Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 16 › Seite 63

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-04-05, Seite 63

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legen verstehen. Das ists, was St. Paulus sagt, ein Bischof muß lehrhaftig sein, tüchtig, auch andere zu lehren, mächtig, zu ermahnen durch die heilsame Lehre und zu strafen die Widersprecher. Diese Lehrhaftigkeit aber ist eine Gabe, die fleißig erlernt und viel geübt sein will; solche Lehrer fallen nicht vom Himmel, wachsen auch nicht von selbst, wie Pilze, aus der Erde, sondern müssen erzogen und herangebildet werden. Damit es nun nicht an tüchtigen Lehrern gebreche, darum sind die lutherischen Gemeinden schuldig, Lehranstalten zur Erziehung künftiger Prediger und Lehrer zu errichten und freigebig zu unterstützen. Aber wie kommt's, daß es so wenigen einfällt, zu fragen: was soll aus unsern Kindern werden? woher wollen wir Lehrer nehmen, wenn unsere jetzigen mit Tod abgehn? Es wäre wahrlich Noth, die trägen, schläfrigen Lutheraner einmal aufzuwecken und ihnen ihre Christenpflicht ernstlich vors Gemüth zu führen.*) 3. soll der Prediger ein gottseliges, unsträfliches Leben führen, damit er nicht nur kein Aergerniß und Ursach zu lästern gebe, sondern vielmehr ein Vorbild seiner Heerde sei. 1 Petr. 5,3. Treue Prediger, spricht der gottselige Mart. Chemnitius, müssen so beschaffen sein, daß die Zuhörer, die auf sie sehen, lernen, wie sie selbst nach Gottes Willen in ihren Reden und ihrem ganzen Wandel sein sollen, und gleichwie in der Buchdruckerkunst die Typen eine gewisse Gestalt der Buchstaben abdrücken, also sollen auch Prediger die Gestalt der Gottseligkeit in ihrem Leben abdrücken; und Augustinus sagt: so viel ein gottloser Prediger durch seine Lehre aufbaut, so viel reißt er durch sein böses Leben nieder, wenn anders einer, der böse lebt, irgend wie erbauen kann. Denn wer von der Lehre, die er an Gottes Statt vorträgt, selbst nicht ergriffen wird, der wird gewiß auch kaltsinnig lehren. Darum thue jede Gemeinde die Augen weit auf nach dem apostolischen Gebot 1 Joh. 4, 1.: Glaubet nicht einem jeglichen Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind. Denn ladet sie sich einen Ketzer und Irrgeist oder ein untüchtiges Subject oder einen gottlosen, anstößigen Menschen zum Lehrer auf, so ist sie allein daran Schuld und wird Gott müssen Rechenschaft geben.

(Schluß folgt.)

*) Wollten nicht die lieben Amtsbrüder in Missouri bald einen ausführlichen Bericht über den Zustand unsers Seminars in Altenburg, Perry Co., Mo., geben? Gerade das wäre ein Mittel die Schlafenden aufzurütteln.

(Eingesandt von G. H. Löber.)

Der Irrlehrer Arius und sein Ende.
(Fortsetzung.)

3. Verwerfung der Arianischen Irrlehre auf der großen Kirchenversammlung zu Nicäa, im Jahr 325 nach Christo.

So traurig auch die Veranlassung war, um welcher willen diese große Kirchenversammlung zusammenberufen wurde, so gewährt sie uns dennoch ohne Zweifel gar manchen erfreulichen und erhebenden Anblick. — Wir haben im vorigen Abschnitt gehört, wie ernstlich sichs der fromme Kaiser Constantin angelegen sein ließ, der durch die Arianische Irrlehre so tief beunruhigten Kirche seines Reichs wiederum zum Frieden zu helfen.

So achtbar dieses Streben nun schon an sich war, so verdient es doch noch mehr Anerkennung, wenn wir sehen, daß er jenen kirchl. Frieden weder durch gewaltsame Maaßregeln, noch durch vorgeschriebene Formulare eines zweideutigen Glaubensbekenntnisses erreichen, und also eben so wenig mit weltlicher Macht über die Gewissen herrschen, als mit dem unhaltbaren Tünch einer blos äußerlichen Union sich länger begnügen wollte. *)

*) Anmerk. Andre Kaiser haben freilich späterhin sich nicht so christlich verhalten, und einen angemaßten despotischen Einfluß auf die Concilien zu allerlei politischen Zwecken benutzt. Doch fürwahr nicht christlicher hat neuerlich z. B. die Preußische Regierung gehandelt, wenn sie eigenmächtig zweideutige kirchliche Formulare vorschrieb, und dadurch endlich sogar auf gewaltsame Weise eine Union zwischen den Lutheranern und Reformirten erzwingen wollte.

