Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 11 › Seite 43
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-01-24, Seite 43
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Bekenntnisſchriſten 7 · Lutheriſche Kirche 11
wenn wir nicht darob halten (Tit. 1, 9—11.) und kämpfen, (Jud. 3.) das Kleinod verlieren, (2 Joh. 8. 9.) und einst als untreue Haushalter verworfen werden. Darum laßt uns, die wir uns nicht nur heuchlerisch lutherisch nennen, sondern es auch in der That und Wahrheit sein und bleiben wollen, laßt uns zusammen treten und um das Panier der alten unveränderlichen Lehre unserer Kirche uns wieder schaaren; zusammen flehen, daß sich der HErr aufmache und eine Hülfe schaffe, daß man wieder getrost lehre; zusammen die Wahrheit treulich bekennen; zusammen wider alle Verfälschungen mit dem Schwerte des Geistes kämpfen und zusammen die Schmach tragen, womit der HErr seine Diener zu bezeichnen pflegt: dürfen wir auch nicht hoffen, daß die Kirche in diesen letzten greulichen Zeiten dadurch wieder in einen blühenden und herrlichen Zustand werde versetzt werden, so dürfen wir doch auch die Hoffnung nicht aufgeben, daß unser Zeugniß und unser Kampf nicht ganz vergeblich sein, sondern dem HErrn ein Lob bereiten und manche Seele von dem Irrthum ihres Weges bekehren werde.
Die sogenannte „Lutherische General-Synode."
Dieser kirchliche Körper hat neuerdings einen gedruckten Bericht über seinen eigenen Zustand nach Deutschland abgesendet. Dieser Bericht ist ein nicht unwichtiges Document, indem darin gewissermaßen ein amtliches Geständniß des Abfalls der Generalsynode von der lutherischen Lehre und Kirche abgelegt ist. Wir theilen die betreffenden Stellen unseren Lesern hierdurch mit und werden vielleicht später wieder einmal darauf zurückkommen. Es heißt in dem erwähnten Berichte aber u. a. wie folgt: „Ein Hauptgrundsatz des Lutherthums, dessen wir uns zu bedienen oft Gelegenheit hatten, ist der, welchen Mosheim in seiner Schilderung der Lutherischen Kirche voranstellt, daß „nach der Meinung dieser Kirche alle Lebenspflichten einzig und allein aus der heil. Schrift geschöpft werden," und daß die symbolischen Bücher dem göttlichen Worte untergeordnet sein müssen.
Nur wesentliche Uebereinstimmung in Lehr- und Lebensansichten, wurde also (?) unter uns erfordert. Nach der von der General-Synode herausgegebenen Formula oder Kirchenordnung, müssen Candidaten bei ihrer Licensur und Pastoren bei ihrer Ordination, nachdem sie die Bibel als die allein unfehlbare göttliche Norm ihres Glaubens und Lebens anerkannt haben, nur folgendes Versprechen ablegen: „Wir glauben, daß die Fundamentalwahrheiten der Bibel auf eine wesentlich richtige Weise in den Lehrartikeln der Augsburger Confession vorgetragen werden." Unser Grundsatz ist: „In fundamentalibus Lutheranismi unitas, in non-fundamentalibus libertas, in omnibus charitas."*) Und es ist bemerkenswerth, unter allen Predigern, welche zu den verschiedenen mit der General-Synode vereinigten Synoden gehören, ist nicht, so weit uns bekannt ist, ein einziger Neolog. Die wenigen Rationalisten, schon damals bejahrt, welche zu Zeit der Entstehung der General-Synode in unserer Kirche existirten, haben sich derselben entgegengesetzt, und sind jetzt mehrstens gestorben. Wesentliche Rechtgläubigkeit wird also durch unsere Regel gesichert. Auch wäre strenge Gleichförmigkeit hier nicht erreichbar. Unsere Väter kamen aus allen Theilen des deutschen Vaterlandes, und wem ist es nicht bekannt, daß da auch unter den Rechtgläubigen Verschiedenheit der Ansichten obwaltet, welche unsere Väter mit sich brachten. Nur durch einen solchen Eclecticismus, durch eine solche freie Bildung, welche über Verschiedenheit in Nebensachen hinaussehend, die wesentlichen Momente des Lutherthums mit wahrem Erfahrungs-Christenthum verbunden, zum Bande der Einigkeit macht, kann unsere Kirche in America den Frieden erhalten und glücklich aufgebauet werden. Diese ganz freie Bewegung der Kirche mag unseren deutschen Brüdern befremdend erscheinen, aber sie fließt aus der freien Lage der Kirche, und herrscht auch in allen andern Religionsverfassungen unseres Landes.
