Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 24 › Seite 95
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-07-26, Seite 95
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheriſche Kirche
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raus, wo er nur irgend konnte. Da träumte es einst seiner Mutter, es zeigte ihr eine Hand auf jene Stelle in der aufgeschlagenen Vorrede Luthers zu seinem kleinen Katechismus. Die frommen Eltern merkten alsbald, was sie zu thun hätten, und ob sie gleich nicht vermögend waren, so ließen sie dennoch den Sohn studiren. Die Mutter bringt ihn selbst nach Leipzig, knieet aber vor der Stadt in einem Gehölz mit ihm nieder und bittet Gott zu ihrem Vorhaben um Gnade und Segen. Und Gott erhörte das Gebet gar gnädig; der Sohn studirte fleißig und wurde nach einer Reihe von Jahren Candidat des Predigtamts. Darum, als die Mutter ihn dann wieder in Leipzig abholte, knieete sie an demselben Ort im Gehölz mit ihm abermals nieder und brachte Gott ihr Dankgebet. —
G. H. Löber,
Past. zu Altenburg in Perry Co., Mo.
Antwort auf die neueste Vertheidigung der Union.
(Fortsetzung.)
Hätte Herr Nollau, was im Lutheraner von der Kirche und insonderheit von der lutherischen gesagt worden ist, wirklich verstanden, so müßte er ein überaus boshafter Mann sein, der zu den gröbsten Lügen seine Zuflucht nimmt, um sich aus seiner Verlegenheit zu retten. Der Leser hat jedoch bereits in der vorletzten Nummer gesehen, welche wunderliche Confusion in dem Kopfe des Hrn. N. herrscht, was seine eigenen Vorstellungen von der Kirche betrifft, wir können daher zur Ehre Hrn. N's. annehmen, daß nicht Bosheit des Herzens, sondern Schwäche des Verstandes der eigentliche Grund war, daß derselbe unsere Lehre von der Kirche durchaus falsch und verkehrt darstellt. Daß wir uns in diesem guten Vorurtheile nicht irren, schließen wir unter andern daraus, daß Hr. N. zu allererst den „Eindruck" beschreibt, den unsere Angriffe auf ihn gemacht haben. S. 5. Hr. N. hat hiernach offenbar mehr auf den beim Lesen empfangenen Eindruck, als auf unsere Ausdrücke gemerkt und sich daher von den bekommenen Eindrücken in der Darstellung unserer Lehre leiten lassen. Ist es ja aus der Psychologie (Seelenlehre) bekannt, wie wunderbar das Spiel unserer Einbildungskraft in dem Zustande der Erregung ist. Wie mancher einsame Wanderer hat schon in der Nacht sich erst nur in seinen Gedanken mit Räubern und Mördern, die ihn überfallen könnten, lebhaft beschäftigt, und siehe! — kaum ist er eine Strecke weiter gegangen, so erblickt er in einiger Entfernung wirklich einen großen langen Mann, der offenbar am Wege auf den Reisenden mit drohender Miene lauert. Dem Wanderer erstarrt das Blut in den Adern; er getraut sich nicht, weder vorwärts noch rückwärts zu gehen; mit Schrecken gewahrt er schon, wie der Wegelagerer auf ihn zuschreitet; doch — der Mond durchbricht eben eine dunkle Wolke — und vor ihm steht ein harmloser Wegweiser. Ohngefähr so, meinen wir, mag es Hrn. Nollau mit dem Bild gegangen sein, das wir von der lutherischen Kirche gezeichnet hatten. Daher der arme Mann auch wirklich in seiner großen Bestürzung, S. 38, die bange Besorgniß ausspricht, daß wir die Evangelischen alle schlachten würden, wenn uns einmal die weltliche Macht gegeben werden sollte. Es thut uns in der That leid, daß Hr. N. bei Durchlesung des Lutheraners in solche peinliche Besorgnisse gerathen ist. Aber so gehts, wenn man dem ersten „Eindruck" folgt.
