Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 17 › Seite 68
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-04-18, Seite 68
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Falſche Lehrer 13 · Paſtor 14
Evangelii von Christo schätzen. Es hat aber Christus gesagt: Gleichwie Moses eine Schlange in der Wüste erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß ein jeder, der an ihn glaube, nicht verloren werde, sondern das ewige Leben habe. Ein jeder, spricht er, er mag nun nur eine, oder viel hundert oder viel tausend Sünden auf sich geladen haben; und ein jeder, er mag mit kleinen oder großen Sünden behaftet sein, wer an ihn glaubet, wird nicht verloren gehen. Und wiederum: Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß ein jeder, der an ihn glaubet, nicht verdammet werde. Du hörest es abermal: Ein jeder, ein jeder, sage ich, der glaubt, erlange die Seligkeit. Wo nun Christus keinen Unterschied macht unter einem Sünder mit einer einigen Sünde und unter einem Sünder mit vielen und großen Sünden, warum nimmst du dir denn die Vollmacht heraus, darin einen Unterschied zu machen? Und sonsten spricht Paulus: Gott habe alle unter dem Unglauben beschlossen, auf daß Er sich aller erbarme. Also denn, wenn du dich als einen solchen fühlst, der unter dem Unglauben und dessen Früchten beschlossen, (gefangen genommen) ist, so solltest du dich erinnern, eben damit gehörst du auch mit zu dem Register derjenigen, deren sich Gott erbarmen will, wenn sie an Christum glauben. Und wiederum: Ein jeder, der Ihm trauet, wird nicht zu Schanden werden. Und Paulus setzt hinzu: Denn wer je den Namen des HErrn anrufen wird, soll selig werden. Wenn aber kein Unterschied ist zwischen Juden und Griechen, wie viel weniger ist ein Unterschied zwischen einem Sünder mit nur einer einzigen Sünde, und unter einem Sünder mit vielen großen Sünden? Derowegen du magst nun wenig oder viel, große oder kleine Sünden begangen haben, glaube an Christum, so wirst du selig werden. — Brentius Werke. V, 774.
Zweifler.
Wiewohl es gefährlich ist, in Sachen und Artikeln des Glaubens wanken, zweifeln oder allererst disputiren, so jemand endlich darinnen beharret, so sind wir, so da gewiß sind, doch schuldig, denselbigen wankenden und fragenden Herzen zu helfen und in solcher Gefährlichkeit die Hand zu reichen, ihre Frage und Forschen, Ursachen und Bewegungen freundlich zu hören, und mit der Schrift zu verlegen, und ihnen herauszuhelfen. Denn es ja nicht zu verzweifeln ist an denen, so da wanken und um rechten Grund fragen und bitten, als die noch nicht verstockt und versunken sind, sondern noch aufschießen und schwimmen, und gerne zum Ufer wollten.
Das lasse ihm ein jeglicher gesagt sein, was aus dem heil. Geist gelehret oder verstanden wird, das hat diese zwo Tugenden an sich: Erstlich, daß es gewiß und sicher macht den, der es hat, wie Johannes spricht 1 Joh. 2, 27. „Wie euch die Salbung lehret, so ists wahr, und ist keine Lügen.“ Zum andern, daß es muthig, freudig und getrost macht, solches auch zu bekennen wider Tod und Teufel. Darum heißt er auch Spiritus veritatis, ein Geist der Wahrheit (Joh. 15, 26., 16, 13.); Geist, daß er muthig und getrost macht; Wahrheit, daß er sicher und gewiß macht, daß nicht anders sei noch sein kann. Weil nun Dr. Carlstadt und auch alle andere, so diesen Artikel (vom heil. Abendmahl) handeln, aus einem Wahn und Fragen davon reden, wie sie selbst bekennen, ist's gewiß, daß sie den Geist in diesem Stück noch nicht haben, auch aus menschlichem Dünkel, und nicht aus dem Geist reden. Darum sich ein jeglicher für ihrer Meinung also hüten und halten soll, daß er nicht darauf falle und daran hange, sondern, so er auch mit ihnen noch zweifelt und wähnet, harren und verziehen, bis er auch gewiß und sicher werde; oder wird seine Seele in Gefährlichkeit geben. Denn was wir glauben sollen, das muß nicht Wahn noch Dünkel, sondern gewisse Wahrheit sein, darüber wir tausend Hälse lassen möchten.—Siehe: Luthers Vorrede zu Carlstadts Erklärung, wie er seine Lehre von dem heil. Sacrament, und andere, achtet und geachtet haben will. L. W. Hall. XV, 2473—74.
Ernst gegen Ketzer.
