# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 07 12_S91 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 91 Hänsel zwar und die um ihn behaupten noch die alte Stellung. Aber nicht wenige jüngere Theologen sind Lutheraner im edelsten geistlichsten Sinn des Worts und ich bin überzeugt, wenn Du, wenn Deine Amtsgenossen hierher kämen, wir würden vor Freuden jauchzen, daß Ein Geist uns treibt und daß unsere Anschauungen der gegenwärtigen kirchlichen Zustände ganz dieselben sind, weil der Maßstab, mit dem wir messen, derselbe ist. Du redigirst jetzt, wie ich höre, eine Zeitschrift. Das ist Recht. Nachdem ihr geschmolzen seid im Ofen der Trübsal, laßt das lautere Gold klingen. Seid nicht mehr so blöde; die Zeit des Zornes ist ja vorüber, eure Kleider sind gewaschen und froh könnt ihr eure Häupter erheben. So werdet denn ein Salz der Erde; es ist ein gutes Pfund, das uns Gott vertraut hat. — Ohne Rückhalt könnt ihr euch den von Baiern und Dresden ausgehenden Predigern und Schulmännern anschließen. — Die Zeiten haben sich geändert, und es ist allenthalben eine heilige Liebe nicht allein zu dem HErrn IESU, sondern auch zu seiner Braut, der Kirche, erwacht. — Allenthalben hier in Deutschland reißen sich in Folge der Ausstellung des Rocks Christi in Trier sogenannte deutsch-katholische Gemeinden von der Hierarchie los, aber mit wenigen Ausnahmen werfen sie mit dem römischen Aberglauben auch den katholischen Glauben hinweg. Es ist die Kirche des Rationalismus mit der Tricolor (dreifarbigem Wappen): Gott, Tugend, Unsterblichkeit. Der Beifall der Welt ist maßlos; Joh. Ronge, der neue Reformator, soll schon an 12,000 Rthlr. an Geschenken erhalten haben, und doch ist seine Opposition eine rein negative (niederreißende), ohne Schriftgrund, ohne allen geistlichen Charakter. — Ich bitte Dich: wo Du einen der mir Nähergestandenen siehst (davon ich ein großes Register machen müßte), grüße sie von mir mit dem Brudergruße der innigsten Liebe in Christo IEsu, und sage ihnen: wir wollen die gute Beilage bewahren, die wir empfangen haben, wollen Glauben halten und Liebe üben, und eher müsse unsere Zunge an unserem Gaumen kleben, als daß wir Jerusalems vergessen. — Nun, mein theurer Bruder, der HErr unser Heiland rüste Dich tagtäglich mit neuer Kraft aus der Höhe und segne Dein Amt, Du mögest predigen oder schreiben. Er sei über den Gemeinden in St. Louis und Perry County ein schirmendes Dach und um sie her eine feurige Mauer. Er mache sie alle zu Gärten Gottes durch seine allmächtige Gnade. Sein ausgereckter Arm helfe euch sichtbar in aller Trübsal. Er sei mit euch, daß euch das Feuer nicht versenge und die Ströme nicht ersäufen. Er sei mit Dir, mein lieber W. Unzertrennlich Dein und Euer Delitzsch. Leipzig, den 30. März, 1845. (Eingesandt.) Protestation gegen die Benennung „Altlutheraner.“ Es wird der Name Altlutheraner jetzt immer häufiger, namentlich in den Zeitschriften. Man setzt zwar gemeiniglich hinzu die „sogenannten“ Altlutheraner, aber ich habe noch nie einen Nachweis gelesen, wer sie denn zuerst so genannt habe. Ich weiß nun nicht, wer ausschließlich darunter verstanden wird, aber sehe doch deutlich, daß unter andern alle diejenigen zu den Altlutheranern gerechnet werden, welche den Lehren und Ansichten des hier erscheinenden „Lutheraners“ beistimmen. Warum werden aber diese mit einem solchen absondernden Namen bezeichnet? Es hat sich ja „der Lutheraner“ selbst nicht diesen Namen gegeben, er hat den gewöhnlichen Namen beibehalten, er hat auch nicht erklärt, eine neue Partei aufrichten zu wollen, er hat vielmehr im Anfange erklärt und erklärt noch immer, was er unter einem Lutheraner versteht, nehmlich einen solchen, der die Lehre der evangelisch-lutherischen Kirche, wie sie in deren Bekenntnissen niedergelegt ist, von Herzen glaubt und bekennt; und sodann ist auch der „Lutheraner“ noch in keinem Blatte überführt worden, daß er in der lutherischen Kirche eine neue Lehre aufbringe, weshalb man ihm einen besonderen Namen geben müsse. Zwar spricht die „lutherische Hirtenstimme“ in No. 12 dieses Jahrgangs, unverkennbar auf den „Lutheraner“ hindeutend, es würden „übertriebene Behauptungen“ vorgebracht, zwar ersucht sie den „christlichen Apologeten“ brüderlich, „es doch