Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 14 › Seite 107

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-03-05, Seite 107

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sabbath 4 · Zabbath 6 · Sonntag 7

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58, 13.): So du deinen Fuß von dem Sabbath
kehreſt, daß du nicht thuſt, was dir gefällt an
meinem heiligen Tage: So wird es ein luſtiger
Sabbath heißen, den HErrn zu heiligen und zu
preiſen. Denn ſo wirſt du denſelben preiſen,
wenn du nicht thuſt deine Wege, noch darin er⸗
funden werde, was dir gefällt oder was du redeſt.
Alsdann wirſt du Luſt haben am HErrn, und
ich will dich über die Höhen auf Erden ſchweben
laſſen, und will dich ſpeiſen mit dem Erbe deines
Vaters Jakob; denn des HErrn Mund ſagt es.
Noch weitläufiger redet hierüber Ezechiel, wovon
aber die Haupſache dahin geht (Ezech. 20, 12.):
Der Sabbath ſei ein Zeichen, wodurch die Kinder
Iſrael erkennen ſollen, daß Gott es ſei, der ſie
heilige. Wenn nun unſere Heiligung hauptſäch⸗
lich in der Tödtung des eigenen Willens beſteht,
ſo erzeigt ſich hier eine ganz genaue Aehnlichkeit
des äußerlichen Zeichens mit der innerlichen Sache
ſelbſt. Wir ſollen gänzlich ruhen, damit Gott in
uns wirke; wir ſollen unſern Willen fahren laſ⸗
ſen, Gott unſer Herz hingeben und allen Lüſten
unſeres Fleiſches entſagen. Zuletzt ſollen wir von
allen Werken unſerer eigenen Vernunft feiern, auf
daß Gott in uns wirke, und wir in ihm ruhen.
Jene ewige Ruhe iſt den Juden durch die Feier
des ſiebenten Tages bedeutet worden: und damit
ſie mit deſto größerer Gottesfurcht gehalten würde,
ſo empfahl ſie der HErr durch ſein eigenes Bei⸗
ſpiel. Denn es dienet nicht wenig dazu, des
Menſchen Fleiß anzuſpornen, wenn er weiß, daß
er ſeinem Schöpfer nachfolgt; ſo ſollte er alſo hier
erinnert werden, daß der Sabbath nichts anderes
bezwecke, als ihn ſeinem Schöpfer ähnlich zu
machen. Uebrigens iſt kein Zweifel, daß, ſo viel
den äußerlichen Gebrauch betrifft, der jüdiſche
Sabbath durch die Zukunft Chriſti aufgehoben
ſei. Denn er iſt die Wahrheit, vor deſſen Gegen⸗
wart die Vorbilder verſchwinden; er iſt der Kör⸗
per, ſobald man ihn ſieht, verläßt man die Schat⸗
ten. Er ſelbſt iſt die wahre Vollendung des
Sabbaths. Durch die Taufe mit ihm begraben,
ſind wir in die Gemeinſchaft ſeines Todes einge⸗
pflanzt, auf daß wir, ſeiner Auferſtehung theil⸗
haftig, in einem neuen Leben wandeln (Röm. 6,
4. 5.). Deshalb ſchreibt der Apoſtel anderswo:
der Sabbath ſei der Schatten der zukünftigen
Güter geweſen, der Körper ſelbſt aber, d. h. das
Weſen der Wahrheit, ſei in Chriſto (Col. 2,
16. 17.). Für dieſelbe iſt ein Tag nicht hinrei⸗
chend, ſondern unſer ganzer Lebenslauf erforder⸗
lich, bis wir, uns ſelbſt völlig abgeſtorben, mit
dem göttlichen Leben erfüllt werden. Wiewohl
aber der Sabbath der Juden für uns Chriſten
aufgehört hat: ſo wollen wir uns doch zu Fol⸗
gendem verbunden achten: erſtens, daß wir unſer
ganzes Leben lang immer mehr darnach trachten,
von unſern Werken zu feiern und Gott durch ſei⸗
nen Geiſt in uns wirken zu laſſen. Zum andern,
daß wir in frommer Betrachtung der Werke Got⸗
tes, ſo viel als es geſchehen kann, fleißig im Stil⸗
len uns üben, dann aber auch an gewiſſen Tagen
die öffentlichen kirchlichen Verſammlungen fleißig
beſuchen, um das Wort Gottes zu hören, das hei⸗
lige Abendmahl zu gebrauchen und dem öffent⸗