Als einst der Ketzer Marcion (welcher unter andern lehrte, daß der wahre Gott nicht im Alten, sondern allein im Neuen Testamente geoffenbart sei) dem heil. Märtyrer Polycarpus, einem Schüler des Apostels Johannes und Bischof in Smyrna, in Rom auf der Straße begegnete, redete Marcion den letzteren mit den Worten an: „Erkennest du mich an?“ (nehmlich für einen Glaubensbruder.) Polycarpus antwortete: „Ja, ich erkenne dich an, nehmlich für einen Erstgebornen des Satans.“ Der Kirchengeschichtschreiber Eusebius, der dies erzählt, setzt hinzu: So große Vorsicht gebrauchten damals die Apostel und ihre Schüler in Sachen der Religion, daß sie mit denen, welche von der Wahrheit abgewichen waren, auch nicht mit einem Worte Gemeinschaft haben wollten. Wie auch Paulus sagt: Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und abermal ermahnt ist, und wisse, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, als der sich selbst verurtheilt hat. Tit. 3, 10. 11. Euseb. hist. eccl. L. IV, c. 14.
Rationalistenlob der christlichen Sittenlehre.
„Unsere Ungläubigen überhäufen die christliche Sittenlehre mit Lobsprüchen insonderheit dann, wenn sie den Gründen, die sie unserem Glaubensbekenntnisse entgegenstellen, desto mehr Gewicht geben wollen; und doch würden sie vielleicht lieber dieses, wie sie dünkt, abgeschmackte Glaubensbekenntniß unterschreiben, als genöthigt sein wollen, jene Sittenlehre, die sie so hoch erheben, auszuüben.“
Eduard Young.
Kampf gegen die Ungläubigen.
„Wir werden auf den Kampfplatz geführt wider die Ungläubigen, nicht, die da stehen, niederzuschlagen, sondern die, so niederliegen, aufzurichten. Denn so ist es mit dem Kriege beschaffen, den wir führen. Er tödtet die Lebendigen nicht, sondern er weckt die Todten auf und macht sie lebendig, weil er voll Sanftmuth und Güte ist. Ich verfolge nicht mit Thätlichkeiten, sondern mit Worten, nicht den Ketzer, sondern die Ketzerei. Ich verabscheue nicht den Menschen, sondern ich hasse den Irrthum; diesen suche ich zu vertilgen. Ich führe nicht mit dem Geschöpfe Krieg; denn das Geschöpf ist ein Werk Gottes, sondern ich suche die Seele zu bessern, die der Teufel verderbt hat. So greift ein Arzt, der einen Kranken heilt, nicht den Körper, sondern das Gebrechen desselben an, in der Absicht, solches zu heben. Wenn ich also mit den Irrgläubigen kriege, so kriege ich nicht mit den Personen, sondern ich will nur den Irrthum vertreiben und sie vor der Fäulniß bewahren. Mir ist es gewöhnlich, Verfolgungen zu leiden, nicht aber zu verfolgen, bedrängt zu werden, aber nicht selbst zu bedrängen. So überwand Christus.“ — Chrysostomus in seiner Homilie wider die Anomöer vom Jahr 404 n. Ch. G.
Freimüthige Bestrafung.
Als einst der Kaiser Julian, der von der christlichen zur heidnischen Religion abgefallen war, in Constantinopel öffentlich am Götzendienst theilnahm, ließ sich der alte blinde Bischof Maris von Chalcedon zum Kaiser führen und erklärte ihn hier öffentlich für einen Apostaten (Abtrünnigen) und gottlosen Atheisten. Der Kaiser antwortete ihm hierauf spöttisch: „Kann dich doch dein Gott, der Galiläer, nicht einmal (von deiner Blindheit) heilen!“ Maris erwiederte: „Für meine Blindheit danke ich meinem Gott, denn er hat sie mir darum zugeschickt, daß ich dich Gottlosen nicht sehen müsse.“ Ohne ein Wort zu sagen, ging der Kaiser hinweg. Der Kirchengeschichtsschreiber Sozomenus bemerkt hierbei: Denn damit glaubte er das Heidenthum zu empfehlen, wenn er sich geduldig und sanftmüthig gegen die Christen bewiese.
Die verschiedenen Anfechtungen der Kirche in den verschiedenen Zeitläuften.
