Collection › Der Lutheraner (Frankfurt am Main) › Jahrgang 4, Nummer 9 › Seite 66

Der Lutheraner Frankfurt am Main — September 1950, Seite 66

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Seite 66                                    September 1950                                    Nummer 9

voller Freiheit arbeiten. Im „dunklen Erdteil
“, in Afrika, breitet sich die Missionsarbeit
mächtig aus. Neue Gebiete werden
erschlossen. Unsere Freikirchen rüsten sich zu
einem verstärkten, eigenen erweiterten Heidenmissionswerk
. Wir warten darauf, daß
wir bald tüchtige fromme junge Männer aussenden
können zur Hilfe für unsere alten
Missionare, die sich müde gearbeitet haben am
Werk des HErrn.

Die Mission ist nicht Sache einiger begeisterter
Kreise oder Gesellschaften, sie ist Sache
der ganzen Kirche. Möge auch von unsern
lutherischen Freikirchen gesagt werden können,
was der Apostel Paulus an seine Gemeinde
in Thessalonich schreibt:

„Wir denken an euer Werk im Glauben und
an eure Arbeit in der Liebe und an eure
Geduld in der Hoffnung, welche ist unser
HErr Jesus Christus vor Gott und unserm
Vater.“ Hch. St.

Ein wahrer Christ
Ist einer ein Christ, so siehe, ob er auch das
Wort in Ehren halte, dasselbe höre und liebe,
und daß ihm solches ein Ernst sei; zudem,
ob er auch mit dem Kreuz und Trübsal beschweret
und geplagt werde. Und wo dem
eigentlich also ist, so wird er in die Kirche
kommen, wird das Wort gern hören, wird
seine Lust daran haben, wird demselben von
Herzen glauben, wird beten, Gott danken, er
wird ein gut Gewissen haben. Wenn du das
sehen wirst, sollst du gewißlich schließen und
es dafür halten, daß er ein heiliger Mensch
sei, der da Gott wohlgefällig ist, und sollst
ihn als einen heiligen Menschen loben und
dich sein verwundern und von allem, was er
darnach tun wird, es sei gleich im Haus⸗
oder Weltregiment, sollst du sagen, daß es
sei Gott angenehm und wohlgefällig. Und
Gott wird es auch belohnen, nicht allein in
diesem, sondern auch im künftigen Leben, wie
in der Offenbarung Johannis am 14. Kapitel
, V. 13 steht: „Ihre Werke folgen ihnen
nach.“ Nicht allein die Werke, so die Kirche
und Religion belangen, sondern auch, die
zum Welt⸗ und Hausregiment gehören.
Luther.

„Missouri“ und „Wisconsin“

Im Jahre 1947 beging die Evang.⸗Luth.
Kirche — Missourisynode die Jubelfeier
ihres hundertjährigen Bestehens, und in diesem
Jahre 1950 waren auch hundert Jahre
verflossen, seit die Vereinigte Evang.⸗Luth.
Kirche von Wisconsin gegründet worden war.
Diese beiden lutherischen Schwesterkirchen in
den Vereinigten Staaten von Amerika gehören
der „Synodal⸗Konferenz“ an, dem auf
echter Glaubens- und Bekenntnisgemeinschaft
beruhenden Bund treulutherischer Kirchen.
Beide stehen in enger brüderlicher Beziehung
zu den verbündeten lutherischen Freikirchen
in Deutschland.

Die Missourisynode hat diese glaubensbrüderliche
Verbundenheit besonders in den schweren
Jahren nach dem Kriege in überaus
starker und herzlicher Weise dadurch zum Ausdruck
gebracht, daß sie neben ihrem großen
allgemeinen Hilfswerk, das unzähligen Bedürftigen
aller Konfessionen zugute gekommen
ist, besonders auch nach Gottes Wort
Gutes getan hat an „des Glaubens Genossen
“ und auch weiterhin die kirchlichen Werke
unserer Freikirchen und ihre Missionsarbeit
mit Rat und Tat unterstützt.

