# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 03 15_S92 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) the spirit world) Folgendes mittheilen. Die Klopfteufel reden viel von Gott und thun eft, als hätten ſie eine außerordentlich tiefe Ehr— furcht vor Gott. Allein ſie meinen damit nicht den allein wahren Gott, den die Bibel offenbart und an den die Chriſten glauben, ſondern ein anderes Weſen, das nur in den Gedanken der Klopfteufel eriſtirt. Dieſer Gott iſt die Seele der Welt, woraus alles ſeinen Urſprung genom— men hat und wohin alles wieder zurückfließt. Dieſer Gott iſt Liebe, ohne Gerechtigkeit u. Hei⸗ ſelig. Beſonders aber eifern die Klopfgeiſter gegen die bibliſche Lehre von Hölle, Teufel und ewiger Verdammniß der Gottloſen. Da werden ſie außerordentlich beredt; da wimmern ſie bald aufs Rührendſte von der unendlichen Liebe Gottes, weßhalb er Niemanden ſtrafen und verdammen könne; bald ſpotten ſie mit ächtem Teufelshohne über dieſe allerheiligſten göttlichen Wahrheiten. Und damit beweiſen die Klopfgeiſter nur zu deutlich, daß ſie verfluchte Teufel ſind, die nur darauf ausgehen, die Menſchen in den ſicherſten Unglauben zu verſenken, um ſie deſto gewiſſer in die Hölle zu ſtürzen. Von ihnen bezeugt der heilige Apoſtel Paulus Gal. 1, 8.: So auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde Cvangelium predigen anders, denn das wir euch geprediget haben, der ſei verflucht. Dagegen lehren die Klopfgeiſter, es gebe außer der Erde noch ſechs Sphären, welche wie— der in verſchiedene Zirkel zerfallen. Dieſe Sphä— ren bilden die Wohnung der abgeſchiedenen See— len. Sobald ein Menſch ſtirbt, kommt ſeine Stele in eine höhere oder tiefere Sphäre, wie ſie es durch ihre größere oder geringere Fröm— imigkeit verdient. Dort wird ſie dann von ih— Uren Sünden gereinigt, erreicht ſtufenweiſe eine immer größere Vollkommenheit, bis ſie alle Sphären durchlaufen hat und endlich ganz hei⸗ lig zum Anſchauen Gottes übergeht. Doch mit dieſen gräulichen Lügen ſind die Klopfteufel noch nicht zufrieden. Außerdem lä— ſtern ſie unverſchämt daher, die Bibel ſei voller Irrthümer und reiche für unſere fortgeſchrittene Zeit nicht mehr aus, die Menſchen bedürften neuer Offenbarungen, darum ſeien nun die Geiſter geſandt, am durch ihre Enthüllungen Jeine neue herrliche Zeit, das tauſendjährige RNeich herbeizuführen. Und dann wärmen ſie rieſe alte ekelhafte Judenfabel vom tauſendjäh— rigen Reiche wieder auf und ſchmücken ſie mit den lebhafteſten Farben aus, daß die Menſchen daunn von allem Elende befreit den Himmel auf Erden haben würden. Auch wird von allerlei Wundern erzählt, die rie Klopfgeiſter vollbracht haben ſollen, ſo wie von allerlei Weiſſagungen, die alle richtig in Erfüllung gegangen ſind. Uebrigens geben die Anhänger dieſer Klopf⸗ geiſter ſelbſt zu, daß es boshafte und ſtreitſüch⸗ )“lge Geiſter gebe, die man nur durch Beſchwö⸗ rungsformeln vertreiben könne. Es iſt ferner tine ausgemachte Thatſache, daß ſchon öfters perſonen durch Schuld der Geiſterklopferei in ligkeit, darum macht er endlich alle Böſewichter 91— das größte Unheil und in völligen Wahnſinn gerathen ſind. So erzählt der Apologete, der ſich auch gegen dieſes Unweſen erklärt hat, fol⸗ gende ſchreckliche Begebenheit Nro. 723.: „Die Geiſterklopfer in Cap Cod. Sechzehn bis zwan— zig Perſonen ſind ſeit Kurzem in's Irrenhaus gekommen, welche ſich für Mediums ausgaben, und noch mehr bereiten ſich für den gleichen Platz. Auf dieſem Cap benachrichtigten die Geiſter vor nicht ſehr langer Zeit, daß ein ge⸗ wiſſes Schiff untergegangen und die Mannſchaft in die Hölle gekommen ſei. Die Weiber, Müt⸗ ter und Töchter waren darüber beinahe wahn— ſinnig geworden, als man plötzlich das Schiff erblickte mit aller ſeiner Mannſchaft im beſten Wohlſein. Die Gläubigen an das Klopfen er— klärten dieſe Sache, indem ſie ſagten, daß er ein lügender Geiſt geweſen ſei, der ſie betrogen ha— be! Eines der größten Mediums ſagte mir, daß man den Mittbeilungen, die man von ihm erhielte, nicht vertrauen dürfe, denn er könne nicht ſagen, ob dieſelben wahr oder falſch — ob ſie vom Himmel oder aus der Hölle oder auch von den Abgeſchiedenen ſeien.