*) In Grundlehren des Lutherthums Einheit, in Nicht-Grundlehren Freiheit, in Allem Liebe.
Was nun unsere Lehransichten anbelangt, so bekennen wir unverhohlen, ja bekennen es laut und offen, daß die große Mehrzahl von uns nicht altlutherisch sind, in dem Sinne einer kleinen Partei, welche in Deutschland diesen Namen führt. Wir sind überzeugt, daß wenn der große Luther noch lebte, so wäre er es selbst nicht. Wir glauben, die drei letztverflossenen Jahrhunderte haben auch Männer hervorgebracht, die vermögend waren zu denken, zu forschen, zu bilden, sowohl als das sechszehnte. Ja, so gering wir uns selbst achten, so erkühnen wir uns doch, angetrieben durch Pflichtgefühl, die Schrift für uns selbst zu untersuchen, und unsere Lehransichten aus dieser himmlischen Quelle zu schöpfen. Aber dennoch sind wir Evangelisch-Lutherisch. Festhaltend an dem Hauptgrundsatz Luthers, daß Gottes Wort allein unfehlbar ist, haben wir Luthers Lehrgebäude nach diesem Worte geprüft und wesentlich richtig gefunden. Wir stehen hier wie überhaupt in den mehrsten unserer kirchlichen Grundsätze, auf gemeinschaftlichem Grunde mit der Unirten Kirche Deutschlands. Die Unterscheidungsansichten zwischen der Altlutherischen und der Reformirten Kirche achten wir als nicht wesentlich; und die Richtung der sogenannten altlutherischen Partei scheint uns hinter unserem Zeitalter zu sein. Die glorreiche Reformation des sechszehnten Jahrhunderts war weder eine plötzliche noch vollkommene. Der große Luther hat zeitlebens Fortschritte gemacht, und am Ende seiner Laufbahn, sein Werk als unvollendet betrachtet. Wir folgen seinem eignen Rathe, wenn wir in Gottes Wort mehr als in seinen Schriften um die Wahrheit forschen, und so sein Werk zu vollenden suchen; und diesem seinem Grundsatze getreu, glauben wir als ehrliche Männer, uns noch Lutheraner nennen zu können. Ueber alle Hauptpuncte des Christlichen Lehrgebäudes stimmen wir mit Luther und den Symbolen der Lutherischen Kirche überein. Die dogmatischen Ansichten eines Mosheim, eines Reinhart, ausgenommen des letzteren Theorie über die künftigen Strafen der Hölle, können im Allgemeinen als die unsrigen angesehen werden.
Die Lehre der absoluten Gnadenwahl wird von keinem unserer Prediger geglaubt. Luthers besondere Ansicht über die leibliche Gegenwart des HErrn im Abendmahl ist von der großen Mehrheit unserer Prediger längst aufgegeben; obzwar einige wenige der ältern deutschen Lehrer und Gemeindeglieder sie noch behalten. Ueber die Art und Bedeutung der Gegenwart des HErrn im Abendmahl wird, wie in der Evangelischen Kirche Deutschlands, Freiheit erlaubt.
