Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 5 › Seite 29
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-10-27, Seite 29
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9 · Taufe 55
hingerichteten Präftdenten in einem mit ſchwar⸗
zem Tuche bedeckten Sarge in ſein Haus. Am
folgenden Tage wurde er auf dem St. Georgen⸗
Kirchhofe unter Geſang einiger Lieder begraben.
Erſt am 7. Januar 1725 fand die feierliche Be⸗
erdigung Statt.
Man führte jetzt auch die übrigen Punkte des
Warſchauer Urtheils aus. Der Burggraf Tho⸗
mas und der Rathmann Zimmermann
wurden ihrer Aemter entſetzt und mußten in's
Gefängniß. Der Rathmann Meißner und
der Sekretär wurden freigeſprochen, indem ſie
den Eid ſchwuren. Der Hauptmann Grau⸗
rock und Gewürzhändler Silber fanden ihre
Strafe. Der zum Tode verurtheilte Heyder
trat zur katholiſchen Kirche über und wurde be⸗
gnadigt. Seinen Sohn, der weggeſchafft, aber
wieder beigebracht war, nahmen die Jeſuiten
zu ſich. Die, welchen Gefängniß oder Peitſchen⸗
hiebe zuerkannt waren, wurden theils abge⸗
ſtraft, theils freigelaſſen, oder wieder in Verhaft
genommen auf weiteren Beſcheid. Weil man
die Hochzeitsrede des Prediger Geret nicht
mehr auftreiben konnte, ſo wurden einige Blät⸗
ter an ihrer Statt öffentlich unter Trommel⸗
ſchlag verbrannt. Der den Jeſuiten verurſachte
Schaden wurde auf 11,000 polniſche Gulden
angeſchlagen; der Pater Rektor nahm das Geld
ſelber in Empfang. Noch am 7. Dezember
nahm man Beſitz von der Marienkirche und
dem Gymnaſium. Am 8. Dezember, dem Feſt⸗
tage von Mariä Empfängniß, weihte der Suf⸗
fragan⸗Biſchof von Kulm die Kirche feierlich ein,
ein anderer Prieſter hielt die Meſſe, und der Je⸗
ſuit, welcher zu Warſchau die Klage wider die
Thorner geführt hatte, hielt die Einweihungsre⸗
de. Merkwürdig iſt der Eingang: „Jeſus,
Maria, Joſeph!“ Das iſt dieſer Leute Dreiei⸗
nigkeit. Er nahm aus den Apokryphen ſei⸗
nen Text: 1. Makk. 4, 36. 48, 57. Der Un⸗
ſinn, die falſche Frömmigkeit, der unter dem
Lammfelle hervorſchauende Wolf, die Schriftver⸗
drehung, die ſich in dieſer Predigt finden, ſuchen
ihres Gleichen. ö
Am 11. Dezember wurde dem Vizepräſiden⸗
ten Zernecke, der ganz auf ſeinen Tod gefaßt
war, angekündigt, daß ihm das Leben geſchenkt
ſei. Doch wurde er abgeſetzt und mußte 60,000
Gulden erlegen. Die Jeſuiten hätten ſchon
lange gern ſein Haus gehabt. Jetzt konnten
ſie es nehmen. König Au guſt erließ ein eig⸗
nes Dekret, in welchem dem Zernecke die Todes⸗
ſtrafe geſchenkt war. Er entſchuldigt ſich darin,
daß es die Umſtände nicht zugelaſſen hätten,
überhaupt ein minder ſtrenges Urtheil fällen zu
laſſen, oder es in der Vollziehung zu mäßigen.
Aber es bleibt doch auch auf ihm das Blut lie⸗
gen, da er als Koͤnig das Begnadigungsrecht
hatte.
