# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 03 05_S107 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 58, 13.): So du deinen Fuß von dem Sabbath kehreſt, daß du nicht thuſt, was dir gefällt an meinem heiligen Tage: So wird es ein luſtiger Sabbath heißen, den HErrn zu heiligen und zu preiſen. Denn ſo wirſt du denſelben preiſen, wenn du nicht thuſt deine Wege, noch darin er⸗ funden werde, was dir gefällt oder was du redeſt. Alsdann wirſt du Luſt haben am HErrn, und ich will dich über die Höhen auf Erden ſchweben laſſen, und will dich ſpeiſen mit dem Erbe deines Vaters Jakob; denn des HErrn Mund ſagt es. Noch weitläufiger redet hierüber Ezechiel, wovon aber die Haupſache dahin geht (Ezech. 20, 12.): Der Sabbath ſei ein Zeichen, wodurch die Kinder Iſrael erkennen ſollen, daß Gott es ſei, der ſie heilige. Wenn nun unſere Heiligung hauptſäch⸗ lich in der Tödtung des eigenen Willens beſteht, ſo erzeigt ſich hier eine ganz genaue Aehnlichkeit des äußerlichen Zeichens mit der innerlichen Sache ſelbſt. Wir ſollen gänzlich ruhen, damit Gott in uns wirke; wir ſollen unſern Willen fahren laſ⸗ ſen, Gott unſer Herz hingeben und allen Lüſten unſeres Fleiſches entſagen. Zuletzt ſollen wir von allen Werken unſerer eigenen Vernunft feiern, auf daß Gott in uns wirke, und wir in ihm ruhen. Jene ewige Ruhe iſt den Juden durch die Feier des ſiebenten Tages bedeutet worden: und damit ſie mit deſto größerer Gottesfurcht gehalten würde, ſo empfahl ſie der HErr durch ſein eigenes Bei⸗ ſpiel. Denn es dienet nicht wenig dazu, des Menſchen Fleiß anzuſpornen, wenn er weiß, daß er ſeinem Schöpfer nachfolgt; ſo ſollte er alſo hier erinnert werden, daß der Sabbath nichts anderes bezwecke, als ihn ſeinem Schöpfer ähnlich zu machen. Uebrigens iſt kein Zweifel, daß, ſo viel den äußerlichen Gebrauch betrifft, der jüdiſche Sabbath durch die Zukunft Chriſti aufgehoben ſei. Denn er iſt die Wahrheit, vor deſſen Gegen⸗ wart die Vorbilder verſchwinden; er iſt der Kör⸗ per, ſobald man ihn ſieht, verläßt man die Schat⸗ ten. Er ſelbſt iſt die wahre Vollendung des Sabbaths. Durch die Taufe mit ihm begraben, ſind wir in die Gemeinſchaft ſeines Todes einge⸗ pflanzt, auf daß wir, ſeiner Auferſtehung theil⸗ haftig, in einem neuen Leben wandeln (Röm. 6, 4. 5.). Deshalb ſchreibt der Apoſtel anderswo: der Sabbath ſei der Schatten der zukünftigen Güter geweſen, der Körper ſelbſt aber, d. h. das Weſen der Wahrheit, ſei in Chriſto (Col. 2, 16. 17.). Für dieſelbe iſt ein Tag nicht hinrei⸗ chend, ſondern unſer ganzer Lebenslauf erforder⸗ lich, bis wir, uns ſelbſt völlig abgeſtorben, mit dem göttlichen Leben erfüllt werden. Wiewohl aber der Sabbath der Juden für uns Chriſten aufgehört hat: ſo wollen wir uns doch zu Fol⸗ gendem verbunden achten: erſtens, daß wir unſer ganzes Leben lang immer mehr darnach trachten, von unſern Werken zu feiern und Gott durch ſei⸗ nen Geiſt in uns wirken zu laſſen. Zum andern, daß wir in frommer Betrachtung der Werke