. November, dem herkömmlichen Termin dieser Bestellung, feierlich in sein Amt eingeführt. Es geschah dies in einem akademischen Aktus, bei dem nach dem Rektoratsbericht des letztjährigen Rektors, Kirchenrat Lic. Kiunke (der in seiner Abwesenheit von Lic. Laabs vertreten wurde), Kirchenrat Dr. Günther als derzeitiger Vorsitzender der Aufsichtsbehörde der Hochschule die feierliche Verpflichtung des neuen Rektors durch Handschlag vornahm. Seine bei dieser Gelegenheit gehaltene Ansprache wird hoffentlich in diesem Blatt auch unseren Lesern zugänglich werden. Im Anschluß daran hielt der Rektor seine Rektoratsrede über das Thema: „Der Tertius Usus (dritte Brauch des Gesetzes) der Konkordienformel im Lichte neuester Angriffe aus Lund und Erlangen."

Er untersuchte nicht nur überhaupt die Frage der Bräuche des Gesetzes in Verbindung mit der Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, sondern wies bei aller Würdigung des „Romarbrevet" von Nygren oder des Buches „Zwischen Gnade und Ungnade" von Elert ein antinomistisches Element bei beiden nach, eine Verflüchtigung des Gesetzes, das bei Elert zur bloßen lex talionis (Vergeltungsgesetz) wird, so daß nur der Usus Politicus (Gesetz als Riegel) bleibt. Das hängt zusammen mit der gebrochenen, bibelkritischen Stellung zum Alten Testament und zur Schrift überhaupt. Dann ist aber das Gesetz nicht mehr „geistlich" (Röm. 7, 14) und kann das Strafamt nicht mehr wirklich ausüben. Das aber, tastet das Evangelium an als das Gegenüber vom Gesetz, in dem durch Christi stellvertretendes Verdienst und Leiden das überreichlich geschenkt wird, was das Gesetz fordert. Daß ohne des Gesetzes Predigt das Evangelium sinn- und wirkungslos wird, das war der Hauptgrund, weshalb Luther so gewaltig gegen Johannes Agricola und den ganzen Antinomismus auftrat und die Predigt des Gesetzes in der Kirche forderte. Es wurde Luthers Schrift an Dr. Kaspar Güttel vom Jahre 1539 angeführt. Es ist eine Gnade Gottes, daß die Konkordienformel den Ertrag dieses Kampfes bekenntnismäßig fixiert, alle Bräuche des Gesetzes beim Christen nur gegen den alten Adam gerichtet sein läßt, aber gerade auch den mit dem geistlichen Begriff des Gesetzes zusammenhängenden dritten Brauch festhält und so die Schwärmerei abwehrt, welche sich anmaßt, selbst zu bestimmen, was gute Werke sind, und andererseits zur Sünde macht, was keine ist.

Möchte Gottes Geist auch im neuen Rektoratsjahre mit dem Rektor und aller theologischen Arbeit sein, die an unserer Theologischen Hochschule geschieht! Leider hat der bisherige Rektor, um seine schwer angegriffene Gesundheit wieder herzustellen, einen längeren Urlaub in die Schweiz antreten müssen. Durch besondere Umstände ließ sich ein anderer Termin nicht einrichten. Er nahm mit neuen Kräften Mitte Dezember seine Vorlesungen wieder auf.

Das Wintersemester hatte bereits am 3. November mit einer größeren Zahl von Studenten als im Sommer begonnen. Es sind jetzt 36 Studenten aus drei lutherischen Freikirchen Deutschlands, die hier für den Dienst der Kirche ausgebildet werden. Die Neueintretenden kamen meist aus unserem Theologischen Proseminar in Groß-Oesingen, das sie nach erworbenem Abitur noch zur Vervollkommnung ihrer Kenntnis des Lateinischen, Griechischen und Hebräischen besucht hatten. Bemerkenswert ist, daß sich aber darunter auch zwei Amerikaner befinden, Studenten der lutherischen theologischen Hochschule der Wisconsinsynode zu Thiensville, bei Milwaukee, Wisc. Die Unterbringung und Versorgung der für uns sehr großen Zahl von Studenten in der Anstalt ist ein Problem, das uns auch in diesem Semester vor große Schwierigkeiten stellt. Das ist um so mehr der Fall, als die große Mehrzahl der Studenten (trotz schwerer körperlicher Arbeit in den Ferien als Werkstudenten) nicht in der Lage ist, alle Mittel für das Studium selbst aufzubringen. Nur durch die Hilfe der Glaubensgenossen in Amerika und unserer Gemeinden sind sie in der Lage, das Nötige zu beschaffen. Und auch die Hochschule selbst verdankt es nur dieser treuen Hilfe, besonders aus Amerika, daß sie ihren so wichtigen Dienst tun kann.

