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Der Lutheraner Frankfurt am Main — Januar 1950, Seite 1
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Der Lutheraner
ZEITBLATT FÜR EVANGELISCH-LUTHERISCHE GEMEINDEN
IN DEUTSCHLAND
„So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger
und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Joh. 8, 31. 32.
Nummer 1 Frankfurt am Main, Januar 1950 Jahrgang 4
Im Namen Jesu!
Allen unsern Lesern wünschen wir Gottes Gnade und Frieden zum Neuen Jahre und bringen als Gruß den Schluß einer Neujahrspredigt über das Evangelium Luk. 2, 21 von dem A. D. 1764 heimgegangenen Superintendenten und Stadtpfarrer von Nürtingen, Mag. Immanuel Gottlob Brastberger.
Was möchte ich denn herzlicher wünschen, als daß ihr die Kraft und Süßigkeit des allerteuersten Namens Jesu in diesem Jahr alle schmecken und erfahren möchtet, und das soll auch der Inhalt meines herzlichen Wunsches sein, den ich bei dem Antritt dieses Neuen Jahres gerne vor dem Angesicht Gottes über euch alle ausschütten möchte. Denn ich weiß ja keine andere Quelle des Trostes, der Gnade und des Segens, als allein den teuren Namen Jesu.
Ach, daß doch in diesem Jahre nicht nur in unserm Lande, sondern auch auf der ganzen Erde Jesus möchte hoch gepriesen werden, so würden die Schwerter in die Scheide fahren und das Blutvergießen aufhören müssen. Ach, daß doch der teuerste Jesusname verherrlicht werden möchte, besonders in dem Zion unserer lutherischen Kirche und in unserm geliebten Vaterlande!
Die Kraft des allerteuersten Jesusnamens und der Segen, der in demselben liegt, müsse sich ausbreiten über alle hohen und niederen Kollegien, über alle Lehrer, die in Kirchen und Schulen arbeiten, über alle diejenigen, die das Regiment führen, besonders auch über die werte Obrigkeit, über alle Mitglieder unserer Gemeinden, über die ganze Bürgerschaft. Der Herr Jesus werde unter ihnen in diesem Jahr recht groß und herrlich, daß sein Name in ihren Häusern, in ihren Werkstätten und bei allen Gelegenheiten gepriesen werde. Er lasse Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, Große und Kleine, Witwen und Waisen,
[Bild: Der predigende Luther, umgeben von seiner Gemeinde]
JESUS CHRISTUS GESTERN UND HEUTE UND DERSELBE AUCH IN EWIGKEIT.
Hebr. 13, 8
Das Wort macht feine, sanfte Leute und stille, fröhliche Herzen, die in Ängsten nicht verzagen noch ungeduldig werden.
Luther
Reiche und Arme durch die Kraft des Evangeliums erweckt werden, daß sie anfangen, nach Jesu zu fragen, Jesum zu suchen und in seiner Gemeinschaft selig zu sein. Er gehe als der gute Hirte den Verlorenen nach, daß sie gefunden, den Blöden (Verzagten), daß sie aufgerichtet, den Schwachen, daß sie gestärkt, den Bußfertigen, daß sie begnadigt, den Gläubigen, daß sie in der Gnade erhalten werden. Er sei eure Sonne, euer Schirm und Schild und schenke uns Gnade, daß wir an jenem Tage mit einem großen Heer geretteter Seelen vor sein heiliges Angesicht kommen und selig werden.
So segne euch denn allesamt
der Vater und der Sohn,
Euch segne Gott der Heilge Geist,
dem alle Welt die Ehre tut.
Vor ihm euch fürchtet allermeist
und sprecht von Herzen: Amen.
Anno Domini 1950
Wir stehen in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, mit welchem Hochgefühl und welch freudigen Erwartungen vor 50 Jahren das neue Jahrhundert begrüßt wurde. Es sollte ein Jahrhundert des Fortschrittes auf allen Gebieten menschlichen Strebens werden. Wissenschaft, Technik und Kunst feierten unerhörte Triumphe. Sie sollten den Menschen Glück und Wohlleben bringen. Der berauschende Gedanke der fortschreitenden Höherentwicklung beherrschte die Gemüter.
Was ist der Ertrag der ersten Hälfte dieses gepriesenen Jahrhunderts? Fürchterliche Kriege mit grauenhaften Gewalttaten und unermeßlichen Blutopfern, Zusammenbruch von Staaten und Völkern, viele Millionen heimatlose Bettler, ungeheure Trümmerhaufen, zerstörte Kirchen, Haß und Mißtrauen zwischen den Völkern. Unheilschwere, drohende Wolken liegen auch über der Zukunft der Welt.
