# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 07 26_S95 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 95 raus, wo er nur irgend konnte. Da träumte es einst seiner Mutter, es zeigte ihr eine Hand auf jene Stelle in der aufgeschlagenen Vorrede Luthers zu seinem kleinen Katechismus. Die frommen Eltern merkten alsbald, was sie zu thun hätten, und ob sie gleich nicht vermögend waren, so ließen sie dennoch den Sohn studiren. Die Mutter bringt ihn selbst nach Leipzig, knieet aber vor der Stadt in einem Gehölz mit ihm nieder und bittet Gott zu ihrem Vorhaben um Gnade und Segen. Und Gott erhörte das Gebet gar gnädig; der Sohn studirte fleißig und wurde nach einer Reihe von Jahren Candidat des Predigtamts. Darum, als die Mutter ihn dann wieder in Leipzig abholte, knieete sie an demselben Ort im Gehölz mit ihm abermals nieder und brachte Gott ihr Dankgebet. — G. H. Löber, Past. zu Altenburg in Perry Co., Mo. Antwort auf die neueste Vertheidigung der Union. (Fortsetzung.) Hätte Herr Nollau, was im Lutheraner von der Kirche und insonderheit von der lutherischen gesagt worden ist, wirklich verstanden, so müßte er ein überaus boshafter Mann sein, der zu den gröbsten Lügen seine Zuflucht nimmt, um sich aus seiner Verlegenheit zu retten. Der Leser hat jedoch bereits in der vorletzten Nummer gesehen, welche wunderliche Confusion in dem Kopfe des Hrn. N. herrscht, was seine eigenen Vorstellungen von der Kirche betrifft, wir können daher zur Ehre Hrn. N's. annehmen, daß nicht Bosheit des Herzens, sondern Schwäche des Verstandes der eigentliche Grund war, daß derselbe unsere Lehre von der Kirche durchaus falsch und verkehrt darstellt. Daß wir uns in diesem guten Vorurtheile nicht irren, schließen wir unter andern daraus, daß Hr. N. zu allererst den „Eindruck" beschreibt, den unsere Angriffe auf ihn gemacht haben. S. 5. Hr. N. hat hiernach offenbar mehr auf den beim Lesen empfangenen Eindruck, als auf unsere Ausdrücke gemerkt und sich daher von den bekommenen Eindrücken in der Darstellung unserer Lehre leiten lassen. Ist es ja aus der Psychologie (Seelenlehre) bekannt, wie wunderbar das Spiel unserer Einbildungskraft in dem Zustande der Erregung ist. Wie mancher einsame Wanderer hat schon in der Nacht sich erst nur in seinen Gedanken mit Räubern und Mördern, die ihn überfallen könnten, lebhaft beschäftigt, und siehe! — kaum ist er eine Strecke weiter gegangen, so erblickt er in einiger Entfernung wirklich einen großen langen Mann, der offenbar am Wege auf den Reisenden mit drohender Miene lauert. Dem Wanderer erstarrt das Blut in den Adern; er getraut sich nicht, weder vorwärts noch rückwärts zu gehen; mit Schrecken gewahrt er schon, wie der Wegelagerer auf ihn zuschreitet; doch — der Mond durchbricht eben eine dunkle Wolke — und vor ihm steht ein harmloser Wegweiser. Ohngefähr so, meinen wir, mag es Hrn. Nollau mit dem Bild gegangen sein, das wir von der lutherischen Kirche gezeichnet hatten. Daher der arme Mann auch wirklich in seiner großen Bestürzung, S. 38, die bange Besorgniß ausspricht, daß wir die Evangelischen alle schlachten würden, wenn uns einmal die weltliche Macht gegeben werden sollte. Es thut uns in der That leid, daß Hr. N. bei Durchlesung des Lutheraners in solche peinliche Besorgnisse gerathen ist. Aber so gehts, wenn man dem ersten „Eindruck" folgt. Doch zur Sache. Welche Lehre von der Kirche läßt uns denn Hr. N. in seiner Schrift bekennen? Er beginnt mit der Behauptung: „Bei Hrn. Walther ist die Meinung eine stehende geworden, die sich durch alles hindurchzieht, daß die lutherische Kirche die einzige wahre, sichtbare und unsichtbare, selig machende Kirche sei." S. 5. Dasselbe wiederholt der Verfasser S. 6 und 7, und spricht: „Von Anfang an verschmilzt er („der Lutheraner") durchgehends mit Unrecht die äußere, sichtbare, christliche Kirche mit der eigentlichen, wahren und unsichtbaren Kirche Christi, beides soll die lutherische Kirche sein." Hr. N. sagt aber ferner dennoch, daß wir „Millionen Seelen außer der luth. Kirche noch einen Antheil an Christo und der ewigen Seligkeit lassen." S. 22. Hr. N. schiebt uns ferner den Glauben unter, daß da eine lutherische Kirche gewesen sei, wo man im „geistlichen Tode lag." S. 27. Hr. N. sagt weiter, daß wir „den Glauben an die Kirche und an die symbolischen Bücher beschwören ließen." S. 