Der Besuch im Sommersemester 1950 dürfte nach allen Berechnungen noch größer werden.

Bei dieser Gelegenheit sei auch unseren Landgemeinden besonders in der Lüneburger Heide herzlich Dank gesagt, daß sie uns auch in diesem Jahre nicht vergessen und mit einer großen Sendung von Lebensmitteln, vor allem Kartoffeln und Roggen, bedacht haben. Nur damit sind wir in der Lage, wieder für gesunde ausreichende Kost zu sorgen und die Verpflegung unserer Studenten so zu verbilligen, daß wir sie weiterhin zu einem Satz von DM 60.— im Monat ermöglichen können.

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Number 1                                                            January 1950                                                            Page 7

...congregation instructed in God's Word? But many parents let the matter rest there and fail to recognize their own duty, that they themselves should continue to instruct their children in the truths of Christian doctrine. Why did Luther, in his Small Catechism, head every chief part with the words: "As the head of a household should simply set it before his household"? The Catechism ought today to become once again far more a family book, one that parents use to raise their children in the discipline and admonition of the Lord. Let us note that in the explanation of the Third Commandment, Exodus 20:10, the heads of households are made responsible for the sanctification of the holy day, where it says: "But the seventh day is the Sabbath of the LORD your God; on it you shall do no work, neither you, nor your son, nor your daughter, nor your manservant, nor your maidservant." Even though today we no longer keep the Old Testament Sabbath as it was kept under the Old Covenant, the head of the household is nevertheless still just as responsible before God as before, that his house, his family, rightly hallow the holy day and hear and learn God's Word. One can always clearly see and note in the children whether a head of household is rightly fulfilling this his duty or not.

A family that lets the word of God dwell richly among them, that keeps its regular family devotions — even when there are guests — and that goes to church together regularly — even when it has visitors — is, just like the whole congregation, like a city that lies on a hill and cannot be hidden.

Among Friends

By letting the word of God dwell richly among us in the innermost circle of our own family, we do indeed have the opportunity to bear our personal testimony also before the wider circle of relatives and personal friends and acquaintances. But how often is this opportunity overlooked and neglected! For it happens again and again that one omits the daily family devotion precisely when one has guests, indeed that one even lets oneself be kept from going to church by this, preferring to stay home with the visitors. And this is then often told to the pastor as an excuse for missing the worship service. One no longer even senses that such behavior can become a denial of the faith.

What opportunities we have, precisely within the circle of our own people and relatives, to fulfill our mission task, Holy Scripture shows us through many examples. Let us think of Andrew: "He first findeth his own brother Simon," and brings him to Christ. Philip finds his friend Nathanael. In the Acts of the Apostles we repeatedly hear of those who received the word of God "with their whole house." Lydia, the seller of purple, at first heard the preaching of the Apostle Paul alone. But when the Lord had opened her heart, she was baptized together with her household, and she fervently besought the apostle and his companions: "If ye have judged me to be faithful to the Lord, come into my house, and abide there."

