# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 11 14_S44 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) geheißen: Fluche David. Wer kann nun ſagen: Warum thuſt du alſo?“ — Da bezeuget die heilige Schrift klar und deutlich, daß Simei ſeinen gottloſen Fluch' auf Gottes Befehl und Antrieb gegen David ausgeſprochen hat; aber nimmermehr räumt ſie ein, daß Gott in irgend einer Weiſe Urheber des Böſen ſein könne. Die Gottloſigkeit war in dem Herzen des Simei durch die Wirkung des Satans, ſchon ehe er dem David fluchte, Gott aber lenkte es alſo, daß die Gottloſigkeit Simeis eben in dieſer Weiſe und gegen dieſen Mann David ſich auslaſſen mußte. Das erkennet der fromme König David, im Bewußtſein ſeiner Sündhaftigkeit, demüthig als eine heilſame Züchtigung Gottes an, und wie David, ſo erkennen alle wahrhaft Gläubigen die Trübſal, welche ihnen durch die Bosheit der Men⸗ ſchen bereitet wird, als ein heilſames Verhängniß Gottes über ſie an, wodurch ſie gebeſſert und im Glauben geübt werden ſollen, ohne daß es ihnen nur im Entfernteſten in den Sinn kommen könnte, Gott deßwegen als einen Urheber der Sünde an⸗ zuklagen. — Daß auch Luthers Meinung in den oben angeführten Worten, wenn ſie anders wirk⸗ lich ſo von ihm geſprochen ſind, keine andere ſei, als die von uns angedeutete, geht z. B. aus einer anderen von ſeinen Tiſchreden aufs Deutlichſte hervor. Es heißt dort alſo: „Origenes, der Lehrer, hat mit der Frage viel zu ſchaffen gehabt: ob Gott eine Urſache wäre des Böſen? Wir aber ſagen ſtracks: Nein, Gott iſt nicht eine Urſache des Böſen, ſondern ein Schöpfer aller Creaturen ꝛc. Wenn man aber alſo redet, ſoll man bedenken das Ende, den Richter und die Urſache. Denn wirklich iſt Gott nicht eine Urſache des Böſen, ſchafft und thut nicht, was böſe iſt, ob er wohl die Gottloſen in verkehrten Sinn gibt; wie im Pſalter ſteht: Aber mein Volk gehorcht nicht meiner Stim— me, und Israel will mein nicht; ſo hab ich ſie gelaſſen in ihres Herzens Dün— kel, daß ſie wandeln nach ihrem Rath, Pſali 81, 12. 13.7%0 *) Wir können nicht unterlaſſen, über dieſe wichtige Materie noch einige lichtgebende Ausſprüche Luthers aus ſeinem berühmten Buch: „Daß der freie Wille nichts ſei“, mitzutheilen. Er ſchreibt daſelbſt unter Anderem: „Erſtlich gibt auch die Vernunft und Diatribe (des Erasmus) zu, daß Gott alles in allem wirke, und daß ohne ihn nichts ge⸗ ſchehe, noch wirkſam ſei. Denn er iſt allmächtig, und dies gehört eben zu ſeiner Allmacht, wie Paulus an die Epheſer ſchreibt. Nun können Satan und Menſch, welche beide gefallen und von Gott verlaſſen ſind, nichts Gu tes wollen, das heißt, was Gott gefällt und was Gott will, ſondern ſie ſind auf ihre Begierden gerichtet, daß ſie nichts als das Ihre ſuchen können. Dieſer ſo von Gom abgewandte Wille und Natur derſelben aber iſt nicht ein Nichts. Denn der Satan und gottloſe Menſch ſind nicht Nichts und haben nicht keine Natur oder keinen Willen, obgleich ſie eine ver⸗ derbte und von Gott abgewendete Natur haben. Dieſes aber, was, wie geſagt iſt, in einem Gottloſen und im Sa⸗ ian von der Natur übrig geblieben iſt, iſt als eine Creatur und als ein Werk Gottes nicht weniger ein Gegenſtand der göttlichen Allmacht und Wirkung, als alle anderen Creatu⸗ ren und Werke Gontes. Wenn daher Gott alles in allem bewegt und treibt, ſo bewegt und treibt er nothwendig auch im Satan und im Gottloſen. Gottes