Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 25 › Seite 98

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-08-03, Seite 98

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Miſſion 29

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Zeit von 20 Jahren zwei churfürstliche Leichenbegängnisse daselbst gehalten worden waren.

Nachdem der Zug in der Schloßkirche angelangt war, wurde die sterbliche Hülle Luthers zur Rechten der Kanzel gestellt, welche nach Beendigung der Trauerlieder Dr. Bugenhagen, Pomeranus genannt, bestieg und eine tröstliche Predigt vor mehreren tausend Zuhörern und zwar über 1 Thess. 4, 13-14. hielt. Gleich zu Anfange sagte er: „Was und wie soll ich reden, so ich vor Weinen nicht wohl kann ein Wort machen? Und wer soll euch trösten, so ich, euer Pfarrher und Prediger, nicht reden kann? Wohin kann ich mich von euch wenden? Ich werde ohne Zweifel mit meiner Rede mehr Heulens und Trauerns machen.“ Nachdem er nun kurz und trefflich geschildert, was für ein hoher Lehrer und von Gott gesandter Reformator der Kirche Luther gewesen sei, dessen die Welt nicht werth war, so sagt er, daß man demnach alle Ursache habe, den Verlust eines solchen Mannes mit so vielen Tausenden in der Christenheit zu betrauern; denn Luther sei ohne Zweifel der Engel, Offenb. Joh. 14, 6 — 8., der mit dem ewigen Evangelio durch den Himmel fliege, indem er die drei wichtigsten Stücke, nämlich die rechte Buße („fürchtet Gott“), das rechte Evangelium („gebet ihm die Ehre“) und die rechte Anrufung Gottes („betet an den ꝛc.“) wieder an's Licht gebracht habe. Allein mitten in der Betrübniß über Luther's Tod sollten wir auch Gott danken, daß er Hussens Weissagung von dem zukünftigen Schwane so herrlich an ihm erfüllt habe. Den Wunsch, einst sanft und ohne lange Todesschmerzen zu sterben, habe er namentlich auch bei dem sanften Tode seines Schwagers, des M. Ambrosius in Wittenberg, geäußert (er starb drei Jahre vor Luther und war wahrscheinlich der Gatte der in Luthers Briefen mehr erwähnten Muhm-Lehne), wobei diese sehr liebliche Erzählung dieses seligen Freundes eingeschaltet wird, auch nur um dadurch das allgemeine Weinen der Zuhörer um etwas zu hemmen. Hierauf geschieht des Todes Luthers Erwähnung, was er dabei gebetet und mit welchen Sprüchen er sich getröstet habe. Er schließt mit dem Wunsche, daß der Geist dieses Elias zweifach auf den Nachkommen ruhen möge, und mit einer Ermahnung zu ernstlicher Besserung des Lebens, zum Beharren bei der seligen reinen Lehre vom Glauben und endlich zum Gebet um Christi Schutz wider alle Rotten und Tyrannen, so wie gegen alle Pforten der Hölle, namentlich auch gegen das Pabsthum. (Leider sind die Meisten, ja Bugenhagen selbst, dieser Ermahnung nicht immer eingedenk gewesen; wie denn Luther vorausgesagt, daß keiner der Wittenb. Professoren werde beständig bleiben, und so ists auch geschehen!)

Nach dieser Predigt hielt Melanchthon noch eine lateinische Rede, welche Creutziger, doch mit einigen Veränderungen, ins Deutsche übersetzt hat und welche, so wie erwähnte Predigt den meisten Ausgaben der Werke Luthers beigefügt ist. Er lehrt darin, wie wir als Christen die Art und Weise erkennen sollen, wie Gott seine Kirche regiere, ihr rechtschaffene Lehrer gebe, unter denen wir die vornehmsten als unsere Väter, Häupter und Vorgänger ansehen, ihnen nachfolgen und sie gebührend ehren sollen. Ein solcher hoher Lehrer sei der Luther gewesen, von dessen Amt er vor allen andern reden wolle. Er habe die wahrhaft reine Lehre, die zuvor in vielen der wichtigsten Artikel verdunkelt gewesen, wieder an den Tag gebracht und mit Fleiß erklärt, als die Lehre von der Buße, vom Glauben, vom Unterschied des Gesetzes und Evangelii, vom Gebet, von guten Werken, von christlichen Ständen, von Ceremonien ꝛc.; um diese Lehre auch auf die Nachkommen fortzupflanzen, habe er die Bibel ins Deutsche übersetzt und viele schöne Auslegungen darüber gegeben, denen der gelehrte Erasmus vor allen andern den Vorzug gebe; er habe aber auch nach Nehem. 4, 17. bei solchem Bauen das Schwert geführt und die Lehre wider allerlei Feinde vertheidigt.

