Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 13 › Seite 51

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-02-21, Seite 51

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 5

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Er nahm noch in dieser Predigt von seinen lieben Eislebern sämmtlich Abschied, indem er sagte: „Nachdem ich nun eine Zeitlang allhier gewesen und euch gepredigt habe, auch nun anheim muß und vielleicht euch nicht mehr predigen möchte: so will ich euch hiemit gesegnet und gebeten haben, daß ihr bei dem Worte bleibet, das euch eure Prediger und Pfarrherren von der Gnade Gottes treulich lehren; und euch auch gewöhnet zum Beten, daß euch Gott vor allen Weisen und Klüglingen behüten wolle, so die Lehre des Evangelii verachten; denn sie oft Schaden gethan und noch thun möchten.“ Zum Schlusse setzte er noch hinzu: „Das, und viel mehr wäre von diesem Evangelio zu sagen, aber ich bin zu schwach, wir wollens hiebei bleiben lassen. Der liebe Gott gebe Gnade, daß wir sein theures Wort mit Danksagung annehmen, im Erkenntniß, Glauben seines Sohnes, unsers HErrn JEsu Christi, zunehmen und wachsen, und im Bekenntniß seines heiligen Wortes beständiglich bleiben bis ans Ende. Amen.“ Dies waren Luthers letzte Worte auf der Kanzel und Gott hat ihn aus Gnaden nach zwei Tagen dieses seines öffentlichen Schluß- und Segenswunsches durch ein seliges Ende gewährt.

(Fortsetzung folgt.)

Luther und Calvin in Betreff ihrer Lehre vom heil. Abendmahl.

Zugleich als Fortsetzung der Antwort auf die neueste Vertheidigung der Union.“

(Fortsetzung.)

II.

Hat Luther die besondere Lehre Calvins noch vor seinem Tode gebilligt?

Herr Nollau schreibt in seiner Schrift: „Ein Wort für die gute Sache der Union,“ S. 44. Folgendes: „Es trägt jene Erzählung gänzlich das Gepräge der Wahrheit an sich, daß Luther im Jahr 1545, also nur ein Jahr vor seinem Tode, die lateinische Uebersetzung von Calvins Büchlein de Coena, (vom Abendmahle) gelesen und endlich also gesagt: „„Es ist gewiß ein gelehrter und frommer Mann, dem hätte ich anfänglich wohl dörffen die ganze Sache von diesem Streit heimstellen. Ich bekenne meinen Theil, wenn das Gegentheil dergleichen gethan hätte, weren wir balde anfangs vertragen worden, denn so Oekolampadius und Zwinglius sich zum ersten also erkläret hetten, wären wir nimmer in so weitläuftige Disputationen gerathen.““

Hr. N. sagt zwar, daß diese Erzählung „das Gepräge der Wahrheit gänzlich an sich trage und daß sie ein unverdächtiges Zeugniß sei,“ es ist aber sehr gut, daß er dies selbst hinzu gesetzt hat, denn außerdem dürfte wohl niemand, der die Reformationsgeschichte kennt, auf diese Gedanken kommen; es müßte denn jemanden die alte Orthographie (Rechtschreibung), in welcher Hr. N. diese Erzählung gewiß nicht absichtslos wiedergegeben hat, auf einen solchen merkwürdigen Einfall bringen.

Daß wir aber die Erzählung für eine Fabel halten, dazu werden wir durch Folgendes bewogen. Erstlich kann es auch nicht durch ein einziges schriftliches Wort Luthers nur wahrscheinlich gemacht werden, daß derselbe irgend etwas von Calvins Schriften gelesen, geschweige daß er sie gebilligt habe. Wohl aber kann mit gutem Grunde das Gegentheil aus einem Briefe geschlossen werden, welchen Calvin im J. 1545 selbst an Luthern in lateinischer Sprache geschrieben, der aber erst nach Luthers Tode in Wittenberg angekommen, von Melanchthon zurückgeschickt, in der Bibliothek zu Genf aufbewahrt und später durch den Druck veröffentlicht worden ist. Darin schreibt Calvin unter andern: „Hochzuverehrender Vater in dem HErrn, ich bitte Dich dieses inständig durch Christum, Du wollest Dich nicht beschwert fühlen, den Ekel meinet- und ihrethalben zu überwinden, daß Du erstlich den in ihrem (mehrerer Franzosen) Namen geschriebenen Brief und meine Büchlein in Nebenstunden wie zum Zeitvertreib überlaufest oder das Lesen Jemanden überträgest, der Dir den Gesammtinhalt angebe, und daß Du sodann Deine Meinung mit wenigen Worten uns schreibest. Ich thue dies zwar ungern, daß ich Dir bei so wichtigen und verschiedenartigen Geschäften diese Mühe machen soll, aber da ich es nur nothgedrungen thue, halte ich mich versichert, daß du mir nach Deiner Billigkeit werdest Verzeihung widerfahren lassen. Möchte es mir doch vergönnt sein, zu Dir zu eilen, um wenigstens auf einige Stunden Deines Umganges zu genießen! denn es wäre mir lieber und würde bei weitem nutzbarer sein, nicht allein über diese Sache, sondern auch über andere mit Dir mündlich zu verhandeln!“ Unsch. Nachr. 1722. S. 627. cf. orat. A. Mori. Genev. 1648.