„Mir scheint, schreibt Luther, die erste Verfolgung der Kirche gewesen zu sein die Gewalt, so die Tyrannen geübt durch ihre Macht; die andere Verfolgung scheint mir zu sein die Schalkheit, so die Ketzer geübt in ihrer Weisheit; die dritte und letzte scheint mir zu sein die Lauigkeit der schalkhaftesten Trägheit bei den Heuchlern. Wider die erste haben gestritten die heiligen Märtyrer; wider die andere die Lehrer; wider die dritte streitet niemand, als die Wächter und Ermahner, deren Geist von Gott erweckt wird; die andern stehen auf dem Weg der Sünder, das ist, in ihrer sicheren Gerechtigkeit sind sie halsstarrig geworden und haben eine harte Stirn bekommen.“ (Luthers Werke, Hall. XII, 2333.) — Kennst du, lieber Leser, dein Herz durch Erleuchtung des heil. Geistes, so wirst du es gewiß auch an dir selbst erfahren haben, daß die letzte Anfechtung, womit die Christen vor allem zu kämpfen haben, Lauigkeit und Trägheit ist. Kämpfest du auch dagegen? Erkennest du, daß dieser Feind, der in deinem eigenen Herzen wohnt, gefährlicher ist, als blutdürstige Tyrannen und schalkhafte Ketzer? — Erwache, erwache aus deinem Schlafe, der du noch auf deinen Sündenpolstern sorglos schlummerst! Schon ist es Mitternacht; bald wird der Bräutigam kommen; dann ist es nicht Zeit, das Oel des lebendigen Glaubens für die Lampe deines Herzens zu kaufen; dann werden die thörichten Jungfrauen vergebens rufen: „HErr, thue uns auf!“ Die Thüre zum himmlischen Hochzeitssaal ist dann verschlossen, und zu den spät Kommenden wird der HErr antworten: „Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euer nicht.“
Bezahlt:
1. Hälfte des 2. Jahrg., Hr. Bücher.
2. Jahrg. die HH. P. Rally, P. Hengist, Hülskötter, D. Brockschmidt.
Gedruckt bei Weber und Olshausen.
English translation AI translation
of the Gospel concerning Christ. But Christ has said: Just as Moses lifted up the serpent in the wilderness, so must the Son of Man be lifted up, so that everyone who believes in Him should not perish but have eternal life. Everyone, He says — whether he has burdened himself with only one sin, or with many hundreds or many thousands of sins; and everyone, whether he is afflicted with small or great sins — whoever believes in Him shall not be lost. And again: For God so loved the world that He gave His only-begotten Son, so that everyone who believes in Him should not be condemned. You hear it again: everyone, everyone, I say, who believes shall attain blessedness. Now where Christ makes no distinction between a sinner with a single sin and a sinner with many great sins, why, then, do you take it upon yourself to make such a distinction? And elsewhere Paul says: God has concluded all under unbelief, that He might have mercy on all. Therefore, if you feel yourself to be one who is concluded — that is, taken captive — under unbelief and its fruits, you should remember that, precisely thereby, you also belong to the number of those on whom God will have mercy when they believe in Christ. And again: Everyone who trusts in Him shall not be put to shame. And Paul adds: For whoever shall call upon the name of the Lord shall be saved. But if there is no distinction between Jew and Greek, how much less is there a distinction between a sinner with only a single sin and a sinner with many great sins? Therefore, whether you have committed few or many, great or small sins, believe in Christ, and you shall be saved. — Brenz's Works, V, 774.
Doubters.
Although it is dangerous, in matters and articles of faith, to waver, doubt, or merely dispute — should someone persist in this to the end — yet we who are certain are nevertheless obligated to help such wavering and questioning hearts, and to extend a hand to them in such danger: to hear their questions and inquiries, their reasons and motives, in a friendly manner, to refute them with Scripture, and to help them find their way out. For one need not despair of those who waver and ask and beg for a right foundation, since they are not yet hardened and sunk, but are still struggling upward and swimming, and would gladly reach the shore.
Let every man take this to heart: whatever is taught or understood out of the Holy Spirit has these two virtues about it. First, that it makes the one who has it certain and sure, as John says in 1 John 2:27: "As the anointing teaches you, so it is true, and is no lie." Second, that it makes him bold, joyful, and confident to confess this even against death and the devil. Therefore He is also called Spiritus veritatis, a Spirit of truth (John 15:26; 16:13) — Spirit, in that He makes bold and confident; Truth, in that He makes certain and sure that it cannot be otherwise, nor could it be.
Now since Dr. Karlstadt, and also all others who treat this article (of the Holy Supper), speak of it out of mere opinion and questioning, as they themselves confess, it is certain that they do not yet have the Spirit in this matter, but speak out of human conceit, and not out of the Spirit. Therefore everyone should guard and conduct himself with regard to their opinion in such a way that he does not fall for it and cling to it; rather, if he too still doubts and is uncertain along with them, he should wait and delay until he also becomes certain and sure — or else he will put his soul in danger. For what we are to believe must not be mere opinion or conceit, but certain truth, for which we would be willing to risk a thousand necks. — See: Luther's Preface to Karlstadt's Explanation of how he wishes his doctrine of the Holy Sacrament, and other matters, to be regarded, and by others held. Luther's Works, Halle edition, XV, 2473–74.
