Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 30 › Seite 199

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-12, Seite 199

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sünde 37

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ſeren lieben Leſern melden zu können. Dasſelbe
liegt vor uns. Wir haben die neue Auflage ge⸗
prüft und können verſichern, daß Hr. Ludwig ſein
Wort gehalten und uns den alten Hübner mit di⸗
plomatiſcher Genauigkeit nach Form und Inhalt“*)
wiedergegeben hat, ſelbſt mit Einſchluß der ſchönen
Vorrede des Hamburger Miniſteriums von 1713
und der des Autors, in welcher letzteren der ſelige
Hübner Eltern und Lehrern eine vortreffliche An⸗
deutung zu rechtem Gebrauche ſeines Büchleins
gibt. Ja, Herr Ludwig hat mehr geleiſtet, als
er verſprochen hat. Er hat nemlich das köſtliche
„Betbüchlein für Kinder. Herausgegeben
von Wilhelm Löhe. Stuttgart. 1846.“ als
Anhang den Hiſtorien beigegeben. Selbſt einige
freundliche Holzſchnitte haben nicht fehlen dürfen.
Das Format iſt das gewöhnliche geführliche
amerikaniſche Schulbuchformat. Druck, Papier
und Einband ſind, wie man es bei dem geringen
Preiſe nur wünſchen kann.
Die rechtgläubige deutſch⸗lutheriſche Kirche von
Amerika, welche noch ſo arm iſt an guten Büchern,
vor allem blutarm an guten Schulbüchern, hat
hohe Urſache, dem HErrn zu danken, daß ihr das
vortreffliche Hübner'ſche Büchlein hiermit wieder
geſchenkt iſt. Beſonders erfreulich iſts, daß durch
Gottes Fügung gerade eine Sammlung der bi⸗
bliſchen Geſchichten den Reihen beginnt.
Geſchichte und nicht abſtracte Lehren ſind es ja,
worauf das ganze Chriſtenthum beruht; der ge⸗
ſchichtliche Unterricht ſollte daher immer die Grund⸗
lage des chriſtlichen Unterrichts bilden und immer
ein Haupttheil desſelben ſein und bleiben. Eine
Chriſtenlehre ohne die heilige Geſchichte iſt ein
Unding. Das war ja eben der Greuel, welchen
der Rationalismus an die heilige Stätte der chriſt⸗
lichen Schulen geſtellt hatte, daß er darin anſtatt
der großen Thaten Gottes, die zum Heile der
Menſchen geſchehen ſind, den Kindern die Werke
und Tugenden der Menſchen vorpredigte. Unſere
meiſten jetzigen Zuhörer verſtehen daher von un⸗
ſeren Predigten gewiß oft weniger, als wir mei⸗
nen, da ſie mit den ſo oft vorausgeſetzten ge⸗
ſchichtlichen Grundlagen (Sündenfall, Geſetz—
gebung, Verheißung, Bund ꝛc.) unbekannt ſind.
Soll wieder ein gläubiges und im Glauben wohl
gegründetes Geſchlecht aufwachſen, ſo iſt vor allem
nöthig, daß in unſeren Schulen die bibliſche Ge⸗
ſchichte wieder neben dem Katechismus den erſten
Platz einnehme. Mit Recht ſagt Luther: „Was
ſind die bibliſchen Geſchichten anders, als das
ſichtbare Wort des Glaubens, oder das Werk des
Glaubens, welches uns eben das in der That und
im Werke lehrt, was ſonſten die heilige Schrift
durch Worte und Reden fürſchreibet?“ Freilich
kann auch die bibliſche Geſchichte verderbt werden,
wenn man nemlich, wie in dem Weylſchen Hübner
geſchieht, ſie faſt nur dazu benutzt, trockene und vom
Glauben losgetrennte Moralien daraus zu ziehen.

*) Die einzige in der neuen Ausgabe gemachte Aende⸗
rung können wir uns recht wohl gefallen laſſen. In den
alten Ausgaben ſtehen nemlich die Bibelſtellen am Rande.
In dieſer ſind dieſelben theils im Satze eingeſchaltet, theils
weggelaſſen, wenn die Verſe aus den über der Hiſtorie ſchon
verzeichneten Capiteln genommen ſind.