Daneben sind aber auch in den letzten Jahren
die Beziehungen der Freikirchen zu der Wisconsinsynode
immer enger geworden, besonders
dadurch, daß die frühere Ev.⸗Luth. Freikirche
in Polen, die durch den Krieg zerstört
und heimatlos geworden war, sich wieder in
den Ost⸗ und Westzonen Deutschlands als
„Flüchtlingsmissionskirche“ neu aufgebaut hat
und in Glaubens⸗ und Arbeitsgemeinschaft
mit uns steht. Die Flüchtlingsmissionskirche
gehört unmittelbar organisch zur Wisconsinsynode
in Amerika. Durch persönliche Beziehungen
zu den Vertretern der Wisconsinsynode
auf deren Deutschlandreisen, durch
Hilfeleistung dieser Kirche für unsere Theol.
Hochschule und dergl. haben die deutschen
Freikirchen die brüderliche Liebe und den
Dienst auch dieser Glaubensgenossen erfahren.
So nehmen wir herzlichen Anteil an den
Jubelfeiern dieser beiden lutherischen Synoden
und preisen mit ihnen

Gottes Gnadenwege in der hundertjährigen
Geschichte ihres Bestehens.

In der hundertjährigen Geschichte dieser Kirchen
, denen Gott sein reines Wort und Evangelium
geschenkt hat, und die er aus den
kleinsten Anfängen heraus zu großen, gesegneten
Kirchenkörpern hat anwachsen lassen,
erkennt man Gottes wunderbare Wege. Gewiß
hat jede Kirche Christi, der die reine
Lehre anvertraut ist, diesen Schatz „in irdenen
Gefäßen“. Es bleibt hier auf Erden
auch in der Kirche Christi vieles menschlich
und unvollkommen, und Gott muß mit seinen
Heiligen, die täglich viel sündigen, große
Geduld haben. Aber gerade da leuchtet die
Gnade Gottes auf, und da werden die Gnadenwege
des Herrn der Kirche sichtbar. Gott
hat beide lutherischen Synoden Amerikas
reich gesegnet, ihnen einen Sieg nach dem
anderen geschenkt und sie nebeneinander oft
in derselben Stadt sich entwickeln lassen zu
seiner Ehre und zum Segen vieler unsterblicher
Seelen.

Wie Gottes Werke überall mannigfaltiger
Art sind, so hat auch jede dieser beiden Kirchen
in gewisser Weise ihre besondere Prägung
, und es ist besonders glaubensstärkend,
zu beobachten, wie Missouri und Wisconsin
nicht nur nebeneinander gearbeitet, sondern
auch einander gedient haben und sich zum
Segen geworden sind.

In ihrer äußeren Größe sind die beiden Kirchen
sehr ungleich. Die Missourisynode zählt
über 1,5 Mill. Mitglieder, die Wisconsinsynode
nur 300 000. Das mag zunächst
auffällig erscheinen, hat aber seine Gründe.
Einmal gibt Gott Wachstum und Gedeihen,
wo und wie er will, ganz unabhängig von
menschlichem Mühen und Planen. Dann aber
hat Gott auch die Missourisynode besondere
Freundlichkeit erfahren lassen. Ihr wurde am
Anfang ihrer Geschichte der Mann geschenkt,
den Gott sich zugerüstet hatte, um die verlassene
, entmutigte Schar der im Jahr 1839
in den Staat Missouri eingewanderten lutherischen
Sachsen aus Gottes Wort wieder getrost
und stark in ihrem Glauben, willig und
eifrig zum kirchlichen Dienst zu machen:
Karl Ferdinand Wilhelm Walther. Er war
ein Mann von scharfem Verstand, außerordentlich
klarer Erkenntnis in der Schrift
und im lutherischen Bekenntnis, eine Führernatur
wie wenige, ein demütiger Christ und
treuer Seelsorger. Von ihm sind „Ströme
des lebendigen Wassers“ geflossen.