Auf den Vorwurf, als ob Luthers Schreibart etwas zu hart und rauh gewesen wäre, antwortet Melanchthon mit den Worten des Erasmus: „Gott habe der Welt zu dieser letzten Zeit, darin große und schwere Seuchen und Gebrechen überhand genommen, auch einen harten, scharfen Arzt gegeben.“ Er sagt ferner: Jeder müsse ihm das Zeugniß geben, daß er ein sehr gütiger Mann gewesen und unter den Leuten in allen seinen Reden holdselig, freundlich und lieblich und gar nicht frech, stürmisch und eigensinnig, oder zänkisch gewesen sei, und doch wäre dabei ein Ernst und Tapferkeit in seinen Worten und Geberden gewesen, als in einem solchen Mann sein sollte. (Dieß sagte Melanchthon als ein 28jähriger Freund Luthers, der fast täglich mit ihm Umgang gehabt hat.) Er bezeugt, es würde zu viel Zeit erfordern, von seinen vielen Tugenden mit gebührendem Lob zu reden, ob davon gleich eine herrliche Rede gehalten werden könnte, daher wolle er nur noch einige erwähnen, z. B. seinen außerordentlichen Eifer im Gebet, seinen unerschrockenen Muth in so vielen Gefahren, seinen hohen, scharfen Verstand in den schwierigsten Fällen zu rathen, seine allseitige Aufmerksamkeit auf alle Begebenheiten in der Welt und in der Kirche, seinen unermüdeten Fleiß im Studiren, seine große Gewandtheit, das Gelernte gehörig anzuwenden, so wie ausgezeichnete Beredsamkeit ꝛc. Darum sollte man mit Recht über seinen Abschied trauern, aber auch Gott für die hohen Gaben danken, die er uns durch ihn geschenkt habe, und uns mit ihm freuen seiner unaussprechlichen Freude im Himmel, wie er selbst davon über Joh. 1, 51. (ihr werdet von nun an den Himmel offen sehen ꝛc.) gepredigt habe. Nach einem kurzen, aber nachdrucksvollen Gebete erinnert Melanchthon die Zuhörer an die Strafen, welche Gott oft nach dem Tode treuer Lehrer auf die Undankbaren kommen lasse, daher sollten alle ihr Leben, Sitten und Studien christlich regieren, und dann gewiß sein, so lange wir die Lehre des Evangelii rein und treu bewahrten, so lange würden wir Gottes Wohnung und Kirche sein, wie Gottes Sohn Joh. 14, 23. gesagt: Wer mich liebet ꝛc.

Nachdem Melanchthon seine Rede geendiget hatte, trugen mehrere dazu bestimmte Lehrer der Universität die Leiche vor die Kanzel und senkten sie in die offene ausgemauerte Gruft und so wurde Luther, der, wie einst der Hohepriester Jojada (2 Chron. 25, 16.), wohl gethan hatte an dem Israel Gottes, an Gott und seinem Hause, auch wie dieser unter die Fürsten begraben. Und so (dies sind die Schlußworte jener drei Verfasser des Berichts) „ist das theure Werkzeug des heiligen Geistes, der Leib des Ehrwürdigen Dr. Martin Luther allda im Schloß zu Wittenberg, nicht fern vom Predigerstuhl, (da er am Leben manche gewaltige christliche Predigten vor den Chur- und Fürsten zu Sachsen und der ganzen Kirche gethan), in die Erde gelegt, und, wie Paulus 1 Cor. 15, 43. spricht: Gesäet in Schwachheit, daß er aufgehe an jenem Tage in Herrlichkeit.“

Zu einem solchen christlichen Abschied aus diesem elenden Leben, und zu derselbigen ewigen Seligkeit helfe uns allen der ewige himmlische Vater, so gemeldten Dr. Martinum zu dem großen Werk berufen hat, und unser HErr JEsus Christus, welchen er treulich gepredigt und bekannt, und der heilige Geist, der ihm wider Pabst und alle Pforten der Hölle solche sonderliche Freudigkeit, großen Muth und Herz durch seine göttliche Kraft in vielen hohen Kämpfen gegeben hat!

