Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 4 › Seite 14
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1844-10-13, Seite 14
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche 24 · Kirche 26 · Kirche 30 · Lutheriſche Kirche 5 · Leutheriſce airhe
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freilich vielleicht vielen recht vernünftig, aber das fragt sich eben, ob man ein guter Mensch sein könne, man möge glauben, was man wolle. Das läugnen wir. Mit jenem Zugeständnisse wollen wir aber auch ferner nicht einräumen, daß es viele wahre Kirchen gibt. Wir glauben vielmehr, es gibt nur Einen Weg zum Himmel, nur Eine Wahrheit, nur Eine rechte Auslegung der h. Schrift, und darum nur Eine wahre rechtgläubige Kirche, also auch nur Eine Anstalt zum Seligwerden, denn nur das Wort und nur die Sacramente, welche diese Kirche, diese Schlüsselträgerin Gottes, hat, sind es, wodurch ein Mensch zur Seligkeit gebracht wird. Mit jenem Zugeständnisse wollen wir endlich auch dieses nicht sagen, daß ein Mensch durch die Lehren, in welchen gewisse Partheien von dem Glauben der wahren Kirche Christi oder von Gottes Wort abweichen, selig werden können. Nein, wir wissen, jeder Irrthum ist, wenn er in einem Menschen kräftig wird, ein tödtendes Seelengift. Unsere eigentliche Meinung ist diese: Es werden viele Seelen auch in irrgläubigen Gemeinschaften selig, nicht durch das, was diese zu besonderen Secten macht, und nicht weil sie Glieder derselben sind, sondern weil viele sich zwar äußerlich dazu zählen, aber im Herzen (vielleicht ohne es zu wissen) einer ganz andern Lehre hold sind, nehmlich der Lehre der wahren Kirche, welche, als die Mutter (Gal. 4, 26. 27.), Christo allein Kinder gebiert.
Folgt nun hieraus, daß die falschgläubigen Kirchen ebensowohl Anstalten Gottes zur Seligkeit seien, wie die rechtgläubige? Mit nichten. Werden darin viele auch selig, so geschieht es darum, weil sie noch die Bibel, die h. Sacramente und das Bekenntniß vieler theuren Wahrheiten des Evangeliums aus der wahren Kirche behalten haben; ihren besondern Namen haben aber die irrgläubigen Gemeinschaften nicht darum, weil sie das und jenes von der Lehre der wahren Kirche behalten, sondern weil sie das und jenes davon und dazu gethan haben.
Es ist doch gewiß, da die Christenheit jetzt nicht aus einer einzigen Kirche besteht, die allenthalben denselben Glauben bekennt; und da die vielen verschiedenen Kirchen, die es gibt, in ihren Bekenntnissen einander widersprechen: so gibt es entweder gar keine wahre Kirche auf Erden, die die unverfälschte Lehre Christi hat (was nach Christi Verheißungen unmöglich ist), oder von allen Kirchen in der Welt kann es nur Eine sein, die mit Recht den Namen der wahren trägt. Dafür halten wir aber die evangelisch-lutherische, weil sie die Lehren des Wortes Gottes rein und lauter bekennt, von demselben weder etwas abthut, noch zu demselben etwas hinzuthut, und den Gebrauch der h. Sacramente ohne Zusatz und Verstümmelung nach Christi Einsetzung lehrt. Da aber hingegen alle andern christlichen Partheien von Christi klarem Worte abgehen, da ihnen Irrthümer ihr besonderes, von der rechtgläubigen Kirche abgeschlossenes Bestehen gegeben haben, da also ihre Irrthümer das Band ihrer Vereinigung sind, so bezeichnet auch ihr Name nicht die Wahrheiten, die sie noch haben, sondern die ihnen eigenthümlichen Irrthümer, durch welche sie sich von der wahren Kirche unterscheiden und lossagen.
Ein Methodist trägt z. B. nicht darum diesen seinen besondern Namen, weil er an die Gottheit Christi glaubt, denn diesen Glauben bekennt die rechtgläubige lutherische Kirche auch; sondern der Methodist heißt darum so, weil er unter anderen nicht glaubt, daß uns das durch den Glauben zugerechnet werde, was Christus für uns gethan, sondern allein was er für uns gelitten hat; und weil der Methodist für diesen und für andere große Irrthümer, die von Christo ab auf Menschenthun führen, kämpft als für theuere göttliche Wahrheiten. Ferner trägt jetzt ein Evangelischer nicht darum diesen besonderen Namen, weil er das Evangelium mit dem Munde bekennt, denn das thut der rechtgläubige Lutheraner auch; sondern der Evangelische heißt darum so, weil er den falschen Grundsatz hat, daß man um der Liebe, um des menschlichen Friedens und zeitlicher Einigkeit willen auf gewisse Wahrheiten kein Gewicht legen dürfe, sondern sie dafür opfern müsse.