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lichen Gebet beizuwohnen. Zum dritten, daß
wir den Knechten und uns Untergebenen Erho⸗
lung von der Arbeit gönnen und ſie menſchlich
behandeln. Die kirchlichen Zuſammenkünfte ins⸗
beſondere werden uns im Worte Gottes vorge⸗
ſchrieben, und ihre Nothwendigkeit geht aus der
Erfahrung des Lebens deutlich hervor, indem
ohne ſie die Religion unter uns verfallen und er⸗
ſchlaffen würde. Wie könnten ſie aber gehalten
werden, wenn ſie nicht nach einer beſtimmten
Ordnung auf gewiſſe Tage feſigeſetzt würden?
Der Apoſtel will ja, daß Alles ehrbar und or⸗
dentlich unter uns zugehe (1 Cor. 14, 40.).
Dies wäre aber ohne jene Anordnung und Ein⸗
richtung nicht möglich, mithin, wenn dieſelbe auf⸗
hörte, der Kirche Verwirrung und Untergang un⸗
vermeidlich. Es mußte alſo an die Stelle des
durch Chriſtum abgeſchafften Sabbaths ein ande⸗
rer Feiertag angeordnet werden, damit Zucht,
Ordnung und Friede in der Kirche erhalten würde.
Nun haben aber die Alten mit Bedacht den Sonn⸗
tag oder des HErrn Tag feſtgeſetzt, da die durch
den alten Sabbath vorgebildete geiſtliche Ruhe
in der Auferſtehung Chriſti zum Ziel und zur
Vollendung gelangte.“

Hiermit ſtimmt denn auch der von Calvin be⸗
reits im Jahre 1538 verfaßte und im Jahre
1545 von demſelben vermehrt herausgegebene
lateiniſche ſogenannte Genfiſche Katechismus
überein. Darin heißt es nemlich unter anderem:

„Lehrer: Verbietet uns dieſes Gebot jede
Arbeit?

Schüler: Mit dieſem Gebot hat es eine be⸗
ſondere und eigenthümliche Bewandtniß. Da die
Beobachtung der Ruhe ein Theil der alten Cere⸗
monien iſt, daher iſt dieſelbe mit der Ankunft
Chriſti aufgehoben.

Lehrer: Was bleibt uns alſo aus dieſem
Gebote übrig?

Schüler: Daß wir die heiligen Einrichtun⸗
gen, welche zur geiſtlichen Kirchenregierung gehö⸗
ren, nicht vernachläſſigen; inſonderheit aber, daß
wir an den heiligen Zuſammenkünften zur Anhö⸗
rung des Wortes Gottes, zur Feier der heiligen
Sacramente, zu den öffentlichen Gebeten, wie ſie
angeordnet werden mögen, Theil nehmen.“

*

(Eingeſandt.)

„Soll man der Chriſtenheit wieder helfen, ſo
muß man fürwahr an den Kindern anheben.“
Dieſer ebenſo wahre, als beherzigenswerthe
Ausſpruch Luthers wird, leider! nicht recht, ſon⸗
derlich hier zu Lande nicht, beherzigt.
Denn nicht nur wachſen die meiſten Kinder hieſi⸗
gen Landes auf „ohne Zucht und Vermahnung
zum HErrn“, ſeitens ihrer Eltern; auch in den
meiſten Schulen lernen die Kinder Den nicht
kennen, der ſie von Ewigkeit her geliebet und auch
für ſie ſein Blut vergoſſen hat. Darum ſollten
alle Eltern nicht nur ſelbſt chriſtliche Kinderzucht
üben, ſondern auch dahin trachten, daß ihre Kin⸗
der in rechten, chriſilichen Schulen unterrichtet
werden könnten, damit in Haus und Schule ein
Grund gelegt und darauf weiter gebaut würde.
Das möchte beherzigt werden! „Denn auch die

