Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 23 › Seite 91
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-07-12, Seite 91
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lutheriſche Kirche 5 · Gemeindeſchule
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Hänsel zwar und die um ihn behaupten noch die alte Stellung. Aber nicht wenige jüngere Theologen sind Lutheraner im edelsten geistlichsten Sinn des Worts und ich bin überzeugt, wenn Du, wenn Deine Amtsgenossen hierher kämen, wir würden vor Freuden jauchzen, daß Ein Geist uns treibt und daß unsere Anschauungen der gegenwärtigen kirchlichen Zustände ganz dieselben sind, weil der Maßstab, mit dem wir messen, derselbe ist.
Du redigirst jetzt, wie ich höre, eine Zeitschrift. Das ist Recht. Nachdem ihr geschmolzen seid im Ofen der Trübsal, laßt das lautere Gold klingen. Seid nicht mehr so blöde; die Zeit des Zornes ist ja vorüber, eure Kleider sind gewaschen und froh könnt ihr eure Häupter erheben. So werdet denn ein Salz der Erde; es ist ein gutes Pfund, das uns Gott vertraut hat. — Ohne Rückhalt könnt ihr euch den von Baiern und Dresden ausgehenden Predigern und Schulmännern anschließen. — Die Zeiten haben sich geändert, und es ist allenthalben eine heilige Liebe nicht allein zu dem HErrn IESU, sondern auch zu seiner Braut, der Kirche, erwacht. —
Allenthalben hier in Deutschland reißen sich in Folge der Ausstellung des Rocks Christi in Trier sogenannte deutsch-katholische Gemeinden von der Hierarchie los, aber mit wenigen Ausnahmen werfen sie mit dem römischen Aberglauben auch den katholischen Glauben hinweg. Es ist die Kirche des Rationalismus mit der Tricolor (dreifarbigem Wappen): Gott, Tugend, Unsterblichkeit. Der Beifall der Welt ist maßlos; Joh. Ronge, der neue Reformator, soll schon an 12,000 Rthlr. an Geschenken erhalten haben, und doch ist seine Opposition eine rein negative (niederreißende), ohne Schriftgrund, ohne allen geistlichen Charakter. —
Ich bitte Dich: wo Du einen der mir Nähergestandenen siehst (davon ich ein großes Register machen müßte), grüße sie von mir mit dem Brudergruße der innigsten Liebe in Christo IEsu, und sage ihnen: wir wollen die gute Beilage bewahren, die wir empfangen haben, wollen Glauben halten und Liebe üben, und eher müsse unsere Zunge an unserem Gaumen kleben, als daß wir Jerusalems vergessen. —
Nun, mein theurer Bruder, der HErr unser Heiland rüste Dich tagtäglich mit neuer Kraft aus der Höhe und segne Dein Amt, Du mögest predigen oder schreiben. Er sei über den Gemeinden in St. Louis und Perry County ein schirmendes Dach und um sie her eine feurige Mauer. Er mache sie alle zu Gärten Gottes durch seine allmächtige Gnade. Sein ausgereckter Arm helfe euch sichtbar in aller Trübsal. Er sei mit euch, daß euch das Feuer nicht versenge und die Ströme nicht ersäufen. Er sei mit Dir, mein lieber W.
Unzertrennlich
Dein und Euer
Delitzsch.
Leipzig, den 30. März, 1845.
(Eingesandt.)
