# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 10 13_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 14 freilich vielleicht vielen recht vernünftig, aber das fragt sich eben, ob man ein guter Mensch sein könne, man möge glauben, was man wolle. Das läugnen wir. Mit jenem Zugeständnisse wollen wir aber auch ferner nicht einräumen, daß es viele wahre Kirchen gibt. Wir glauben vielmehr, es gibt nur Einen Weg zum Himmel, nur Eine Wahrheit, nur Eine rechte Auslegung der h. Schrift, und darum nur Eine wahre rechtgläubige Kirche, also auch nur Eine Anstalt zum Seligwerden, denn nur das Wort und nur die Sacramente, welche diese Kirche, diese Schlüsselträgerin Gottes, hat, sind es, wodurch ein Mensch zur Seligkeit gebracht wird. Mit jenem Zugeständnisse wollen wir endlich auch dieses nicht sagen, daß ein Mensch durch die Lehren, in welchen gewisse Partheien von dem Glauben der wahren Kirche Christi oder von Gottes Wort abweichen, selig werden können. Nein, wir wissen, jeder Irrthum ist, wenn er in einem Menschen kräftig wird, ein tödtendes Seelengift. Unsere eigentliche Meinung ist diese: Es werden viele Seelen auch in irrgläubigen Gemeinschaften selig, nicht durch das, was diese zu besonderen Secten macht, und nicht weil sie Glieder derselben sind, sondern weil viele sich zwar äußerlich dazu zählen, aber im Herzen (vielleicht ohne es zu wissen) einer ganz andern Lehre hold sind, nehmlich der Lehre der wahren Kirche, welche, als die Mutter (Gal. 4, 26. 27.), Christo allein Kinder gebiert. Folgt nun hieraus, daß die falschgläubigen Kirchen ebensowohl Anstalten Gottes zur Seligkeit seien, wie die rechtgläubige? Mit nichten. Werden darin viele auch selig, so geschieht es darum, weil sie noch die Bibel, die h. Sacramente und das Bekenntniß vieler theuren Wahrheiten des Evangeliums aus der wahren Kirche behalten haben; ihren besondern Namen haben aber die irrgläubigen Gemeinschaften nicht darum, weil sie das und jenes von der Lehre der wahren Kirche behalten, sondern weil sie das und jenes davon und dazu gethan haben. Es ist doch gewiß, da die Christenheit jetzt nicht aus einer einzigen Kirche besteht, die allenthalben denselben Glauben bekennt; und da die vielen verschiedenen Kirchen, die es gibt, in ihren Bekenntnissen einander widersprechen: so gibt es entweder gar keine wahre Kirche auf Erden, die die unverfälschte Lehre Christi hat (was nach Christi Verheißungen unmöglich ist), oder von allen Kirchen in der Welt kann es nur Eine sein, die mit Recht den Namen der wahren trägt. Dafür halten wir aber die evangelisch-lutherische, weil sie die Lehren des Wortes Gottes rein und lauter bekennt, von demselben weder etwas abthut, noch zu demselben etwas hinzuthut, und den Gebrauch der h. Sacramente ohne Zusatz und Verstümmelung nach Christi Einsetzung lehrt. Da aber hingegen alle andern christlichen Partheien von Christi klarem Worte abgehen, da ihnen Irrthümer ihr besonderes, von der rechtgläubigen Kirche abgeschlossenes Bestehen gegeben haben, da also ihre Irrthümer das Band ihrer Vereinigung sind, so bezeichnet auch ihr Name nicht die Wahrheiten, die sie noch haben, sondern die ihnen eigenthümlichen Irrthümer, durch welche sie sich von der wahren Kirche unterscheiden und lossagen. Ein Methodist trägt z. B. nicht darum diesen seinen besondern Namen, weil er an die Gottheit Christi glaubt, denn diesen Glauben bekennt die rechtgläubige lutherische Kirche auch; sondern der Methodist heißt darum so, weil er unter anderen nicht glaubt, daß uns das durch den Glauben zugerechnet werde, was Christus für uns gethan, sondern allein was er für uns gelitten hat; und weil der Methodist für diesen und für andere große Irrthümer, die von Christo ab auf Menschenthun führen, kämpft als für theuere göttliche Wahrheiten. Ferner trägt jetzt ein Evangelischer nicht darum diesen besonderen Namen, weil er das Evangelium mit dem Munde bekennt, denn das thut der rechtgläubige Lutheraner auch; sondern der Evangelische heißt darum so, weil er den falschen Grundsatz hat, daß man um der Liebe, um des menschlichen Friedens und zeitlicher Einigkeit willen auf gewisse Wahrheiten kein Gewicht legen dürfe, sondern sie dafür opfern müsse. Hiernach frage ich nun: Da sich die Irrgläubigen durch ihren Namen von den Rechtgläubigen abgesondert haben, kann nun ein Rechtgläubiger, ohne zu verleugnen, ihren Namen tragen und sich zu ihnen bekennen? Nimmermehr. Der Rechtgläubige hat vielmehr die Pflicht, sich durch seinen Namen von den Irrgläubigen zu unterscheiden; wie z. B. der h. Cyprianus schreibt: „Simus ab eis tam separati, quam sunt illi ab ecclesia profugi,“ d. i. „wir müssen so von ihnen abgesondert sein, wie sie von der Kirche flüchtig geworden sind.