Wenn wir nun vollends sehen, wie er sichs nicht verdrießen ließ, auf seine Kosten die Bischöfe aus allen Theilen seines ganzen Reichs vom fernsten Morgen- und Abendlande zusammenholen zu lassen, sie mehrere Monate lang (Andere sagen, noch länger) zu bewirthen und auf freier Station nach geendigtem Concil auch wieder in ihre Heimath zu bringen, so müssen wir gewiß sagen, daß diesem Monarchen die Sache Christi und das Heil der Kirche nicht wenig müsse am Herzen gelegen haben.

Doch wir werden gleich hernach noch mehr hören, wie er sich auch bei dem Concil selbst gar christlich verhalten habe. Zuvörderst aber wollen wir einen Blick auf die ehrwürdige Versammlung selbst werfen.

Drei hundert und achtzehn Bischöfe, und wohl mehr, als noch einmal so viel Presbyter und Diakonen hatten sich eingefunden, welche in der kaiserlichen Schloßkirche zu Nicäa (in Klein-Asien) auf langen, zu beiden Seiten hinter einander erhöhten Reihen von Sitzen zusammenkamen. Die meisten der anwesenden Bischöfe lernten sich wohl hier erst von Angesicht kennen, ob sie gleich den Namen nach einander längst bekannt gewesen. Denn es waren darunter Namen, die man weit und breit unter den Christen nur mit hoher Achtung nannte, ehrwürdige Greise und Väter, die als Diener Gottes in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöthen und Aengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Arbeit, in Wachen und Fasten ergraut waren; — es waren darunter Männer, die an ihren verstümmelten Gliedern und Leibern, als Maalzeichen des HErrn IEsu noch die Spuren blutiger Verfolgung trugen; — geübte Streiter, die in dem Worte der Wahrheit und der Kraft Gottes, mit Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und Linken, die Ehre ihres Heilandes zu vertheidigen wußten. Und wie vieles wäre wohl noch von andern, unbekannteren Gliedern dieser Versammlung zu sagen, deren Namen die Geschichte nicht aufgezeichnet hat, die aber zum Theil sogar noch apostolische Gaben gehabt haben sollen.

Die ganze große Versammlung aber, die aus den verschiedensten Völkerstämmen von Asien, Afrika und Europa zusammengekommen waren, gibt uns einen augenscheinlichen und erfreulichen Beweis davon, wie weit das Christenthum schon seit der Apostel Zeit durch Gottes Gnade in der Welt herumgekommen, und auch in den schwersten Verfolgungen überall ausgebreitet worden war. Ja, aus dem kleinen Senfkörnlein des Reiches Christi, das einst vor nicht ganz 300 Jahren die wenigen Apostel unter großem Kampf und Widerstand in die gewaltigen Völkermassen gesäet hatten, war jetzt durch Gottes allmächtige Gnade ein großer Baum geworden, der in allen Ländern umher unter seinen Zweigen so viel Seelen und Gemeinden versammeln konnte, daß allein ihre Hirten und Lehrer schon so eine große Anzahl waren. Um des verachteten HErrn Christi willen, der noch vor Kurzem von allen römischen Machthabern verspottet, und dessen Bekenntniß und Name durch öffentliche Staatsgesetze gewaltsam verboten und unterdrückt worden war, mußte jetzt ein, mit weltlichem Ruhm gekrönter, siegreicher Kaiser eine Versammlung anstellen, worin die Ehre und wahre Gottheit dieses HErrn Christi vor aller Welt vertheidigt werden sollte. — So wendet Gott die Gedanken der Völker! So kann er auch die Herzen der Großen, wie die Wasserbäche, lenken!