Doch zur Sache. Welche Lehre von der Kirche läßt uns denn Hr. N. in seiner Schrift bekennen? Er beginnt mit der Behauptung: „Bei Hrn. Walther ist die Meinung eine stehende geworden, die sich durch alles hindurchzieht, daß die lutherische Kirche die einzige wahre, sichtbare und unsichtbare, selig machende Kirche sei." S. 5. Dasselbe wiederholt der Verfasser S. 6 und 7, und spricht: „Von Anfang an verschmilzt er („der Lutheraner") durchgehends mit Unrecht die äußere, sichtbare, christliche Kirche mit der eigentlichen, wahren und unsichtbaren Kirche Christi, beides soll die lutherische Kirche sein." Hr. N. sagt aber ferner dennoch, daß wir „Millionen Seelen außer der luth. Kirche noch einen Antheil an Christo und der ewigen Seligkeit lassen." S. 22. Hr. N. schiebt uns ferner den Glauben unter, daß da eine lutherische Kirche gewesen sei, wo man im „geistlichen Tode lag." S. 27. Hr. N. sagt weiter, daß wir „den Glauben an die Kirche und an die symbolischen Bücher beschwören ließen." S. 51. Endlich spricht Hr. N. von uns: „Sie suchen zwar dadurch eine Ausflucht, daß sie sagen: die wahren Christen in andern Kirchen seien im Herzen Lutheraner und gehörten eigentlich (ohne es zu wissen) zur luth. Kirche, allein eine solche Clausel ist nichts anders, als eine kluge List, sich aus den Widersprüchen herauszuziehen, in welche sie sich durch die Behauptung verwickeln, die eine wahre Kirche zu sein." S. 68. Wichtig ist hierbei wiederum die Beschreibung der luth. Kirche, wie sie Hr. N. durch den angeblichen Lutheraner, Hrn. Saxer, gibt und deren Billigung daher ersterer uns zumuthet; sie lautet also: „Die Grundlage der luth. Kirche ist reines Wort und reines Sacrament, aber wohl gemerkt: Reines Wort und reines Sacrament, als Gesetz der Kirche. Nie hat sie behauptet, auch nicht behaupten dürfen, daß alle ihre Glieder von ihrem Bekenntnisse lebendig durchdrungen seien; sie fordert solches auch nicht einmal und legt zu Zeiten, um mich gelinde auszudrücken, mehr Werth auf die rechtliche Anerkennung ihrer Constitutionen, als auf den jeweiligen Zustand ihrer Gemeinen. Mag es in diesen zu Zeiten auch wunderlich hergehen: wenn nur ihre Confession vom Staate anerkannt wird und von ihren Dienern bei gewissen feierlichen Gelegenheiten, immerhin mit allerlei reservationes mentales (trüglichem Vorbehalt in Gedanken) unterschrieben wird: so leidet die Kirche in ihrem Wesen und in ihrer Wahrheit dadurch nicht den mindesten Abbruch." S. 13.
Das ist die Beschreibung der lutherischen Kirche, wie sie Hr. N. als die unsrige an seine gutmüthigen Leser verkauft. Derselbe mißt uns hiernach die unsinnige Meinung bei, daß die sichtbare Gesammtheit der Leute, welche sich seit 300 Jahren lutherisch genannt, die symbolischen Bücher der luth. Kirche und eine lutherische Kirchenordnung als ihre Constitution angenommen und als eine besondere kirchliche Partei dagestanden haben, die in ihnen abgeschlossene wahre sichtbare und unsichtbare Kirche JEsu Christi auf Erden sei, die uns selig macher soll, an die wir glauben müßten, und deren Wesen darinnen bestehe: daß ihre Symbole nur äußerlich vom Staate anerkannt und von den Predigern, wenn auch trüglich, beschworen und daß ihre äußerlichen besonderen Ordnungen zur Behauptung ihrer eigenthümlichen Gestalt bewahrt würden. Zugleich legt Hr. N. uns die schreiende Inconsequenz (Folgewidrigkeit) unter, daß wir auch außerhalb unserer angeblichen einigen wahren Kirche Christi Kind'r Gottes anerkennten.