Protestation gegen die Benennung „Altlutheraner.“
Es wird der Name Altlutheraner jetzt immer häufiger, namentlich in den Zeitschriften. Man setzt zwar gemeiniglich hinzu die „sogenannten“ Altlutheraner, aber ich habe noch nie einen Nachweis gelesen, wer sie denn zuerst so genannt habe. Ich weiß nun nicht, wer ausschließlich darunter verstanden wird, aber sehe doch deutlich, daß unter andern alle diejenigen zu den Altlutheranern gerechnet werden, welche den Lehren und Ansichten des hier erscheinenden „Lutheraners“ beistimmen. Warum werden aber diese mit einem solchen absondernden Namen bezeichnet? Es hat sich ja „der Lutheraner“ selbst nicht diesen Namen gegeben, er hat den gewöhnlichen Namen beibehalten, er hat auch nicht erklärt, eine neue Partei aufrichten zu wollen, er hat vielmehr im Anfange erklärt und erklärt noch immer, was er unter einem Lutheraner versteht, nehmlich einen solchen, der die Lehre der evangelisch-lutherischen Kirche, wie sie in deren Bekenntnissen niedergelegt ist, von Herzen glaubt und bekennt; und sodann ist auch der „Lutheraner“ noch in keinem Blatte überführt worden, daß er in der lutherischen Kirche eine neue Lehre aufbringe, weshalb man ihm einen besonderen Namen geben müsse. Zwar spricht die „lutherische Hirtenstimme“ in No. 12 dieses Jahrgangs, unverkennbar auf den „Lutheraner“ hindeutend, es würden „übertriebene Behauptungen“ vorgebracht, zwar ersucht sie den „christlichen Apologeten“ brüderlich, „es doch nicht als Lehre der lutherischen Kirche aufzunehmen und in die Welt hinauszuposaunen, wenn von den Altlutherischen unvernünftige und Gottes Wort zuwider gehende Sätze aufgestellt würden;“ aber leider sieht man zu diesen Titeln keine Ausführung, zu diesen Beschuldigungen keinen Beweis. Es befremdet mich fürwahr, daß die „lutherische Hirtenstimme,“ welche sich doch über die von einem Laien in dem „Apologeten“ geschehenen Verunglimpfungen beklagt, sich ähnliche Verunglimpfungen der sogenannten Altlutheraner zu Schulden kommen läßt. Denn werden durch solche Reden in dem mit der Sache nicht bekannten Leser der „Hirtenstimme“ nicht nothwendig üble Vorurtheile gegen die sogenannten Altlutheraner erweckt? Es wäre viel besser und christlicher gewesen, wenn die „Hirtenstimme“ lieber gleich „das Unvernünftige, Uebertriebene, wider Gottes Wort Streitende“ der Altlutheraner aufgedeckt hätte, dann hätten auch die Irrenden überführt und gebessert werden können. Man soll seinen Bruder strafen, und nicht verleumden! Auch wundert es mich, daß die „Hirtenstimme“ es so hervorhebt, daß die sogenannten Altlutheraner erst kürzlich in America angekommen seien, als ob sie deswegen ihre Stimme in der lutherischen Kirche von America nicht erheben dürften. Wie lange muß man denn in Amerika sein, um ein rechter Lutheraner zu sein? Kann nicht auch von Deutschland ein guter Lutheraner kommen? Soll etwa der Nativismus auch in der Kirche eingeführt werden? Welch ein Herunterziehen der Kirche in das weltliche, politische Wesen? So ehrenvoll auch der Name Altlutheraner klingen mag, indem man ihn so auslegen könnte, daß man bei dem alten Evangelium bleiben und nicht ein haarbreit von demselben abweichen wolle, das uns Gott durch den Dienst des seligen Dr. Luther wieder geschenkt hat, so meine ich doch, daß wir mit allem Ernste gegen diesen Namen protestiren müssen, weil dadurch die ohnehin gespaltene Christenheit nur noch mehr gespalten wird, und weil es auch geradezu gegen den Befehl Gottes ist, innerhalb der Kirche immer neue Benennungen zu machen und zu billigen. (1 Cor. 1, 10. u. folg.) Wir wollen Lutheraner sein, wir wollen in Sachen der Lehre nichts annehmen, was mit dem Bekenntniß der lutherischen Kirche nicht übereinstimmt, weil wir fest überzeugt sind, daß dasselbe das Bekenntniß des lautern Wortes Gottes ist. Sollte man uns aber etwa darum einen besondern Namen geben, weil wir uns durch Ceremonien und dergleichen äußerliche Dinge von andern Lutheranern unterscheiden? — Die Verschiedenheit der Ceremonien und Verfassungen kann doch die Einheit in der Lehre und im Geiste nicht aufheben und eine neue Kirche machen! S. Augsb. Confession, Art. 7. Oder macht uns das zu einer neuen Partei, wenn wir Irrthümer, die sich unter Lutheranern einschleichen wollen, brüderlich strafen? Das ist ja nach Jac. 5, 19. 20. eine That der christlichen Liebe! Gibt es in America Gemeinschaften, die sich Altlutheraner nennen, um dadurch eine neue Partei zu bilden, so wollen wir uns nicht an solche anschließen, es sei dem, daß es endlich — was Gott verhüten wolle — dahin käme, daß eine falsche Lutherische Kirche durch diesen Namen die rechten Lutheraner von sich ausschließen würde, dann müßten und würden wir auch diesen Namen als ein Kreuz Christi tragen.
