# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 07 12_S90 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 90 (Eingesandt.) „Von dem geistlichen Priesterthum.“ Es ist unlängst ein Schriftchen erschienen unter dem Titel: Zeugnisse alter und neuer Lehrer der luther. Kirche von dem geistlichen Priesterthum. Buffalo, gedruckt bei Krause 1845. Dasselbe gibt einen wörtlichen und reichhaltigen Auszug aus Lutheri Schriften, namentlich auch seinen herrlichen Sendschreiben an die Böhmen, über diesen wichtigen Gegenstand. Die beigefügten Zeugnisse anderer Lehrer, als Arndts, H. Müllers, Großgebauers, Dannhauers u. a. dienen zum Beleg, daß jene Lehre vom geistlichen Priesterthum nicht etwa eine bloße Privatlehre Luthers, sondern die einstimmige Lehre der besten reinen Kirchenlehrer der folgenden Zeit gewesen ist. Je weniger diese in Gottes Wort gegründete, allen rechtgläubigen Christen so tröstliche, zur Ausübung des Glaubens und der Liebe höchst förderliche Lehre vielen Christen unserer Tage bekannt ist, um so mehr verdient der Sammler dieser Zeugnisse Dank, daß er nicht Zeit und Mühe gespart hat, diese Kleinode lutherischer Lehre wieder an's Licht zu fördern. Einiges bleibt jedoch an dem Schriftchen zu wünschen übrig; dahin gehört 1., daß besonders aus Lutheri spätern Schriften mehr Zeugnisse möchten gesammelt sein, um die irrige Behauptung zu widerlegen, als habe Luther in seinen reifern Jahren seine frühere Lehre vom geistlichen Priesterthum fallen lassen oder wesentlich geändert. Daß dem nicht so ist, kann aus seinen spätern Schriften reichlich dargethan werden; man lese außer den angeführten Stellen nur Altenb. Ausg. T. VII. 287. 88. vom Jahr 1539, sowie VIII. 373. vom Jahr 1544. 2., daß zu den Zeugnissen, darin Luther das Recht, mit Gottes Wort umzugehen und zu predigen, allen Christen gemein macht, auch die andern Zeugnisse beigefügt wären aus V. 968 und folg., VI. 530, um dieses Recht vor dem Mißbrauch der Winkelprediger und Schleicher zu verwahren, item daß aus den zahllosen Aussprüchen Luther's von der Nothwendigkeit eines ordentlichen mittelbaren Berufs und der rechten Weise zu berufen wenigstens einige angeführt wären; denn obwohl das Schriftchen nicht von dem Beruf handeln soll, so gehört er doch zum rechten Verständniß der Sache mit hinein, wie auch Luther selbst thut in seinen Sendschreiben an die Böhmen. Damit es aber durch Mißverstand nicht den Schein gewinne, als sähe Luther in erwähnten Sendschreiben die Erwählung eines der geistlichen Priester zum Prediger für eine bloß menschliche nützliche Ordnung an und nicht vielmehr für eine von Gott selbst gestellte Ordnung, darum wäre nöthig gewesen, Luthern reden zu lassen, wie er sich anderweit über den Beruf erklärt, als VI. 529 oder Haus- und Kirchenpostille, am Andreastage; 3., sollte das Recht und die Pflicht eines jeden Christen, alle Lehre und Lehrer zu prüfen und zu urtheilen, noch reichlicher, als es geschehen, aus L. dargethan sein, z. B. Kirchenpostille, Pfingstdienstag, dagegen aber auch Luther's treue Warnung vor falschem, wildem, hoffärtigem, unbrüderlichem Richten nicht fehlen aus T. VI. 375. 4., gehörte zu dem Satze, darin Luther das heilige Brod und Wein zu segnen, allen Christen vindicirt, nothwendig auch sein Bedenken VI. 434., wo er auf die Frage, ob ein Hausvater an Orten, wo das heil. Sacrament nicht nach Christi Ordnung gereicht wird, sich und sein Gesinde daheim communiciren möge, mit einem unbedingten, wohl motivirten Nein antwortet. Darin widerspricht sich Luther keineswegs, wie es bei oberflächlicher Betrachtung scheinen möchte; denn in der ersten Schrift redet Luther von dem Recht eines jeden Christen zu allen Aemtern der Kirche und dem Gebrauche desselben im Nothfalle; in letzterer Schrift leugnet Luther dieses Recht keineswegs, erkennt aber den Mangel des Sacraments nicht als einen eigentlichen Nothfall an; darum will er nicht, daß man von der Ordnung Gottes, das Sacrament durch ordentliche, berufene Diener sich reichen zu lassen, abweiche, von welcher nur die eigentliche Noth Ausnahme zu machen gestattet. Auf diese Weise bekäme der Leser den ganzen Luther, welcher allenthalben das rechte Gleichgewicht des geistlichen Priesterthums und des öffentlichen Lehramts darstellt und gleich stark den Priesterstolz, und den Laiendünkel, und alle Unordnung zu Boden schlägt. Möchten