# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 04 18_S68 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Evangelii von Christo schätzen. Es hat aber Christus gesagt: Gleichwie Moses eine Schlange in der Wüste erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß ein jeder, der an ihn glaube, nicht verloren werde, sondern das ewige Leben habe. Ein jeder, spricht er, er mag nun nur eine, oder viel hundert oder viel tausend Sünden auf sich geladen haben; und ein jeder, er mag mit kleinen oder großen Sünden behaftet sein, wer an ihn glaubet, wird nicht verloren gehen. Und wiederum: Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß ein jeder, der an ihn glaubet, nicht verdammet werde. Du hörest es abermal: Ein jeder, ein jeder, sage ich, der glaubt, erlange die Seligkeit. Wo nun Christus keinen Unterschied macht unter einem Sünder mit einer einigen Sünde und unter einem Sünder mit vielen und großen Sünden, warum nimmst du dir denn die Vollmacht heraus, darin einen Unterschied zu machen? Und sonsten spricht Paulus: Gott habe alle unter dem Unglauben beschlossen, auf daß Er sich aller erbarme. Also denn, wenn du dich als einen solchen fühlst, der unter dem Unglauben und dessen Früchten beschlossen, (gefangen genommen) ist, so solltest du dich erinnern, eben damit gehörst du auch mit zu dem Register derjenigen, deren sich Gott erbarmen will, wenn sie an Christum glauben. Und wiederum: Ein jeder, der Ihm trauet, wird nicht zu Schanden werden. Und Paulus setzt hinzu: Denn wer je den Namen des HErrn anrufen wird, soll selig werden. Wenn aber kein Unterschied ist zwischen Juden und Griechen, wie viel weniger ist ein Unterschied zwischen einem Sünder mit nur einer einzigen Sünde, und unter einem Sünder mit vielen großen Sünden? Derowegen du magst nun wenig oder viel, große oder kleine Sünden begangen haben, glaube an Christum, so wirst du selig werden. — Brentius Werke. V, 774. Zweifler. Wiewohl es gefährlich ist, in Sachen und Artikeln des Glaubens wanken, zweifeln oder allererst disputiren, so jemand endlich darinnen beharret, so sind wir, so da gewiß sind, doch schuldig, denselbigen wankenden und fragenden Herzen zu helfen und in solcher Gefährlichkeit die Hand zu reichen, ihre Frage und Forschen, Ursachen und Bewegungen freundlich zu hören, und mit der Schrift zu verlegen, und ihnen herauszuhelfen. Denn es ja nicht zu verzweifeln ist an denen, so da wanken und um rechten Grund fragen und bitten, als die noch nicht verstockt und versunken sind, sondern noch aufschießen und schwimmen, und gerne zum Ufer wollten. Das lasse ihm ein jeglicher gesagt sein, was aus dem heil. Geist gelehret oder verstanden wird, das hat diese zwo Tugenden an sich: Erstlich, daß es gewiß und sicher macht den, der es hat, wie Johannes spricht 1 Joh. 2, 27. „Wie euch die Salbung lehret, so ists wahr, und ist keine Lügen.“ Zum andern, daß es muthig, freudig und getrost macht, solches auch zu bekennen wider Tod und Teufel. Darum heißt er auch Spiritus veritatis, ein Geist der Wahrheit (Joh. 15, 26., 16, 13.); Geist, daß er muthig und getrost macht; Wahrheit, daß er sicher und gewiß macht, daß nicht anders sei noch sein kann. Weil nun Dr. Carlstadt und auch alle andere, so diesen Artikel (vom heil. Abendmahl) handeln, aus einem Wahn und Fragen davon reden, wie sie selbst bekennen, ist's gewiß, daß sie den Geist in diesem Stück noch nicht haben, auch aus menschlichem Dünkel, und nicht aus dem Geist reden. Darum sich ein jeglicher für ihrer Meinung also hüten und halten soll, daß er nicht darauf falle und daran hange, sondern, so er auch mit ihnen noch zweifelt und wähnet, harren und verziehen, bis er auch gewiß und sicher werde; oder wird seine Seele in Gefährlichkeit geben. Denn was wir glauben sollen, das muß nicht Wahn noch Dünkel, sondern gewisse Wahrheit sein, darüber wir tausend Hälse lassen möchten.—Siehe: Luthers Vorrede zu Carlstadts Erklärung, wie er seine Lehre von dem heil. Sacrament, und andere, achtet und geachtet haben will. L. W. Hall. XV, 2473—74. Ernst gegen Ketzer. Als einst der Ketzer Marcion (welcher unter andern lehrte, daß der wahre Gott nicht im Alten, sondern allein im Neuen Testamente geoffenbart sei) dem heil. Märtyrer Polycarpus, einem Schüler des Apostels Johannes und Bischof in Smyrna, in Rom auf der Straße begegnete, redete Marcion den letzteren mit den Worten an: „Erkennest du mich an?“ (nehmlich für einen Glaubensbruder.) Polycarpus antwortete: „Ja, ich erkenne dich an, nehmlich für einen Erstgebornen des Satans.