F. Bünger.
Dr. Martin Luther's Ermahnung an die Bürgermeister und Rathsherrn aller Städte deutschen Landes, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen.
(Im Auszug.)
Wir erfahren's jetzt durch und durch, wie man allenthalben die Schulen zergehen läßt und will niemand mehr Kinder lernen lassen, noch studiren. Daß aber der böse Teufel solches den fleischlichen Weltherzen eingibt, die Kinder und das junge Volk so zu verlassen, ist nicht Wunder und wer will's ihm verdenken? Er ist ein Fürst und Gott dieser Welt. Wie sollte er zugeben, daß man jung Volk recht aufziehe? Ja ein Narr wäre er, daß er in seinem Reiche das sollte lassen und helfen aufrichten, dadurch es aufs allergeschwindeste müßte zu Boden gehen, wie denn geschähe, wo er das niedliche Bißlein, die liebe Jugend verlöre und leiden müßte, daß sie mit seiner Kost und Gütern erhalten würden zum Gottesdienst. Denn wo ihm soll ein Schaden geschehen, der muß durchs junge Volk geschehen, das in Gottes Erkennt-
English translation AI translation
Hänsel, indeed, and those around him still maintain the old position. But not a few of the younger theologians are Lutherans in the noblest, most spiritual sense of the word, and I am convinced that if you, if your fellow ministers, were to come here, we would shout for joy that one Spirit drives us, and that our views of the present state of the church are entirely the same, because the standard by which we measure is the same.
You are now editing, I hear, a periodical. That is right. Now that you have been melted in the furnace of tribulation, let the pure gold ring out. Be no longer so timid; the time of wrath is indeed past, your garments are washed, and you may joyfully lift up your heads. So become, then, a salt of the earth; it is a good pound that God has entrusted to us. — Without reserve you may join yourselves to the preachers and schoolmen proceeding from Bavaria and Dresden. — The times have changed, and everywhere a holy love has awakened, not only toward the Lord Jesus, but also toward his bride, the church. —
Everywhere here in Germany, as a result of the exhibition of the Robe of Christ at Trier, so-called German-Catholic congregations are tearing themselves loose from the hierarchy, but with few exceptions they cast away, along with Roman superstition, the Catholic faith as well. It is the church of rationalism with its tricolor (three-colored) coat of arms: God, Virtue, Immortality. The applause of the world is boundless; Johannes Ronge, the new reformer, is said to have already received some 12,000 thalers in gifts, and yet his opposition is purely negative (tearing-down), without scriptural ground, without any spiritual character whatsoever. —
I ask you: wherever you see one of those who stood closer to me (of whom I would have to make a long list), greet them from me with the brotherly greeting of the most heartfelt love in Christ Jesus, and tell them: we will keep the good deposit that we have received, we will hold fast to faith and practice love, and sooner let our tongue cleave to the roof of our mouth than that we should forget Jerusalem. —
Now, my dear brother, may the Lord our Savior equip you daily with new strength from on high, and bless your office, whether you preach or write. May he be over the congregations in St. Louis and Perry County a sheltering roof, and around them a wall of fire. May he make them all into gardens of God through his almighty grace. May his outstretched arm help you visibly in all tribulation. May he be with you, that the fire may not scorch you and the floods not drown you. May he be with you, my dear W.
Inseparably yours and yours all,
Delitzsch.
Leipzig, March 30, 1845.
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(Submitted.)
Protest Against the Designation "Old Lutherans."
