# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 10 12_S200 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Und höret ſolches Wachſen nimmer auf, Dieweil ein Menſch führt ſeinen Lebenslauf, Und erſt, wann ſchlägt die Schaufel zu, Hat man vor ſeinem Barte Ruh. Alſo verbleibt in uns die Sünde auch Und reget ſich nach altem üblem Brauch, Bis unter Schollen rauh und hart Den kalten Leib die Schaufel ſcharrt. Da gilt's denn, alles Ernſtes widerſteh'n, Fein fleißig mit dem Meſſer drüber geh'n; Und ohne Mitleid immerdar Abſchneiden all' ihr ſtachlicht Haar. — (Von Fr. B. in Dr. Barth's Jugendblättern.) ——— „Segnet und fluchet nicht.“ Räm. 12, 14. Wiliſch erzählt in ſeiner „Kirchenhiſtorie der Stadt Freiberg“ ein Beiſpiel von dem Eintreffen eines Fluches über einen ungehorſamen Sohn, welches zwar von den ſogenannten Aufgeklärten unſerer Zeit als eine Fabel nur verlacht und ver⸗ ſpottet werden wird, das aber nicht nur von meh⸗ reren Männern, als Augen⸗ und Ohrenzeugen, berichtet wird, deren Wahrhaftigkeit über allen Zweifel erhaben iſt, ſondern auch dem chriſtlichen Glauben durchaus ähnlich iſt, das heißt, mit der Lehre der heiligen Schrift gar wohl übereinſtimmt. Als Augen⸗ und Ohrenzeugen erzählen die Ge⸗ ſchichte: Hieron. Weller, damaliger Schulinſpector zu Freiberg, und Michael Hempel, damaliger Rector der lateiniſchen Schule daſelbſt, welcher letztere die Geſchichte in einem beſonderen Gedichte beſungen hat. Ferner befanden ſich in dem Ar— chiv des Freiberger Rathhauſes noch zu Möllers Zeiten gerichtliche Protokolle, welche über den Vorfall aufgenommen worden waren und aus denen Möller das Ereigniß in ſeiner Freibergi⸗ ſchen Chronik ausführlich erzählt. Auch Nie. Selnecker, Cyr. Spangenberg, Phil. Camerarius und andere Zeitgenoſſen thun des Vorfalls, als eines allgemein bekannten, in ihren Schriften Erwähnung. Die Geſchichte iſt folgende: Lorenz Richter, ein Bürger und Leinweber zu Freiberg, hatte einen Sohn von 14 Jahren. Als er dieſem einſt etwas zu thun befahl, der Sohn aber, ein widerſpenſtiger Bube, den väterlichen Befehl verachtend, in der Stube mit Fleiß ſtehen blieb, ſo verwünſchte der Vater den Sohn alsbald mit erzürntem und ergrimmtem Herzen, indem er die Worte ausſprach: „Ei, ſtehe, daß du nim⸗ mermehr fortgehen könneſt und dein Lebenlang ſtehen müſſeſt!“ Was geſchieht? — Augenblicklich geht dieſer väterliche Fluch in ſchreckliche Erfül⸗ lung. Wie erſtarret bleibt der Knabe ſtehen; er iſt nicht im Stande, ſich auch nur um einen Schritt fortzubewegen; da man ihn forttragen will, wird er mit ſo unausſprechlichen Schmerzen befallen, daß er vor Schmerz wie wahnſinnig werden will; man ſieht ſich daher genöthigt, ihn ſtehen zu laſ⸗ ſen. So ſtand er denn drei ganzer Jahre als eine Denkſäule des göttlichen Zornes über einen ungehorſamen Sohn auf demſelben Platze unbeweglich da, ſo daß er nach und nach eine ziemliche Grube in die Diele trat. Die einzige Erleichterung, die man ihm in dieſer Zeit ver⸗ 200 hinſtellte; darauf legte er Kopf und Arme, inſon⸗ derheit