# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 01_S2 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) fragen, was nun weiter zu thun ſei. Auf dem am Sonntage von Ihnen vorgeſchlagenen Wege geht es nicht. Sie behaupteten, daß die ge⸗ ſchwornen Geſellſchaften gegen Gottes Wort ſeien, was nicht der Fall iſt, denn ſie ſind nicht gegen Gottes Wort. Ich. Daß ihr dieſes Letztere weder wiſſet noch glaubet, lieben Freunde, iſt mir eine ebenſo be⸗ kannte als natürliche Sache. Ihr ſeid darüber im Irrthum; und aus eben dieſem Grunde wies ich Euch am vorigen Sonntag nicht etwa von den Segnungen des göttlichen Wortes und des h. Predigtamtes weg, ſondern weil ich Euch herzuziehen wollte, bot ich Euch darüber Beleh⸗ rung an und verſprach Euch, ohne Leixenſchaft und ruhig mit allen insgeſamt und mit jedem inſonderheit über die Lage Eurer Seelen zu ſpre⸗ chen. Darum ſtellte ich auch am Ende jene Frage, ob die Gemeinde Willens ſei, ſich über dieſen Punkt belehren zu laſſen und die Belehrung an⸗ zunehmen. S. Es war gut, Herr Pfarrer, daß Sie die Sache ſo gemacht haben, wie Sie thaten und nicht ſogleich eine Antwort begehrten: es hätte wahrlich in der Kirche Spektakel gegeben. Ich. Das thut mir leid. Ich wüßte nicht, womit ich in meinen Worten oder in meiner Weiſe zu ſprechen Veranlaſſung zu Lärm und Spektakel gegeben haben ſollte. Das allgemeine Verſtummen der ganzen Verſammlung ſchien mir kein Beweis zu ſein, daß ich irgend erbitternde Worte geführe hätte, wie ich denn auch in der That Niemand erbittern wollte. P. Die Leute ſind ungemein erbittert, rennen umher, ſprechen dies und das, und ſo wie Sie nächſten Sonntag die bewußte Sache wieder zur Sprache bringen, ſo geht es gewiß nicht ohne großen Tumult ab, und wozu das? Ich. Das muß ich herzlich bedauern, ich hätte es nicht vermuthet. P. Sie werden ſich erinnern, Herr Pfarrer, daß ich Ihnen gleich anfangs bemerkte, von ge⸗ heimen Geſellſchaften dürfe nichi die Rede ſein, denn faſt alle Glieder unſrer Gemeinde ſind auch Mitglieder jener Geſellſchaften, und werden ge— wiß nicht dulden, daß Sie dagegen angehen. Ich. Das hörte ich wohl, aber die Gewißheit davon hatte ich damit noch nicht, mußte es viel⸗ mehr ſtark bezweifeln, da mich die Gemeinde als einen Prediger der reinen lutheriſchen Lehre und zwar ordentlich berufen hatte, wozu anders, als um die ſeligmachende Wahrheit des göttlichen Worts zu erfahren und zu lernen? So dachte ich, und konnte nicht anders denken. Ich war keineswegs darauf gefaßt, daß von der ganzen Gemeinde nicht einmal ein Einziger ſollte über vdieſen Punkt ins Klare zu kommen ſuchen, daß alle zuſammen ſchon die Belehrung verſchmähen würden. S. Wozu bedarf es auch der Belebrung? Wie können Sie, Herr Pfarrer, behaupten, daß die geheimen Geſellſchaften gegen Gottes Wort ſeien? Jah. Das kann ich behaupten, lieben Freun⸗ de, und kann es auch ſehr leicht beweiſen. X. Tas möchten wir hören. Ich. Wohlan, das ſollt ihr den Augenblick hören. Ihr konntet ſchon in eine geheime Gefell⸗ ſchaft nicht eintreten, ohne damit zugleich einer ſchweren Sünde euch ſchuldig zu machen. S. Das wäre, wie ſo? Ich. Saget mir, war euch vor euremEintritt in eine ſolche Geſellſchaft Alles bekannt, womit ſie umgeht? oder war euch Einiges davon nicht bekannt? S. Nicht Alles, aber doch die Hauptſache, den Zweck kannten wir, den die geheimen Geſell⸗ ſchaften verfolgen, und wir wußten, daß er ein guter ſei. Oder iſt es kein guter Zweck, Witwen und Waiſen zu unterſtützen? Ich. Aber die Geheimniſſe, die nicht offen⸗ bar werden, waren euch auch dieſe bekannt vor eurem Eintritt? S. Keineswegs, ſonſt wären es nicht Ge— heimniſſe. Aber was ſoll das auf ſich haben? Was ſinds auch für ſonderliche Geheimniſſe! Nichts als einige beſondere Zeichen, woran wir uns unter einander kennen, damit kein Fremder uns hintergehen und betrügen kann. Ich. Wenn ich euch alſo recht verſtehe, ſo hör— tet ihr wohl zuvor von den geheimen Geſellſchaf⸗ ten dies und das, aber ihr wolltet euch über⸗ zeugen? S. Juſt ſo. P. Ebendas wollten wir, uns überzeugen. X. Verſteht ſich, grade das wollten wir. Ich. Ihr wußtet demnach die ganze Sache der geheimen