“ Der Kirchengeschichtschreiber Eusebius, der dies erzählt, setzt hinzu: So große Vorsicht gebrauchten damals die Apostel und ihre Schüler in Sachen der Religion, daß sie mit denen, welche von der Wahrheit abgewichen waren, auch nicht mit einem Worte Gemeinschaft haben wollten. Wie auch Paulus sagt: Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und abermal ermahnt ist, und wisse, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, als der sich selbst verurtheilt hat. Tit. 3, 10. 11. Euseb. hist. eccl. L. IV, c. 14. Rationalistenlob der christlichen Sittenlehre. „Unsere Ungläubigen überhäufen die christliche Sittenlehre mit Lobsprüchen insonderheit dann, wenn sie den Gründen, die sie unserem Glaubensbekenntnisse entgegenstellen, desto mehr Gewicht geben wollen; und doch würden sie vielleicht lieber dieses, wie sie dünkt, abgeschmackte Glaubensbekenntniß unterschreiben, als genöthigt sein wollen, jene Sittenlehre, die sie so hoch erheben, auszuüben.“ Eduard Young. Kampf gegen die Ungläubigen. „Wir werden auf den Kampfplatz geführt wider die Ungläubigen, nicht, die da stehen, niederzuschlagen, sondern die, so niederliegen, aufzurichten. Denn so ist es mit dem Kriege beschaffen, den wir führen. Er tödtet die Lebendigen nicht, sondern er weckt die Todten auf und macht sie lebendig, weil er voll Sanftmuth und Güte ist. Ich verfolge nicht mit Thätlichkeiten, sondern mit Worten, nicht den Ketzer, sondern die Ketzerei. Ich verabscheue nicht den Menschen, sondern ich hasse den Irrthum; diesen suche ich zu vertilgen. Ich führe nicht mit dem Geschöpfe Krieg; denn das Geschöpf ist ein Werk Gottes, sondern ich suche die Seele zu bessern, die der Teufel verderbt hat. So greift ein Arzt, der einen Kranken heilt, nicht den Körper, sondern das Gebrechen desselben an, in der Absicht, solches zu heben. Wenn ich also mit den Irrgläubigen kriege, so kriege ich nicht mit den Personen, sondern ich will nur den Irrthum vertreiben und sie vor der Fäulniß bewahren. Mir ist es gewöhnlich, Verfolgungen zu leiden, nicht aber zu verfolgen, bedrängt zu werden, aber nicht selbst zu bedrängen. So überwand Christus.“ — Chrysostomus in seiner Homilie wider die Anomöer vom Jahr 404 n. Ch. G. Freimüthige Bestrafung. Als einst der Kaiser Julian, der von der christlichen zur heidnischen Religion abgefallen war, in Constantinopel öffentlich am Götzendienst theilnahm, ließ sich der alte blinde Bischof Maris von Chalcedon zum Kaiser führen und erklärte ihn hier öffentlich für einen Apostaten (Abtrünnigen) und gottlosen Atheisten. Der Kaiser antwortete ihm hierauf spöttisch: „Kann dich doch dein Gott, der Galiläer, nicht einmal (von deiner Blindheit) heilen!“ Maris erwiederte: „Für meine Blindheit danke ich meinem Gott, denn er hat sie mir darum zugeschickt, daß ich dich Gottlosen nicht sehen müsse.“ Ohne ein Wort zu sagen, ging der Kaiser hinweg. Der Kirchengeschichtsschreiber Sozomenus bemerkt hierbei: Denn damit glaubte er das Heidenthum zu empfehlen, wenn er sich geduldig und sanftmüthig gegen die Christen bewiese. Die verschiedenen Anfechtungen der Kirche in den verschiedenen Zeitläuften. „Mir scheint, schreibt Luther, die erste Verfolgung der Kirche gewesen zu sein die Gewalt, so die Tyrannen geübt durch ihre Macht; die andere Verfolgung scheint mir zu sein die Schalkheit, so die Ketzer geübt in ihrer Weisheit; die dritte und letzte scheint mir zu sein die Lauigkeit der schalkhaftesten Trägheit bei den Heuchlern. Wider die erste haben gestritten die heiligen Märtyrer; wider die andere die Lehrer; wider die dritte streitet niemand, als die Wächter und Ermahner, deren Geist von Gott erweckt wird; die andern stehen auf dem Weg der Sünder, das ist, in ihrer sicheren Gerechtigkeit sind sie halsstarrig geworden und haben eine harte Stirn bekommen.“ (Luthers Werke, Hall. XII, 2333.) — Kennst du, lieber Leser, dein Herz durch Erleuchtung des heil. Geistes, so wirst du es gewiß auch an dir selbst erfahren haben, daß die letzte Anfechtung, womit die Christen vor allem zu kämpfen haben, Lauigkeit und Trägheit ist. Kämpfest du auch dagegen? Erkennest du, daß dieser Feind, der in deinem eigenen Herzen wohnt, gefährlicher ist, als blutdürstige Tyrannen und schalkhafte Ketzer? — Erwache, erwache aus deinem Schlafe, der du noch auf deinen Sündenpolstern sorglos schlummerst! Schon ist es Mitternacht; bald wird der Bräutigam kommen; dann ist es nicht Zeit, das Oel des lebendigen Glaubens für die Lampe deines Herzens zu kaufen; dann werden die thörichten Jungfrauen vergebens rufen: „HErr, thue uns auf!“ Die Thüre zum himmlischen Hochzeitssaal ist dann verschlossen, und zu den spät Kommenden wird der HErr antworten: „Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euer nicht.“ Bezahlt: 1. Hälfte des 2. Jahrg., Hr. Bücher. 2. Jahrg. die HH. P. Rally, P. Hengist, Hülskötter, D. Brockschmidt. Gedruckt bei Weber und Olshausen.