des Nachts, wenn er ſchlafen wollte. Weil aber die Stelle, wo der unglückſelige Menſch ſtand, nicht weit von der Stubenthür in der Nähe des Ofens war, und daher alle Eintretenden ihn ſo⸗ gleich zu Geſicht bekamen, was ihm jedesmal ſehr unleidlich war, ſo entſchloſſen ſich endlich die Prediger der Stadt nach gemeinſchaftlichem in⸗ brünſtigem Gebete, einen Verſuch zu machen, ob ſie ihn nicht von dieſer Stelle wegſchaffen könn⸗ ten; ſo hoben ihn denn die Prediger im Namen Gottes auf, und, obwohl mit großer Mühe und Anſtrengung, brachten ſie ihn endlich glücklich und ohne Schaden in den entgegengeſetzten Winkel der Stube. Auf ſein Bitten machte man nun einen Vorhang vor ihm, da er immer herzlich begehrte, allein zu ſein, und, in ſtete Traurigkeit verſunken, nur ungern und wenig redete. Nachdem er hier wieder faſt ein Jahr lang geſtanden hatte, ſchenkte ihm Gott endlich einige Erleichterung; ſechs Mo⸗ nate vor ſeiner nachmaligen Auflöſung konnte er nemlich wenigſtens ſitzen, auch zuletzt in das neben ihm ſtehende Bett ſich niederlegen. Sein Geſicht wurde blaß, ſein ganzer Leib immer hagerer und ſchmächtiger; Speiſe und Trank nahm er wenig zu ſich. So ſehr aber ſein äußerlicher Menſch ver⸗ weste, ſo ſichtlich begann Gott ſein Gnadenwerk in ſeinem Innern. Er zeigte ſich von Herzen buß⸗ fertig. Fragte ihn jemand im letzten halben Jahre, Er werde von Gott dem HErrn wegen ſeiner Sün⸗ den gezüchtiget, er ſtelle aber alles. in deſſen heili⸗ gen Willen und halte ſich an das Verdienſt ſeines HErrn IEſu Chriſti, worauf er ſelig zu werden hoffe. So kam denn endlich die Stunde ſeiner Erlöſung. Es war am 11. September 1552, wo er, der Vergebung ſeiner Sünden feſt verſichert, ſanft und ruhig einſchlief. So bald ſeine Leiche beſtattet war, machte zwar der Vater Anſtalt, die ſichtbaren Fußtapfen ſeines Sohnes in der Diele ſeiner Stube ausſetzen zu laſſen, weil dieſelben zugleich eine ſtets währende Erinnerung an ſeinen leichtſinnig und im Zorn wider ein Kind ausge⸗ ſprochenen Fluch waren, allein, da die Sache als⸗ bald zur Kenntniß der Stadtobrigkeit kam, ließ dieſe es ihm unterſagen, und obengenannter Wi⸗ liſch, welcher um das Jahr 1737 Prediger zu Freiberg war, ſchreibt, daß jene Vertiefungen in dem Fußboden noch zu ſeiner Zeit zu ſehen gewe⸗ ſen und von ihm mehrmals in Augenſchein ge⸗ nommen worden ſeien. Möge dieſes Beiſpiel eines ſchweren Gerichtes Gottes Eltern und Kinder warnen; Eltern, ihren Kindern nicht im Zorn etwas Böſes zu wünſchen, und Kinder, ihre Eltern nicht durch Ungehorſam zum Zorn zu reizen und ſo Gottes Fluch auf ſich herabzuziehen. Kirchliche Nachricht. Nachdem Herr Wolfgang Stubnatzy aus Fürth bei Nürnberg ſeine Studien in dem Pre⸗ digerſeminar zu Fort Wayne beendigt, auch ſein Candidatenexamen vor unſerer Synode während ſchaffen konnte, war ein Pult, das man vor ihm der letzten Sitzungen derſelben beſtanden hatte, er⸗ was er mache, ſo war ſeine gewöhnliche Antwort: hielt ſelbiger von der ev.⸗lutheriſchen Gemeinde zu Coopers Grove, Cook Co., Illinois, einen ordent⸗ lichen Beruf, in Folge deſſen er am Donneistag nach Domin. 