The name "Old Lutherans" is now becoming ever more frequent, particularly in the periodicals. It is true that people commonly add the word "so-called" before "Old Lutherans," but I have never yet read any evidence as to who first called them by this name. I do not know exactly whom is meant by it exclusively, but I do see clearly that, among others, all those are reckoned among the Old Lutherans who agree with the teachings and views of the Lutheraner published here. But why are these designated by such a separating name? For the Lutheraner itself has not given itself this name; it has kept its ordinary name, nor has it declared any intention of setting up a new party; rather, it declared at the outset, and still declares, what it understands by a Lutheran, namely one who believes and confesses from the heart the doctrine of the Evangelical Lutheran Church as laid down in her confessions; and furthermore, the Lutheraner has not yet been shown by any paper to be introducing some new doctrine into the Lutheran Church, on account of which one would have to give it a special name. It is true that the "Lutherische Hirtenstimme," in No. 12 of this volume, unmistakably alluding to the "Lutheraner," says that "exaggerated assertions" are being put forward, and it brotherly requests the "Christlicher Apologete" "not to adopt it as doctrine of the Lutheran Church and trumpet it out into the world, should unreasonable propositions contrary to God's Word be set up by the Old Lutherans"; but unfortunately no elaboration of these charges is given, no proof of these accusations. It truly astonishes me that the "Lutherische Hirtenstimme," which complains about the disparagements made by a layman in the "Apologete," should itself become guilty of similar disparagements of the so-called Old Lutherans. For do not such statements necessarily arouse ill prejudices against the so-called Old Lutherans in readers of the "Hirtenstimme" who are not acquainted with the matter? It would have been far better and more Christian if the "Hirtenstimme" had instead directly exposed "the unreasonable, exaggerated, and God's-Word-contradicting" assertions of the Old Lutherans; then the erring could also have been convicted and corrected. One should rebuke one's brother, not slander him! It also astonishes me that the "Hirtenstimme" makes so much of the fact that the so-called Old Lutherans have only recently arrived in America, as though for that reason they might not raise their voice in the Lutheran Church of America. How long, then, must one be in America in order to be a proper Lutheran? Can not a good Lutheran also come from Germany? Is nativism, perhaps, also to be introduced into the church? What a degrading of the church into worldly, political affairs! However honorable the name "Old Lutheran" may sound — inasmuch as it might be interpreted to mean that one intends to remain with the old Gospel and not deviate from it by a hair's breadth, which God has given back to us again through the ministry of the blessed Dr. Luther — I nevertheless believe that we must protest with all earnestness against this name, because through it Christendom, already divided enough, is only further divided, and because it is also directly against God's command to keep making and approving ever new designations within the church. (1 Corinthians 1:10 and following.) We wish to be Lutherans; we wish to accept nothing in matters of doctrine that does not agree with the confession of the Lutheran Church, because we are firmly convinced that this confession is the confession of the pure Word of God. But should one, perhaps, give us a special name for the reason that we distinguish ourselves from other Lutherans by ceremonies and similar external things? The diversity of ceremonies and constitutions cannot abolish the unity in doctrine and in spirit, nor make a new church! See the Augsburg Confession, Article 7. Or does it make us into a new party if we brotherly rebuke errors that seek to creep in among Lutherans? That is, indeed, according to James 5:19–20, an act of Christian love! If there exist in America communities that call themselves Old Lutherans in order to form thereby a new party, then we do not wish to join ourselves to such — unless it should finally come to pass (which God forbid) that a false Lutheran church should, by means of this name, exclude the true Lutherans from itself; in that case we would have to, and would, bear even this name as a cross of Christ.
F. Bünger.
Dr. Martin Luther's Exhortation to the Mayors and Councilmen of All Cities of the German Lands, that They Should Establish and Maintain Christian Schools.
(In excerpt.)
We now experience through and through how everywhere the schools are being allowed to decay, and how no one wishes any longer to let children learn, or study. That the evil devil should put it into the hearts of worldly, carnal men to abandon the children and the young people in this way is no wonder, and who would blame him for it? He is a prince and god of this world. How should he permit young people to be brought up properly? Indeed, he would be a fool if, in his own kingdom, he were to allow and help establish that by which it would most swiftly be brought to ruin — as would happen if he were to lose this dainty morsel, the dear youth, and had to suffer them to be raised, at his own cost and goods, for the service of God. For wherever harm is to come to him, it must come through the young people,