„Die Mehrheit unserer Prediger glauben an eine besondere Gegenwart und einen besondern Segen des HErrn, aber nur geistlicher Art. Die Versöhnung ist, nach unserer Ansicht, für alle Menschen bestimmt. Die Rechtfertigung des Sünders geschieht allein um des Verdienstes Christi willen, durch den Glauben ergriffen. Die Gnade Gottes wird allen Menschen angeboten — ist aber nicht unwiderstehlich. Die Taufe nimmt das Subject in die sichtbare Kirche Gottes auf: auch versichert sie dem Kinde die Vergebung der Sünde, dem Erwachsenen aber nur, wenn er wahrhaftig bußfertig ist, und lebendigen Glauben an Christum übt. Ueber die novissimis, oder letzten Dinge, wüßten wir nicht, daß wir in irgend einem Puncte die alte Lehre verlassen hätten. Die Lehre der Wiederbringung sehen wir als unbiblisch an, und der hiesige Universalismus, der fast immer den Socinianismus zum Grunde hat, wird als höchst schriftwidrig und seelengefährlich verworfen.
Die Methodistische Kirche hat auch viel Nutzen gestiftet unter den Deutschen, und mehrere Gemeinden gebildet. Aber die Ansichten dieser sonst geschätzten Kirche über Ordnung im Gottesdienst, behagen den Deutschen nicht. — Wenn Prediger herüber kommen, sollten sie sich an unsere Synoden anschließen, indem die Errichtung einer eigentlichen Evangelischen (Unirten) Kirche, wie sie im alten Vaterlande existirt, hier nicht rathsam ist. Sie würden nur aus Europäern bestehen, und eine neue Secte neben den schon existirenden bilden. Die hiesigen Reformirten neigen sich zur absoluten Gnadenwahlslehre, und sind nicht willig, mit der luth. Kirche sich zu vereinigen; sondern vielmehr mit der Holländisch-Reformirten, welche sich strenge an das Lehrgebäude Calvins hält. Auch sollten sie nicht mit dem Vorsatze kommen, die Americanisch-Luth. Kirche nach dem europäischen Maßstab umbilden zu wollen. Es wird ihnen doch nicht gelingen, und der Versuch verursacht nur Streit und Zwiespalt.
English translation AI translation
if we do not hold fast to it (Titus 1:9–11) and fight for it (Jude 3), to lose the treasure (2 John 8–9) and one day be rejected as unfaithful stewards. Therefore let us, who wish to be Lutherans not merely in name, but also to be and remain so in deed and truth, let us join together and rally once more around the banner of our church's old, unchanging doctrine; let us together plead that the Lord arise and provide help, that people may again teach with confidence; let us together faithfully confess the truth; let us together fight with the sword of the Spirit against all corruptions, and together bear the reproach with which the Lord is accustomed to mark his servants: even if we may not hope that the church will thereby be restored, in these last, terrible times, to a flourishing and glorious condition, yet we may not give up the hope that our testimony and our struggle will not be entirely in vain, but will prepare praise for the Lord and convert many a soul from the error of its way.
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The So-Called "Lutheran General Synod."
This ecclesiastical body has recently sent a printed report about its own condition to Germany. This report is a not unimportant document, in that it contains, so to speak, an official confession of the General Synod's apostasy from Lutheran doctrine and the Lutheran church. We hereby share the relevant passages with our readers, and will perhaps return to the subject again later. The report mentioned states, among other things, the following:
"A principal tenet of Lutheranism, of which we have often had occasion to avail ourselves, is the one which Mosheim places first in his description of the Lutheran church: that 'in the opinion of this church, all duties of life are drawn solely and alone from Holy Scripture,' and that the symbolical books must be subordinate to the divine Word.