Before Everyone

But if we are faithful in this, that within the circle of our closest relatives and friends we confess our faith without shrinking back, then we may extend the circle of those whom we seek to reach with our testimony, so that we also turn to our neighbors and to the people with whom we are brought together in the places of our profession and our work. There too we are still dealing with people whom we already know; and with such people a conversation about the truth of the faith is always easier to begin than with complete strangers. But these too should be reached. For the Lord, our Savior, wishes to exclude no one from the knowledge of his salvation. "Preach the gospel to every creature," it says, and: "God will have all men to be saved, and to come unto the knowledge of the truth."                                                                                                          Hch. Hübener

News from Our Churches

Change of Rectors at the Lutherische Theologische Hochschule zu Oberursel

According to a practice now fixed in the statutes of our seminary, the rectorate alternates yearly between the two Lutheran free churches directly involved in the theological work of the institution. Since for the coming year the Ev.-Luth. Freikirche was to provide the representative for this office, the faculty this time elected Dozent Pastor Wilhelm Oesch as rector, and he was solemnly installed in his office on Luther's birthday, November 10, the traditional date for this appointment. This took place in an academic ceremony in which, following the rectorate report of last year's rector, Kirchenrat Lic. Kiunke (who was represented in his absence by Lic. Laabs), Kirchenrat Dr. Günther, as the current chairman of the seminary's supervisory board, performed the solemn installation of the new rector by a handshake. His address given on this occasion will, we hope, also become accessible to our readers in this paper. Following this, the rector delivered his rectoral address on the theme: "The Tertius Usus (Third Use of the Law) of the Formula of Concord in the Light of the Most Recent Attacks from Lund and Erlangen."

He examined not only the question of the uses of the law in general in connection with the distinction between Law and Gospel, but, while giving all due recognition to Nygren's "Romarbrevet" and to Elert's book "Zwischen Gnade und Ungnade" (Between Grace and Disgrace), demonstrated an antinomian element in both — a volatilizing of the law which in Elert becomes a mere lex talionis (law of retribution), so that only the usus politicus (the law as a curb) remains. This is connected with the broken, Bible-critical stance toward the Old Testament and toward Scripture in general. But then the law is no longer "spiritual" (Romans 7:14) and can no longer truly exercise its office of condemning sin. This, however, undermines the Gospel as the counterpart of the Law, in which, through Christ's vicarious merit and suffering, that is granted in overflowing measure which the Law demands. That without the preaching of the Law the Gospel becomes meaningless and ineffective was the chief reason why Luther contended so mightily against Johannes Agricola and all antinomianism, and demanded the preaching of the Law in the church. Luther's writing to Dr. Kaspar Güttel from the year 1539 was cited. It is a grace of God that the Formula of Concord fixes confessionally the fruit of this struggle, letting all the uses of the Law directed at the Christian apply only against the old Adam, but at the same time upholding precisely the third use, bound up with the spiritual concept of the Law, and thus warding off the fanaticism which presumes to determine for itself what good works are, and on the other hand makes sin out of what is no sin.

May God's Spirit be with the rector also in this new rectoral year, and with all the theological work carried on at our seminary! Unfortunately, the outgoing rector, in order to restore his severely impaired health, has had to take an extended leave in Switzerland. Owing to special circumstances, no other date could be arranged. He resumed his lectures with renewed strength in mid-December.

The winter semester had already begun on November 3 with a larger number of students than in the summer. There are now 36 students from three Lutheran free churches of Germany who are being trained here for the service of the church. The newly entering students came mostly from our Theologisches Proseminar in Groß-Oesingen, which they had attended, after obtaining their Abitur, in order to perfect their knowledge of Latin, Greek, and Hebrew. It is noteworthy that among them are also two Americans, students of the Lutheran theological seminary of the Wisconsin Synod at Thiensville, near Milwaukee, Wis. The housing and provisioning of the, for us, very large number of students at the institution is a problem that confronts us with great difficulties again this semester. This is all the more the case since the great majority of the students (despite hard physical labor during vacations as working students) are not able to raise all the funds for their studies themselves. Only through the help of fellow believers in America and of our congregations are they able to procure what is necessary. And the seminary itself, too, owes it only to this faithful help, especially from America, that it is able to carry out its so important service.

Enrollment in the summer semester of 1950 is expected, by all estimates, to be even greater.

On this occasion, let heartfelt thanks also be given to our rural congregations, especially in the Lüneburg Heath, for not forgetting us again this year and for remembering us with a large shipment of foodstuffs, above all potatoes and rye. Only through this are we able once again to provide healthy, sufficient food and to keep the cost of our students' board low enough that we can continue to make it possible at a rate of DM 60.— per month.

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