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Auch davon ſchreibt Luther mit Recht: „Unter⸗
läſſet man, bei den heiligen Geſchichten vom Glau⸗
ben zu handeln, ſo werden die heidniſchen Hiſtorien
weit wichtiger und herrlicher ſein; und demnach
muß nothwendig folgen, daß ein Herz, ſo leer vom
Glauben iſt und der natürlichen Vernunft folget,
einen Ekel vor den bibliſchen Geſchichten bekommt,
ſie verachtet und als nichtswürdige Kleinigkeiten
gegen die großen Thaten der Monarchen in der
Welt anſiehet.“ (Werke. Hall. XIV, 176. 77.)
Der alte Hübner aber hat eben den unendlichen
Vorzug, daß er vermittelſt der Geſchichte den jun⸗
gen Gemüthern die Ordnung des Heils einzu⸗
pflanzen ſucht. Wie gern übrigens gerade die
Kinder Geſchichten hören, dies wird jeder aus
eigner Erfahrung wiſſen. Wir haben mehrmals
beobachtet, daß alten Leuten kein Schulbuch aus
ihrer Jugendzeit lieber und theurer geweſen iſt,
als ihr Hübner; in keinem ſtudiren die meiſten
lieber auch zu Hauſe, da auch durch die unter den
Tert gelegten und genau numerirten Fragen das
Kind in den Stand geſetzt wird, ſich auf eine
höchſt unterhaltende Weiſe ſelbſt zu examiniren.

Wohlan denn, ihr Eltern, benutzet die euch
nun dargebotene Gelegenheit, euren Kindern einen
Schatz zu verſchaffen, den weder Motten noch
Roſt freſſen und da die Diebe nicht nachgraben,
der mehr werth iſt, als viel tauſend Stück Gol⸗
des und Silbers. Sehet nicht das geringe Geld
an, das ihr dafür opfern müſſet; das wäre euch
ſonſt eine große Schande, denn, mit Luthern zu
reden, „iſt nicht hie euer Pfennig oder Arbeit, ſo
ihr an eure Kinder wendet, allzuhoch geehret, all⸗
zuherrlich geſegnet, allzuköſtlich angelegt und beſ⸗
ſer, denn kein Königreich und Kaiſerthum iſt vor
Gottes Augen gerechnet? Auf den Knieen ſollte
einer ſolchen Pfennig an der Welt Ende tragen,
wenn er wüßte, daß er ſollte daſelbſt ſo herrlich
und theuer angelegt werden. Und ſiehe, du haſt's
in deinem Hauſe und in deinem Schooß, daran
du es ſo herrlich kannſt anlegen“. (Siehe: Lu⸗
thers Sermon, daß man die Kinder ſolle zur
Schule halten.) Ja, liebe Eltern, daß ich aber⸗
mal mit Luthern rede, bedenket doch: „Vater und
Mutter können das Himmelreich verdienen an
ihren Kindern, und wiederum mögen die Eltern
nicht leichter die Hölle verdienen, denn an ihren
eignen Kindern, in ihrem eignen Hauſe, wo ſie
dieſelben verſäumen und nicht lehren (oder lernen
laſſen) die Dinge, wie geſagt iſt. Was hülfe es,
wenn ſie ſich gleich zu Tode faſteten, beteten und
alle Werke thäten, und ließen doch unterwegen,
was ihnen von Gott befohlen iſt. Gott wird ſie
von dieſen Stücken nicht fragen am jüngſten
Tage, ſondern von den Kindern, die er ihnen be⸗
fohlen hat.“ (Auslegung von 2 Moſ. 20, 12.)
„Wo dem Teufel ſoll ein Schade geſchehen, der
da recht beiße, der muß durch's junge Volk ge⸗
ſchehen, das in Gottes Erkenntniß aufwächſt und
Gottes Wort ausbreitet und andere lehret. . . Ich
achte, daß unter den äußerlichen Sünden die
Welt vor Gott von keiner ſo hoch beſchweret
iſt, und ſo greuliche Strafe verdienet, als eben
von dieſer, die wir an den Kindern thun, daß
wir ſie nicht erziehen.“ (Luthers Schrift an die