Dazu kam, daß das ausgezeichnet geleitete
Kirchenblatt der neugegründeten Missourisynode
, „Der Lutheraner“, schnell, unter den
Deutschen in Amerika bekannt wurde, daß
die aus Deutschland von Pfarrer Wilhelm
Löhe aus Neuendettelsau gesendeten Hilfskräfte
, die in dem Staat Michigan arbeiteten,
zu den „Missouriern“ stießen, und — was
das Wichtigste war — daß diese neue Kirche
unter Führung Walthers und seiner Mitarbeiter
eine unerschütterlich klare lutherische
Stellung hatte, die viele deutsche Lutheraner
unwiderstehlich anzog. Das Luthertum stand
vor hundert Jahren in Amerika in der größten
Gefahr, in Schwärmerei und Indifferentismus
abzusinken. Missouri hat damals die
lutherische Kirche durch Gottes Gnade mit
retten helfen.

Ein Bruderdienst
Auch die neugegründete Wisconsinsynode hat
diesen Dienst Missouris erfahren. In den
kirchlichen Blättern der Wisconsinsynode
wird in diesem Jahr immer wieder darauf
hingewiesen, wie gnädig Gott sie geführt hat.
Sie war nicht von bekenntnistreuen Lutheranern
, sondern von eifrigen und frommen,
aber sehr unionistischen Leuten gegründet
worden. So heißt es in einem Artikel von
Prof. M. Lehninger von der Theol. Hochschule
der Wisconsinsynode in Thiensville im
„Ev.⸗Luth. Kirchenblatt“:

„Bei Gründung der Wisconsinsynode waren alle Gemeinden
, abgesehen von der Gemeinde Oakwood, eben
erst neu gesammelt. Von bewußtem Luthertum, das sich
von Andersgläubigen aus Gewissensgründen reinlich
scheidet, konnte bei ihnen keine Rede sein. In diesem
Geist waren die Pastoren erzogen, die aus den
Missionsanstalten in Barmen, Basel und Berlin
kamen und nach Wisconsin ausgesandt wurden. Sie
waren instruiert, sich aller protestantischen Deutschen
in Amerika ohne Unterschied des Bekenntnisses anzunehmen
und sie mit Wort und Sakrament zu betreuen,
bis die Gemeinden sich selbst darüber entscheiden könnten
, ob sie lutherisch, reformiert oder uniert sein
wollten.“

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Page 66                                    September 1950                                    Number 9

work in full freedom. On the "dark continent," in Africa, mission work is expanding powerfully. New territories are being opened up. Our free churches are preparing for a strengthened, expanded, independent work of foreign missions. We are waiting to be able soon to send out capable, devout young men to assist our aged missionaries, who have worked themselves weary in the work of the Lord.

Mission is not the affair of a few enthusiastic circles or societies; it is the affair of the whole church. May it also be said of our Lutheran free churches what the apostle Paul writes to his congregation in Thessalonica:

"We remember your work of faith, and labor of love, and patience of hope in our Lord Jesus Christ, in the sight of God and our Father." Hch. St.

A True Christian
If someone is a Christian, then observe whether he also holds the Word in honor, hears and loves it, and whether he takes it seriously; and further, whether he is also burdened and afflicted with the cross and tribulation. And where this is truly the case, he will come to church, will gladly hear the Word, will take delight in it, will believe it wholeheartedly, will pray, will thank God, and will have a good conscience. When you see this, you shall surely conclude and hold it to be so, that he is a holy person, well-pleasing to God, and you shall praise him as a holy person and marvel at him, and of everything he does afterward, whether in the household or in worldly governance, you shall say that it is pleasing and acceptable to God. And God will also reward it, not only in this life but also in the life to come, as it is written in the Revelation of John, chapter 14, verse 13: "Their works follow after them." Not only the works that concern the church and religion, but also those that belong to worldly and household governance.
Luther.

"Missouri" and "Wisconsin"

In the year 1947 the Evangelical Lutheran Church — Missouri Synod celebrated the jubilee of its hundred-year existence, and in this year 1950 a hundred years had likewise passed since the United Evangelical Lutheran Church of Wisconsin was founded. These two sister Lutheran churches in the United States of America belong to the "Synodical Conference," the federation of faithful Lutheran churches resting on genuine fellowship in faith and confession. Both stand in close brotherly relation to the allied Lutheran free churches in Germany.

The Missouri Synod has expressed this brotherly bond of faith in an especially strong and heartfelt manner, particularly in the difficult years after the war, in that, alongside its great general relief work, which has benefited countless needy persons of all confessions, it has done good, according to God's Word, especially to "those of the household of faith," and has continued to support the church work of our free churches and their mission work with counsel and deed.