nicht als Lehre der lutherischen Kirche aufzunehmen und in die Welt hinauszuposaunen, wenn von den Altlutherischen unvernünftige und Gottes Wort zuwider gehende Sätze aufgestellt würden;“ aber leider sieht man zu diesen Titeln keine Ausführung, zu diesen Beschuldigungen keinen Beweis. Es befremdet mich fürwahr, daß die „lutherische Hirtenstimme,“ welche sich doch über die von einem Laien in dem „Apologeten“ geschehenen Verunglimpfungen beklagt, sich ähnliche Verunglimpfungen der sogenannten Altlutheraner zu Schulden kommen läßt. Denn werden durch solche Reden in dem mit der Sache nicht bekannten Leser der „Hirtenstimme“ nicht nothwendig üble Vorurtheile gegen die sogenannten Altlutheraner erweckt? Es wäre viel besser und christlicher gewesen, wenn die „Hirtenstimme“ lieber gleich „das Unvernünftige, Uebertriebene, wider Gottes Wort Streitende“ der Altlutheraner aufgedeckt hätte, dann hätten auch die Irrenden überführt und gebessert werden können. Man soll seinen Bruder strafen, und nicht verleumden! Auch wundert es mich, daß die „Hirtenstimme“ es so hervorhebt, daß die sogenannten Altlutheraner erst kürzlich in America angekommen seien, als ob sie deswegen ihre Stimme in der lutherischen Kirche von America nicht erheben dürften. Wie lange muß man denn in Amerika sein, um ein rechter Lutheraner zu sein? Kann nicht auch von Deutschland ein guter Lutheraner kommen? Soll etwa der Nativismus auch in der Kirche eingeführt werden? Welch ein Herunterziehen der Kirche in das weltliche, politische Wesen? So ehrenvoll auch der Name Altlutheraner klingen mag, indem man ihn so auslegen könnte, daß man bei dem alten Evangelium bleiben und nicht ein haarbreit von demselben abweichen wolle, das uns Gott durch den Dienst des seligen Dr. Luther wieder geschenkt hat, so meine ich doch, daß wir mit allem Ernste gegen diesen Namen protestiren müssen, weil dadurch die ohnehin gespaltene Christenheit nur noch mehr gespalten wird, und weil es auch geradezu gegen den Befehl Gottes ist, innerhalb der Kirche immer neue Benennungen zu machen und zu billigen. (1 Cor. 1, 10. u. folg.) Wir wollen Lutheraner sein, wir wollen in Sachen der Lehre nichts annehmen, was mit dem Bekenntniß der lutherischen Kirche nicht übereinstimmt, weil wir fest überzeugt sind, daß dasselbe das Bekenntniß des lautern Wortes Gottes ist. Sollte man uns aber etwa darum einen besondern Namen geben, weil wir uns durch Ceremonien und dergleichen äußerliche Dinge von andern Lutheranern unterscheiden? — Die Verschiedenheit der Ceremonien und Verfassungen kann doch die Einheit in der Lehre und im Geiste nicht aufheben und eine neue Kirche machen! S. Augsb. Confession, Art. 7. Oder macht uns das zu einer neuen Partei, wenn wir Irrthümer, die sich unter Lutheranern einschleichen wollen, brüderlich strafen? Das ist ja nach Jac. 5, 19. 20. eine That der christlichen Liebe! Gibt es in America Gemeinschaften, die sich Altlutheraner nennen, um dadurch eine neue Partei zu bilden, so wollen wir uns nicht an solche anschließen, es sei dem, daß es endlich — was Gott verhüten wolle — dahin käme, daß eine falsche Lutherische Kirche durch diesen Namen die rechten Lutheraner von sich ausschließen würde, dann müßten und würden wir auch diesen Namen als ein Kreuz Christi tragen. F. Bünger. Dr. Martin Luther's Ermahnung an die Bürgermeister und Rathsherrn aller Städte deutschen Landes, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen. (Im Auszug.) Wir erfahren's jetzt durch und durch, wie man allenthalben die Schulen zergehen läßt und will niemand mehr Kinder lernen lassen, noch studiren. Daß aber der böse Teufel solches den fleischlichen Weltherzen eingibt, die Kinder und das junge Volk so zu verlassen, ist nicht Wunder und wer will's ihm verdenken? Er ist ein Fürst und Gott dieser Welt. Wie sollte er zugeben, daß man jung Volk recht aufziehe? Ja ein Narr wäre er, daß er in seinem Reiche das sollte lassen und helfen aufrichten, dadurch es aufs allergeschwindeste müßte zu Boden gehen, wie denn geschähe, wo er das niedliche Bißlein, die liebe Jugend verlöre und leiden müßte, daß sie mit seiner Kost und Gütern erhalten würden zum Gottesdienst. Denn wo ihm soll ein Schaden geschehen, der muß durchs junge Volk geschehen, das in Gottes Erkennt-