Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 15 › Seite 92

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-03-15, Seite 92

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the spirit world) Folgendes mittheilen.

Die Klopfteufel reden viel von Gott und thun
eft, als hätten ſie eine außerordentlich tiefe Ehr—
furcht vor Gott. Allein ſie meinen damit nicht
den allein wahren Gott, den die Bibel offenbart
und an den die Chriſten glauben, ſondern ein
anderes Weſen, das nur in den Gedanken der
Klopfteufel eriſtirt. Dieſer Gott iſt die Seele
der Welt, woraus alles ſeinen Urſprung genom—
men hat und wohin alles wieder zurückfließt.
Dieſer Gott iſt Liebe, ohne Gerechtigkeit u. Hei⸗

ſelig.

Beſonders aber eifern die Klopfgeiſter gegen
die bibliſche Lehre von Hölle, Teufel und ewiger
Verdammniß der Gottloſen. Da werden ſie
außerordentlich beredt; da wimmern ſie bald aufs
Rührendſte von der unendlichen Liebe Gottes,
weßhalb er Niemanden ſtrafen und verdammen
könne; bald ſpotten ſie mit ächtem Teufelshohne
über dieſe allerheiligſten göttlichen Wahrheiten.
Und damit beweiſen die Klopfgeiſter nur zu
deutlich, daß ſie verfluchte Teufel ſind, die nur
darauf ausgehen, die Menſchen in den ſicherſten
Unglauben zu verſenken, um ſie deſto gewiſſer
in die Hölle zu ſtürzen. Von ihnen bezeugt der
heilige Apoſtel Paulus Gal. 1, 8.: So auch
wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde
Cvangelium predigen anders, denn das wir
euch geprediget haben, der ſei verflucht.

Dagegen lehren die Klopfgeiſter, es gebe
außer der Erde noch ſechs Sphären, welche wie—
der in verſchiedene Zirkel zerfallen. Dieſe Sphä—
ren bilden die Wohnung der abgeſchiedenen See—
len. Sobald ein Menſch ſtirbt, kommt ſeine

Stele in eine höhere oder tiefere Sphäre, wie

ſie es durch ihre größere oder geringere Fröm—
imigkeit verdient. Dort wird ſie dann von ih—
Uren Sünden gereinigt, erreicht ſtufenweiſe eine

immer größere Vollkommenheit, bis ſie alle

Sphären durchlaufen hat und endlich ganz hei⸗
lig zum Anſchauen Gottes übergeht.

Doch mit dieſen gräulichen Lügen ſind die

Klopfteufel noch nicht zufrieden. Außerdem lä—
ſtern ſie unverſchämt daher, die Bibel ſei voller

Irrthümer und reiche für unſere fortgeſchrittene

Zeit nicht mehr aus, die Menſchen bedürften
neuer Offenbarungen, darum ſeien nun die
Geiſter geſandt, am durch ihre Enthüllungen
Jeine neue herrliche Zeit, das tauſendjährige
RNeich herbeizuführen. Und dann wärmen ſie
rieſe alte ekelhafte Judenfabel vom tauſendjäh—
rigen Reiche wieder auf und ſchmücken ſie mit
den lebhafteſten Farben aus, daß die Menſchen
daunn von allem Elende befreit den Himmel auf
Erden haben würden.

Auch wird von allerlei Wundern erzählt, die
rie Klopfgeiſter vollbracht haben ſollen, ſo wie
von allerlei Weiſſagungen, die alle richtig in
Erfüllung gegangen ſind.

