Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 23 › Seite 90
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-07-12, Seite 90
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Prieſtertum · Prieſtertum 8
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(Eingesandt.)
„Von dem geistlichen Priesterthum.“
Es ist unlängst ein Schriftchen erschienen unter dem Titel: Zeugnisse alter und neuer Lehrer der luther. Kirche von dem geistlichen Priesterthum. Buffalo, gedruckt bei Krause 1845. Dasselbe gibt einen wörtlichen und reichhaltigen Auszug aus Lutheri Schriften, namentlich auch seinen herrlichen Sendschreiben an die Böhmen, über diesen wichtigen Gegenstand. Die beigefügten Zeugnisse anderer Lehrer, als Arndts, H. Müllers, Großgebauers, Dannhauers u. a. dienen zum Beleg, daß jene Lehre vom geistlichen Priesterthum nicht etwa eine bloße Privatlehre Luthers, sondern die einstimmige Lehre der besten reinen Kirchenlehrer der folgenden Zeit gewesen ist. Je weniger diese in Gottes Wort gegründete, allen rechtgläubigen Christen so tröstliche, zur Ausübung des Glaubens und der Liebe höchst förderliche Lehre vielen Christen unserer Tage bekannt ist, um so mehr verdient der Sammler dieser Zeugnisse Dank, daß er nicht Zeit und Mühe gespart hat, diese Kleinode lutherischer Lehre wieder an's Licht zu fördern.
Einiges bleibt jedoch an dem Schriftchen zu wünschen übrig; dahin gehört 1., daß besonders aus Lutheri spätern Schriften mehr Zeugnisse möchten gesammelt sein, um die irrige Behauptung zu widerlegen, als habe Luther in seinen reifern Jahren seine frühere Lehre vom geistlichen Priesterthum fallen lassen oder wesentlich geändert. Daß dem nicht so ist, kann aus seinen spätern Schriften reichlich dargethan werden; man lese außer den angeführten Stellen nur Altenb. Ausg. T. VII. 287. 88. vom Jahr 1539, sowie VIII. 373. vom Jahr 1544. 2., daß zu den Zeugnissen, darin Luther das Recht, mit Gottes Wort umzugehen und zu predigen, allen Christen gemein macht, auch die andern Zeugnisse beigefügt wären aus V. 968 und folg., VI. 530, um dieses Recht vor dem Mißbrauch der Winkelprediger und Schleicher zu verwahren, item daß aus den zahllosen Aussprüchen Luther's von der Nothwendigkeit eines ordentlichen mittelbaren Berufs und der rechten Weise zu berufen wenigstens einige angeführt wären; denn obwohl das Schriftchen nicht von dem Beruf handeln soll, so gehört er doch zum rechten Verständniß der Sache mit hinein, wie auch Luther selbst thut in seinen Sendschreiben an die Böhmen. Damit es aber durch Mißverstand nicht den Schein gewinne, als sähe Luther in erwähnten Sendschreiben die Erwählung eines der geistlichen Priester zum Prediger für eine bloß menschliche nützliche Ordnung an und nicht vielmehr für eine von Gott selbst gestellte Ordnung, darum wäre nöthig gewesen, Luthern reden zu lassen, wie er sich anderweit über den Beruf erklärt, als VI. 529 oder Haus- und Kirchenpostille, am Andreastage; 3., sollte das Recht und die Pflicht eines jeden Christen, alle Lehre und Lehrer zu prüfen und zu urtheilen, noch reichlicher, als es geschehen, aus L. dargethan sein, z. B. Kirchenpostille, Pfingstdienstag, dagegen aber auch Luther's treue Warnung vor falschem, wildem, hoffärtigem, unbrüderlichem Richten nicht fehlen aus T. VI. 375. 