Hiernach frage ich nun: Da sich die Irrgläubigen durch ihren Namen von den Rechtgläubigen abgesondert haben, kann nun ein Rechtgläubiger, ohne zu verleugnen, ihren Namen tragen und sich zu ihnen bekennen? Nimmermehr. Der Rechtgläubige hat vielmehr die Pflicht, sich durch seinen Namen von den Irrgläubigen zu unterscheiden; wie z. B. der h. Cyprianus schreibt: „Simus ab eis tam separati, quam sunt illi ab ecclesia profugi,“ d. i. „wir müssen so von ihnen abgesondert sein, wie sie von der Kirche flüchtig geworden sind.“ (Ep. I, 3. ad Cornel.) Denn das glaube niemand, daß der, welcher die Irrthümer seiner Kirche erkannt hat, sich aber von ihnen nicht lossagen und aus zeitlichen Rücksichten in der Gemeinschaft der falschen Kirche bleiben will, ein wahrer Christ sein, den rechten Glauben haben und selig werden könne. Dieß gilt allein von solchen, die das Geheimniß der Bosheit und die Tiefen des Satans (2 Thessal. 2, 7. Offenb. 2, 24.) nicht erkennen, in der Einfalt ihres Herzens wandeln, den Aufrührern im Reiche Gottes aus Schwachheit der Erkenntniß wohl äußerlich folgen, aber um die böse Sache nichts wissen und im Herzen den wahren Glauben an Christum durch Gottes Gnade sich bewahren; wie wir hiervon ein schönes Bild finden: 2 Sam. 15, 11. Wer aber muthwillig irrt oder wider sein Gewissen in falschgläubiger Gemeinschaft verharren will, der kann sich damit keineswegs trösten, daß er doch zu jener, Gott allein bekannten Gemeinschaft der Heiligen gehöre, die auf dem ganzen Erdboden ausgebreitet sei. Wer sagen wollte: „Du hast es ja selbst zugestanden, daß man auch in einer Secte selig werden könne; so will ich auch darin bleiben, obgleich ich sehe, daß man Mißbräuche und Irrthümer darin festhält,“ der würde sich damit nur selbst betrügen. Gottes Wort sagt deutlich: „Gehet aus von ihnen und sondert euch ab.“ (Man lese die ganze Stelle: 2 Cor. 6, 14—18.) Ferner: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schaafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“ (Matth. 5, 15.) „Meine Schaafe hören meine Stimme;—einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm.“ (Joh. 10, 5. 27.) — Wohl ist es wahr, daß manche, welche unversehens Gift nähmen, durch ein kräftiges Gegengift noch errettet wurden; aber hat der Errettung zu hoffen, der den Giftbecher willig in vollen Zügen leert? So werden auch viele Einfältige durch Gottes Bewahrung im Glauben erhalten, obgleich ihre Prediger das Gift der falschen Lehre dem Evangelio beimischen; aber wie kann sich derjenige dieser göttlichen Bewahrung getrösten, welcher mit Wissen und Willen solche vergiftete geistige Nahrung sucht? Wer Beruf hat, in ein Pesthaus zu gehen, der steht darin unter Gottes sicherem Schutz; was hat aber der zu erwarten, der sich aus Vorwitz und Muthwillen darin aufhalten und der Ansteckung aussetzen will? Thut aber derjenige im geistlichen etwas anderes, der nach Erkenntniß der Wahrheit in einer falschen Kirche bleiben will? — Die wahre rechtgläubige Kirche ist das Schiff Christi, in welchem Christus das Ruder lenkt, sein reines untrügliches Wort zum Compaß dient und seine Gläubigen sicher über das brausende Meer dieser versuchungsvollen Welt nach dem Hafen der seligen Ewigkeit steuern; wohl retten sich viele auch auf Schiffstrümmern, die auch die falschen Kirchen noch haben, aber wird der wohl den himmlischen Port durch Christi Gnade erreichen, der muthwillig und hartnäckig es vorzieht, auf einem Balken sich zu retten, als in dem Schiffe Aufnahme zu suchen, aus welchem tausend hülfreiche Hände sich nach ihm ausstrecken? — Lassen sich diese Vergleiche auch nicht in jeder Beziehung durchführen, so meinen wir doch, daß sie denen ein gar herrliches Licht geben können, die (wenn sie hören, daß viele auch unter den Secten selig werden) auf die Gedanken gerathen, daß es gleich sei, ob man zur rechtgläubigen oder zu einer irrigen Kirche sich halte, oder die doch in der Wahl einer kirchlichen Gemeinschaft zögernd am Scheidewege stehen.
