Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 30 › Seite 200

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-12, Seite 200

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Das 4. Gebot 14 · Das 4. Gebot 15 · Sünde 37

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Und höret ſolches Wachſen nimmer auf,
Dieweil ein Menſch führt ſeinen Lebenslauf,
Und erſt, wann ſchlägt die Schaufel zu,

Hat man vor ſeinem Barte Ruh.

Alſo verbleibt in uns die Sünde auch
Und reget ſich nach altem üblem Brauch,
Bis unter Schollen rauh und hart
Den kalten Leib die Schaufel ſcharrt.

Da gilt's denn, alles Ernſtes widerſteh'n,
Fein fleißig mit dem Meſſer drüber geh'n;
Und ohne Mitleid immerdar
Abſchneiden all' ihr ſtachlicht Haar. —
(Von Fr. B. in Dr. Barth's Jugendblättern.)

———

„Segnet und fluchet nicht.“ Räm. 12, 14.

Wiliſch erzählt in ſeiner „Kirchenhiſtorie der
Stadt Freiberg“ ein Beiſpiel von dem Eintreffen
eines Fluches über einen ungehorſamen Sohn,
welches zwar von den ſogenannten Aufgeklärten
unſerer Zeit als eine Fabel nur verlacht und ver⸗
ſpottet werden wird, das aber nicht nur von meh⸗
reren Männern, als Augen⸗ und Ohrenzeugen,
berichtet wird, deren Wahrhaftigkeit über allen
Zweifel erhaben iſt, ſondern auch dem chriſtlichen
Glauben durchaus ähnlich iſt, das heißt, mit der
Lehre der heiligen Schrift gar wohl übereinſtimmt.
Als Augen⸗ und Ohrenzeugen erzählen die Ge⸗
ſchichte: Hieron. Weller, damaliger Schulinſpector
zu Freiberg, und Michael Hempel, damaliger
Rector der lateiniſchen Schule daſelbſt, welcher
letztere die Geſchichte in einem beſonderen Gedichte
beſungen hat. Ferner befanden ſich in dem Ar—
chiv des Freiberger Rathhauſes noch zu Möllers
Zeiten gerichtliche Protokolle, welche über den
Vorfall aufgenommen worden waren und aus
denen Möller das Ereigniß in ſeiner Freibergi⸗
ſchen Chronik ausführlich erzählt. Auch Nie.
Selnecker, Cyr. Spangenberg, Phil. Camerarius
und andere Zeitgenoſſen thun des Vorfalls, als
eines allgemein bekannten, in ihren Schriften
Erwähnung. Die Geſchichte iſt folgende:

Lorenz Richter, ein Bürger und Leinweber zu
Freiberg, hatte einen Sohn von 14 Jahren. Als
er dieſem einſt etwas zu thun befahl, der Sohn
aber, ein widerſpenſtiger Bube, den väterlichen
Befehl verachtend, in der Stube mit Fleiß ſtehen
blieb, ſo verwünſchte der Vater den Sohn alsbald
mit erzürntem und ergrimmtem Herzen, indem er

die Worte ausſprach: „Ei, ſtehe, daß du nim⸗

mermehr fortgehen könneſt und dein Lebenlang

ſtehen müſſeſt!“ Was geſchieht? — Augenblicklich

geht dieſer väterliche Fluch in ſchreckliche Erfül⸗
lung. Wie erſtarret bleibt der Knabe ſtehen; er
iſt nicht im Stande, ſich auch nur um einen Schritt
fortzubewegen; da man ihn forttragen will, wird
er mit ſo unausſprechlichen Schmerzen befallen,
daß er vor Schmerz wie wahnſinnig werden will;
man ſieht ſich daher genöthigt, ihn ſtehen zu laſ⸗
ſen. So ſtand er denn drei ganzer Jahre
als eine Denkſäule des göttlichen Zornes über
einen ungehorſamen Sohn auf demſelben Platze
unbeweglich da, ſo daß er nach und nach eine
ziemliche Grube in die Diele trat. Die einzige
Erleichterung, die man ihm in dieſer Zeit ver⸗