51. Endlich spricht Hr. N. von uns: „Sie suchen zwar dadurch eine Ausflucht, daß sie sagen: die wahren Christen in andern Kirchen seien im Herzen Lutheraner und gehörten eigentlich (ohne es zu wissen) zur luth. Kirche, allein eine solche Clausel ist nichts anders, als eine kluge List, sich aus den Widersprüchen herauszuziehen, in welche sie sich durch die Behauptung verwickeln, die eine wahre Kirche zu sein." S. 68. Wichtig ist hierbei wiederum die Beschreibung der luth. Kirche, wie sie Hr. N. durch den angeblichen Lutheraner, Hrn. Saxer, gibt und deren Billigung daher ersterer uns zumuthet; sie lautet also: „Die Grundlage der luth. Kirche ist reines Wort und reines Sacrament, aber wohl gemerkt: Reines Wort und reines Sacrament, als Gesetz der Kirche. Nie hat sie behauptet, auch nicht behaupten dürfen, daß alle ihre Glieder von ihrem Bekenntnisse lebendig durchdrungen seien; sie fordert solches auch nicht einmal und legt zu Zeiten, um mich gelinde auszudrücken, mehr Werth auf die rechtliche Anerkennung ihrer Constitutionen, als auf den jeweiligen Zustand ihrer Gemeinen. Mag es in diesen zu Zeiten auch wunderlich hergehen: wenn nur ihre Confession vom Staate anerkannt wird und von ihren Dienern bei gewissen feierlichen Gelegenheiten, immerhin mit allerlei reservationes mentales (trüglichem Vorbehalt in Gedanken) unterschrieben wird: so leidet die Kirche in ihrem Wesen und in ihrer Wahrheit dadurch nicht den mindesten Abbruch." S. 13. Das ist die Beschreibung der lutherischen Kirche, wie sie Hr. N. als die unsrige an seine gutmüthigen Leser verkauft. Derselbe mißt uns hiernach die unsinnige Meinung bei, daß die sichtbare Gesammtheit der Leute, welche sich seit 300 Jahren lutherisch genannt, die symbolischen Bücher der luth. Kirche und eine lutherische Kirchenordnung als ihre Constitution angenommen und als eine besondere kirchliche Partei dagestanden haben, die in ihnen abgeschlossene wahre sichtbare und unsichtbare Kirche JEsu Christi auf Erden sei, die uns selig macher soll, an die wir glauben müßten, und deren Wesen darinnen bestehe: daß ihre Symbole nur äußerlich vom Staate anerkannt und von den Predigern, wenn auch trüglich, beschworen und daß ihre äußerlichen besonderen Ordnungen zur Behauptung ihrer eigenthümlichen Gestalt bewahrt würden. Zugleich legt Hr. N. uns die schreiende Inconsequenz (Folgewidrigkeit) unter, daß wir auch außerhalb unserer angeblichen einigen wahren Kirche Christi Kind'r Gottes anerkennten. Das glauben wir nun wohl, daß Hr. N. den süßen Traum geträumt habe, wir seien so inconsequent und könnten unmöglich andere Gedanken von unserer lutherischen Kirche haben; aber wir appelliren an ale vernünftige Leser des Lutheraners und fragen: Wo haben wir je solchen Unsinn, als uns Hr. N. aufbürdet, in unserem Blatte ausgekrant? Wo haben wir je gesagt, daß die luth. Kirche eine sichtbare Anstalt sei, die auf die so genannten Lutheraner eingeschränkt sei? Haben wir nicht im Gegentheil (man vergleiche insonderheit No. 6 des Lutheraners) die Kirche stets als ein unsichtbares Gebäude, das über die ganze Welt gebaut ist, beschrieben? Haben wir nicht unter andern folgendes Bekenntniß gethan: „Wir sind keineswegs so fanatisch und so beschränkt in der Erkenntniß von dem in sichtbaren Reiche Christi, daß wir meinen, dasselbe bestehe nur aus solchen, die sich Lutheraner nennen. O nein! Darum ist uns eben unsere Kirche so groß und herrlich, darum hangen wir eben derselben mit ganzer Zustimmung unseres Herzens an; darum wollen wir ben für sie an unserem geringen Theile auch öffentlich Zeugniß ablegen, beten, kämpfen und trotz aller Schmach, die auf ihr lastet, bei ihr bleiben bis zum letzten Athemzuge, weil wir wissen, daß diese Kirche nicht in die Grenzen eines menschlichen Namens, eines Landes oder einer Zeit eingeschlossen ist, sondern diß ganze Erbe JEsu Christi in sich faßt!" Sagen wir denn nicht weiter: „Ein jeder, der sich dem ganzen geschriebenen Worte Gottes ohne Falsch unterwirft und den wahren Glauben an unsern lieben HErrn JEsum Christum in seinem Herzen trägt und vor der Welt bekennt, dem reichen wir die Hand, achten ihn für unsern Glaubensgenossen, für ein Glied unserer Kirche, für einen Lutheraner, unter welcher Secte er auch verborgen sein und gefangen liegen mag"? Siehe „Lutheraner" No. 2. S. 1. Hat dies Hr. Nollau nicht gelesen?