4., gehörte zu dem Satze, darin Luther das heilige Brod und Wein zu segnen, allen Christen vindicirt, nothwendig auch sein Bedenken VI. 434., wo er auf die Frage, ob ein Hausvater an Orten, wo das heil. Sacrament nicht nach Christi Ordnung gereicht wird, sich und sein Gesinde daheim communiciren möge, mit einem unbedingten, wohl motivirten Nein antwortet. Darin widerspricht sich Luther keineswegs, wie es bei oberflächlicher Betrachtung scheinen möchte; denn in der ersten Schrift redet Luther von dem Recht eines jeden Christen zu allen Aemtern der Kirche und dem Gebrauche desselben im Nothfalle; in letzterer Schrift leugnet Luther dieses Recht keineswegs, erkennt aber den Mangel des Sacraments nicht als einen eigentlichen Nothfall an; darum will er nicht, daß man von der Ordnung Gottes, das Sacrament durch ordentliche, berufene Diener sich reichen zu lassen, abweiche, von welcher nur die eigentliche Noth Ausnahme zu machen gestattet. Auf diese Weise bekäme der Leser den ganzen Luther, welcher allenthalben das rechte Gleichgewicht des geistlichen Priesterthums und des öffentlichen Lehramts darstellt und gleich stark den Priesterstolz, und den Laiendünkel, und alle Unordnung zu Boden schlägt. Möchten doch die lutherischen Prediger auch diesen Theil der heilsamen Lehre vom geistlichen Priesterthum auf recht lutherische Weise in ihren Gemeinden treiben und in Uebung bringen und nicht, wie es leider geschieht, durch einseitiges, unevangelisches Warnen vor dem Mißbrauche unverantwortlicher Weise mehr verkümmern, statt anzubauen! Möchten aber auch alle Christen ihren göttlichen Beruf erkennen, und emsig sein, geistliche Opfer Gott darzubringen, und die Tugenden dessen verkündigen, der sie berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Lichte. Nun der Name und Titel des Priesterthums, spricht Luther, ist herrlich und bald genannt und gerühmt von Jedermann, aber das Amt und Opfer ist seltsam und grauet Jedermann für.
Th. Brohm.
Missionsnachrichten.
(Aus einer Correspondenz.)
Am 9. Juni landete die erwartete, kleine, aus Baiern gesendete Missionscolonie mit ihrem Missionsprediger in New-York und ging weiter nach Michigan, um unter den dortigen Indianern ein Missionsfeld zu eröffnen. Es ist dies eine Colonie ganz eigenthümlicher Art. Hier geht der Missionar nicht allein unter die Heiden, sondern begleitet von einer Anzahl christlicher Landleute und Professionisten, die durch ihr Leben und ihren Wandel den heidnischen Indianern ein Bild wahrer Christen geben und so die mündliche Predigt des Missionars unterstützen sollen. In der That, eine herrliche, große Aufgabe! Gott stärke sie mächtig dazu mit seines Geistes Gaben! Der sie begleitende Missionsprediger heißt F. A. Crämer, ein Zögling des für die Lutheraner in America so thätigen Pastor Löhe in Baiern. Zugleich kamen noch vier andere junge Männer aus der Löhe'schen Anstalt, um als Prediger und Schullehrer ihren verlassenen Glaubensgenossen hier, besonders in Ohio und Michigan zu dienen; sie heißen Romanowsky, Trautmann, Lochner, Detzer. Sie haben zwar keine gelehrte theologische Universitätsbildung empfangen, sind aber ohne Zweifel von dem gediegenen und rechtschaffenen Pastor Löhe in der christlichen Lehre so unterrichtet worden, daß sie tüchtig sind, auch andere zu lehren; und das ist die Hauptsache. Der HErr fordert Treue an seinen Haushaltern, nicht große Gaben und Gelehrsamkeit. Sie haben eine Instruction bei sich, die sie verpflichtet, nur mit denjenigen in Kirchengemeinschaft zu treten, die sich mit aller Treue zum ganzen Concordienbuch der luth. Kirche halten; auch eine von P. Löhe kürzlich erst herausgegebene Agende haben sie bei sich, die (ich habe sie bis jetzt nur oberflächlich ansehen können) nichts als den Kern der alten reinen lutherischen Agenden zu enthalten scheint; sie ist dem l. Pastor Wyneken gewidmet und eigentlich für die luth. Kirche Amerika's bestimmt. Sie wird mit göttlicher Hilfe ein treffliches Gegengift gegen die hiesige neueste Agende von 1842 sein. So Gott will, soll diese Agende des Pastor Löhe später in diesem Blatte zur Sprache kommen.
Aus einem Briefe Herrn
Dr. Delitzsch'ens an den Herausgeber.