Treiben geſchieht aber in ihnen ſo, wie ſie gerade ſind und wie er ſit vorfin⸗ det, das heißt, da ſie von Gott abgewendet und böſe ſind und von jener bewegenden Kraft der göttlichen Allmacht 4— — Wir ſchließen hier mit dem herzlichen Wunſche, daß die letztangeführten Worte, weil ſie ſo ganz und gar auf die römiſche Kirche Anwendung lei⸗ den, allen Katholiken, beſonders aber denjenigen, welche wiſſentlich das Volk von Gott, der leben⸗ digen Quelle, abführen und es nach ihrem Rath leiten oder beſſer, verleiten, wie ein Donnerkeil ins Herz ſchlagen mögen, damit ſie aufgeſchreckt wer— den aus ihrer hochmüthigen, heuchleriſchen Sicher⸗ heit und um Gnade ſchreien zu dem, bei welchem allein Gnade und viel Vergebung iſt für Alle, welche ſich von Herzen von ihren böſen Werken zu ihm bekehren; denn wo ſie ſich nicht von Her⸗ zen bekehren, und nicht ohne Verdienſt aus bloßer purlauterer Gnade ſelig werden wollen durch das Blut JEſu Chriſti, unſeres einigen Helfers und Heilandes; ſo iſt der allmächtige Gott auch ein eifriger Gott, und ein Gott der Rache, deſſen Zornfeuer bis in die unterſte Hölle brennt. Davor behüte uns Alle, lieber himmliſcher Vater, um deines eingebornen Sohnes willen, und gib uns deinen Heiligen Geiſt. Amen! ——3—0 Protokoll der St. Louis Diſtricts⸗Prediger⸗ Conferenz der deutſchen ev.⸗luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten, gehalten zu Neu-⸗Melle, St. Charles Co., Mo., am 13. Oct. 1848 und den folgenden Tagen. Es waren zugegen die Paſtoren: 1. R. Lange von St. Charles, Mo. 2. J. M. Johannes von Jefferſon Co., Mo. 3. J. G. Birkmann von Madiſon Co., Ills. fortgeriſſen werden, ſo thun ſie nichts als Gotteswidriges und Böſes; wie wenn ein Reiter ein drei- oder ein zwei⸗ füßiges Pferd treibt, ſo treibt er es ſo, wie das Pferd ge⸗ radt iſt, das Pferd geht nemlich übel. Aber was ſoll der Reiter thun? Er treibt ein ſolches Pferd ebenſo wie die ge⸗ ſunden, während jenes übel geht, und dieſe gut gehen, er kann nicht anders, bis jenes Pferd geſund wird. Hier ſieheſt du, wenn Gott in Böſen und durch Böſe wirkt, daß zwar Böſes geſchieht, dah aber Gott doch nichts Böſes ihun kann, obgleich er Böſes durch Böſe thut, weil er, welcher ſelbſt gut iſt, nichts Böſes thun kann, aber ſich böſer Werk⸗ zeuge bedient, welche ſich des Treibens und der Bewegung ſeiner Macht nicht entäußern können. Der Fehler liegt alſo an den Werkzeugen (welche Gott nicht ohne ſeine Bewegung ociosa] laſſen kann), vaß Böſes geſchieht, obgleich Gott ſit bewegt, nicht anders als wenn ein Zimmermann mit einem ſchartigen Beile übel ſpaltete. .. Niem and denke daher, daß Gott, wenn von ihm geſagt wird, daß er verſtocke oder Böſes in uns wirke (denn Verſtocken iſt Böſes thun), ſo thue, als wenn er erſt in uns das Böſe ſchaffe; als wäre er einem gottloſen Wirth gleich, welcher, als ein boshafter Mann, in ein nicht böſes Faß Gift göſſe, wozu das Faß nichts thut, als daß es die Bosheit des Giftmiſchers zuläßt und leidet. Denn eine ſolche Vorſtellung ſcheint man ſich von dem Menſchen zu machen, als ſei derſelbe nemlich an ſich gut und nicht bös, wenn ſie von uns hören, daß Gott in uns das Gute und Böſe wirke und daß wir, der Wirkung Gottes unterworfen, dieſelbe gezwungen leiden. Sie be⸗ venken nicht genug, wie Gott mit ſeinem Treiben in allen Creaturen nicht ruhen, und nicht zulaſſen kann, daß irgend eine Creatur ruhe. Aber