Earnestness Against Heretics.
When once the heretic Marcion (who taught, among other things, that the true God was revealed not in the Old Testament but only in the New) met the holy martyr Polycarp — a disciple of the Apostle John and bishop in Smyrna — on the street in Rome, Marcion addressed the latter with the words: "Do you recognize me?" (namely, as a brother in the faith.) Polycarp answered: "Yes, I recognize you — namely, as a firstborn of Satan." The church historian Eusebius, who relates this, adds: So great was the caution that the apostles and their disciples exercised at that time in matters of religion, that they would not have fellowship, even in a single word, with those who had departed from the truth. As Paul also says: Reject a heretical man after a first and second admonition, and know that such a one is perverted and sins, being self-condemned. Titus 3:10–11. Eusebius, Ecclesiastical History, Book IV, chapter 14.
Rationalists' Praise of Christian Moral Teaching.
"Our unbelievers heap the Christian moral teaching with praise, especially when they wish to give greater weight to the arguments they set against our confession of faith; and yet they would perhaps rather sign this confession of faith, which seems to them tasteless, than be required to practice that moral teaching which they extol so highly."
Edward Young.
Battle Against the Unbelievers.
"We are led onto the battlefield against the unbelievers, not to strike down those who stand, but to raise up those who lie fallen. For such is the nature of the war we wage. It does not kill the living, but awakens the dead and makes them alive, because it is full of gentleness and goodness. I do not persecute with acts of violence, but with words — not the heretic, but heresy. I do not abhor the man, but I hate the error; this I seek to destroy. I do not wage war against the creature, for the creature is a work of God; rather, I seek to better the soul that the devil has corrupted. Thus a physician who heals a sick man attacks not the body, but its ailment, with the intention of relieving it. So, when I contend with those of false belief, I do not contend with the persons, but I wish only to drive out the error and preserve them from decay. It is customary for me to suffer persecution, not to persecute; to be oppressed, but not to oppress. Thus did Christ overcome." — Chrysostom, in his homily against the Anomoeans, from the year 404 A.D.
A Frank Rebuke.
When once the Emperor Julian, who had fallen away from the Christian to the pagan religion, publicly took part in idol-worship in Constantinople, the old, blind bishop Maris of Chalcedon had himself led before the emperor and there publicly declared him an apostate and a godless atheist. The emperor answered him mockingly: "Can your god, the Galilean, not even heal you of your blindness?" Maris replied: "For my blindness I thank my God, for He sent it to me for this reason, that I should not have to look upon you, godless man." Without saying a word, the emperor went away. The church historian Sozomen remarks on this: for by this he thought to commend paganism — namely, by showing himself patient and gentle toward the Christians.
The Various Trials of the Church in the Various Ages.
"It seems to me," writes Luther, "that the first persecution of the Church was the violence which the tyrants exercised through their power; the second persecution, it seems to me, was the cunning which the heretics exercised in their wisdom; the third and last, it seems to me, is the lukewarmness of the most cunning sloth among hypocrites. Against the first, the holy martyrs contended; against the second, the teachers; against the third, no one contends except the watchmen and admonishers, whose spirit is stirred up by God; the others stand in the way of sinners — that is, in their false security of righteousness they have become stiff-necked and have gotten a hard forehead." (Luther's Works, Halle edition, XII, 2333.)
— Do you know, dear reader, your own heart, through the illumination of the Holy Spirit? Then you will surely also have experienced in yourself that the last trial with which Christians above all must contend is lukewarmness and sloth. Do you also fight against it? Do you recognize that this enemy, who dwells in your own heart, is more dangerous than bloodthirsty tyrants and cunning heretics? — Awake, awake from your sleep, you who still slumber carelessly on your cushions of sin! It is already midnight; soon the bridegroom will come; then it will not be time to buy the oil of living faith for the lamp of your heart; then the foolish virgins will cry out in vain, "Lord, open to us!" The door to the heavenly wedding hall will then be shut, and to those who come late the Lord will answer: "Truly, I say to you, I do not know you."
Paid:
First half of Vol. 2, Mr. Bücher.
Vol. 2, Messrs. P. Rally, P. Hengist, Hülskötter, D. Brockschmidt.
Printed by Weber and Olshausen.