Nach diesem Briefe, der, wie erwähnet, erst nach Luthers Tode in Wittenberg angekommen ist, zu urtheilen, wird sehr unwahrscheinlich, daß Luther Calvins Büchlein vom Abendmahl gelesen, oder gar von demselben ein so gutes Vorurtheil gehabt habe. Calvin fürchtet nach seinem eigenhändigen Briefe, daß Luther mit „Ekel“ und Widerwillen seinethalben erfüllt sein möge und daß sich Luther schwerlich so viel Zeit abmüßigen werde, seine beigelegten Büchlein nur zu durchfliegen. Dagegen halte man nun obige Erzählung und urtheile selbst.

Doch wir haben davon, daß sich Calvin in den letzten Jahren Luthers selbst mit unter die Widersacher desselben gerechnet habe, ein unwiderlegliches Zeugniß. Calvin schrieb nehmlich, nachdem Luther 1544 sein letztes Bekenntniß vom heil. Abendmahl herausgegeben und darin die Sacramentsschwärmer ernster als je angegriffen hatte, noch in demselben Jahr an Bullinger von Genf u. a. Folgendes:

„Ich höre, daß Luther endlich mit grimmigen Schmähungen nicht sowohl gegen euch, als gegen uns alle hervorgebrochen sei. Nun wage ich euch kaum zu bitten, daß ihr schweiget; weil es unbillig ist, unverschuldeter Weise eine so üble Behandlung zu erfahren und sich nicht rechtfertigen zu dürfen, und schwer zu bestimmen ist, ob dies ersprießlich sein würde. Aber das, bitte ich, wollet ihr euch zu Gemüthe führen: erstlich, was für ein großer Mann Luther sei, und durch was für große Gaben er sich auszeichne, mit welchem Muthe, mit welcher Beständigkeit, mit welcher Geschicklichkeit, mit welcher durchdringenden Kraft zu lehren er bisher das Reich des Antichrists zu stürzen und zugleich die Lehre des Heils zu verbreiten, beflissen gewesen ist. Ich pflege oft zu sagen: wenn er mich auch einen Teufel nennete, so würde ich ihm doch so viel Ehre erweisen, ihn als einen ausgezeichneten Knecht Gottes anzuerkennen, der jedoch, wie er an vorzüglichen Tugenden reich, so an großen Fehlern leidet. ... Doch ist es unsere Pflicht, das Böse an ihm so zu tadeln, daß wir ihm in Ansehung seiner ausgezeichneten Gaben etwas zu Gute halten. ... Darauf, wünsche ich, mögest du mehr sehen, als auf das, was Luther mit seiner unmäßigen Hitze verdient habe.“ Cf. J. Calvini ep. et resp. ed. Beza Lausannae. 1576. Ep. 57.

Hiernach ist es außer allem Zweifel: wenn L. ja von dem später offenbar gewordenen Unterschied der Lehre Calvins in dem Artikel vom h. Abendmahle und der seinigen (Luthers) nichts geahnt haben sollte, so hat doch Calvin recht wohl gewußt, daß, wenn Luther die Zwinglianer angreife, derselbe auch wider ihn kämpfe.

