# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 08 03_S98 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zeit von 20 Jahren zwei churfürstliche Leichenbegängnisse daselbst gehalten worden waren. Nachdem der Zug in der Schloßkirche angelangt war, wurde die sterbliche Hülle Luthers zur Rechten der Kanzel gestellt, welche nach Beendigung der Trauerlieder Dr. Bugenhagen, Pomeranus genannt, bestieg und eine tröstliche Predigt vor mehreren tausend Zuhörern und zwar über 1 Thess. 4, 13-14. hielt. Gleich zu Anfange sagte er: „Was und wie soll ich reden, so ich vor Weinen nicht wohl kann ein Wort machen? Und wer soll euch trösten, so ich, euer Pfarrher und Prediger, nicht reden kann? Wohin kann ich mich von euch wenden? Ich werde ohne Zweifel mit meiner Rede mehr Heulens und Trauerns machen.“ Nachdem er nun kurz und trefflich geschildert, was für ein hoher Lehrer und von Gott gesandter Reformator der Kirche Luther gewesen sei, dessen die Welt nicht werth war, so sagt er, daß man demnach alle Ursache habe, den Verlust eines solchen Mannes mit so vielen Tausenden in der Christenheit zu betrauern; denn Luther sei ohne Zweifel der Engel, Offenb. Joh. 14, 6 — 8., der mit dem ewigen Evangelio durch den Himmel fliege, indem er die drei wichtigsten Stücke, nämlich die rechte Buße („fürchtet Gott“), das rechte Evangelium („gebet ihm die Ehre“) und die rechte Anrufung Gottes („betet an den ꝛc.“) wieder an's Licht gebracht habe. Allein mitten in der Betrübniß über Luther's Tod sollten wir auch Gott danken, daß er Hussens Weissagung von dem zukünftigen Schwane so herrlich an ihm erfüllt habe. Den Wunsch, einst sanft und ohne lange Todesschmerzen zu sterben, habe er namentlich auch bei dem sanften Tode seines Schwagers, des M. Ambrosius in Wittenberg, geäußert (er starb drei Jahre vor Luther und war wahrscheinlich der Gatte der in Luthers Briefen mehr erwähnten Muhm-Lehne), wobei diese sehr liebliche Erzählung dieses seligen Freundes eingeschaltet wird, auch nur um dadurch das allgemeine Weinen der Zuhörer um etwas zu hemmen. Hierauf geschieht des Todes Luthers Erwähnung, was er dabei gebetet und mit welchen Sprüchen er sich getröstet habe. Er schließt mit dem Wunsche, daß der Geist dieses Elias zweifach auf den Nachkommen ruhen möge, und mit einer Ermahnung zu ernstlicher Besserung des Lebens, zum Beharren bei der seligen reinen Lehre vom Glauben und endlich zum Gebet um Christi Schutz wider alle Rotten und Tyrannen, so wie gegen alle Pforten der Hölle, namentlich auch gegen das Pabsthum. (Leider sind die Meisten, ja Bugenhagen selbst, dieser Ermahnung nicht immer eingedenk gewesen; wie denn Luther vorausgesagt, daß keiner der Wittenb. Professoren werde beständig bleiben, und so ists auch geschehen!) Nach dieser Predigt hielt Melanchthon noch eine lateinische Rede, welche Creutziger, doch mit einigen Veränderungen, ins Deutsche übersetzt hat und welche, so wie erwähnte Predigt den meisten Ausgaben der Werke Luthers beigefügt ist. Er lehrt darin, wie wir als Christen die Art und Weise erkennen sollen, wie Gott seine Kirche regiere, ihr rechtschaffene Lehrer gebe, unter denen wir die vornehmsten als unsere Väter, Häupter und Vorgänger ansehen, ihnen nachfolgen und sie gebührend ehren sollen. Ein solcher hoher Lehrer sei der Luther gewesen, von dessen Amt er vor allen andern reden wolle. Er habe die wahrhaft reine Lehre, die zuvor in vielen der wichtigsten Artikel verdunkelt gewesen, wieder an den Tag gebracht und mit Fleiß erklärt, als die Lehre von der Buße, vom Glauben, vom Unterschied des Gesetzes und Evangelii, vom Gebet, von guten Werken, von christlichen Ständen, von Ceremonien ꝛc.; um diese Lehre auch auf die Nachkommen fortzupflanzen, habe er die Bibel ins Deutsche übersetzt und viele schöne Auslegungen darüber gegeben, denen der gelehrte Erasmus vor allen andern den Vorzug gebe; er habe aber auch nach Nehem. 4, 17. bei solchem Bauen das Schwert geführt und die Lehre wider allerlei Feinde vertheidigt. Auf den Vorwurf, als ob Luthers Schreibart etwas zu hart und rauh gewesen wäre, antwortet Melanchthon mit den Worten des Erasmus: „Gott habe der Welt zu dieser letzten Zeit, darin große und schwere Seuchen und Gebrechen überhand genommen, auch einen harten, scharfen Arzt gegeben.