Auch die übrigen Strafen wurden eingezo⸗
gen. Die Kommiſſäre nahmen aus dem Ver⸗
mögen des Präſidenten Nösner an Hausrath,
Silber und dergleichen im Werthe von 3,000
Gulden. Nach dem Exempel ihrer Herren grif⸗
fen auch die Diener zu. Aber hier traf ſchon
Einige das Gericht. Sie kamen an einen
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Schrank, in welchem Pfefferkuchen lag, in dem
Rattenpulver war. Sie aßen davon, aber es
bekam ihnen ſo übel, daß Einer erkrankte und
ein Anderer das Leben einbüßte. Am 18. De⸗
zember gaben die Kommiſſäre dem Magiſtrat die
Schlüſſel der Stadt zurück und zogen fort. Der
wüthendſte unter ihnen war Fürſt Lubo⸗
mirski, den ein Lied aus der damaligen Zeit
auf das Andenken Rösner's den Henker⸗
fürſt nannte. Die Strafe folgte dem Würger
auf dem Fuße nach. Er erblindete nicht lange
nach dem Blutbade gänzlich. Und was den
übrigen Mördern und Mordſtiftern widerfahren
iſt, das wird der Tag des Herrn an's Licht brin⸗
gen. Auch der Scharfrichter von Plozk zog da⸗
von, und es iſt kaum glaublich, wenn es nicht
bewieſen wäre, die Jeſuitenſchüler gaben ihm
mit Waldhornmuſik das Geleite bis vor das
Thor.
Den Lutheriſchen von Thorn wurde der ſtreng⸗
ſte Befehl ertheilt, übber den Vorgang we⸗
der zu ſprechen, noch zu ſchreiben.
Man wollte den blutigen Frevel in Schweigen
begraben. Aber das Blut der Gemordeten
ſchrie zum Himmel, es ſchrie durch ganz Europa.
Es erſchienen gegen 40 Schriften. Alle evan⸗
geliſche Fürſten, England, Dänemark, Schwe⸗
den, der deutſche Kaiſer, der Czar Peter der
Große ſprachen ſich mißbilligend gegen den
Polenkönig aus. Selbſt der Papſt nahm die
Miene an, als verwerfe er dieſe That und ta⸗
delte die Jeſuiten öffentlich. König Au guſt,
dem freilich die Flügel arg beſchnitten waren,
ſuchte ſich durch ſeine Miniſter bei dem Reichs⸗
tage zu Regensburg zu rechtfertigen, aber das
Blutbad war angerichtet, die Brut der Jeſuiten
hatte dazu gehetzt. Es war wieder auf's Neue
klar geworden, wie die römiſche Kirche, wo ſie
Gewalt hat, keine Schonung, keine Barmherzig⸗
keit kennt. Das Thorner Blutbad iſt ein Be⸗
weis weiter für das Truggebäude Roms und
für den Mordgeiſt, der die getreueſten Diener
des Vatikans erfüllt; eine Lektion für die Ge⸗
genwart, welche Alles dies vergeſſen zu haben
ſcheint. Sonſt könnte ſie nicht ihr Heil, ihre
Rettung ſuchen bei denen, welche wohl ſagen,
daß ſie nicht nach Blut dürſten, aber deren blut⸗
befleckte Hände das Gegentheil beweiſen.
(Eingeſandt.)
Unſere Miſſion.
Wir theilen hier einen Auszug aus dem Be⸗
richt des Herrn Miſſionar G.Mießler über
die Miſſionsſtation Bethanien mit, welchen
derſelbe an die Miſſions⸗Commiſſion der evan⸗
geliſch lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio
u. a. Staaten eingeſandt hat.
Zum Lobe und Preiſe Gottes, ſchreibt er, darf
ich Ihnen melden, daß das Werk unſerer ſchwa⸗
chen Hände auch in der jüngſt verfloſſenen Zeit
nicht vergeblich geweſen iſt in dem Herrn. Der
Herr läßt uns täglich und reichlich die Spuren
ſeiner ſegnenden Gegenwart ſehen, und erfah⸗
ren, daß er noch Gedanken des Friedens und
nicht des Leides über unſer armes Bethanien hat.