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hinſtellte; darauf legte er Kopf und Arme, inſon⸗
derheit des Nachts, wenn er ſchlafen wollte. Weil
aber die Stelle, wo der unglückſelige Menſch ſtand,
nicht weit von der Stubenthür in der Nähe des
Ofens war, und daher alle Eintretenden ihn ſo⸗
gleich zu Geſicht bekamen, was ihm jedesmal ſehr
unleidlich war, ſo entſchloſſen ſich endlich die
Prediger der Stadt nach gemeinſchaftlichem in⸗
brünſtigem Gebete, einen Verſuch zu machen, ob
ſie ihn nicht von dieſer Stelle wegſchaffen könn⸗
ten; ſo hoben ihn denn die Prediger im Namen
Gottes auf, und, obwohl mit großer Mühe und
Anſtrengung, brachten ſie ihn endlich glücklich und
ohne Schaden in den entgegengeſetzten Winkel der
Stube. Auf ſein Bitten machte man nun einen
Vorhang vor ihm, da er immer herzlich begehrte,
allein zu ſein, und, in ſtete Traurigkeit verſunken,
nur ungern und wenig redete. Nachdem er hier
wieder faſt ein Jahr lang geſtanden hatte, ſchenkte
ihm Gott endlich einige Erleichterung; ſechs Mo⸗
nate vor ſeiner nachmaligen Auflöſung konnte er
nemlich wenigſtens ſitzen, auch zuletzt in das neben
ihm ſtehende Bett ſich niederlegen. Sein Geſicht
wurde blaß, ſein ganzer Leib immer hagerer und
ſchmächtiger; Speiſe und Trank nahm er wenig
zu ſich. So ſehr aber ſein äußerlicher Menſch ver⸗
weste, ſo ſichtlich begann Gott ſein Gnadenwerk
in ſeinem Innern. Er zeigte ſich von Herzen buß⸗
fertig. Fragte ihn jemand im letzten halben Jahre,

Er werde von Gott dem HErrn wegen ſeiner Sün⸗
den gezüchtiget, er ſtelle aber alles. in deſſen heili⸗
gen Willen und halte ſich an das Verdienſt ſeines
HErrn IEſu Chriſti, worauf er ſelig zu werden
hoffe. So kam denn endlich die Stunde ſeiner
Erlöſung. Es war am 11. September 1552, wo
er, der Vergebung ſeiner Sünden feſt verſichert,
ſanft und ruhig einſchlief. So bald ſeine Leiche
beſtattet war, machte zwar der Vater Anſtalt, die
ſichtbaren Fußtapfen ſeines Sohnes in der Diele
ſeiner Stube ausſetzen zu laſſen, weil dieſelben
zugleich eine ſtets währende Erinnerung an ſeinen
leichtſinnig und im Zorn wider ein Kind ausge⸗
ſprochenen Fluch waren, allein, da die Sache als⸗
bald zur Kenntniß der Stadtobrigkeit kam, ließ
dieſe es ihm unterſagen, und obengenannter Wi⸗
liſch, welcher um das Jahr 1737 Prediger zu
Freiberg war, ſchreibt, daß jene Vertiefungen in
dem Fußboden noch zu ſeiner Zeit zu ſehen gewe⸗
ſen und von ihm mehrmals in Augenſchein ge⸗
nommen worden ſeien.

Möge dieſes Beiſpiel eines ſchweren Gerichtes
Gottes Eltern und Kinder warnen; Eltern, ihren
Kindern nicht im Zorn etwas Böſes zu wünſchen,
und Kinder, ihre Eltern nicht durch Ungehorſam
zum Zorn zu reizen und ſo Gottes Fluch auf ſich
herabzuziehen.

Kirchliche Nachricht.

Nachdem Herr Wolfgang Stubnatzy aus
Fürth bei Nürnberg ſeine Studien in dem Pre⸗
digerſeminar zu Fort Wayne beendigt, auch ſein

Candidatenexamen vor unſerer Synode während

ſchaffen konnte, war ein Pult, das man vor ihm der letzten Sitzungen derſelben beſtanden hatte, er⸗

was er mache, ſo war ſeine gewöhnliche Antwort:

hielt ſelbiger von der ev.⸗lutheriſchen Gemeinde zu
Coopers Grove, Cook Co., Illinois, einen ordent⸗
lichen Beruf, in Folge deſſen er am Donneistag
nach Domin. 4. nach Trin., den 5. Juli d. I,
von Paſtor Selle vor ſeiner Gemeinde ordinin
und in ſein Amt eingewieſen worden iſt. Möge
des HErrn Segen auf der Arbeit dieſes neuen
Kirchendieners ruhen!