“ Er sagt ferner: Jeder müsse ihm das Zeugniß geben, daß er ein sehr gütiger Mann gewesen und unter den Leuten in allen seinen Reden holdselig, freundlich und lieblich und gar nicht frech, stürmisch und eigensinnig, oder zänkisch gewesen sei, und doch wäre dabei ein Ernst und Tapferkeit in seinen Worten und Geberden gewesen, als in einem solchen Mann sein sollte. (Dieß sagte Melanchthon als ein 28jähriger Freund Luthers, der fast täglich mit ihm Umgang gehabt hat.) Er bezeugt, es würde zu viel Zeit erfordern, von seinen vielen Tugenden mit gebührendem Lob zu reden, ob davon gleich eine herrliche Rede gehalten werden könnte, daher wolle er nur noch einige erwähnen, z. B. seinen außerordentlichen Eifer im Gebet, seinen unerschrockenen Muth in so vielen Gefahren, seinen hohen, scharfen Verstand in den schwierigsten Fällen zu rathen, seine allseitige Aufmerksamkeit auf alle Begebenheiten in der Welt und in der Kirche, seinen unermüdeten Fleiß im Studiren, seine große Gewandtheit, das Gelernte gehörig anzuwenden, so wie ausgezeichnete Beredsamkeit ꝛc. Darum sollte man mit Recht über seinen Abschied trauern, aber auch Gott für die hohen Gaben danken, die er uns durch ihn geschenkt habe, und uns mit ihm freuen seiner unaussprechlichen Freude im Himmel, wie er selbst davon über Joh. 1, 51. (ihr werdet von nun an den Himmel offen sehen ꝛc.) gepredigt habe. Nach einem kurzen, aber nachdrucksvollen Gebete erinnert Melanchthon die Zuhörer an die Strafen, welche Gott oft nach dem Tode treuer Lehrer auf die Undankbaren kommen lasse, daher sollten alle ihr Leben, Sitten und Studien christlich regieren, und dann gewiß sein, so lange wir die Lehre des Evangelii rein und treu bewahrten, so lange würden wir Gottes Wohnung und Kirche sein, wie Gottes Sohn Joh. 14, 23. gesagt: Wer mich liebet ꝛc. Nachdem Melanchthon seine Rede geendiget hatte, trugen mehrere dazu bestimmte Lehrer der Universität die Leiche vor die Kanzel und senkten sie in die offene ausgemauerte Gruft und so wurde Luther, der, wie einst der Hohepriester Jojada (2 Chron. 25, 16.), wohl gethan hatte an dem Israel Gottes, an Gott und seinem Hause, auch wie dieser unter die Fürsten begraben. Und so (dies sind die Schlußworte jener drei Verfasser des Berichts) „ist das theure Werkzeug des heiligen Geistes, der Leib des Ehrwürdigen Dr. Martin Luther allda im Schloß zu Wittenberg, nicht fern vom Predigerstuhl, (da er am Leben manche gewaltige christliche Predigten vor den Chur- und Fürsten zu Sachsen und der ganzen Kirche gethan), in die Erde gelegt, und, wie Paulus 1 Cor. 15, 43. spricht: Gesäet in Schwachheit, daß er aufgehe an jenem Tage in Herrlichkeit.“ Zu einem solchen christlichen Abschied aus diesem elenden Leben, und zu derselbigen ewigen Seligkeit helfe uns allen der ewige himmlische Vater, so gemeldten Dr. Martinum zu dem großen Werk berufen hat, und unser HErr JEsus Christus, welchen er treulich gepredigt und bekannt, und der heilige Geist, der ihm wider Pabst und alle Pforten der Hölle solche sonderliche Freudigkeit, großen Muth und Herz durch seine göttliche Kraft in vielen hohen Kämpfen gegeben hat! (Eingesandt.) Die Synode Michigan und ihre Heidenmission. Im Süden von Michigan befinden sich mehrere deutsche Ansiedlungen, größtentheils von ursprünglich lutherischen Einwandrern gegründet. Dieselben sind anfänglich von dem Ehrw. Pastor Schmidt in Ann-Arbor mit Wort und Sacrament bedient worden, der späterhin einige junge Männer zum Dienst der Kirche bildete und mit ihnen in eine, von ihnen sogenannte Missionssynode zusammentrat. Ihr vorzügliches Augenmerk war auf Mission unter den Indianern Michigans gerichtet, ihr Name der einer deutsch-lutherischen Synode von Michigan. Durch Berufung an die lutherische Gemeinde von Monroe, die früher von Herrn Pastor Schmidt in Ann-Arbor mit bedient worden war, kam Hattstädt, ein Zögling des luth. Pastors Löhe aus Franken in Baiern, zur gliedlichen Theilnahme an besagter Synode, in welcher er Verpflichtung auf sämmtliche symbolische Bücher unserer lutherischen Kirche des reinen Bekenntnisses, und wenn gleich Unkenntniß des luth. Wesens, doch anscheinend guten Willen vorfand. Dies veranlaßte ihn, die luth. Freunde der alten Heimath auf benannte Synode und auf deren beginnende Thätigkeit unter den Heiden Michigans aufmerksam zu machen. Der Erfolg war, daß man von Franken aus Correspondenz anknüpfte und sich auf die bestimmte Erklärung hin, die Mission nur vom kirchlich luth. Standpuncte aus betreiben und alle Missionare auf sämmtliche Symbole unserer Kirche verpflichten zu wollen, zu einer gemeinsamen Thätigkeit in der Weise