Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 6 › Seite 44
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-11-14, Seite 44
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Mitwirkung 6 · Paſtor 5 · Sünde 5
geheißen: Fluche David. Wer kann nun
ſagen: Warum thuſt du alſo?“ — Da bezeuget
die heilige Schrift klar und deutlich, daß Simei
ſeinen gottloſen Fluch' auf Gottes Befehl und
Antrieb gegen David ausgeſprochen hat; aber
nimmermehr räumt ſie ein, daß Gott in irgend
einer Weiſe Urheber des Böſen ſein könne.
Die Gottloſigkeit war in dem Herzen des Simei
durch die Wirkung des Satans, ſchon ehe er dem
David fluchte, Gott aber lenkte es alſo, daß die
Gottloſigkeit Simeis eben in dieſer Weiſe und
gegen dieſen Mann David ſich auslaſſen
mußte. Das erkennet der fromme König David,
im Bewußtſein ſeiner Sündhaftigkeit, demüthig
als eine heilſame Züchtigung Gottes an, und wie
David, ſo erkennen alle wahrhaft Gläubigen die
Trübſal, welche ihnen durch die Bosheit der Men⸗
ſchen bereitet wird, als ein heilſames Verhängniß
Gottes über ſie an, wodurch ſie gebeſſert und im
Glauben geübt werden ſollen, ohne daß es ihnen
nur im Entfernteſten in den Sinn kommen könnte,
Gott deßwegen als einen Urheber der Sünde an⸗
zuklagen. — Daß auch Luthers Meinung in den
oben angeführten Worten, wenn ſie anders wirk⸗
lich ſo von ihm geſprochen ſind, keine andere ſei,
als die von uns angedeutete, geht z. B. aus einer
anderen von ſeinen Tiſchreden aufs Deutlichſte
hervor. Es heißt dort alſo:
„Origenes, der Lehrer, hat mit der Frage viel
zu ſchaffen gehabt: ob Gott eine Urſache wäre des
Böſen? Wir aber ſagen ſtracks: Nein,
Gott iſt nicht eine Urſache des Böſen,
ſondern ein Schöpfer aller Creaturen ꝛc. Wenn
man aber alſo redet, ſoll man bedenken das Ende,
den Richter und die Urſache. Denn wirklich iſt
Gott nicht eine Urſache des Böſen, ſchafft und thut
nicht, was böſe iſt, ob er wohl die Gottloſen in
verkehrten Sinn gibt; wie im Pſalter ſteht: Aber
mein Volk gehorcht nicht meiner Stim—
me, und Israel will mein nicht; ſo hab
ich ſie gelaſſen in ihres Herzens Dün—
kel, daß ſie wandeln nach ihrem Rath,
Pſali 81, 12. 13.7%0
*) Wir können nicht unterlaſſen, über dieſe wichtige
Materie noch einige lichtgebende Ausſprüche Luthers aus
ſeinem berühmten Buch: „Daß der freie Wille nichts ſei“,
mitzutheilen. Er ſchreibt daſelbſt unter Anderem: „Erſtlich
gibt auch die Vernunft und Diatribe (des Erasmus) zu,
daß Gott alles in allem wirke, und daß ohne ihn nichts ge⸗
ſchehe, noch wirkſam ſei. Denn er iſt allmächtig, und dies
gehört eben zu ſeiner Allmacht, wie Paulus an die Epheſer
ſchreibt. Nun können Satan und Menſch, welche beide
gefallen und von Gott verlaſſen ſind, nichts Gu tes wollen,
das heißt, was Gott gefällt und was Gott will, ſondern ſie
ſind auf ihre Begierden gerichtet, daß ſie nichts als das Ihre
ſuchen können. Dieſer ſo von Gom abgewandte Wille und
Natur derſelben aber iſt nicht ein Nichts. Denn der Satan
und gottloſe Menſch ſind nicht Nichts und haben nicht
keine Natur oder keinen Willen, obgleich ſie eine ver⸗
derbte und von Gott abgewendete Natur haben. Dieſes
aber, was, wie geſagt iſt, in einem Gottloſen und im Sa⸗
ian von der Natur übrig geblieben iſt, iſt als eine Creatur
und als ein Werk Gottes nicht weniger ein Gegenſtand der
göttlichen Allmacht und Wirkung, als alle anderen Creatu⸗
ren und Werke Gontes. Wenn daher Gott alles in allem
bewegt und treibt, ſo bewegt und treibt er nothwendig auch
im Satan und im Gottloſen. Gottes Treiben geſchieht
aber in ihnen ſo, wie ſie gerade ſind und wie er ſit vorfin⸗
det, das heißt, da ſie von Gott abgewendet und böſe ſind
und von jener bewegenden Kraft der göttlichen Allmacht