Got⸗ tes, ſo viel als es geſchehen kann, fleißig im Stil⸗ len uns üben, dann aber auch an gewiſſen Tagen die öffentlichen kirchlichen Verſammlungen fleißig beſuchen, um das Wort Gottes zu hören, das hei⸗ lige Abendmahl zu gebrauchen und dem öffent⸗ 10⁷ lichen Gebet beizuwohnen. Zum dritten, daß wir den Knechten und uns Untergebenen Erho⸗ lung von der Arbeit gönnen und ſie menſchlich behandeln. Die kirchlichen Zuſammenkünfte ins⸗ beſondere werden uns im Worte Gottes vorge⸗ ſchrieben, und ihre Nothwendigkeit geht aus der Erfahrung des Lebens deutlich hervor, indem ohne ſie die Religion unter uns verfallen und er⸗ ſchlaffen würde. Wie könnten ſie aber gehalten werden, wenn ſie nicht nach einer beſtimmten Ordnung auf gewiſſe Tage feſigeſetzt würden? Der Apoſtel will ja, daß Alles ehrbar und or⸗ dentlich unter uns zugehe (1 Cor. 14, 40.). Dies wäre aber ohne jene Anordnung und Ein⸗ richtung nicht möglich, mithin, wenn dieſelbe auf⸗ hörte, der Kirche Verwirrung und Untergang un⸗ vermeidlich. Es mußte alſo an die Stelle des durch Chriſtum abgeſchafften Sabbaths ein ande⸗ rer Feiertag angeordnet werden, damit Zucht, Ordnung und Friede in der Kirche erhalten würde. Nun haben aber die Alten mit Bedacht den Sonn⸗ tag oder des HErrn Tag feſtgeſetzt, da die durch den alten Sabbath vorgebildete geiſtliche Ruhe in der Auferſtehung Chriſti zum Ziel und zur Vollendung gelangte.“ Hiermit ſtimmt denn auch der von Calvin be⸗ reits im Jahre 1538 verfaßte und im Jahre 1545 von demſelben vermehrt herausgegebene lateiniſche ſogenannte Genfiſche Katechismus überein. Darin heißt es nemlich unter anderem: „Lehrer: Verbietet uns dieſes Gebot jede Arbeit? Schüler: Mit dieſem Gebot hat es eine be⸗ ſondere und eigenthümliche Bewandtniß. Da die Beobachtung der Ruhe ein Theil der alten Cere⸗ monien iſt, daher iſt dieſelbe mit der Ankunft Chriſti aufgehoben. Lehrer: Was bleibt uns alſo aus dieſem Gebote übrig? Schüler: Daß wir die heiligen Einrichtun⸗ gen, welche zur geiſtlichen Kirchenregierung gehö⸗ ren, nicht vernachläſſigen; inſonderheit aber, daß wir an den heiligen Zuſammenkünften zur Anhö⸗ rung des Wortes Gottes, zur Feier der heiligen Sacramente, zu den öffentlichen Gebeten, wie ſie angeordnet werden mögen, Theil nehmen.“ * (Eingeſandt.) „Soll man der Chriſtenheit wieder helfen, ſo muß man fürwahr an den Kindern anheben.“ Dieſer ebenſo wahre, als beherzigenswerthe Ausſpruch Luthers wird, leider! nicht recht, ſon⸗ derlich hier zu Lande nicht, beherzigt. Denn nicht nur wachſen die meiſten Kinder hieſi⸗ gen Landes auf „ohne Zucht und Vermahnung zum HErrn“, ſeitens ihrer Eltern; auch in den meiſten Schulen lernen die Kinder Den nicht kennen, der ſie von Ewigkeit her geliebet und auch für ſie ſein Blut vergoſſen hat. Darum ſollten alle Eltern nicht nur ſelbſt chriſtliche Kinderzucht üben, ſondern auch dahin trachten, daß ihre Kin⸗ der in rechten, chriſilichen Schulen unterrichtet werden könnten, damit in Haus und Schule ein Grund gelegt und darauf weiter gebaut würde. Das möchte beherzigt werden! „Denn auch die Hölle nicht leichter verdient wird, als an ſeinen eigenen Kindern.