Das glauben wir nun wohl, daß Hr. N. den süßen Traum geträumt habe, wir seien so inconsequent und könnten unmöglich andere Gedanken von unserer lutherischen Kirche haben; aber wir appelliren an ale vernünftige Leser des Lutheraners und fragen: Wo haben wir je solchen Unsinn, als uns Hr. N. aufbürdet, in unserem Blatte ausgekrant? Wo haben wir je gesagt, daß die luth. Kirche eine sichtbare Anstalt sei, die auf die so genannten Lutheraner eingeschränkt sei? Haben wir nicht im Gegentheil (man vergleiche insonderheit No. 6 des Lutheraners) die Kirche stets als ein unsichtbares Gebäude, das über die ganze Welt gebaut ist, beschrieben? Haben wir nicht unter andern folgendes Bekenntniß gethan: „Wir sind keineswegs so fanatisch und so beschränkt in der Erkenntniß von dem in sichtbaren Reiche Christi, daß wir meinen, dasselbe bestehe nur aus solchen, die sich Lutheraner nennen. O nein! Darum ist uns eben unsere Kirche so groß und herrlich, darum hangen wir eben derselben mit ganzer Zustimmung unseres Herzens an; darum wollen wir ben für sie an unserem geringen Theile auch öffentlich Zeugniß ablegen, beten, kämpfen und trotz aller Schmach, die auf ihr lastet, bei ihr bleiben bis zum letzten Athemzuge, weil wir wissen, daß diese Kirche nicht in die Grenzen eines menschlichen Namens, eines Landes oder einer Zeit eingeschlossen ist, sondern diß ganze Erbe JEsu Christi in sich faßt!" Sagen wir denn nicht weiter: „Ein jeder, der sich dem ganzen geschriebenen Worte Gottes ohne Falsch unterwirft und den wahren Glauben an unsern lieben HErrn JEsum Christum in seinem Herzen trägt und vor der Welt bekennt, dem reichen wir die Hand, achten ihn für unsern Glaubensgenossen, für ein Glied unserer Kirche, für einen Lutheraner, unter welcher Secte er auch verborgen sein und gefangen liegen mag"? Siehe „Lutheraner" No. 2. S. 1. Hat dies Hr. Nollau nicht gelesen?
English translation AI translation
from them wherever he possibly could. Once his mother dreamed that a hand showed her that passage in the open preface of Luther to his Small Catechism. The pious parents at once perceived what they had to do, and although they were not wealthy, they nevertheless let their son study. The mother brought him herself to Leipzig, but knelt down with him in a grove outside the city and asked God's grace and blessing upon their undertaking. And God most graciously heard the prayer; the son studied diligently and, after a number of years, became a candidate for the preaching office. Therefore, when his mother came again to fetch him home from Leipzig, she knelt down with him once more at that same spot in the grove and offered God her prayer of thanks. —
G. H. Löber,
Pastor at Altenburg in Perry Co., Mo.
Reply to the Latest Defense of the Union.
(Continued.)
Had Mr. Nollau truly understood what has been said in Der Lutheraner about the Church, and in particular about the Lutheran Church, he would have to be an exceedingly malicious man who resorts to the crudest lies to extricate himself from his embarrassment. The reader has, however, already seen in the second-to-last number what a strange confusion reigns in Mr. N.'s head concerning his own conceptions of the Church; we can therefore assume, to Mr. N.'s credit, that not malice of heart but weakness of understanding was the real reason why he presents our doctrine of the Church in such a thoroughly false and distorted manner. That we are not mistaken in this charitable presumption we conclude, among other things, from the fact that Mr. N. first of all describes the "impression" that our attacks upon him have made (p. 5). Mr. N. has accordingly evidently paid more attention to the impression he received while reading than to our actual expressions, and has thus let himself be guided in his presentation of our doctrine by the impressions he happened to receive. It is indeed well known from psychology how wondrously the play of our imagination works in a state of agitation. Many a lonely traveler at night has first occupied himself vividly in his thoughts with robbers and murderers who might attack him, and behold! — scarcely has he gone a little further when he really does see, at some distance, a tall man who is evidently lying in wait by the road for the traveler with a threatening look. The traveler's blood runs cold in his veins; he dares neither go forward nor turn back; with terror he already perceives the highwayman striding toward him — but then the moon breaks through a dark cloud, and before him stands a harmless signpost. Something like this, we think, must have happened to Mr. Nollau with the
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picture we had drawn of the Lutheran Church. Hence the poor man, in his great alarm, actually expresses, on p. 38, the anxious fear that we would slaughter all the Evangelicals if secular power were ever given into our hands. We are indeed sorry that Mr. N. fell into such painful apprehensions while reading through Der Lutheraner. But that is what happens when one follows the first "impression."