4— —
Wir ſchließen hier mit dem herzlichen Wunſche,
daß die letztangeführten Worte, weil ſie ſo ganz
und gar auf die römiſche Kirche Anwendung lei⸗
den, allen Katholiken, beſonders aber denjenigen,
welche wiſſentlich das Volk von Gott, der leben⸗
digen Quelle, abführen und es nach ihrem Rath
leiten oder beſſer, verleiten, wie ein Donnerkeil ins
Herz ſchlagen mögen, damit ſie aufgeſchreckt wer—
den aus ihrer hochmüthigen, heuchleriſchen Sicher⸗
heit und um Gnade ſchreien zu dem, bei welchem
allein Gnade und viel Vergebung iſt für Alle,
welche ſich von Herzen von ihren böſen Werken
zu ihm bekehren; denn wo ſie ſich nicht von Her⸗
zen bekehren, und nicht ohne Verdienſt aus bloßer
purlauterer Gnade ſelig werden wollen durch das
Blut JEſu Chriſti, unſeres einigen Helfers und
Heilandes; ſo iſt der allmächtige Gott auch ein
eifriger Gott, und ein Gott der Rache, deſſen
Zornfeuer bis in die unterſte Hölle brennt. Davor
behüte uns Alle, lieber himmliſcher Vater, um
deines eingebornen Sohnes willen, und gib uns
deinen Heiligen Geiſt. Amen!
——3—0
Protokoll der St. Louis Diſtricts⸗Prediger⸗
Conferenz der deutſchen ev.⸗luth. Synode von
Miſſouri, Ohio u. a. Staaten,
gehalten zu Neu-⸗Melle, St. Charles Co., Mo., am 13. Oct.
1848 und den folgenden Tagen.
Es waren zugegen die Paſtoren:
1. R. Lange von St. Charles, Mo.
2. J. M. Johannes von Jefferſon Co., Mo.
3. J. G. Birkmann von Madiſon Co., Ills.
fortgeriſſen werden, ſo thun ſie nichts als Gotteswidriges
und Böſes; wie wenn ein Reiter ein drei- oder ein zwei⸗
füßiges Pferd treibt, ſo treibt er es ſo, wie das Pferd ge⸗
radt iſt, das Pferd geht nemlich übel. Aber was ſoll der
Reiter thun? Er treibt ein ſolches Pferd ebenſo wie die ge⸗
ſunden, während jenes übel geht, und dieſe gut gehen, er
kann nicht anders, bis jenes Pferd geſund wird. Hier ſieheſt
du, wenn Gott in Böſen und durch Böſe wirkt, daß zwar
Böſes geſchieht, dah aber Gott doch nichts Böſes ihun
kann, obgleich er Böſes durch Böſe thut, weil er, welcher
ſelbſt gut iſt, nichts Böſes thun kann, aber ſich böſer Werk⸗
zeuge bedient, welche ſich des Treibens und der Bewegung
ſeiner Macht nicht entäußern können. Der Fehler liegt alſo
an den Werkzeugen (welche Gott nicht ohne ſeine Bewegung
ociosa] laſſen kann), vaß Böſes geſchieht, obgleich Gott ſit
bewegt, nicht anders als wenn ein Zimmermann mit einem
ſchartigen Beile übel ſpaltete. .. Niem and denke daher, daß
Gott, wenn von ihm geſagt wird, daß er verſtocke oder Böſes
in uns wirke (denn Verſtocken iſt Böſes thun), ſo thue, als
wenn er erſt in uns das Böſe ſchaffe; als wäre er einem
gottloſen Wirth gleich, welcher, als ein boshafter Mann, in
ein nicht böſes Faß Gift göſſe, wozu das Faß nichts thut,
als daß es die Bosheit des Giftmiſchers zuläßt und leidet.
Denn eine ſolche Vorſtellung ſcheint man ſich von dem
Menſchen zu machen, als ſei derſelbe nemlich an ſich gut
und nicht bös, wenn ſie von uns hören, daß Gott in uns
das Gute und Böſe wirke und daß wir, der Wirkung
Gottes unterworfen, dieſelbe gezwungen leiden. Sie be⸗
venken nicht genug, wie Gott mit ſeinem Treiben in allen
Creaturen nicht ruhen, und nicht zulaſſen kann, daß irgend
eine Creatur ruhe. Aber wer dies recht verſtehen will, muß
alſo denken: daß Gott in uns, das iſt, durch uns Böſes
wirkt, nicht aus Gontes Schuld, ſondern aus unſerer
Schuld, weil (da wir von Natur böſe ſind, Gott aber gut
iſt) Gont, indenner nach der Beſchaffenheit ſeiner Allmacht
uns treibt und mit ſich fortreißt, nicht anders thun kann,
als daß er, der Gute, mit dem böſen Werkzeuge Böſes thut,
obwohl er nach ſeiner Weisheit dieſes Böſen zu ſeiner Ehre
und unſerer Seligkeit ſich gut bedient. D. R.