— — Oft, oft gedenke ich an euch alle, theure, durch viel Trübsale hindurch gegangene Glaubensgenossen, und besonders an Dich, mein theurer W., und an die erste in Deiner Gemeinschaft verlebte Zeit meiner Erweckung. Es war eine Zeit vielfach noch gesetzlichen Wesens und selbstauferlegter Pein, aber doch auch eine Zeit so heiligen Ernstes, daß die Erinnerung daran mich jetzt beschämt, und auch vieler und reicher Gnadenerfahrungen, die ich jetzt um viel Schätze Goldes und Silbers nicht daran geben möchte. Auch der Zeit gedenke ich oft mit Lobpreis Gottes, wo wir zum Bewußtsein dessen, was Kirche ist, erwachten, wo wir in dem Bekenntnisse unserer lutherischen Kirche das Ja und Amen zum Schriftwort erkannten und die Gebrechen des Christenthums unserer Tage, zunächst unsere eigenen, uns klar wurden. Dieser Zeit gedenke ich oft und freue mich, dir noch jetzt im Geiste die Bruderhand reichen und zujubeln zu können: Noch stehe ich auf dem Felsengrunde des Wortes Gottes, noch ist IEsus Christus mein Ein und Alles, noch bin ich bereit, unserer theuren Kirche, die auch in Deutschland eine streitende und gedrückte ist, jegliches Opfer zu bringen.
Seit dem Juni 44 bin ich an hiesiger Universität a. o. Professor der Theologie. Einen Ruf nach Preußen (Breslau) unter besseren Bedingungen habe ich abgelehnt. Die Zahl der Gläubigen in Leipzig und zwar der kirchlich Gesinnten hat sich bedeutend gemehrt. —
English translation AI translation
(Submitted.)*
On the Spiritual Priesthood.
A little pamphlet has recently appeared under the title: Testimonies of Old and New Teachers of the Lutheran Church Concerning the Spiritual Priesthood. Buffalo, printed by Krause, 1845. It gives a literal and rich extract from Luther's writings, in particular also his splendid epistle to the Bohemians, on this important subject. The appended testimonies of other teachers, such as Arndt, H. Müller, Großgebauer, Dannhauer, and others, serve as proof that this doctrine of the spiritual priesthood was not merely a private teaching of Luther's, but rather the unanimous teaching of the best pure church teachers of the following age. The less this doctrine — grounded in God's Word, so comforting to all orthodox Christians, and most conducive to the exercise of faith and love — is known to many Christians of our day, the more thanks the compiler of these testimonies deserves for having spared neither time nor effort in bringing these jewels of Lutheran doctrine again to light.
Some things, however, remain to be desired in the pamphlet. Among these are: 1. that especially from Luther's later writings more testimonies might have been gathered, in order to refute the erroneous claim that Luther, in his more mature years, abandoned his earlier teaching on the spiritual priesthood or substantially altered it. That this is not so can be abundantly demonstrated from his later writings; besides the passages cited, one need only read the Altenburg edition, vol. VII, pp. 287–88, from the year 1539, as well as vol. VIII, p. 373, from the year 1544. 2. that to the testimonies in which Luther makes the right to deal with God's Word and to preach common to all Christians, the further testimonies should also have been added from vol. V, p. 968 and following, and vol. VI, p. 530, in order to guard this right against abuse by unauthorized preachers and interlopers; likewise, that at least a few of Luther's countless statements on the necessity of a proper, mediate call, and on the right manner of calling, should have been cited; for although the pamphlet is not meant to treat of the call, it nevertheless belongs to a right understanding of the matter, as Luther himself does in his epistle to the Bohemians. But so that it might not, through misunderstanding, give the appearance that Luther, in the epistle mentioned, regarded the election of one of the spiritual priests to be a preacher as a merely human, useful arrangement, and not rather as an arrangement instituted by God himself, it would have been necessary to let Luther speak, as he explains himself elsewhere concerning the call, as in vol. VI, p. 529, or in the House and Church Postil, on St. Andrew's Day.