“ (Ep. I, 3. ad Cornel.) Denn das glaube niemand, daß der, welcher die Irrthümer seiner Kirche erkannt hat, sich aber von ihnen nicht lossagen und aus zeitlichen Rücksichten in der Gemeinschaft der falschen Kirche bleiben will, ein wahrer Christ sein, den rechten Glauben haben und selig werden könne. Dieß gilt allein von solchen, die das Geheimniß der Bosheit und die Tiefen des Satans (2 Thessal. 2, 7. Offenb. 2, 24.) nicht erkennen, in der Einfalt ihres Herzens wandeln, den Aufrührern im Reiche Gottes aus Schwachheit der Erkenntniß wohl äußerlich folgen, aber um die böse Sache nichts wissen und im Herzen den wahren Glauben an Christum durch Gottes Gnade sich bewahren; wie wir hiervon ein schönes Bild finden: 2 Sam. 15, 11. Wer aber muthwillig irrt oder wider sein Gewissen in falschgläubiger Gemeinschaft verharren will, der kann sich damit keineswegs trösten, daß er doch zu jener, Gott allein bekannten Gemeinschaft der Heiligen gehöre, die auf dem ganzen Erdboden ausgebreitet sei. Wer sagen wollte: „Du hast es ja selbst zugestanden, daß man auch in einer Secte selig werden könne; so will ich auch darin bleiben, obgleich ich sehe, daß man Mißbräuche und Irrthümer darin festhält,“ der würde sich damit nur selbst betrügen. Gottes Wort sagt deutlich: „Gehet aus von ihnen und sondert euch ab.“ (Man lese die ganze Stelle: 2 Cor. 6, 14—18.) Ferner: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schaafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“ (Matth. 5, 15.) „Meine Schaafe hören meine Stimme;—einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm.“ (Joh. 10, 5. 27.) — Wohl ist es wahr, daß manche, welche unversehens Gift nähmen, durch ein kräftiges Gegengift noch errettet wurden; aber hat der Errettung zu hoffen, der den Giftbecher willig in vollen Zügen leert? So werden auch viele Einfältige durch Gottes Bewahrung im Glauben erhalten, obgleich ihre Prediger das Gift der falschen Lehre dem Evangelio beimischen; aber wie kann sich derjenige dieser göttlichen Bewahrung getrösten, welcher mit Wissen und Willen solche vergiftete geistige Nahrung sucht? Wer Beruf hat, in ein Pesthaus zu gehen, der steht darin unter Gottes sicherem Schutz; was hat aber der zu erwarten, der sich aus Vorwitz und Muthwillen darin aufhalten und der Ansteckung aussetzen will? Thut aber derjenige im geistlichen etwas anderes, der nach Erkenntniß der Wahrheit in einer falschen Kirche bleiben will? — Die wahre rechtgläubige Kirche ist das Schiff Christi, in welchem Christus das Ruder lenkt, sein reines untrügliches Wort zum Compaß dient und seine Gläubigen sicher über das brausende Meer dieser versuchungsvollen Welt nach dem Hafen der seligen Ewigkeit steuern; wohl retten sich viele auch auf Schiffstrümmern, die auch die falschen Kirchen noch haben, aber wird der wohl den himmlischen Port durch Christi Gnade erreichen, der muthwillig und hartnäckig es vorzieht, auf einem Balken sich zu retten, als in dem Schiffe Aufnahme zu suchen, aus welchem tausend hülfreiche Hände sich nach ihm ausstrecken? — Lassen sich diese Vergleiche auch nicht in jeder Beziehung durchführen, so meinen wir doch, daß sie denen ein gar herrliches Licht geben können, die (wenn sie hören, daß viele auch unter den Secten selig werden) auf die Gedanken gerathen, daß es gleich sei, ob man zur rechtgläubigen oder zu einer irrigen Kirche sich halte, oder die doch in der Wahl einer kirchlichen Gemeinschaft zögernd am Scheidewege stehen. Aber, — werden viele endlich fragen — warum muß es denn gerade der Name „Lutheraner“ sein? Wir antworten: Wohl wissen wir, daß es der Name nicht ausmacht, denn es gibt Unzählige, welche sich jetzt noch immer Lutheraner nennen, die doch die Lehre längst aufgegeben haben, die unsere Kirche in ihren Symbolen, insonderheit in der ungeänderten Augsburgischen Confession und in dem kleinen Katechismus Lutheri, niedergelegt hat. Solche falsche Lutheraner sind aber, eben weil unsere Kirche diese öffentlichen Bekenntnisse in die Welt hat ausgehen lassen, von den wahren Lutheranern leicht zu unterscheiden. Da wir nun erkannt haben, daß es Luther war, und kein anderer, durch welchen Gott in dieser letzten Zeit die reine lautere Lehre des Wortes Gottes sammt dem rechten Gebrauche der h. Sacramente wieder an den Tag und auf die Bahn gebracht hat; und da ferner die Ge-