(Eingesandt.)

Die Synode Michigan und ihre Heidenmission.

Im Süden von Michigan befinden sich mehrere deutsche Ansiedlungen, größtentheils von ursprünglich lutherischen Einwandrern gegründet. Dieselben sind anfänglich von dem Ehrw. Pastor Schmidt in Ann-Arbor mit Wort und Sacrament bedient worden, der späterhin einige junge Männer zum Dienst der Kirche bildete und mit ihnen in eine, von ihnen sogenannte Missionssynode zusammentrat. Ihr vorzügliches Augenmerk war auf Mission unter den Indianern Michigans gerichtet, ihr Name der einer deutsch-lutherischen Synode von Michigan. Durch Berufung an die lutherische Gemeinde von Monroe, die früher von Herrn Pastor Schmidt in Ann-Arbor mit bedient worden war, kam Hattstädt, ein Zögling des luth. Pastors Löhe aus Franken in Baiern, zur gliedlichen Theilnahme an besagter Synode, in welcher er Verpflichtung auf sämmtliche symbolische Bücher unserer lutherischen Kirche des reinen Bekenntnisses, und wenn gleich Unkenntniß des luth. Wesens, doch anscheinend guten Willen vorfand. Dies veranlaßte ihn, die luth. Freunde der alten Heimath auf benannte Synode und auf deren beginnende Thätigkeit unter den Heiden Michigans aufmerksam zu machen. Der Erfolg war, daß man von Franken aus Correspondenz anknüpfte und sich auf die bestimmte Erklärung hin, die Mission nur vom kirchlich luth. Standpuncte aus betreiben und alle Missionare auf sämmtliche Symbole unserer Kirche verpflichten zu wollen, zu einer gemeinsamen Thätigkeit in der Weise

English translation AI translation

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space of twenty years two electoral funerals had been held there.

After the procession had arrived at the Castle Church, Luther's mortal remains were placed to the right of the pulpit, which, after the mourning hymns had ended, Dr. Bugenhagen — called Pomeranus — ascended, and delivered a comforting sermon before several thousand hearers, on 1 Thessalonians 4:13–14. Right at the outset he said: "What and how shall I speak, when for weeping I can hardly form a word? And who shall comfort you, if I, your pastor and preacher, cannot speak? Where can I turn from you? Without doubt my speech will produce more wailing and mourning than comfort." Having then briefly and admirably described what a great teacher and God-sent reformer of the church Luther had been, of whom the world was not worthy, he said that we therefore had every reason to mourn the loss of such a man together with so many thousands in Christendom; for Luther was without doubt the angel of Revelation 14:6–8, who flies through heaven with the eternal gospel, in that he had brought back to light the three most essential things, namely, true repentance ("fear God"), the true gospel ("give him the glory"), and the true invocation of God ("worship him, etc."). Yet in the midst of our grief over Luther's death we should also thank God for having so gloriously fulfilled in him Hus's prophecy of the coming swan. The wish to die gently one day, without long death agonies, he had expressed particularly at the gentle death of his brother-in-law, M. Ambrosius of Wittenberg (who died three years before Luther, and was probably the husband of the aunt, Lehne, mentioned more often in Luther's letters) — at which point this very charming account of this blessed friend is inserted, if only thereby to check the general weeping of the hearers somewhat. Thereupon follows mention of Luther's own death, what he prayed at that time, and with which sayings he comforted himself. He closes with the wish that the spirit of this Elijah might rest doubly upon his successors, and with an exhortation to a serious amendment of life, to perseverance in the blessed, pure doctrine of faith, and finally to prayer for Christ's protection against all factions and tyrants, as well as against all the gates of hell, particularly also against the papacy. (Unfortunately most — indeed Bugenhagen himself — have not always been mindful of this exhortation; for just as Luther had foretold, that none of the Wittenberg professors would remain steadfast, so indeed it has come to pass!)

After this sermon, Melanchthon also delivered a Latin oration, which Cruciger — though with some changes — translated into German, and which, like the sermon mentioned above, is appended to most editions of Luther's works. In it he teaches how we as Christians ought to recognize the manner in which God rules his church and gives it upright teachers, among whom we should regard the foremost as our fathers, heads, and forerunners, follow them, and honor them fittingly.