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3. that the right and duty of every Christian to examine and judge all doctrine and teachers should have been demonstrated still more fully from Luther than has been done — for example, from the Church Postil, Whit-Tuesday — while, on the other hand, Luther's faithful warning against false, unruly, arrogant, unbrotherly judging should not be missing, from the Jena edition, vol. VI, p. 375. 4. to the statement in which Luther vindicates for all Christians the right to consecrate the holy bread and wine, his opinion in vol. VI, p. 434 ought also necessarily to have been added, where, in answer to the question whether a householder, in places where the holy sacrament is not administered according to Christ's institution, may commune himself and his household at home, he answers with an unconditional and well-grounded No. In this Luther by no means contradicts himself, as might appear on superficial consideration; for in the first writing Luther speaks of the right of every Christian to all the offices of the church, and of the use of that right in case of necessity; in the latter writing Luther by no means denies this right, but does not recognize the lack of the sacrament as an actual case of necessity; therefore he does not wish that one should depart from God's order — that the sacrament is to be administered by regular, called ministers — an order from which only genuine necessity is permitted to make an exception. In this way the reader would get the whole Luther, who everywhere presents the right balance between the spiritual priesthood and the public preaching office, and strikes down with equal force both priestly pride and lay presumption, and all disorder. Would that the Lutheran preachers might also promote and put into practice, in a truly Lutheran manner, this part of the wholesome doctrine of the spiritual priesthood in their congregations, and not, as unfortunately happens, stunt it further — through one-sided, unevangelical warning against its abuse, in an irresponsible manner — instead of cultivating it! And would that all Christians might recognize their divine calling, and be diligent to offer spiritual sacrifices to God, and to proclaim the virtues of him who has called them out of darkness into his marvelous light. Now, says Luther, the name and title of the priesthood is glorious, and is soon named and praised by everyone, but the office and the sacrifice are strange, and everyone dreads them.
Th. Brohm.
Mission News.
(From a Correspondence.)
On June 9th, the expected small mission colony sent from Bavaria, together with its mission preacher, landed in New York and traveled on to Michigan, in order to open up a mission field among the Indians there. This is a colony of a quite peculiar kind. Here the missionary does not go among the heathen alone, but is accompanied by a number of Christian farmers and craftsmen, who through their life and conduct are meant to give the heathen Indians a picture of true Christians, and thus support the missionary's spoken preaching. Indeed, a splendid, great task! May God mightily strengthen them for it with the gifts of his Spirit! The mission preacher accompanying them is named F. A. Crämer, a pupil of Pastor Löhe in Bavaria, who is so active on behalf of the Lutherans in America. At the same time, four other young men came from Löhe's institution, in order to serve their abandoned fellow believers here, especially in Ohio and Michigan, as preachers and schoolteachers; their names are Romanowsky, Trautmann, Lochner, and Detzer. They have, it is true, received no learned theological university education, but have doubtless been so instructed in Christian doctrine by the sound and upright Pastor Löhe that they are competent also to teach others; and that is the main thing. The Lord requires faithfulness of his stewards, not great gifts and learning. They carry with them an instruction that obligates them to enter into church fellowship only with those who hold with all fidelity to the entire Book of Concord of the Lutheran Church; they also have with them an agenda [liturgy] recently issued by Pastor Löhe which (I have so far only been able to look at it superficially) appears to contain nothing but the core of the old, pure Lutheran agendas; it is dedicated to the dear Pastor Wyneken and is actually intended for the Lutheran Church of America. With God's help it will prove an excellent antidote to the newest agenda here, that of 1842. God willing, this agenda of Pastor Löhe shall later be discussed in this paper.
From a Letter of Dr. Delitzsch to the Editor.
— — Often, often I think of you all, dear fellow believers who have passed through many tribulations, and especially of you, my dear W., and of the first days spent in your fellowship, the time of my awakening. It was a time still much marked by a legalistic spirit and self-imposed pain, but nevertheless also a time of such holy earnestness that the memory of it now puts me to shame, and also of many rich experiences of grace, which I would not now give up for many treasures of gold and silver. I also often think, with praise to God, of the time when we awoke to a consciousness of what the church is, when in the confession of our Lutheran church we recognized the Yes and Amen to the word of Scripture, and when the defects of the Christianity of our day — first of all our own — became clear to us. I often think of that time and rejoice that I can still, even now, reach out to you in spirit the hand of a brother and cry out with joy: I still stand upon the rock-foundation of the Word of God, Jesus Christ is still my One and All, I am still ready to bring every sacrifice for our dear church, which even in Germany is a struggling and oppressed one.
Since June '44 I have been associate professor of theology at the university here. I declined a call to Prussia (Breslau) under better conditions. The number of believers in Leipzig, that is, of those of a churchly mind, has increased considerably.
—