Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 1 › Seite 2
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-09-01, Seite 2
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Staatsſchule
fragen, was nun weiter zu thun ſei. Auf dem
am Sonntage von Ihnen vorgeſchlagenen Wege
geht es nicht. Sie behaupteten, daß die ge⸗
ſchwornen Geſellſchaften gegen Gottes Wort
ſeien, was nicht der Fall iſt, denn ſie ſind nicht
gegen Gottes Wort.
Ich. Daß ihr dieſes Letztere weder wiſſet noch
glaubet, lieben Freunde, iſt mir eine ebenſo be⸗
kannte als natürliche Sache. Ihr ſeid darüber
im Irrthum; und aus eben dieſem Grunde
wies ich Euch am vorigen Sonntag nicht etwa
von den Segnungen des göttlichen Wortes und
des h. Predigtamtes weg, ſondern weil ich Euch
herzuziehen wollte, bot ich Euch darüber Beleh⸗
rung an und verſprach Euch, ohne Leixenſchaft
und ruhig mit allen insgeſamt und mit jedem
inſonderheit über die Lage Eurer Seelen zu ſpre⸗
chen. Darum ſtellte ich auch am Ende jene Frage,
ob die Gemeinde Willens ſei, ſich über dieſen
Punkt belehren zu laſſen und die Belehrung an⸗
zunehmen.
S. Es war gut, Herr Pfarrer, daß Sie die
Sache ſo gemacht haben, wie Sie thaten und
nicht ſogleich eine Antwort begehrten: es hätte
wahrlich in der Kirche Spektakel gegeben.
Ich. Das thut mir leid. Ich wüßte nicht,
womit ich in meinen Worten oder in meiner
Weiſe zu ſprechen Veranlaſſung zu Lärm und
Spektakel gegeben haben ſollte. Das allgemeine
Verſtummen der ganzen Verſammlung ſchien mir
kein Beweis zu ſein, daß ich irgend erbitternde
Worte geführe hätte, wie ich denn auch in der
That Niemand erbittern wollte.
P. Die Leute ſind ungemein erbittert, rennen
umher, ſprechen dies und das, und ſo wie Sie
nächſten Sonntag die bewußte Sache wieder zur
Sprache bringen, ſo geht es gewiß nicht ohne
großen Tumult ab, und wozu das?
Ich. Das muß ich herzlich bedauern, ich hätte
es nicht vermuthet.
P. Sie werden ſich erinnern, Herr Pfarrer,
daß ich Ihnen gleich anfangs bemerkte, von ge⸗
heimen Geſellſchaften dürfe nichi die Rede ſein,
denn faſt alle Glieder unſrer Gemeinde ſind auch
Mitglieder jener Geſellſchaften, und werden ge—
wiß nicht dulden, daß Sie dagegen angehen.
Ich. Das hörte ich wohl, aber die Gewißheit
davon hatte ich damit noch nicht, mußte es viel⸗
mehr ſtark bezweifeln, da mich die Gemeinde als
einen Prediger der reinen lutheriſchen Lehre und
zwar ordentlich berufen hatte, wozu anders, als
um die ſeligmachende Wahrheit des göttlichen
Worts zu erfahren und zu lernen? So dachte
ich, und konnte nicht anders denken. Ich war
keineswegs darauf gefaßt, daß von der ganzen
Gemeinde nicht einmal ein Einziger ſollte über
vdieſen Punkt ins Klare zu kommen ſuchen, daß
alle zuſammen ſchon die Belehrung verſchmähen
würden.
S. Wozu bedarf es auch der Belebrung?
Wie können Sie, Herr Pfarrer, behaupten, daß
die geheimen Geſellſchaften gegen Gottes Wort
ſeien?
Jah. Das kann ich behaupten, lieben Freun⸗
de, und kann es auch ſehr leicht beweiſen.
X. Tas möchten wir hören.
Ich. Wohlan, das ſollt ihr den Augenblick
hören. Ihr konntet ſchon in eine geheime Gefell⸗
ſchaft nicht eintreten, ohne damit zugleich einer
ſchweren Sünde euch ſchuldig zu machen.
S. Das wäre, wie ſo?
Ich. Saget mir, war euch vor euremEintritt in
eine ſolche Geſellſchaft Alles bekannt, womit ſie
umgeht? oder war euch Einiges davon nicht
bekannt?
S. Nicht Alles, aber doch die Hauptſache,
den Zweck kannten wir, den die geheimen Geſell⸗
ſchaften verfolgen, und wir wußten, daß er ein
guter ſei. Oder iſt es kein guter Zweck, Witwen
und Waiſen zu unterſtützen?
Ich. Aber die Geheimniſſe, die nicht offen⸗
bar werden, waren euch auch dieſe bekannt vor
eurem Eintritt?
S. Keineswegs, ſonſt wären es nicht Ge—
heimniſſe. Aber was ſoll das auf ſich haben?
Was ſinds auch für ſonderliche Geheimniſſe!
Nichts als einige beſondere Zeichen, woran wir
uns unter einander kennen, damit kein Fremder
uns hintergehen und betrügen kann.
Ich. Wenn ich euch alſo recht verſtehe, ſo hör—
tet ihr wohl zuvor von den geheimen Geſellſchaf⸗
ten dies und das, aber ihr wolltet euch über⸗
zeugen?
S. Juſt ſo.
P. Ebendas wollten wir, uns überzeugen.
X. Verſteht ſich, grade das wollten wir.
Ich. Ihr wußtet demnach die ganze Sache
der geheimen Geſellſchaften nicht ſo feſt, daß ihr
ſchon zuvor überzeugt ſein konntet. Iſts nicht ſo?