Wenn sich übrigens Herr N. darauf beruft, „daß Luther sich nicht gegen die calvinische Lehre ausgesprochen, sondern nur gegen Zwingli und Carlstadt die Waffen geführt habe“ (S. 44.), so ist dies eine Behauptung ohne Beweis. Daß L. nicht namentlich gegen Calvin aufgetreten ist, dies ist wohl wahr, erklärt sich aber leicht daraus, daß Calvin bei Lebzeiten Luthers sich öffentlich als einen Lutheraner geberdete, wie wir dies in der 7. Nummer dieses Jahrgangs nachgewiesen haben. Daß aber Luther die calvinische Lehre vom h. Abendmahle ebenso entschieden als eine Verkehrung der Worte Christi bekämpft hat, wie die zwinglische, dies kann nur der leugnen, der weder die eine noch die andere kennt.

Zwei Stellen mögen hier zum Beweise unserer Behauptung genügen. In dem letzten Bekenntniß von 1544 schreibt Luther u. a. also: „Ich muß sie fahren lassen und meiden .... er heiße Stenkefeld, Zwingli, oder wie er wolle; denn ich rechne sie alle in Einen Kuchen, wie sie auch sind, die nicht gläuben wollen, daß des HErrn Brod im Abendmahl sei sein rechter natürlicher Leib, welchen der Gottlose oder Judas ebensowohl mündlich empfähet, als St. Petrus und alle Heiligen. Wer das, sage ich, nicht will gläuben, der laß mich nur zufrieden mit Briefen, Schriften oder Worten, und hoffe bei mir keiner Gemeinschaft, da wird nichts anders aus.“

Endlich schreibt Luther noch im Jahr 1545, also in demselben Jahre, in welches Herrn N.'s Geschichte verlegt worden ist, folgendermaßen: „Von den Zwinglianern und allen Sacramentirern, so da verneinen, daß Christi Leib und Blut im hochwürdigen Sacrament mit leiblichem Munde empfangen werde, halten wir ernstlich, daß sie Ketzer und abgeschnittene Gliedmaß von der Gemeine Gottes sein.“ (L. W. XIX, 2257.)

Da nun Calvin und alle calvinischen Kirchen

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In this sermon he also took his final leave of his beloved people of Eisleben, saying: "Since I have now been here for a while and have preached to you, and must now return home and perhaps will not be able to preach to you again, I wish hereby to have blessed you and to ask that you remain with the Word which your preachers and pastors faithfully teach you concerning the grace of God; and also accustom yourselves to prayer, that God may protect you from all the wise men and would-be clever people who despise the doctrine of the gospel, for they have often done harm and may still do so." At the close he added further: "This, and much more, could be said about this gospel, but I am too weak; let us leave it at this. May the dear God grant grace that we may receive his precious Word with thanksgiving, and increase and grow in the knowledge and faith of his Son, our Lord Jesus Christ, and remain steadfast in the confession of his holy Word to the end. Amen." These were Luther's last words from the pulpit, and God graciously granted him, two days after this his public closing wish and blessing, a blessed end.

(To be continued.)

Luther and Calvin Concerning Their Doctrine of the Lord's Supper.
At the same time a continuation of the reply to the recent "Defense of the Union."
(Continued.)

II.

Did Luther, Before His Death, Approve of Calvin's Particular Doctrine?

Mr. Nollau writes in his tract, "A Word for the Good Cause of the Union," p. 44, the following: "That account bears entirely the stamp of truth, that Luther, in the year 1545 — that is, only one year before his death — read the Latin translation of Calvin's little book De Coena (On the Supper), and at last said: 'He is certainly a learned and pious man, to whom I might well have entrusted the whole matter of this dispute from the outset. I confess for my part that if the other side had done likewise, we would soon have come to an agreement from the beginning; for if Oecolampadius and Zwingli had at first declared themselves in this way, we would never have fallen into such extensive disputations.'"

Mr. N. does indeed say that this account "bears entirely the stamp of truth and is an unimpeachable testimony," but it is very fortunate that he added this himself, for otherwise scarcely anyone acquainted with the history of the Reformation would arrive at such a notion — unless, perhaps, the old orthography (spelling), in which Mr. N. has certainly not reproduced this account without intention, should lead someone to so remarkable a notion.