Allerdings hatten sich zu der Nicänischen Kirchenversammlung auch viele heidnische Spötter und Philosophen, viele neugierige, müßige Zuschauer eingefunden, die an den Verhandlungen der Christen ihre Ohren kitzeln, ja sie selbst zum Streite herausfordern, und ihr Glück versuchen wollten, den Glauben derselben lächerlich und verächtlich zu machen. Allein wir haben schon in der ersten Nummer dieser Blätter das schöne Beispiel erzählt, wie Einer jener hoffärtigen Weltweisen durch das einfältige, aber kräftige Zeugniß eines alten treuherzigen Christen überwunden und zu dem Bekenntniß gebracht wurde, daß er nicht widerstehen könne, ebenfalls zu glauben.

Gewiß wären auch noch mehr solcher Siege zur Ehre Christi errungen worden, wenn nicht leider viele der anwesenden Bischöfe — gewiß zum großen Schmerz der Uebrigen — ihre eigne Ehre gesucht und in allerlei Eifersucht und gegenseitiger Bitterkeit den Geist in ihnen gedämpft hätten.

Als darum der friedliebende Kaiser mit Ehrerbietung in den Kreis der Versammlung getreten war, und auf das Geheiß der Bischöfe sich niedergesetzt hatte, sprach er zwar zuvörderst seine herzliche Freude und seinen Dank gegen Gott aus, daß es ihm vergönnt worden sei, eine so große Anzahl berufener Diener Gottes um sich versammelt zu sehen, ermahnte sie aber auch sodann, daß sie alle persönlichen Zwistigkeiten unter sich abthun und mit ihm in Liebe und Eintracht nur Alle dahin wirken möchten, den rechten Hauptfeind anzugreifen, der die heilsame Lehre Christi verlästert und den Frieden der ganzen Kirche so gefährlich bedroht habe. Er habe darum eine ganze Menge empfangener Klagebriefe, worin sie unter einander sich verklagt und bei ihm beschwert hätten, ins Feuer werfen lassen, und müsse diese Be-

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refute false doctrine from God's Word. That is what St. Paul says: a bishop must be apt to teach, able also to teach others, mighty to exhort by sound doctrine and to rebuke those who contradict it. This aptitude for teaching, however, is a gift that must be diligently learned and much practiced; such teachers do not fall from heaven, nor do they grow up of themselves out of the earth like mushrooms, but must be raised and trained. So that there may be no lack of competent teachers, the Lutheran congregations are therefore obligated to establish institutions for the education of future preachers and teachers, and to support them generously. But how does it come about that so few think to ask: what is to become of our children? Where shall we get teachers when our present ones pass away by death? It would truly be necessary to wake the sluggish, drowsy Lutherans up for once, and earnestly lay their Christian duty upon their hearts.*) 3. the preacher should lead a godly, blameless life, so that he not only gives no offense or cause for slander, but is rather an example to his flock (1 Pet. 5:3). Faithful preachers, says the godly Martin Chemnitz, must be so constituted that the hearers who look to them learn how they themselves ought to be, according to God's will, in their speech and their whole conduct; and just as in the art of printing the type stamps a certain shape of the letters, so too should preachers stamp the shape of godliness upon their lives; and Augustine says: as much as an ungodly preacher builds up through his teaching, just so much does he tear down through his evil life — if indeed one who lives wickedly can build up at all. For whoever is not himself gripped by the doctrine he sets forth in God's stead will certainly teach coldly as well. Therefore let every congregation keep its eyes wide open, in accordance with the apostolic command in 1 John 4:1: Believe not every spirit, but test the spirits, whether they are of God. For if a congregation loads upon itself a heretic and false spirit, or an incompetent subject, or an ungodly, offensive person, as its teacher, it alone is to blame for this, and will have to give account to God.

(Conclusion follows.)

*) [Footnote] Would not the dear brethren in the ministry in Missouri soon give a detailed report on the condition of our seminary in Altenburg, Perry Co., Mo.? That would be just the means to rouse the sleepers.

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(Submitted by G. H. Löber.)

The Heretic Arius and His End.
(Continuation.)

3. Condemnation of the Arian Heresy at the Great Church Council at Nicaea, in the Year 325 after Christ.

However sorrowful the occasion may have been for which this great church council was convened, it nevertheless without doubt affords us many a joyful and uplifting sight. — We heard in the previous section how earnestly the pious Emperor Constantine took it to heart to help the Church of his realm, so deeply disturbed by the Arian heresy, back to peace.