Uebrigens geben die Anhänger dieſer Klopf⸗
geiſter ſelbſt zu, daß es boshafte und ſtreitſüch⸗
)“lge Geiſter gebe, die man nur durch Beſchwö⸗
rungsformeln vertreiben könne. Es iſt ferner
tine ausgemachte Thatſache, daß ſchon öfters
perſonen durch Schuld der Geiſterklopferei in

ligkeit, darum macht er endlich alle Böſewichter

91—

das größte Unheil und in völligen Wahnſinn
gerathen ſind. So erzählt der Apologete, der
ſich auch gegen dieſes Unweſen erklärt hat, fol⸗
gende ſchreckliche Begebenheit Nro. 723.: „Die
Geiſterklopfer in Cap Cod. Sechzehn bis zwan—
zig Perſonen ſind ſeit Kurzem in's Irrenhaus
gekommen, welche ſich für Mediums ausgaben,
und noch mehr bereiten ſich für den gleichen
Platz. Auf dieſem Cap benachrichtigten die

Geiſter vor nicht ſehr langer Zeit, daß ein ge⸗

wiſſes Schiff untergegangen und die Mannſchaft
in die Hölle gekommen ſei. Die Weiber, Müt⸗
ter und Töchter waren darüber beinahe wahn—
ſinnig geworden, als man plötzlich das Schiff
erblickte mit aller ſeiner Mannſchaft im beſten
Wohlſein. Die Gläubigen an das Klopfen er—
klärten dieſe Sache, indem ſie ſagten, daß er ein
lügender Geiſt geweſen ſei, der ſie betrogen ha—
be! Eines der größten Mediums ſagte mir,
daß man den Mittbeilungen, die man von ihm
erhielte, nicht vertrauen dürfe, denn er könne
nicht ſagen, ob dieſelben wahr oder falſch —
ob ſie vom Himmel oder aus der Hölle oder auch
von den Abgeſchiedenen ſeien.“

Du wirſt vielleicht fragen, lieber Leſer, wie
iſt es nur möglich, daß ein ſolcher ſcheußlicher
Höllenſpuk in ſo kurzer Zeit ſo viele Anhänger
finden kann? Ich antworte darauf, darin ha—
ben wir allerdings ein Gericht Gottes zu er—
blicken, wie die heil. Schrift bezeugt, Joh. 3,
19.: Das iſt aber das Gericht, daß das Licht
in die Welt gekommen iſt; und die Menſchen
liebten die Finſterniß mehr, denn das Licht.
Denn ihre Werke waren böſe. Und 2. Theſſ.
2, 10. 11. dafür, daß ſie die Liebe zur Wahr⸗
heit nicht haben angenommen, daß ſie ſelig wür—
den, darum wird ihnen Gott kräftige Irrthümer
ſenden, daß ſie glauben der Lüge. Wer Gott
und ſeinem Worte nicht glauben will, der muß
dem Teufel glauben und ſeine gräulichſten Lü—
gen für Wahrheit halten.

Höre nun, lieber Leſer, einen klaren Beweis
aus Gottes Wort dafür, daß dieſe Klopfgeiſter
keinesweges abgeſchiedene Menſchenſeelen, ſon⸗
dern Teufel ſind. Wir entnehmen denſelben ei⸗
ner vortrefflichen Schrift unſeres theuren Löhe,
welche den Titel trägt: Was iſt es mit den
Geiſtererſcheinungen? Derſelbe lautet alſo:

Für's erſte ſagt die heilige Schrift kein Wort
davon, daß die Seelen der Verſtorbenen noch
länger auf dek Erde verweilen, ſondern überall
in der heil. Schrift iſt gelehrt, daß ſie alsbald
an ihren ewigen Ort kommen. Von den See⸗
len der Gerechten brancht ſchon das alte Teſta⸗
ment die Redensart: „ſie werden geſam⸗
melt zu ihrem Volke.“ Dieſe Redensart
kann nicht von ihrem Begräbniſſe verſtanden
werden, als würden die Frommen durch's Be⸗
gräbniß zu den Leibern ihres Volkes verſam⸗
melt. Denn die Leichname im Grabe ſind kein
Volk; auch wird dieſe Redeweiſe von ſolchen ge—
braucht, welche ferne von ihrem Vaterlande, in
der Fremde ein einſames Begräbniß finden. So
heißt es z. B. 1. Moſ 25, 8. von Abraham:
„er ward zu ſeinem Volk geſam⸗
melt;“ da doch in ſeinem Grabe nur Sarah