Wohl war uns bange bei dem Abſchiede un⸗
—
——
ſeres theuern Bruders Baierlein, und mit
zagendem Herzen fragten wir, was wird die
Folge ſein? Was wird die Zukunft mit ſich brin⸗
gen? Hätte ich nicht gewußt, daß der Herr in
den Schwachen mächtig iſt, wenn ſie anders ſich
ſchwach fühlen und in ihm ſtark werden wollen,
und daß er auch durch Wenig viel helfen kann,
wahrlich ich hätte, Angeſichts des ſchweren Am⸗
tes, das mir nun anvertraut worden, ſagen müſ⸗
ſen, ich tauge nicht zu predigen; ſeude wen du
ſenden willſt. Aber der treue Gott hat bisher ge⸗
holfen, iſt ſtark geweſen in unſerer Schwachheit u.
hat ſich mächtig erwieſen im Kampfe gegen Hei⸗
denthum und Methodismus und ſonſtige Werke
des Teufels, mit denen wir reichlich umgeben
ſind. Ja, der Herr hat über Bitten und Ver⸗
ſtehen gethan, unſern Unglauben beſchämt und
unſere Hoffnung auf ſeine weitere Hülfe gnädig
angefacht.
Wenn ich nun einige Züge aus unſern jüng⸗
ſten Miſſionserfahrungen Ihnen mittheilen ſoll,
ſo ſind die hauptſächlichſten folgende: Am VII.
Sonntage nach Trinitatis wurde ein Mann,
Namens Misguanagust(d. i. rothe Wolke) durch
die heilige Taufe in die Gnadengemeinſchaft mit
Chriſto aufgenommen. Es iſt derſelbe ein Va⸗
ter von fünf Kindern, die ſchon alle ſeit längerer
Zeit getauft ſind. Er ſelbſt war mit ſeiner Frau
dem Heidenthum und ſeinen Laſtern ſo zugethan,
daß wir vor nicht langer Zeit noch immer mein⸗
ten, er würde ſeine Gnadenzeit unbenützt vorü⸗
ber gehen laſſen. Wenn er Gelegenheit zum
Saufen hatte, ſo entging er keiner, ohne ſich voll
zu ſaufen und durch den Trunk unter das un⸗
vernünftige Vieh ſich herabzuwürdigen. Er war
Einer von den Wenigen unſers Ortes, der noch
am öfterſten heidniſche Feſte nach väterlicher
Weiſe mitfeierte oder ſelbſt anſtellte. Und trat
ihm dann und wann die Kraft des Wortes
Gottes zu nahe an's Herz, ſo meinte er demſel⸗
ben dadurch genug gethan zu haben, daß er ſei⸗
ne Kinder habe Chriſten werden laſſen. Er ſo⸗
wohl, als ſeine Frau, erklärten unverholen, daß
ſie nie Chriſten werden wollten. In dieſem
Leichtſinn gingen ſie dahin und ließen den
Herrn vergeblich anklopfen an die Thüre ih⸗
rer heidniſchen Herzen. Aber es ſollte auch an
dieſem Manne noch wahr werden, daß der Herr
die Starken zum Raube haben wird, und daß
ihm nichts unmöglich iſt. Etwa ſeit einem
Jahre fingen die beiden Leute an ſich etwas wil⸗
liger dem Zuge des Geiſtes Gottes hiuzuge⸗
ben; ſie kamen dann und wann zur Kirche und
hoͤrten die Predigt des Evangeliums an, und
wenn es kam, daß ihnen beſonders das Heil in
Chriſto und die Verdammniß ohne ihn an das
Herz gelegt wurde, ſo ließen ſie mehr den frü⸗
hern Leichtſinn fahren, mit dem ſie oft einem Ge⸗
ſpräche von dem Einem, was noth iſt, aus dem
Wege gegangen waren; erklärten ſtatt deſſen
nun, daß ſie auch wohl Chriſten werden wollten,
wenn der und jener Chriſt würde; aber diejeni⸗
gen, auf welche ſie warteten, waren nicht weni⸗
der leichtſinnig in Bezug auf das Heil ihrer
Seele, als ſie ſelbſt. Doch der Geiſt Gottes
arbeitete im Stillen an ihren Herzen und machte
dieſelben willig, auf ſeine Stimme zu merken.
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