“ Damit nun der Chriſtenheit geholfen werde, Eltern auch der Gefahr, ihrer Seelen Seligkeit zu verſäumen an den Kindern, entgehen möchten, ſo halte man die Kinder fleißig zurſchriſtlichen Schule! Daß dies geſchehe, gebe Gott uns Gnade! Der HErr ſelbſt bewege aller Eltern Herzen dazu, wo möglich auch durch dieſe Anrede an die Eltern, darinnen ihnen die Urſachen, warum ſie ihre Kinder hinfort fleißig zur Schule ſchicken ſollen, vorgehalten und ihre Entſchuldigungen und Ausflüchte beantwortet werden, von Dr. Johann Jakob Rambach. Aus einem hier beigedruckten Auszug Lutheri werdet ihr ſehen, wie der Mann Gottes ſchon zu ſeiner Zeit bittere Klagen darüber geführet, daß manche Eltern ihre Kinder von der Schule zurück⸗ halten, und dadurch eine ſchwere Verantwortung ſich zuziehen; und wie er hingegen alle Bewe⸗ gungsgründe zuſammenſuche, den Eltern dieſe Pflicht einzuſchärfen. Da nun der böſe Feind zu unſrer Zeit noch eben dieſe Liſt brauchet, daß er theils den Kindern einen Abſcheu vor der Schule und vor dem Lernen beibringet, theils die Eltern dazu antreibet, ihre Kinder, unter allerlei eitlen und nichtigen Entſchuldigungen, von der Schule zurückzuhalten, oder ſie doch ſehr unfleißig, nur einen oder den andern Monat im Jahre, hinein zu ſchicken; ſo iſt ja wohl höchſt nöthig, daß dieſe treue Ermahnung Lutheri auch zu dieſer Zeit von allen Eltern, die noch unerwachſene Kinder haben, fleihig geleſen werde; damit nicht der ſelige Mann an jenem Tage auftrete und ſie verklage, daß ſie das theure Wort Gottes, das er, mit ſo vieler Gefahr und Arbeit, ihnen wieder verſchaffet hat, ſo wenig geachtet, und ihre Kinder ſo ſchlecht und nachläſſig dazu angehalten haben. Zwar gehet die Ermahnung Lutheri eigentlich dahin, daß Eltern, denen Gott feine Knaben, die zum Studiren tüchtig ſind, gegeben hat, ſolche darzu anhalten ſollen, damit in den Schulen Leute erzogen werden mögen, die dermaleins in geiſt⸗ und weltlichen Aemtern Gott dienen, und ſeine Ehre befördern können. Allein gleichwie nicht alle Kinder die nöthige Geſchicklichkeit zum Studiren haben, ſo ſind auch nicht alle Eltern verbunden, ſie zum Studiren anzuballen. Aber das iſt eine allgemeine Pflicht aller Eltern, daß ſie ihre Kinder ſo lange zur Schule ſchicken, und im Leſen, Schrei⸗ ben, Rechnen, Singen, ſonderlich aber im Chri⸗ ſtenthum, unterrichten laſſen, bis ſie von ihrem Glauben Rechenſchaft geben, und nachgehends durch eignen Fleiß ſich weiter forthelfen können. Hierzu ſollten euch, liebe Eltern, viel wichtige Ur⸗ ſachen bewegen. Bedenket, 1) daß eure Kinder eine Gabe Got⸗ tes ſind, Pſ. 123, durch Chriſtum theuer erkauft, und durch die Taufe Gott geheiliget. Daher ſeid, ihr verbunden, nicht nur für ihren Leib und deſſen Nahrung und Kleidung, ſondern auch zuvörderſt für ihre unſterblichen Seelen zu ſorgen, daß durch