wer dies recht verſtehen will, muß alſo denken: daß Gott in uns, das iſt, durch uns Böſes wirkt, nicht aus Gontes Schuld, ſondern aus unſerer Schuld, weil (da wir von Natur böſe ſind, Gott aber gut iſt) Gont, indenner nach der Beſchaffenheit ſeiner Allmacht uns treibt und mit ſich fortreißt, nicht anders thun kann, als daß er, der Gute, mit dem böſen Werkzeuge Böſes thut, obwohl er nach ſeiner Weisheit dieſes Böſen zu ſeiner Ehre und unſerer Seligkeit ſich gut bedient. D. R. 4. C. J. A. Straſen von Horſe Prairie, Ran⸗ dolph Co., Ills. ö 5. J. P. Kalb von Jefferſon City, Cole Co., Mo. 6. C. J. H. Fick von Neu Melle, Mo. 7. F. Lochner von Collinsville, Madiſon Co., Ils. 8. J. F. Bünger von St. Louis, Mo. ö Es waren leider mehrere Glieder der Conferenz durch Krankheit und Geſchäfte abgehalten, ſich einzufinden. So ſehr man dieſes beklagte, ſo ernſtlich wurde der Wunſch ausgeſprochen, daß dit Glieder der Conferenz es doch nicht verſäumen möchten, wenn ſie es irgend möglich machen könn⸗ ten, an den Sitzungen der Conferenz Theil zu nehmen. ö Erſte Sitzung am 13. October Morgens. Zum Präſes der Conferenz wurde Paſtor Bünger erwählt, zum Serretär Fick. Zunächſt knüpfte ſich die Beſprechung an einigt Beſchlüſſe der letzten Conferenz. Was die Cir⸗ culation von Predigten betrifft, ſo hatte nur P. Lochner die ſeinige mit zur Synode gebracht und abgegeben. Ueberhaupt ſchien es unzweckmäßig, daß die Predigten auf der Synode abgegeben wer⸗ den ſollten, weil es dort wegen Mangel an Zeit gar zu leicht unterbleibt. Demnach wurde be⸗ ſchloſſen: daß ein jedes Mitglied der Conferenz bis Johannis nächſten Jahres in ſeinem Diſtricte eine Predigt circuliren laſſe in der Weiſe, daß er ſie ſeinem nächſten Nachbaren zuſende, welcher ſie dann mit Bemerkung des Empfanges und der Ab⸗ ſendung weiter ſchickt. Jeder hat dann ſein Urtheil über die reſpectiven Predigten zur nächſten Con⸗ ferenz mitzubringen, oder falls er nicht perſönlich erſcheint, kann er es auch ſchriftlich einſenden. Wer eine Predigt zuletzt empfängt, befördert die⸗ ſelbe an den Secretär. Auch über das Verhältniß des Chriſten zur Welt ſprach man ſich näher aus. Gewiß iſt es Pflicht eines jeden Chriſten, nicht blos im Herzen der Welt und ihrer Luſt völlig abzuſterben, ſon⸗ dern auch im Gebrauche der evangeliſchen Freiheit ſich der größtmöglichſten Vorſicht zu befleißigen, damit er die Welt nicht im Sündigen beſtärke, den Schwachen kein Aergerniß gebe, und ſein eigenes geiſtliches Leben nicht gefährde. Daher die Noth⸗ wendigkeit, ſich in keinem Stück der Welt gleich zu ſtellen. Dabei kam die Rede darauf, wie ein Prediger ſich im Umgange mit Andern zu verhalten habe. Unmöglich iſt es, zum Voraus über alle Fälle be⸗ ſtimmte Regeln aufzuſtellen. Ein Prediger wird jedoch am Erſten im Stande ſein, ſtets das richtige Verfahren zu treffen, wenn er 1) ſucht, beſtändig in Gott geſammelt zu ſein, und ſich ſo die nöthigt Beſonnenheit bewahrt; 2) fleißig um Weisheit bittet, 3) von heiliger Liebe zu den ihm anver⸗ trauten Seelen erfüllt iſt, 4) eingedenk iſt, daß nicht blos die Augen der Gemeinde, ſondern auch der Welt auf ihn gerichtet ſind. In Beziehung auf die Seelſorge wurde hervor⸗ gehoben, daß ein Prediger ſich ernſtlich zu hüten habe, auf Klatſchereien einzugehen. Wird ihm üder andere Gemeindeglieder etwas Nachtheiliges hinterbracht, ſo hat er die Ankläger ernſtlich zu er—