Der Druck von dem

Spruchbuch zum kleinen Katechismus
Lutheri. Im Auftrage der Synode von Miſ⸗
ſouri ꝛc. zuſammen getragen von Fr. Wyneken,
Paſtor an der zweiten deutſchen ev.⸗luth. Kirche
in Baltimore, 112 S. in 12., iſt beendigt und bei
dem Verfaſſer das Dutzend zu §1.80 zu haben.

Bücher und Pamphlets zu haben in der Expedition
des Lutheraner um die beigeſetzten Preiſe.

Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus, un⸗
veränderter Abdruuukkkk 50.10
Das Dutzend P1.00. Hundert Stück 57.00.
Merkwürdiger Brief einer Dame, welche im
Jahre 1703 der ev.⸗lutheriſchen Religion halber
mit ſechs meiſt unerzogenen Kindern 11 Vater⸗
land und all' ihr Hab und Gut verlaſſen hat.
Das Dutzend 50 Cts. 25 Stück F1.00.
Dr. Luthers Sermon von „Bereitung zum
Sterben“
Die Verfaſſung der deutſchen ev.luth.
Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten
nebſt einer Einleitung und erläuternden Be⸗
merkungen. i —.—.
Das Dutzend 50 Cts. 25 Stück P1.00.
Erſter Synodalbericht der deutſchen ev.-luth.
Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten

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v. J. 1847—.—ĩ—.—.—... 0.10
Zweiter Synodalbericht derſelben Synodt
v. J. 1848.—.—.—.—...—.

J. 0.10·
Dritter 8• 979.8.— des Lutheraner v. 1846 960
— .No. 8—26 . . .50
Vierter do. v. 1847—1848 (vollſt.).. . 0.50
(Der 1. und 2. Jahrgang ſind vergriffen.)
Chriſtliches Concordienbuch, d. i. Symbol.
Bücher der ev.-luth. Kirche, New Yorker Aus⸗
gabe, in gepreßtem Leder gebunden
Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern
über den Methodismus, (in Pamphlet⸗
form) 2 Stück
Dr. M. Luthers Tractat von der wahren
Kirche (aus No. 9. des Lutheraner beſonders
abgedruckt), 2 Stückz......
Dr. Luthers Hauspoſtille, oder Predigten
über die Evangelien auf die Sonn- und Feſt⸗
tage des ganzen Jahres, New Norker Ausgabe,
gebunden in Kalbleder....
Kirchen geſangbuch für ev.⸗luth. Gemein⸗
den, verlegt v. d. hieſ. ev.⸗Iuth. Gemeinde
U. A. C., gebunden das Stückkkk.. .
100 Suuct 862.50 gegen Baarzahlung.
A B C Buch, New ZRorker Ausgabe, das Stück..
Im Dutzend..
Der Hirtenbrief des Herrn Paſtors Grabau zu
Buffalo (in No. 17. des Lutheraner ausführ⸗
licher angezeigt)..... — 0.25

1.2⁵

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Erhalten
für die Heiden-⸗Miſſion in Michigan:
55.00 von zwei Gemeindegliedern in St. Louis. 52.00
von der Gemeinde des Hrn. P. Krauß in Bucyrus, O.

F3.373 für das College in Altenburg, von der luth. G⸗
meinde in Horſe Prairie, Ill.

Bezahlt.

Den 5. Jahrg. Die HH. Joh. Mich. Vehe, Heinr.
Welker.

Den 6. Jahrg. Die HH. Friedr. Buuk, Ernſt Buuk, P.
Fürbringer, Johannes Gräſch, Peter Hofmann, P. Jäbker,
Chriſtian Kiefer, Conr. Könemaunn, Ludwig Kaatze, Johan⸗
nes Merz, Ernſt Stoppenhagen, Hermann Wefel.

ö Gedrudt bei Arthur Olshauſen,
Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.

English translation

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