Rathsherrn aller Städte Deutſchlands, daß ſie
chriſtliche Schulen aufrichten und halten ſollen.)
So helfe denn Gott, daß in kurzem unſer lieber
Hübner in den Händen der Kinder aller hieſigen
deutſchen Familien lutheriſchen Glaubens ſei.
Das Büchlein iſt zu haben zu New YNork bei
Wm. Radde, 322 Broadway und bei H. Ludwig
und Co., 70 Veſey Straße & 25 Cts. Auch
Hr. Barthel allhier erwartet einen bedeutenden
Vorrath davon in den nächſten Wochen; ſobald
die Bücher angekommen ſind, ſoll davon im „Lu⸗
theraner“ Nachricht gegeben werden.

Auch die bürgerlichen Gemeinſchaften ſind Ge⸗
meinden Gottes.

„Gott ſtehet in der Gemeinde Gottes und iſt
Richter unter den Göttern.“ Pſalm 82, 1.

Merke, daß er alle Gemeinden oder ordentliche
Verſammlung „Gottes Gemeinde“ nennt, als die
da Gottes eigen ſind und er ſich derſelben annimmt
als ſeines eigenen Werkes, gleichwie er Jon. 1, 3.
Ninive auch eine „Stadt Gottes“ nennt. Denn
er hat alle Gemeinden erſchaffen und bringet ſie
auch noch zuſammen, nähret, mehret, ſegnet und
erhält ſie, gibt ihnen Aecker, Wieſen, Vieh, Waſ⸗
ſer, Luft, Sonne und Mond und alles, das ſie
haben, ja Leib und Leben, wie 1 Moſ. 1, 29.
ſtehet. Denn was haben wir und alle Welt, das
wir nicht von ihm ohne Unterlaß nehmen? Aber
wiewohl ſolches die Erfahrung uns lehren ſollte, ſo
muß er doch ſolches auch mit dürren Worten ſagen
und öffentlich bekennen und rühmen, daß die Ge⸗
meinden ſeine ſind. Denn die tolle kluge Ver⸗
nunft, ſammt allen Weltweiſen, wiſſen ganz und
gar nichts, daß eine Gemeinde Gottes Geſchöpf
und Ordnung ſei, ſondern denkt nicht anders, es
gerathe ohngefähr und plumpsweiſe alſo, daß ſich
ein Volk zuſammenhält und bei einander wohnet,
eben wie ſich Mörder, Räuber und andere böſe
Rotten (welche des Teufels Gemeinden ſind) zu⸗
ſammen werfen, den Frieden und Gottes Ordnung
zu ſtören. Allein die Gläubigen, ſo den Artikel
der Schöpfung aus 1 Moſ. 1. wiſſen, gläuben
ſolches, wiewohl auch ſchwächlich, und ihrer viel
nimmer und alſo davon denken oder reden. David
aber weiß es faſt wohl, da er ſpricht Pſalm 24,
1. 2.: „Des HErrn iſt die Erde und die darauf
wohnen; denn er hat ſie an die Sonne gegründet
und an dem Waſſer gebauet“; und ſein Sohn
Salomo im 127ſten Pſalm, Vers 1. 2.: „Wo
Gott nicht Haus und Stadt hütet, da bauet und
hütet umſonſt, beide, Baumeiſter und Hüter.“
Was ſollten nun die Weltweiſen wiſſen von
himmliſchen Dingen, die ſolches nicht wiſſen,
darinnen ſie leben und ſchweben! — Luther
über Pſalm 82, 1.

*

Das Wachsthum der Sünde.
Ein Gleichniß von Luther.

Die Sünde iſt wie eines Mannes Bart:
Ob der wohl heute abgenommen ward,
Daß Einer um den Mund hübſch glatt,
Er doch bald wieder Stacheln hat.

English translation

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