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Such a great teacher had Luther been, of whose office he wished to speak before all else. He had brought back to light the truly pure doctrine, which before had been obscured in many of the most important articles, and had explained it with diligence — such as the doctrine of repentance, of faith, of the distinction between Law and Gospel, of prayer, of good works, of the Christian estates, of ceremonies, etc.; and in order to propagate this doctrine also to posterity, he had translated the Bible into German and given many excellent expositions of it, to which the learned Erasmus gave preference above all others; but he had also, according to Nehemiah 4:17, wielded the sword while so building, and had defended the doctrine against enemies of every kind.

To the reproach that Luther's writing style had been somewhat too harsh and rough, Melanchthon replies with the words of Erasmus: "God, in this last age, in which great and grievous plagues and afflictions have gained the upper hand, has also given the world a hard, sharp physician." He says further: everyone must bear him witness that he was a very kind man, and among people, in all his speech, gracious, friendly, and amiable, and not at all impudent, blustering, self-willed, or quarrelsome, and yet there was withal an earnestness and courage in his words and bearing such as ought to be found in such a man. (This Melanchthon said as a friend of 28 years' standing, who had associated with Luther almost daily.) He testifies that it would take too much time to speak with due praise of his many virtues, although a splendid oration could indeed be given on them; he therefore wished to mention only a few — for example, his extraordinary zeal in prayer, his fearless courage amid so many dangers, his high and keen understanding in giving counsel in the most difficult cases, his attentiveness to all events in the world and in the church, his untiring diligence in study, his great skill in properly applying what he had learned, as well as his outstanding eloquence, etc. Therefore one ought rightly to mourn his departure, but also to thank God for the high gifts he has given us through him, and to rejoice with him in his ineffable joy in heaven, as he himself had preached concerning this on John 1:51 ("you shall henceforth see heaven opened, etc."). After a short but forceful prayer, Melanchthon reminds the hearers of the punishments which God often brings upon the ungrateful after the death of faithful teachers; therefore all should order their lives, morals, and studies in a Christian manner, and then be assured that as long as we keep the doctrine of the Gospel pure and faithful, so long shall we be God's dwelling and church, as God's Son said in John 14:23: "He who loves me, etc."

After Melanchthon had ended his oration, several teachers of the University appointed for the purpose carried the body before the pulpit and lowered it into the open, walled vault, and so Luther — who, like the high priest Jehoiada of old (2 Chronicles 25:16), had done good to the Israel of God, to God and his house — was likewise, as Jehoiada had been, buried among princes. And so (these are the closing words of the three authors of the report) "the precious instrument of the Holy Spirit, the body of the venerable Dr. Martin Luther, was laid in the earth there in the castle at Wittenberg, not far from the pulpit (where in his lifetime he had delivered many mighty Christian sermons before the electors and princes of Saxony and before the whole church), and, as Paul says in 1 Corinthians 15:43: sown in weakness, that it may rise on that day in glory."

To such a Christian departure from this wretched life, and to that same eternal blessedness, may the eternal heavenly Father help us all — he who called the aforementioned Dr. Martin to his great work — and our Lord Jesus Christ, whom he faithfully preached and confessed, and the Holy Spirit, who through his divine power gave him, against the Pope and all the gates of hell, such singular joyfulness, great courage, and heart in many lofty struggles!

(Submitted.)
The Synod of Michigan and Its Heathen Mission.

In the south of Michigan there are several German settlements, founded for the most part by immigrants who were originally Lutheran. These were at first served with Word and Sacrament by the Reverend Pastor Schmidt of Ann Arbor, who later trained several young men for the ministry of the church and together with them formed what they called a mission synod. Its principal concern was directed toward mission work among the Indians of Michigan, and its name was that of a German Lutheran Synod of Michigan. Through a call to the Lutheran congregation of Monroe, which had previously also been served in part by Pastor Schmidt of Ann Arbor, Hattstädt — a student of the Lutheran Pastor Löhe of Franconia in Bavaria — came to be a full participating member of the said synod, in which he found an obligation to all the symbolical books of our Lutheran church of the pure confession, and — although there was ignorance of the Lutheran character of things — apparently good will nonetheless. This prompted him to draw the attention of the Lutheran friends of the old homeland to the said synod and to its beginning activity among the heathen of Michigan. The result was that correspondence was opened from Franconia, and that, upon the definite assurance that the mission would be conducted solely from a churchly Lutheran standpoint, and that all missionaries would be bound to all the symbols of our church, it was united into a joint activity, in such a manner