4. C. J. A. Straſen von Horſe Prairie, Ran⸗
dolph Co., Ills. ö
5. J. P. Kalb von Jefferſon City, Cole Co., Mo.
6. C. J. H. Fick von Neu Melle, Mo.
7. F. Lochner von Collinsville, Madiſon Co., Ils.
8. J. F. Bünger von St. Louis, Mo. ö
Es waren leider mehrere Glieder der Conferenz
durch Krankheit und Geſchäfte abgehalten, ſich
einzufinden. So ſehr man dieſes beklagte, ſo
ernſtlich wurde der Wunſch ausgeſprochen, daß dit
Glieder der Conferenz es doch nicht verſäumen
möchten, wenn ſie es irgend möglich machen könn⸗
ten, an den Sitzungen der Conferenz Theil zu
nehmen. ö
Erſte Sitzung am 13. October Morgens.
Zum Präſes der Conferenz wurde Paſtor
Bünger erwählt, zum Serretär Fick.
Zunächſt knüpfte ſich die Beſprechung an einigt
Beſchlüſſe der letzten Conferenz. Was die Cir⸗
culation von Predigten betrifft, ſo hatte nur P.
Lochner die ſeinige mit zur Synode gebracht und
abgegeben. Ueberhaupt ſchien es unzweckmäßig,
daß die Predigten auf der Synode abgegeben wer⸗
den ſollten, weil es dort wegen Mangel an Zeit
gar zu leicht unterbleibt. Demnach wurde be⸗
ſchloſſen: daß ein jedes Mitglied der Conferenz
bis Johannis nächſten Jahres in ſeinem Diſtricte
eine Predigt circuliren laſſe in der Weiſe, daß er
ſie ſeinem nächſten Nachbaren zuſende, welcher ſie
dann mit Bemerkung des Empfanges und der Ab⸗
ſendung weiter ſchickt. Jeder hat dann ſein Urtheil
über die reſpectiven Predigten zur nächſten Con⸗
ferenz mitzubringen, oder falls er nicht perſönlich
erſcheint, kann er es auch ſchriftlich einſenden.
Wer eine Predigt zuletzt empfängt, befördert die⸗
ſelbe an den Secretär.
Auch über das Verhältniß des Chriſten zur
Welt ſprach man ſich näher aus. Gewiß iſt es
Pflicht eines jeden Chriſten, nicht blos im Herzen
der Welt und ihrer Luſt völlig abzuſterben, ſon⸗
dern auch im Gebrauche der evangeliſchen Freiheit
ſich der größtmöglichſten Vorſicht zu befleißigen,
damit er die Welt nicht im Sündigen beſtärke, den
Schwachen kein Aergerniß gebe, und ſein eigenes
geiſtliches Leben nicht gefährde. Daher die Noth⸗
wendigkeit, ſich in keinem Stück der Welt gleich
zu ſtellen.
Dabei kam die Rede darauf, wie ein Prediger
ſich im Umgange mit Andern zu verhalten habe.
Unmöglich iſt es, zum Voraus über alle Fälle be⸗
ſtimmte Regeln aufzuſtellen. Ein Prediger wird
jedoch am Erſten im Stande ſein, ſtets das richtige
Verfahren zu treffen, wenn er 1) ſucht, beſtändig
in Gott geſammelt zu ſein, und ſich ſo die nöthigt
Beſonnenheit bewahrt; 2) fleißig um Weisheit
bittet, 3) von heiliger Liebe zu den ihm anver⸗
trauten Seelen erfüllt iſt, 4) eingedenk iſt, daß
nicht blos die Augen der Gemeinde, ſondern auch
der Welt auf ihn gerichtet ſind.
In Beziehung auf die Seelſorge wurde hervor⸗
gehoben, daß ein Prediger ſich ernſtlich zu hüten
habe, auf Klatſchereien einzugehen. Wird ihm
üder andere Gemeindeglieder etwas Nachtheiliges
hinterbracht, ſo hat er die Ankläger ernſtlich zu er—
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