Aber, — werden viele endlich fragen — warum muß es denn gerade der Name „Lutheraner“ sein? Wir antworten:
Wohl wissen wir, daß es der Name nicht ausmacht, denn es gibt Unzählige, welche sich jetzt noch immer Lutheraner nennen, die doch die Lehre längst aufgegeben haben, die unsere Kirche in ihren Symbolen, insonderheit in der ungeänderten Augsburgischen Confession und in dem kleinen Katechismus Lutheri, niedergelegt hat. Solche falsche Lutheraner sind aber, eben weil unsere Kirche diese öffentlichen Bekenntnisse in die Welt hat ausgehen lassen, von den wahren Lutheranern leicht zu unterscheiden.
Da wir nun erkannt haben, daß es Luther war, und kein anderer, durch welchen Gott in dieser letzten Zeit die reine lautere Lehre des Wortes Gottes sammt dem rechten Gebrauche der h. Sacramente wieder an den Tag und auf die Bahn gebracht hat; und da ferner die Ge-
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indeed perhaps quite reasonable to many, but the question is precisely this: whether a person can be a good person, no matter what he believes. This we deny. By that same admission, however, we further do not mean to concede that there are many true churches. We believe, rather, that there is only One way to heaven, only One truth, only One correct interpretation of Holy Scripture, and therefore only One true, orthodox Church, and thus also only One institution for salvation; for it is only the Word and only the Sacraments possessed by this Church — this keeper of God's keys — through which a person is brought to salvation. By that admission we finally do not mean to say this either: that a person can be saved through the doctrines in which certain parties deviate from the faith of the true Church of Christ or from God's Word. No — we know that every error, once it takes hold powerfully in a person, is a deadly poison to the soul. Our actual meaning is this: many souls are indeed saved even in erroneously-believing communions — not through what makes these communions into particular sects, and not because they are members of them, but because many, while outwardly counting themselves among them, are in their hearts (perhaps without knowing it) devoted to a wholly different teaching — namely, the teaching of the true Church, which, as the mother (Gal. 4:26–27), bears children to Christ alone.
Does it follow from this, then, that the falsely-believing churches are just as much institutions of God for salvation as the orthodox one? By no means. If many are saved in them as well, this happens because they have retained from the true Church the Bible, the Holy Sacraments, and the confession of many precious truths of the Gospel; but the erroneously-believing communions do not bear their particular names because of what they have retained from the doctrine of the true Church, but because of what they have taken away from it and added to it.
It is certain that, since Christendom does not now consist of a single Church confessing the same faith everywhere, and since the many different churches that exist contradict one another in their confessions: either there is no true Church at all on earth that has the unadulterated doctrine of Christ (which, according to Christ's promises, is impossible), or, of all the churches in the world, only One can rightly bear the name of the true Church. We hold this to be the Evangelical Lutheran Church, because it confesses the doctrines of the Word of God purely and clearly, neither takes anything away from it nor adds anything to it, and teaches the use of the Holy Sacraments, without addition or mutilation, according to Christ's institution. Whereas, on the other hand, all other Christian parties depart from Christ's clear Word, since errors have given them their particular existence, separated from the orthodox Church, and since their errors are thus the bond of their union, their name likewise does not designate
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the truths that they still have, but rather the errors peculiar to them, by which they distinguish themselves from the true Church and renounce it. A Methodist, for example, does not bear this particular name of his because he believes in the divinity of Christ, for the orthodox Lutheran Church confesses this belief as well; rather, the Methodist is so called because, among other things, he does not believe that what Christ has done for us is credited to us through faith, but only what he suffered for us; and because the Methodist contends for this and other great errors — which lead away from Christ toward human works — as though for precious divine truths. Further, one who is now called "Evangelical" does not bear this particular name because he confesses the Gospel with his mouth, for the orthodox Lutheran does this too; rather, the Evangelical is so called because he holds the false principle that, for the sake of love, human peace, and temporal unity, one may place no weight on certain truths, but must instead sacrifice them for that reason.
To this I now ask: since the erroneously-believing have separated themselves from the orthodox by their own name, can an orthodox believer, without denying [the faith], bear their name and profess himself one of them? Never. The orthodox believer, rather, has the duty to distinguish himself from the erroneously-believing by his name; as, for example, St. Cyprian writes: "Simus ab eis tam separati, quam sunt illi ab ecclesia profugi," that is, "we must be as separated from them as they have become fugitives from the Church." (Ep. I, 3, ad Cornel.) For let no one believe that he who has recognized the errors of his church, yet will not renounce them, and who, out of temporal considerations, wishes to remain in the fellowship of the false church, can be a true Christian, hold the right faith, and be saved. This holds true only of those who do not recognize the mystery of iniquity and the depths of Satan (2 Thess.