Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 9 › Seite 65
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-12-08, Seite 65
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„Gottes Wort und Adrr⸗ Lebr. vergeht nun und nimmermehr.“
—— —— —
(Iffenb. Joh. Cap. 14 v. 6. 7.)
—
Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten“
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 7.
St. Louis, Mo., den 24. Deeember 1850.
No. 9.
Bedingungen: Der L
ien und das Poſtgeld zu tragen haben.—
(Eingeſandt.)
Luther und Melanchthon.
(Schluß.)
In Jahre 1540 hat Melanchthon in ſeinem
Uſamente verſichert, daß er bei der Lehre der
Hitenberger Concordie vom heiligen Abend⸗
nalle bis in den Tod werbleiben wolle. Im
ſlgenden 3 Jahre hat er ſich zu Regensburg in
diſem Punkte für die ungeänderte Augsb.⸗Conf.
allirt und im Jahre 1542 eine Antwort der
Hilenb. theol. Facultät gegen die Zwinglianer
nit unterſchrieben. Indeſſen iſt nicht zu leug⸗
un, daß er in den beiden folgenden Jahren
nitder in große Schwachheit gerathen und be⸗
huders durch einen allzuvertrauten Briefwechſel
ur den Schweizeriſchen Theologen ſehr irre ge⸗
nact worden iſt, wie er dies auch durch ſein
hethalten bei der Reformation in Cöln bewies,
cher gleich dabei alle Schuld auf Bucer wäl⸗
Eml
(Daß Melanchtbon während der beiden letzten
„Ichensjabre Luthers noch mehr, Verdacht gegen
ihuwedt hat, zeigen leider mehrere Umſtände.
•. Hirher gehört inſonderheit ein Brief des Ranz⸗
Ir Brück an den Churfürſten von. Sachſen,
woin er ihm meldet: „Ich ſagte Luthero, wo⸗
n Euer Churfürſtl. Gnaden des Philippi Mei⸗
ung anſehen, daß er nämlich hinter dem Berge
W bis er eine gelegene Zeit finde, die er ſon⸗
dylich nach Lutheri Tod hofft und erwartet;
Iun ich fürchte fürwahr, daß Euer Churfürſtl
utheraner erſcheint alle wei Wochen einmal für den jährlichen
euſtrhtienepreie von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben voraus zube⸗
In St. Louis wird jede einzelne No. für'5 Ceuts verfauft.
Gnaden nicht ohne Grund ſo denken. D. Marti⸗
nus meint, thue er es, ſo werde er ein elender
Menſch werden und ſeines Gewiſſens halber kei⸗
nen Frieden haben.“
Wie viel ⸗Grund zu ſolchen Befürchtungen
vorhanden war, erhellet noch deutlicher aus ei⸗
nem Geſpräche Melanchthons mit Luther, das
des erſtern Schwiegerſohn Peucer mitgetheilt
hat. Als nämlich Luther ſeine letzte Schrift ge—
gen die Schweizer Ckurzes Bekenntniß vom heil.
Abendmahle wieder die Schwärmer vom Jahre
1543) herausgeben wollte, erklärte ſich Melanch—
thon für die zwingliſche Lehre und ermahnte Lu⸗
thern zum Glimpf, bekam aber dieſe nachdrück⸗
liche Abfertigung: „das iſt meine Sache und ich
werde ſie ohne Euch vertheidigen; bleibet bei
Euerer widerwärtigen Meinung, wenn Ihr ſie
für richtiger haltet, zich! bedarf weder Eures
Schutzes, noch Eurer Hülfe.“ Mit Bezug hier—
auf ſchrieb bald darauf Melanchthoͤn an den re⸗
formirten Theologen Bullinger Folgendes:
„Bielleicht werdet Ihr vor Empfang dieſes Brie⸗
ſes die über alle Maaße ſcharfe Schrift Luther's
erhalten, worin er den Streit über das Abend⸗
mahl des HErrn erneuert. (2) Noch niemals
hat er mit ſo großer Heftigkeit dieſe Sache getrie—
ben und ich verliere daher alle Hoffuung für den
Frieden der Kirche.“R Hierdurch wird zugleich.
die Behauptung im „Kirchenfreund“ widerlegt,
daß die Trübungen in dem Freundſchaftsbunde
Luther's und Melanchthon's doch nur vo rü—
bergehend geweſen ſeien; auch ſieht man
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle auderen
aber. welches Geſchäftliches, 1 C. L. Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe
Mr. F. W. Barthel, care of
F. W. Walther, St. Louis, Mo. „ auher zu ſenden.
hieraus, daß Luther durchaus keine Ergänzung
oder Vermittelung ſeiner Lehre im Bezug auf die
der Reformirten geſtatten konnte und wollte.
Im nächſten Jahre (1545) ſcheint Melanch⸗
thon wieder andern Sinnes geworden zu ſein,
denn er verfaßte im Namen der theologiſchen
Facultät ein Gutachten, daß man ſich der Zwing⸗
lianer enthalten ſolle und er eröffnete auch brief⸗
lich dem Kanzler Brüſck, daß er mit hnen nicht
zufrieden ſti, —
Schon damals blieb Melanchthons Richtungz
nicht ohne ſchädlichen Einfluß auf Andere, in⸗
ſonderheit auf den ältern, ſonſt ſo wackern Cru⸗
ciger, wie aus einem ſeiner Briefe, den er
um dieſe Zeit geſchrieben, ſo wie aus dem Um⸗
ſtand'erhellet, daß er mit Melanchthon nicht lange
vor Luther's Tode Wittenberg verlaſſen wollte,
weil ſie nicht mehr deſſen unbeugſame Strenge
in der Lehre vertragen konnten. Aber auch mit
andern der dortigen Theologen mag es damals
nicht mehr zum Beſten geſtanden haben, wie
man aus den Worten ſchließen muß, die Luther
vor ſeiner letzten Reiſe nach Eisleben an Majors
Thüre geſchrieben hat: „Unſere Profeſſoren ſol⸗
len über den Artikel vom Abendmahl des Henn
craminirt werden!
Zum Schluſſe dieſer Belege ſoll eine Ainte rre⸗
dung mitgetheilt werden, die uns Ratzenberher
in ſeiner handſchriftlichen Beſchreibung Luthers
aufbehalten hat; ſie lautet alſo: „Es begab ſich
einmal, daß M. Georg Aemilius den Herrn Phi⸗
lippum als ſein Privatſchüler in dem Streit we⸗
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