As estimable as this endeavor already was in itself, it deserves even more recognition when we see that he wished to attain that ecclesiastical peace neither through violent measures nor through prescribed formulas of an ambiguous confession of faith, and thus was just as unwilling to rule over consciences by worldly power as he was to content himself any longer with the untenable whitewash of a merely external union.*)

When we further see how he did not weary of having the bishops brought together, at his own expense, from every part of his entire realm, from the farthest East and West, of entertaining them for several months (others say even longer), and of having them brought home again at public expense once the council had ended, we must certainly say that the cause of Christ and the welfare of the Church must have lain not a little upon this monarch's heart.

But we shall hear even more shortly of how very Christianly he conducted himself at the council itself as well. First, however, let us cast a glance at the venerable assembly itself.

Three hundred and eighteen bishops, and probably more than twice as many presbyters and deacons, had assembled, coming together in the imperial palace church at Nicaea (in Asia Minor) on long rows of raised seats set one behind another on both sides. Most of the bishops present probably came to know one another face to face here for the first time, though they had long known one another by name. For among them were names that were spoken far and wide among Christians only with the highest reverence — venerable old men and fathers who, as servants of God, had grown gray in great patience, in afflictions, in distress and anguish, in beatings, in prisons, in labor, in watching and fasting; among them were men who still bore on their maimed limbs and bodies, as the marks of the Lord Jesus, the traces of bloody persecution; — seasoned warriors who knew how to defend the honor of their Savior in the word of truth and the power of God, with the weapons of righteousness on the right hand and on the left. And how much more might be said of other, lesser-known members of this assembly, whose names history has not recorded, but who are said, in part, to have possessed even apostolic gifts.

*) [Footnote] Note. Other emperors, to be sure, later did not conduct themselves so Christianly, and made use of an assumed despotic influence over the councils for all sorts of political purposes. Yet in truth the Prussian government has recently acted no more Christianly, in that it arbitrarily prescribed ambiguous ecclesiastical formulas, and thereby in the end even sought, by violent means, to force a union between the Lutherans and the Reformed.

The whole great assembly, however, gathered as it was from the most diverse peoples of Asia, Africa, and Europe, gives us a visible and joyful proof of how far Christianity, by God's grace, had already spread throughout the world since the time of the apostles, and had been propagated everywhere even amid the harshest persecutions. Indeed, from the small mustard seed of Christ's kingdom, which the few apostles, not quite three hundred years before, had sown amid great struggle and resistance into the vast masses of the nations, there had now become, through God's almighty grace, a great tree, which in every land round about could gather under its branches so many souls and congregations that their shepherds and teachers alone were already so great a number. For the sake of the despised Lord Christ — who but a short time before had been mocked by all the rulers of Rome, and whose confession and name had been violently forbidden and suppressed by public laws of the state — a victorious emperor, crowned with worldly glory, now had to convene an assembly in which the honor and true deity of this Lord Christ was to be defended before all the world. — So does God turn the thoughts of the nations! So can He also guide the hearts of the great, as He does the courses of the waters!

To be sure, many heathen scoffers and philosophers, and many curious, idle spectators, had also come to the Nicene church council, wishing to tickle their ears with the debates of the Christians — indeed, even to challenge them to dispute — and hoping to try their luck at making their faith appear ridiculous and contemptible. But we have already told, in the first number of this paper, the fine example of how one of those haughty worldly sages was overcome by the simple but powerful testimony of an old, honest-hearted Christian, and was brought to the confession that he could not resist believing likewise.

Surely still more such victories would have been won for the honor of Christ, had not, unfortunately, many of the bishops present — certainly to the great grief of the rest — sought their own honor and, through all sorts of jealousy and mutual bitterness, quenched the Spirit within them.

When, therefore, the peace-loving emperor had entered the circle of the assembly with reverence, and had seated himself at the bishops' bidding, he first of all expressed his heartfelt joy and his thanks to God that it had been granted him to see so great a number of called servants of God gathered around him; but he then also exhorted them to lay aside all personal quarrels among themselves, and, together with him, in love and harmony, to work only toward attacking the true chief enemy who had slandered the wholesome doctrine of Christ and so dangerously threatened the peace of the whole Church. He had therefore had a whole quantity of complaint letters he had received — in which they had accused one another and lodged grievances with him — thrown into the fire, and had to leave these