— 2 *

lag und erſt V. 9. der Bericht von ſeinem Be⸗
gräbniß gegeben wird. „Zu ſeinem Volk ge—
ſammelt werden,“ geht deßhalb auf die Se e—
len, und das Volk, von welchem die Rede iſt,
ſind „die Geiſter der vollendeten
Gerechten,“ welche nach Ebr. 12, 22. im
himmliſchen Jeruſalem verſammelt ſind.
Dorthin gehen die Seelen nach ihrem Abſchied
aus dem Leben des Leibes. Das ſehen wir
auch an Lazarus, von welchem es Luc. 16.
22. heißt: „er ſtarb“ und unmittelbar da—
rauf: „er ward getragen von den En⸗
geln in Abraham's Schooß.“ (Vergl.
Matth. 8, 11.) Das ſehen wir am Schäch er,
welchen der HErr am Charfreitag, Nachmittags
gegen drei Uhr, alſo ungefähr drei Stunden vor
dem Ende jenes Tages, verſicherte: „Wahr—
lich, ich ſage dir, heute wirſt du mit
mir im Paradieſe ſein.“ Lue. 23, 48.
Das ſehen wir an dem HErrn ſelbſt, welcher
im Augenblicke des Verſcheidens betete, was
Pſalm 31, 6. geſchrieben ſteht: „Vater, ich
befehle meinen Geiſt in deine Hän⸗
de.“ Luc. 23, 46. Das ſehen wir an Ste⸗
phanus, welcher Apoſtelgeſch. 7, 58. in ſeinem
Tode betete: „HErr JEſu, nimm mei⸗
nen Geiſt auf!“ Alſo gehen die Seelen
der Frommen ins himmliſche Jeru ſalem, zu dem
Volke Gottes, zum ewigen Freudenmahle, in die
Hand des HErrn. Darum freut ſich auch St.
Paulus auf das Ende des Glaubens und den
Anfang des Schauens und ruft 2. Cor. 5, 8.:
„Wir ſind getroſt und haben viel⸗
mehr Luſt, außer dem Leibe zu wallen
und daheim zu ſein bei dem HErrn“ —
und Phil. 1, 23.: „Ich habe Lu ſt a b⸗
zu ſcheiden und bei Chriſto zu ſein.“
Und mit Recht ſpricht das Buch der Weisheit 3,
1.: „Der Gerechten Seelen ſind in
Gottes Hand und keine Qual rührt
ſie an.“

Aehnlich iſt es mit den Seelen der Gottloſen.
Der reiche Mann ſtirbt — und als b ald iſt
er in der Hölle und in der Qual.
Luc. 16, 23. Zu einem andern reichen Manne
Luc. 12, 16. ffg. ſprach Gott, indem er ihm
ſeine Todesnacht andeutete: „Du Narr, die⸗
ſe Nacht wird man deine Seele von
dir fordern.“ Der Tod des Judas Iſcha⸗
rioth wird Apoſtelgeſch. 1, 25. mit den Wor⸗
ten beſchrieben: „er ging hin an ſeinen
Ort.“ — Dieſer Ort aber iſt derſelbe, von
welchem ein in vieſer Sache gültiger Zeuge
ſpricht, daß es ein „Ort der Qual ſei.“
Luc. 16, 28. Derſelbige Zeuge verſichert auch,
vaß für die Gottloſen das Sterben nichts an⸗
ders ſei, als: „ein Kommen an ſeinen
Ort der Oual.“ V. 28.

Indeß gebe ich zu, daß dieſe Stellen — und
viele andere, welche ein aufmerkſamer Leſer der
heil. Schrift ſelbſt finden wird*) — nur bewei⸗
ſen, daß die Seelen der Abgeſchiedenen als⸗
bald an ihren Ort gehen, nämlich ent⸗
weder in's Paradies over in die Hölle, — nicht

*). 3. B. die Stelle von dem Tede des Königs von
Babel. Itſ. 14, 4. ffg.

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