Geſellſchaften nicht ſo feſt, daß ihr ſchon zuvor überzeugt ſein konntet. Iſts nicht ſo? Iſts nicht ſo? gebt mir Antwort — wenn ich bitten darf. S. Ja, es iſt ſo. Ich. Ihr bekennet alſo, daß ihr vor eurem Eintritt in geheime Geſellſchaften, nicht wußtet, was jene geheimen Dinge ſeien, ob gut oder bös, ihr konntet nicht in der Uberzeugung ein⸗ treten, daß alles dabei gut ſei, denn ihr thatet es, um euch zu überzeugen, ob es gut ſei oder böſe. Ihr konntet alſo dieſen Schritt nicht ohne Zweifel thun; es konnte möglicher Weiſe immer ein verwerflicher Schritt ſein. Wiſſet ihr aber, was der Apoſtel Paulus ſagt von ſolchem Thun? S. Was dann? Ich. Wer über etwas zweifelt (ob es nämlich gut oder böſe ſei), und thut es doch, der iſt ver— dammet. Warum? denn es geht nicht aus dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glau⸗ ben gehet, das iſt Sünde. Röm. 14, 23. X. Es heißt auch: Prüfet Alles und das Beſte behaltet. Ich. Kann der Apoſtel mit dieſen Worten ein Prüfen meinen, wo das Prüfen ſchon Sün⸗ de iſt, weil es im Zweifel geſchieht und nicht aus dem Glauben kommt? Wird wohl St. Paulus ein fündliches Prüfen empfehlen? Ge⸗ wiß nicht. S. Wir wollten einmal wiſſen, was hinter jenen Geheimniſſ en der geſchwornen Geſellſchaf⸗ ten ſtecke, und ſiehe, nun wiſſen wirs. Und wir haben uns überzeugt, daß dieſe ganze Sache gut und unverwerflich ſei. Nichts in der Welt wird uns vermögen, den Geſellſchaften zu entſagen. euch raunte der Teufel in die Ohren: Ich. Ja, ihr habt euch überzeugt, wie unſre unglückliche Mutter Eva im Paradies. Sie wußte, daß ſie Sünde thue, wenn ſie vom Ver⸗ botenen äße; ihr konntet ebenfalls wiſſen, daß, was im Zweifel gethan wird, Sünde ſei. Sie gelüſtete es: euch gelüſtete es. Sie hätte gerne gewußt: ihr hättet gerne gewußt. Ihr flüſterte die Schlange zu: Iß, du wirſt klug werden, wenn du iſſeſt, und Gott hat es nicht verboten; ihr könn⸗ tet immer wieder wegbleiben, wenn es böſe wäre. Eva aß und wußte; ihr liefet hin und biſſet an und nunmehr wiſſet auch ihr — und zwar, wie ihr wähnet, daß es eine gute Sache ſei, aber die Erfahrung wird euch ſo gut wie die arme Mut⸗ ter Eva lehren, daß es ein tödtlicher Apfelbiß. geweſen. S. Herr Pfarrer, das iſt nichts geſagt. Ich. Natürlich iſts umſonſt geſagt und für nichts, wenn es nicht angenemmen wird, und wenn es lauter goldene, edle, köſtliche, ſeligma— chende Worte aus dem Himmel wären. Was man nicht hört, iſt umſonſt geſagt. S. Sie machen uns nicht anders, wir wer— den bleiben, wie und was wir ſind. Ich. Deſto ſchlimmer für euch, nicht für mich, wenn ihr nicht allein wollt Sünde thun, ſon⸗ dern auch muthwillig darin verharren. S. Kenneten Sie die Geſellſchaften und wie es darin ſo untadelig und ſchön zugeht, Sie würden wahrlich anders urtheilen. Ich. Es iſt wahr, ich weiß wenig von dieſen kindiſchen Dingen, das Wenige aber, was ich weiß, iſt hinreichend, mir Schauder zu erregen. Denn in jenen elenden Tändeleien wird doch eine große Macht des Böſen offenbar. S. Böſes? Unter uns? das möchte ich doch wiſſen, was das ſein ſoll. Ich. Nun, ſo ſaget mir, wen betet ihr an bei euren Leichenceremonien auf den Kirchhöfen? S. Den großen Geiſt. Ich. Wie, alſo wirklich den Götzen der beid⸗ niſchen Indianer? S. Mit nichten iſt der große Geiſt, den wir anbeten, der Abgott der Indianer. Ich. Welcher Gott iſts dann? Wo hat ein Chriſtenvolk einen Gott, welcher keinen an⸗ dern Namen hat als den: der große Geiſt? S. Sieht nicht geſchrieben: Geiſt? Ich. len, man ſolle = Geiſt“ kennen, nennen und anrufen? Wo ſieht geſchrieben, daß man ihm Titel und Namen von dem Indianergötzen beilegen, und ihn in heid— niſcher Weiſe anbeten ſoll? Warum nennet ihr Gott nicht mit dem Namen, auf den ihr getauft ſeid, warum ruft ihr nicht den dreieinigen Gott an? Warum den Heidengott, den gro⸗ ßen Geiſt? S. Wir thun es blos darum, weil auch Jü⸗ den ꝛc. bei den Geſellſchaften ſind, welche nicht an den dreieinigen Gott glauben. Ich. Ei, ihr lieben Freunde, das iſt ja vor— trefflich, ehe ihr vom Juden verlangt, daß er zum dreieinigen Gott ſich bekehre, wenn er mit Allerdings. Wo aber has Gott befoh⸗ Gott iſt ein Ihn unter dem Namen „der große