doch die lutherischen Prediger auch diesen Theil der heilsamen Lehre vom geistlichen Priesterthum auf recht lutherische Weise in ihren Gemeinden treiben und in Uebung bringen und nicht, wie es leider geschieht, durch einseitiges, unevangelisches Warnen vor dem Mißbrauche unverantwortlicher Weise mehr verkümmern, statt anzubauen! Möchten aber auch alle Christen ihren göttlichen Beruf erkennen, und emsig sein, geistliche Opfer Gott darzubringen, und die Tugenden dessen verkündigen, der sie berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Lichte. Nun der Name und Titel des Priesterthums, spricht Luther, ist herrlich und bald genannt und gerühmt von Jedermann, aber das Amt und Opfer ist seltsam und grauet Jedermann für. Th. Brohm. Missionsnachrichten. (Aus einer Correspondenz.) Am 9. Juni landete die erwartete, kleine, aus Baiern gesendete Missionscolonie mit ihrem Missionsprediger in New-York und ging weiter nach Michigan, um unter den dortigen Indianern ein Missionsfeld zu eröffnen. Es ist dies eine Colonie ganz eigenthümlicher Art. Hier geht der Missionar nicht allein unter die Heiden, sondern begleitet von einer Anzahl christlicher Landleute und Professionisten, die durch ihr Leben und ihren Wandel den heidnischen Indianern ein Bild wahrer Christen geben und so die mündliche Predigt des Missionars unterstützen sollen. In der That, eine herrliche, große Aufgabe! Gott stärke sie mächtig dazu mit seines Geistes Gaben! Der sie begleitende Missionsprediger heißt F. A. Crämer, ein Zögling des für die Lutheraner in America so thätigen Pastor Löhe in Baiern. Zugleich kamen noch vier andere junge Männer aus der Löhe'schen Anstalt, um als Prediger und Schullehrer ihren verlassenen Glaubensgenossen hier, besonders in Ohio und Michigan zu dienen; sie heißen Romanowsky, Trautmann, Lochner, Detzer. Sie haben zwar keine gelehrte theologische Universitätsbildung empfangen, sind aber ohne Zweifel von dem gediegenen und rechtschaffenen Pastor Löhe in der christlichen Lehre so unterrichtet worden, daß sie tüchtig sind, auch andere zu lehren; und das ist die Hauptsache. Der HErr fordert Treue an seinen Haushaltern, nicht große Gaben und Gelehrsamkeit. Sie haben eine Instruction bei sich, die sie verpflichtet, nur mit denjenigen in Kirchengemeinschaft zu treten, die sich mit aller Treue zum ganzen Concordienbuch der luth. Kirche halten; auch eine von P. Löhe kürzlich erst herausgegebene Agende haben sie bei sich, die (ich habe sie bis jetzt nur oberflächlich ansehen können) nichts als den Kern der alten reinen lutherischen Agenden zu enthalten scheint; sie ist dem l. Pastor Wyneken gewidmet und eigentlich für die luth. Kirche Amerika's bestimmt. Sie wird mit göttlicher Hilfe ein treffliches Gegengift gegen die hiesige neueste Agende von 1842 sein. So Gott will, soll diese Agende des Pastor Löhe später in diesem Blatte zur Sprache kommen. Aus einem Briefe Herrn Dr. Delitzsch'ens an den Herausgeber. — — Oft, oft gedenke ich an euch alle, theure, durch viel Trübsale hindurch gegangene Glaubensgenossen, und besonders an Dich, mein theurer W., und an die erste in Deiner Gemeinschaft verlebte Zeit meiner Erweckung. Es war eine Zeit vielfach noch gesetzlichen Wesens und selbstauferlegter Pein, aber doch auch eine Zeit so heiligen Ernstes, daß die Erinnerung daran mich jetzt beschämt, und auch vieler und reicher Gnadenerfahrungen, die ich jetzt um viel Schätze Goldes und Silbers nicht daran geben möchte. Auch der Zeit gedenke ich oft mit Lobpreis Gottes, wo wir zum Bewußtsein dessen, was Kirche ist, erwachten, wo wir in dem Bekenntnisse unserer lutherischen Kirche das Ja und Amen zum Schriftwort erkannten und die Gebrechen des Christenthums unserer Tage, zunächst unsere eigenen, uns klar wurden. Dieser Zeit gedenke ich oft und freue mich, dir noch jetzt im Geiste die Bruderhand reichen und zujubeln zu können: Noch stehe ich auf dem Felsengrunde des Wortes Gottes, noch ist IEsus Christus mein Ein und Alles, noch bin ich bereit, unserer theuren Kirche, die auch in Deutschland eine streitende und gedrückte ist, jegliches Opfer zu bringen. Seit dem Juni 44 bin ich an hiesiger Universität a. o. Professor der Theologie. Einen Ruf nach Preußen (Breslau) unter besseren Bedingungen habe ich abgelehnt. Die Zahl der Gläubigen in Leipzig und zwar der kirchlich Gesinnten hat sich bedeutend gemehrt. —