Only essential agreement in doctrinal and life views was thus (?) required among us. According to the Formula, or church order, published by the General Synod, candidates at their licensure and pastors at their ordination, after acknowledging the Bible as the sole infallible divine norm of their faith and life, need only make the following promise: 'We believe that the fundamental truths of the Bible are set forth in a substantially correct manner in the doctrinal articles of the Augsburg Confession.' Our principle is: In fundamentalibus Lutheranismi unitas, in non-fundamentalibus libertas, in omnibus charitas.*) And it is noteworthy that among all the preachers belonging to the various synods united with the General Synod, there is not, so far as is known to us, a single Neologian. The few Rationalists, already advanced in years, who existed in our church at the time of the General Synod's founding, opposed it, and have now mostly died. Essential orthodoxy is thus secured by our rule. Nor would strict uniformity be attainable here in any case. Our fathers came from all parts of the German fatherland, and who does not know that even among the orthodox there prevails a diversity of views which our fathers brought with them. Only through such an eclecticism, through such a free formation — which, looking beyond diversity in secondary matters, unites the essential elements of Lutheranism with true experiential Christianity and makes this the bond of unity — can our church in America maintain peace and be happily built up. This entirely free movement of the church may seem strange to our German brethren, but it flows from the free situation of the church, and prevails also in all the other religious constitutions of our country.
*) In the fundamental doctrines of Lutheranism, unity; in non-fundamental doctrines, freedom; in all things, love.
As for our doctrinal views, we openly confess — indeed we confess it loudly and plainly — that the great majority of us are not Old Lutheran in the sense of a small party that bears this name in Germany. We are convinced that if the great Luther were still living, he himself would not be one. We believe that the past three centuries have also produced men capable of thinking, investigating, and forming judgment, no less than the sixteenth. Indeed, however lowly we regard ourselves, we nevertheless make bold, driven by a sense of duty, to examine Scripture for ourselves and to draw our doctrinal views from this heavenly source. But nevertheless we are Evangelical Lutheran. Holding fast to Luther's chief principle, that God's Word alone is infallible, we have tested Luther's system of doctrine by this Word and found it substantially correct. Here, as generally in most of our churchly principles, we stand on common ground with the United Church of Germany. We regard the distinguishing views between the Old Lutheran and the Reformed church as not essential; and the direction of the so-called Old Lutheran party seems to us to be behind our age. The glorious Reformation of the sixteenth century was neither sudden nor complete. The great Luther made progress throughout his life, and at the end of his career regarded his work as unfinished. We follow his own counsel when we search for truth in God's Word more than in his writings, and thus seek to complete his work; and faithful to this his principle, we believe, as honest men, that we may still call ourselves Lutherans. On all the main points of the Christian system of doctrine we agree with Luther and the symbolical books of the Lutheran church. The dogmatic views of a Mosheim, of a Reinhard — excepting the latter's theory concerning the future punishments of hell — may in general be regarded as our own.
The doctrine of absolute election by grace is believed by none of our preachers. Luther's particular view concerning the bodily presence of the Lord in the Supper has long since been abandoned by the great majority of our preachers, although a few of the older German teachers and church members still retain it. Regarding the manner and meaning of the presence of the Lord in the Supper, freedom is allowed, as in the Evangelical Church of Germany.
The majority of our preachers believe in a special presence and a special blessing of the Lord, but only of a spiritual kind. Reconciliation, in our view, is intended for all mankind. The justification of the sinner takes place solely for the sake of the merit of Christ, laid hold of through faith. The grace of God is offered to all people — but is not irresistible. Baptism receives the subject into the visible church of God: it also assures the child of the forgiveness of sin, but assures the adult only when he is truly repentant and exercises living faith in Christ. Concerning the novissima, or last things, we are not aware that we have departed from the old doctrine in any point. We regard the doctrine of universal restoration as unbiblical, and the Universalism found here, which is almost always grounded in Socinianism, is rejected as most contrary to Scripture and dangerous to souls.
The Methodist Church has also done much good among the Germans, and has formed several congregations. But the views of this otherwise esteemed church concerning order in worship do not suit the Germans. — When preachers come over, they should join our synods, since the establishment here of a proper Evangelical (United) church, such as exists in the old fatherland, is not advisable. It would consist only of Europeans, and would form a new sect alongside those already existing. The Reformed here incline toward the doctrine of absolute election by grace, and are not willing to unite with the Lutheran church, but rather with the Dutch Reformed, which adheres strictly to the doctrinal system of Calvin. Nor should they come with the intention of wanting to remodel the American Lutheran church after the European standard. They will not succeed in this, and the attempt only causes strife and division.