But that we regard this account as a fable is due to the following considerations. First, it cannot be made even probable by a single written word of Luther's that he ever read anything of Calvin's writings at all, much less that he approved of them. On the contrary, the opposite can be concluded on good grounds from a letter which Calvin himself wrote to Luther in Latin in the year 1545, but which reached Wittenberg only after Luther's death, was sent back by Melanchthon, was preserved in the library at Geneva, and was later published in print. In it Calvin writes, among other things: "Most reverend father in the Lord, I beg you most earnestly through Christ that you not feel burdened to overcome your distaste on my account and theirs, so that you would first glance over, in idle hours as a pastime, the letter written in the name of several Frenchmen and my little book, or else entrust the reading of it to someone who could give you its general content, and that you would then write us your opinion in a few words. I do this reluctantly, since I must trouble you with this at a time of such important and varied business, but since I do it only under compulsion, I trust that in your fairness you will grant me forgiveness. Would that I might be permitted to hasten to you, to enjoy your company for at least a few hours! For it would be dearer to me and far more useful to discuss, not only this matter but others as well, with you by word of mouth." Unschuldige Nachrichten, 1722, p. 627; cf. orat. A. Mori, Geneva, 1648.

Judging by this letter, which, as noted, reached Wittenberg only after Luther's death, it becomes very improbable that Luther ever read Calvin's little book on the Supper, or that he had so favorable a prejudice concerning it. According to his own letter, Calvin fears that Luther might be filled with "distaste" and aversion on his account, and that Luther would scarcely find enough time even to skim through the little book enclosed. Let the reader now weigh the above account against this and judge for himself.

We have, however, irrefutable evidence that Calvin himself, in Luther's last years, counted himself among his adversaries. For after Luther, in 1544, published his last confession concerning the Lord's Supper, in which he attacked the sacramentarian fanatics more severely than ever, Calvin wrote, still in that same year, to Bullinger of Geneva and others, the following:

"I hear that Luther has finally broken out with furious invectives, not so much against you as against all of us. Now I scarcely dare ask you to remain silent, since it is unjust to suffer such ill treatment undeservedly and not be permitted to justify oneself, and it is hard to determine whether that would be advantageous. But this, I beg you, bear in mind: first, what a great man Luther is, and by what great gifts he is distinguished — with what courage, with what steadfastness, with what skill, with what penetrating power of teaching he has hitherto labored to overthrow the kingdom of the Antichrist and at the same time to spread the doctrine of salvation. I am accustomed to say often: even if he were to call me a devil, I would still show him this much honor, that I would acknowledge him as an outstanding servant of God who, however, just as he is rich in excellent virtues, also suffers from great faults... Yet it is our duty to reprove the evil in him in such a way that we give him credit on account of his excellent gifts... In this, I wish you would look more to that than to what Luther, with his immoderate vehemence, may have deserved." Cf. J. Calvini Epistolae et Responsa, ed. Beza, Lausanne, 1576, Ep. 57.

From this it is beyond all doubt: even if Luther had had no inkling of the difference — which later became evident — between Calvin's doctrine on the article of the Lord's Supper and his own, Calvin nevertheless knew very well that whenever Luther attacked the Zwinglians, he was also fighting against him.

When, moreover, Mr. N. appeals to the claim "that Luther did not speak out against the Calvinist doctrine, but wielded his weapons only against Zwingli and Carlstadt" (p. 44), this is an assertion without proof. That Luther did not come forward by name against Calvin is indeed true, but this is easily explained by the fact that, during Luther's lifetime, Calvin publicly conducted himself as a Lutheran, as we have demonstrated in issue No. 7 of this volume. But that Luther fought against the Calvinist doctrine of the Lord's Supper just as decisively, as a perversion of the words of Christ, as he did against the Zwinglian doctrine, can only be denied by someone who knows neither the one nor the other.

Two passages may suffice here as proof of our assertion. In the last confession of 1544 Luther writes, among other things: "I must let them go and avoid them.... whether he be called Schwenckfeld, Zwingli, or whatever he wishes to be called; for I reckon them all as one and the same cake, being as they are, people who will not believe that the Lord's bread in the Supper is his true, natural body, which the ungodly man or Judas receives with the mouth just as truly as St. Peter and all the saints do. Whoever, I say, will not believe this, let him leave me in peace with letters, writings, or words, and let him hope for no fellowship with me — nothing else will come of it."

Finally, Luther writes further, still in the year 1545 — the very year in which Mr. N.'s story has been placed — as follows: "Concerning the Zwinglians and all sacramentarians, who deny that the body and blood of Christ are received with the bodily mouth in the venerable Sacrament, we hold firmly that they are heretics and severed members cut off from the congregation of God." (Luther's Works, XIX, 2257.)

Now since Calvin and all the Calvinist churches