Iſts nicht ſo? gebt mir Antwort — wenn
ich bitten darf.
S. Ja, es iſt ſo.
Ich. Ihr bekennet alſo, daß ihr vor eurem
Eintritt in geheime Geſellſchaften, nicht wußtet,
was jene geheimen Dinge ſeien, ob gut oder
bös, ihr konntet nicht in der Uberzeugung ein⸗
treten, daß alles dabei gut ſei, denn ihr thatet
es, um euch zu überzeugen, ob es gut ſei oder
böſe. Ihr konntet alſo dieſen Schritt nicht ohne
Zweifel thun; es konnte möglicher Weiſe immer
ein verwerflicher Schritt ſein. Wiſſet ihr aber,
was der Apoſtel Paulus ſagt von ſolchem Thun?
S. Was dann?
Ich. Wer über etwas zweifelt (ob es nämlich
gut oder böſe ſei), und thut es doch, der iſt ver—
dammet. Warum? denn es geht nicht aus
dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glau⸗
ben gehet, das iſt Sünde. Röm. 14, 23.
X. Es heißt auch: Prüfet Alles und das
Beſte behaltet.
Ich. Kann der Apoſtel mit dieſen Worten
ein Prüfen meinen, wo das Prüfen ſchon Sün⸗
de iſt, weil es im Zweifel geſchieht und nicht
aus dem Glauben kommt? Wird wohl St.
Paulus ein fündliches Prüfen empfehlen? Ge⸗
wiß nicht.
S. Wir wollten einmal wiſſen, was hinter
jenen Geheimniſſ en der geſchwornen Geſellſchaf⸗
ten ſtecke, und ſiehe, nun wiſſen wirs. Und wir
haben uns überzeugt, daß dieſe ganze Sache gut
und unverwerflich ſei. Nichts in der Welt wird
uns vermögen, den Geſellſchaften zu entſagen.
euch raunte der Teufel in die Ohren:
Ich. Ja, ihr habt euch überzeugt, wie unſre
unglückliche Mutter Eva im Paradies. Sie
wußte, daß ſie Sünde thue, wenn ſie vom Ver⸗
botenen äße; ihr konntet ebenfalls wiſſen, daß,
was im Zweifel gethan wird, Sünde ſei. Sie
gelüſtete es: euch gelüſtete es. Sie hätte gerne
gewußt: ihr hättet gerne gewußt. Ihr flüſterte
die Schlange zu: Iß, du wirſt klug werden,
wenn du iſſeſt, und Gott hat es nicht verboten;
ihr könn⸗
tet immer wieder wegbleiben, wenn es böſe wäre.
Eva aß und wußte; ihr liefet hin und biſſet an
und nunmehr wiſſet auch ihr — und zwar, wie
ihr wähnet, daß es eine gute Sache ſei, aber die
Erfahrung wird euch ſo gut wie die arme Mut⸗
ter Eva lehren, daß es ein tödtlicher Apfelbiß.
geweſen.
S. Herr Pfarrer, das iſt nichts geſagt.
Ich. Natürlich iſts umſonſt geſagt und für
nichts, wenn es nicht angenemmen wird, und
wenn es lauter goldene, edle, köſtliche, ſeligma—
chende Worte aus dem Himmel wären. Was
man nicht hört, iſt umſonſt geſagt.
S. Sie machen uns nicht anders, wir wer—
den bleiben, wie und was wir ſind.
Ich. Deſto ſchlimmer für euch, nicht für mich,
wenn ihr nicht allein wollt Sünde thun, ſon⸗
dern auch muthwillig darin verharren.
S. Kenneten Sie die Geſellſchaften und wie
es darin ſo untadelig und ſchön zugeht, Sie
würden wahrlich anders urtheilen.
Ich. Es iſt wahr, ich weiß wenig von dieſen
kindiſchen Dingen, das Wenige aber, was ich
weiß, iſt hinreichend, mir Schauder zu erregen.
Denn in jenen elenden Tändeleien wird doch
eine große Macht des Böſen offenbar.
S. Böſes? Unter uns? das möchte ich doch
wiſſen, was das ſein ſoll.
Ich. Nun, ſo ſaget mir, wen betet ihr an bei
euren Leichenceremonien auf den Kirchhöfen?
S. Den großen Geiſt.
Ich. Wie, alſo wirklich den Götzen der beid⸗
niſchen Indianer?
S. Mit nichten iſt der große Geiſt, den wir
anbeten, der Abgott der Indianer.
Ich. Welcher Gott iſts dann? Wo hat
ein Chriſtenvolk einen Gott, welcher keinen an⸗
dern Namen hat als den: der große Geiſt?
S. Sieht nicht geſchrieben:
Geiſt?
Ich.
len, man ſolle =
Geiſt“ kennen, nennen und anrufen? Wo ſieht
geſchrieben, daß man ihm Titel und Namen von
dem Indianergötzen beilegen, und ihn in heid—
niſcher Weiſe anbeten ſoll? Warum nennet ihr
Gott nicht mit dem Namen, auf den ihr getauft
ſeid, warum ruft ihr nicht den dreieinigen
Gott an? Warum den Heidengott, den gro⸗
ßen Geiſt?
S. Wir thun es blos darum, weil auch Jü⸗
den ꝛc. bei den Geſellſchaften ſind, welche nicht
an den dreieinigen Gott glauben.
Ich. Ei, ihr lieben Freunde, das iſt ja vor—
trefflich, ehe ihr vom Juden verlangt, daß er
zum dreieinigen Gott ſich bekehre, wenn er mit
Allerdings. Wo aber has Gott befoh⸗
Gott iſt ein
Ihn unter dem Namen „der große
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