But to the matter itself. What doctrine of the Church does Mr. N. actually make us confess in his tract? He begins with the assertion: "With Mr. Walther the opinion has become a fixed one, running through everything, that the Lutheran Church is the only true, visible and invisible, saving Church." (p. 5). The author repeats the same thing on pp. 6 and 7, saying: "From the outset he ('the Lutheraner') consistently and wrongly fuses the outward, visible, Christian Church with the actual, true, and invisible Church of Christ; both together are supposed to be the Lutheran Church." Mr. N. nevertheless further says that we "still leave millions of souls outside the Lutheran Church a share in Christ and eternal salvation" (p. 22). Mr. N. further imputes to us the belief that a Lutheran Church has existed where people "lay in spiritual death" (p. 27). Mr. N. says further that we "have people swear an oath of belief in the Church and in the Symbolical Books" (p. 51). Finally, Mr. N. says of us: "They do indeed seek an escape here by saying that the true Christians in other churches are Lutherans at heart and actually belong (without knowing it) to the Lutheran Church; but such a clause is nothing other than a clever device for extricating themselves from the contradictions in which they become entangled by the claim to be the one true Church" (p. 68). Important here, too, is the description of the Lutheran Church which Mr. N. gives through the supposed Lutheran, Mr. Saxer, and whose approval he thus imputes to us; it reads as follows: "The foundation of the Lutheran Church is pure Word and pure Sacrament — but note well: pure Word and pure Sacrament as the law of the Church. She has never claimed, nor may she claim, that all her members are livingly permeated by her confession; she does not even demand this, and at times, to put it mildly, sets more store by the legal recognition of her constitutions than by the actual condition of her congregations. However strangely things may go in these at times: so long as her confession is recognized by the state, and is subscribed to by her ministers on certain solemn occasions — even if with all sorts of reservationes mentales (deceptive mental reservations) — the Church suffers not the least harm thereby in her essence and in her truth" (p. 13).
That is the description of the Lutheran Church which Mr. N. sells to his good-natured readers as ours. He accordingly attributes to us the absurd opinion that the visible totality of people who for three hundred years have called themselves Lutheran, have adopted the Symbolical Books of the Lutheran Church and a Lutheran church order as their constitution, and have stood forth as a distinct ecclesiastical party, is, enclosed within itself, the true visible and invisible Church of Jesus Christ on earth, which is supposed to save us, in which we are supposed to believe, and whose essence consists in this: that its symbols are merely outwardly recognized by the state and sworn to by the preachers, even if deceptively, and that its particular outward regulations are preserved for the maintenance of its distinctive form. At the same time, Mr. N. imputes to us the glaring inconsistency of nevertheless also acknowledging children of God outside our supposed one true Church of Christ.
We can well believe that Mr. N. has dreamed the sweet dream that we are so inconsistent and could not possibly hold any other view of our Lutheran Church; but we appeal to all reasonable readers of Der Lutheraner and ask: Where have we ever paraded such nonsense in our paper as Mr. N. loads upon us? Where have we ever said that the Lutheran Church is a visible institution restricted to the so-called Lutherans? Have we not, on the contrary (compare especially No. 6 of Der Lutheraner), always described the Church as an invisible edifice built over the whole world? Have we not, among other things, made the following confession: "We are by no means so fanatical and so limited in our understanding of the invisible kingdom of Christ as to think that it consists only of those who call themselves Lutherans. Oh no! It is precisely for this reason that our Church is so great and glorious to us, precisely for this that we cling to it with the full assent of our hearts; for this reason we also wish, for our own small part, to bear public witness to it, to pray, to fight, and, despite all the reproach that lies upon it, to remain with it to our last breath, because we know that this Church is not confined within the boundaries of a human name, of a country, or of an age, but embraces the whole inheritance of Jesus Christ!" Do we not further say: "To everyone who submits himself, without deceit, to the whole written Word of God, and carries the true faith in our dear Lord Jesus Christ in his heart and confesses it before the world, we extend our hand, and count him as our fellow believer, as a member of our Church, as a Lutheran, under whatever sect he may lie hidden and held captive"? See "Lutheraner," No. 2, p. 1. Has Mr. Nollau not read this?