Vielen erscheint ein neuer, noch entsetzlicherer Weltkrieg unvermeidbar. Ein berühmter Physiker erklärte, mit den vorhandenen Atombomben könne man die ganze Zivilisation der Welt vernichten. Im Westen Deutschlands scheint sich zwar in friedlicher Entwicklung ein Neuaufbau zu vollziehen. Kommt man aber nach Berlin, so spürt man, wie die Weltmächte sich drohend gegenüberstehen und die Menschen sich ängsten vor dem, was kommen mag.
In dieser Weltsituation geht die Kirche ihren Weg in der getrosten Zuversicht, daß der HERR Christus bei ihr ist alle Tage bis an der Welt Ende. „Darum fürchten wir uns nicht.“ Die Kirche Christi weiß: der HERR kommt bald, und sie ist bemüht, im rechten Glauben und Leben ihm zu gefallen und die Zeit zu seinem Werk auszukaufen.
Auch unsere lieben lutherischen Freikirchen stehen so „zwischen den Zeiten.“ Sie haben
I.
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Der Lutheraner
NEWSPAPER FOR EVANGELICAL LUTHERAN CONGREGATIONS
IN GERMANY
"If you continue in my word, you are truly my disciples,
and you will know the truth, and the truth will set you free."
John 8:31-32.
Number 1 Frankfurt am Main, January 1950 Volume 4
In the Name of Jesus!
To all our readers we wish God's grace and peace for the New Year, and we bring, as a greeting, the closing portion of a New Year's sermon on the Gospel of Luke 2:21 by Mag. Immanuel Gottlob Brastberger, who in A.D. 1764 went home to the Lord as superintendent and town pastor of Nürtingen.
What could I wish more heartily than that you should all taste and experience, in this year, the power and sweetness of the most precious name of Jesus — and that shall also be the substance of the heartfelt wish which, at the beginning of this New Year, I would gladly pour out over all of you before the face of God. For I know no other source of comfort, of grace, and of blessing than the precious name of Jesus alone.
Ah, that in this year Jesus might be highly praised not only in our land but throughout the whole earth — then swords would be sheathed and the shedding of blood would have to cease. Ah, that the most precious name of Jesus might be glorified, especially in the Zion of our Lutheran Church and in our beloved fatherland!
May the power of the most precious name of Jesus, and the blessing that lies within it, spread over all high and low councils, over all teachers who labor in churches and schools, over all those who hold rule, especially also over our worthy authorities, over all members of our congregations, over the whole citizenry. May the Lord Jesus become truly great and glorious among them in this year, so that his name may be praised in their homes, in their workshops, and on every occasion. May he cause men and women, young men and maidens, great and small, widows and orphans,
[Image: Luther preaching, surrounded by his congregation]
JESUS CHRIST YESTERDAY AND TODAY AND THE SAME FOREVER.
Heb. 13:8
The Word makes fine, gentle people and quiet, joyful hearts, who do not despair or grow impatient in times of fear.
Luther
rich and poor, to be awakened by the power of the Gospel, that they may begin to ask after Jesus, to seek Jesus, and to be blessed in fellowship with him. May he, as the good shepherd, go after the lost, that they be found; after the fainthearted (the despairing), that they be lifted up; after the weak, that they be strengthened; after the penitent, that they be pardoned; after the believers, that they be kept in grace. May he be your sun, your shield and defense, and grant us grace that on that day we may come, with a great host of redeemed souls, before his holy countenance and be saved.
So may the Father and the Son
bless you all together,
may God the Holy Spirit bless you,
to whom all the world gives honor.
Fear him above all else
and say from the heart: Amen.
Anno Domini 1950
We stand at the midpoint of the twentieth century. The older among us will still remember with what exhilaration and joyful expectation the new century was greeted fifty years ago. It was to become a century of progress in every field of human endeavor. Science, technology, and art celebrated unprecedented triumphs. They were to bring happiness and prosperity to mankind. The intoxicating idea of ever-advancing higher development held minds captive.
What is the yield of the first half of this celebrated century? Terrible wars with horrific acts of violence and immeasurable bloodshed, the collapse of states and peoples, many millions of homeless beggars, immense heaps of rubble, destroyed churches, hatred and mistrust between the nations. Ominous, threatening clouds also hang over the future of the world.
To many, a new, even more horrifying world war appears unavoidable. A famous physicist declared that with the atomic bombs already in existence, the whole civilization of the world could be destroyed. In western Germany, a rebuilding does indeed appear to be taking place through peaceful development. But if one comes to Berlin, one senses how the world powers stand threateningly opposed to one another, and how people are afraid of what may come.
In this world situation the Church goes her way in the confident assurance that the LORD Christ is with her every day until the end of the world. "Therefore we are not afraid." The Church of Christ knows: the LORD is coming soon, and she is at pains, in right faith and life, to please him and to redeem the time for his work.
Our dear Lutheran free churches, too, thus stand "between the times." They have
I.