4. nach Trin., den 5. Juli d. I, von Paſtor Selle vor ſeiner Gemeinde ordinin und in ſein Amt eingewieſen worden iſt. Möge des HErrn Segen auf der Arbeit dieſes neuen Kirchendieners ruhen! Der Druck von dem Spruchbuch zum kleinen Katechismus Lutheri. Im Auftrage der Synode von Miſ⸗ ſouri ꝛc. zuſammen getragen von Fr. Wyneken, Paſtor an der zweiten deutſchen ev.⸗luth. Kirche in Baltimore, 112 S. in 12., iſt beendigt und bei dem Verfaſſer das Dutzend zu §1.80 zu haben. Bücher und Pamphlets zu haben in der Expedition des Lutheraner um die beigeſetzten Preiſe. Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus, un⸗ veränderter Abdruuukkkk 50.10 Das Dutzend P1.00. Hundert Stück 57.00. Merkwürdiger Brief einer Dame, welche im Jahre 1703 der ev.⸗lutheriſchen Religion halber mit ſechs meiſt unerzogenen Kindern 11 Vater⸗ land und all' ihr Hab und Gut verlaſſen hat. Das Dutzend 50 Cts. 25 Stück F1.00. Dr. Luthers Sermon von „Bereitung zum Sterben“ Die Verfaſſung der deutſchen ev.luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten nebſt einer Einleitung und erläuternden Be⸗ merkungen. i —.—. Das Dutzend 50 Cts. 25 Stück P1.00. Erſter Synodalbericht der deutſchen ev.-luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten 0⁰05 0.0⁵ —œ22222—H—97— — — ęẽœĩ— 0.⁰⁵ v. J. 1847—.—ĩ—.—.—... 0.10 Zweiter Synodalbericht derſelben Synodt v. J. 1848.—.—.—.—...—. J. 0.10· Dritter 8• 979.8.— des Lutheraner v. 1846 960 — .No. 8—26 . . .50 Vierter do. v. 1847—1848 (vollſt.).. . 0.50 (Der 1. und 2. Jahrgang ſind vergriffen.) Chriſtliches Concordienbuch, d. i. Symbol. Bücher der ev.-luth. Kirche, New Yorker Aus⸗ gabe, in gepreßtem Leder gebunden Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern über den Methodismus, (in Pamphlet⸗ form) 2 Stück Dr. M. Luthers Tractat von der wahren Kirche (aus No. 9. des Lutheraner beſonders abgedruckt), 2 Stückz...... Dr. Luthers Hauspoſtille, oder Predigten über die Evangelien auf die Sonn- und Feſt⸗ tage des ganzen Jahres, New Norker Ausgabe, gebunden in Kalbleder.... Kirchen geſangbuch für ev.⸗luth. Gemein⸗ den, verlegt v. d. hieſ. ev.⸗Iuth. Gemeinde U. A. C., gebunden das Stückkkk.. . 100 Suuct 862.50 gegen Baarzahlung. A B C Buch, New ZRorker Ausgabe, das Stück.. Im Dutzend.. Der Hirtenbrief des Herrn Paſtors Grabau zu Buffalo (in No. 17. des Lutheraner ausführ⸗ licher angezeigt)..... — 0.25 1.2⁵ 0.0⁵ . „0 0.05 2.0⁰ 0.75 0.10 1.00 Erhalten für die Heiden-⸗Miſſion in Michigan: 55.00 von zwei Gemeindegliedern in St. Louis. 52.00 von der Gemeinde des Hrn. P. Krauß in Bucyrus, O. F3.373 für das College in Altenburg, von der luth. G⸗ meinde in Horſe Prairie, Ill. Bezahlt. Den 5. Jahrg. Die HH. Joh. Mich. Vehe, Heinr. Welker. Den 6. Jahrg. Die HH. Friedr. Buuk, Ernſt Buuk, P. Fürbringer, Johannes Gräſch, Peter Hofmann, P. Jäbker, Chriſtian Kiefer, Conr. Könemaunn, Ludwig Kaatze, Johan⸗ nes Merz, Ernſt Stoppenhagen, Hermann Wefel. ö Gedrudt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.