Hölle nicht leichter verdient wird, als an ſeinen
eigenen Kindern.“ Damit nun der Chriſtenheit
geholfen werde, Eltern auch der Gefahr, ihrer
Seelen Seligkeit zu verſäumen an den Kindern,
entgehen möchten, ſo halte man die Kinder
fleißig zurſchriſtlichen Schule! Daß dies
geſchehe, gebe Gott uns Gnade! Der HErr ſelbſt
bewege aller Eltern Herzen dazu, wo möglich auch
durch dieſe

Anrede an die Eltern,

darinnen ihnen die Urſachen, warum
ſie ihre Kinder hinfort fleißig zur
Schule ſchicken ſollen, vorgehalten und
ihre Entſchuldigungen und Ausflüchte
beantwortet werden,
von Dr. Johann Jakob Rambach.

Aus einem hier beigedruckten Auszug Lutheri
werdet ihr ſehen, wie der Mann Gottes ſchon zu
ſeiner Zeit bittere Klagen darüber geführet, daß
manche Eltern ihre Kinder von der Schule zurück⸗
halten, und dadurch eine ſchwere Verantwortung
ſich zuziehen; und wie er hingegen alle Bewe⸗
gungsgründe zuſammenſuche, den Eltern dieſe
Pflicht einzuſchärfen. Da nun der böſe Feind zu
unſrer Zeit noch eben dieſe Liſt brauchet, daß er
theils den Kindern einen Abſcheu vor der Schule
und vor dem Lernen beibringet, theils die Eltern
dazu antreibet, ihre Kinder, unter allerlei eitlen
und nichtigen Entſchuldigungen, von der Schule
zurückzuhalten, oder ſie doch ſehr unfleißig, nur
einen oder den andern Monat im Jahre, hinein
zu ſchicken; ſo iſt ja wohl höchſt nöthig, daß dieſe
treue Ermahnung Lutheri auch zu dieſer Zeit von
allen Eltern, die noch unerwachſene Kinder haben,
fleihig geleſen werde; damit nicht der ſelige
Mann an jenem Tage auftrete und ſie verklage,
daß ſie das theure Wort Gottes, das er, mit ſo
vieler Gefahr und Arbeit, ihnen wieder verſchaffet
hat, ſo wenig geachtet, und ihre Kinder ſo ſchlecht
und nachläſſig dazu angehalten haben.

Zwar gehet die Ermahnung Lutheri eigentlich
dahin, daß Eltern, denen Gott feine Knaben, die
zum Studiren tüchtig ſind, gegeben hat, ſolche
darzu anhalten ſollen, damit in den Schulen Leute
erzogen werden mögen, die dermaleins in geiſt⸗
und weltlichen Aemtern Gott dienen, und ſeine
Ehre befördern können. Allein gleichwie nicht alle
Kinder die nöthige Geſchicklichkeit zum Studiren
haben, ſo ſind auch nicht alle Eltern verbunden,
ſie zum Studiren anzuballen. Aber das iſt eine
allgemeine Pflicht aller Eltern, daß ſie ihre Kinder
ſo lange zur Schule ſchicken, und im Leſen, Schrei⸗
ben, Rechnen, Singen, ſonderlich aber im Chri⸗
ſtenthum, unterrichten laſſen, bis ſie von ihrem
Glauben Rechenſchaft geben, und nachgehends
durch eignen Fleiß ſich weiter forthelfen können.
Hierzu ſollten euch, liebe Eltern, viel wichtige Ur⸗
ſachen bewegen.

Bedenket, 1) daß eure Kinder eine Gabe Got⸗
tes ſind, Pſ. 123, durch Chriſtum theuer erkauft,
und durch die Taufe Gott geheiliget. Daher ſeid,
ihr verbunden, nicht nur für ihren Leib und deſſen
Nahrung und Kleidung, ſondern auch zuvörderſt
für ihre unſterblichen Seelen zu ſorgen, daß durch

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