Alongside this, however, the relations of the free churches to the Wisconsin Synod have also become ever closer in recent years, especially through the fact that the former Evangelical Lutheran Free Church in Poland, which had been destroyed by the war and left homeless, has rebuilt itself anew in the eastern and western zones of Germany as the "Refugee Mission Church" and stands in fellowship of faith and work with us. The Refugee Mission Church belongs directly and organically to the Wisconsin Synod in America. Through personal relations with representatives of the Wisconsin Synod on their journeys to Germany, through this church's assistance to our theological seminary and the like, the German free churches have experienced the brotherly love and service of these fellow believers as well. Thus we take heartfelt part in the jubilee celebrations of these two Lutheran synods and praise together with them

God's ways of grace in the hundred-year history of their existence.

In the hundred-year history of these churches, to whom God has given his pure Word and Gospel, and whom he has allowed to grow from the smallest beginnings into great, blessed church bodies, one recognizes God's wonderful ways. Certainly every church of Christ, to whom the pure doctrine has been entrusted, holds this treasure "in earthen vessels." Much remains, here on earth, even in the church of Christ, human and imperfect, and God must have great patience with his saints, who sin much daily. But it is precisely there that the grace of God shines forth, and there the ways of grace of the Lord of the church become visible. God has richly blessed both Lutheran synods of America, has granted them one victory after another, and has let them develop side by side, often in the same city, to his honor and to the blessing of many immortal souls.

Just as God's works are everywhere of manifold kind, so also each of these two churches has in a certain way its own particular character, and it is especially faith-strengthening to observe how Missouri and Wisconsin have not only worked alongside one another but have also served one another and become a blessing to each other.

In their external size the two churches are very unequal. The Missouri Synod numbers over 1.5 million members, the Wisconsin Synod only 300,000. This may at first seem striking, but it has its reasons. For one thing, God gives growth and prosperity where and how he wills, quite independently of human effort and planning. But then, too, God has let the Missouri Synod experience special kindness. At the beginning of its history it was given the man whom God had prepared for himself, in order to make the forsaken, discouraged band of Lutheran Saxons who had immigrated to the state of Missouri in the year 1839 once again confident and strong in their faith through God's Word, willing and eager for church service: Karl Ferdinand Wilhelm Walther. He was a man of keen understanding, of extraordinarily clear insight in Scripture and in the Lutheran confession, a natural leader such as few are, a humble Christian and faithful pastor. From him "streams of living water" flowed.

In addition, the excellently edited church paper of the newly founded Missouri Synod, "Der Lutheraner," quickly became known among Germans in America; the auxiliary workers sent from Germany by Pastor Wilhelm Löhe of Neuendettelsau, who were working in the state of Michigan, joined the "Missourians"; and — most important of all — this new church, under the leadership of Walther and his co-workers, had an unshakably clear Lutheran position, which irresistibly attracted many German Lutherans. A hundred years ago Lutheranism in America stood in the greatest danger of sinking into enthusiasm and indifferentism. Missouri, at that time, helped by God's grace to save the Lutheran church.

A Service of Brothers
The newly founded Wisconsin Synod, too, experienced this service of Missouri. In the church papers of the Wisconsin Synod this year, reference is repeatedly made to how graciously God has led them. It was founded not by confessionally faithful Lutherans, but by zealous and devout, yet very unionistic, people. Thus it is stated in an article by Prof. M. Lehninger of the Theological Seminary of the Wisconsin Synod at Thiensville, in the "Evangelical Lutheran Church Paper":

"At the founding of the Wisconsin Synod, all the congregations, apart from the congregation at Oakwood, had only just recently been newly gathered. Of a conscious Lutheranism, which cleanly separates itself from those of other beliefs on grounds of conscience, there could be no talk among them. In this spirit were the pastors trained who came from the mission institutions in Barmen, Basel, and Berlin and were sent out to Wisconsin. They were instructed to take charge of all Protestant Germans in America without distinction of confession, and to care for them with Word and Sacrament, until the congregations could decide for themselves whether they wished to be Lutheran, Reformed, or Union."