“ Du wirſt vielleicht fragen, lieber Leſer, wie iſt es nur möglich, daß ein ſolcher ſcheußlicher Höllenſpuk in ſo kurzer Zeit ſo viele Anhänger finden kann? Ich antworte darauf, darin ha— ben wir allerdings ein Gericht Gottes zu er— blicken, wie die heil. Schrift bezeugt, Joh. 3, 19.: Das iſt aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen iſt; und die Menſchen liebten die Finſterniß mehr, denn das Licht. Denn ihre Werke waren böſe. Und 2. Theſſ. 2, 10. 11. dafür, daß ſie die Liebe zur Wahr⸗ heit nicht haben angenommen, daß ſie ſelig wür— den, darum wird ihnen Gott kräftige Irrthümer ſenden, daß ſie glauben der Lüge. Wer Gott und ſeinem Worte nicht glauben will, der muß dem Teufel glauben und ſeine gräulichſten Lü— gen für Wahrheit halten. Höre nun, lieber Leſer, einen klaren Beweis aus Gottes Wort dafür, daß dieſe Klopfgeiſter keinesweges abgeſchiedene Menſchenſeelen, ſon⸗ dern Teufel ſind. Wir entnehmen denſelben ei⸗ ner vortrefflichen Schrift unſeres theuren Löhe, welche den Titel trägt: Was iſt es mit den Geiſtererſcheinungen? Derſelbe lautet alſo: Für's erſte ſagt die heilige Schrift kein Wort davon, daß die Seelen der Verſtorbenen noch länger auf dek Erde verweilen, ſondern überall in der heil. Schrift iſt gelehrt, daß ſie alsbald an ihren ewigen Ort kommen. Von den See⸗ len der Gerechten brancht ſchon das alte Teſta⸗ ment die Redensart: „ſie werden geſam⸗ melt zu ihrem Volke.“ Dieſe Redensart kann nicht von ihrem Begräbniſſe verſtanden werden, als würden die Frommen durch's Be⸗ gräbniß zu den Leibern ihres Volkes verſam⸗ melt. Denn die Leichname im Grabe ſind kein Volk; auch wird dieſe Redeweiſe von ſolchen ge— braucht, welche ferne von ihrem Vaterlande, in der Fremde ein einſames Begräbniß finden. So heißt es z. B. 1. Moſ 25, 8. von Abraham: „er ward zu ſeinem Volk geſam⸗ melt;“ da doch in ſeinem Grabe nur Sarah — 2 * lag und erſt V. 9. der Bericht von ſeinem Be⸗ gräbniß gegeben wird. „Zu ſeinem Volk ge— ſammelt werden,“ geht deßhalb auf die Se e— len, und das Volk, von welchem die Rede iſt, ſind „die Geiſter der vollendeten Gerechten,“ welche nach Ebr. 12, 22. im himmliſchen Jeruſalem verſammelt ſind. Dorthin gehen die Seelen nach ihrem Abſchied aus dem Leben des Leibes. Das ſehen wir auch an Lazarus, von welchem es Luc. 16. 22. heißt: „er ſtarb“ und unmittelbar da— rauf: „er ward getragen von den En⸗ geln in Abraham's Schooß.“ (Vergl. Matth. 8, 11.) Das ſehen wir am Schäch er, welchen der HErr am Charfreitag, Nachmittags gegen drei Uhr, alſo ungefähr drei Stunden vor dem Ende jenes Tages, verſicherte: „Wahr— lich, ich ſage dir, heute wirſt du mit mir im Paradieſe ſein.“ Lue. 23, 48. Das ſehen wir an dem HErrn ſelbſt, welcher im Augenblicke des Verſcheidens betete, was Pſalm 31, 6. geſchrieben ſteht: „Vater, ich befehle meinen Geiſt in deine Hän⸗ de.“ Luc. 23, 46. Das ſehen wir an Ste⸗ phanus, welcher Apoſtelgeſch. 7, 58. in ſeinem Tode betete: „HErr JEſu, nimm mei⸗ nen Geiſt auf!“ Alſo gehen die Seelen der Frommen ins himmliſche Jeru ſalem, zu dem Volke Gottes, zum ewigen Freudenmahle, in die Hand des HErrn. Darum freut ſich auch St. Paulus auf das Ende des Glaubens und den Anfang des Schauens und ruft 2. Cor. 5, 8.: „Wir ſind getroſt und haben viel⸗ mehr Luſt, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu ſein bei dem HErrn“ — und Phil. 1, 23.: „Ich habe Lu ſt a b⸗ zu ſcheiden und bei Chriſto zu ſein.“ Und mit Recht ſpricht das Buch der Weisheit 3, 1.: „Der Gerechten Seelen ſind in Gottes Hand und keine Qual rührt ſie an.“ Aehnlich iſt es mit den Seelen der Gottloſen. Der reiche Mann ſtirbt — und als b ald iſt er in der Hölle und in der Qual. Luc. 16, 23. Zu einem andern reichen Manne Luc. 12, 16. ffg. ſprach Gott, indem er ihm ſeine Todesnacht andeutete: „Du Narr, die⸗ ſe Nacht wird man deine Seele von dir fordern.“ Der Tod des Judas Iſcha⸗ rioth wird Apoſtelgeſch. 1, 25. mit den Wor⸗ ten beſchrieben: „er ging hin an ſeinen Ort.“ — Dieſer Ort aber iſt derſelbe, von welchem ein in vieſer Sache gültiger Zeuge ſpricht, daß es ein „Ort der Qual ſei.“ Luc. 16, 28. Derſelbige Zeuge verſichert auch, vaß für die Gottloſen das Sterben nichts an⸗ ders ſei, als: „ein Kommen an ſeinen Ort der Oual.“ V. 28. Indeß gebe ich zu, daß dieſe Stellen — und viele andere, welche ein aufmerkſamer Leſer der heil. Schrift ſelbſt finden wird*) — nur bewei⸗ ſen, daß die Seelen der Abgeſchiedenen als⸗ bald an ihren Ort gehen, nämlich ent⸗ weder in's Paradies over in die Hölle, — nicht *). 3. B. die Stelle von dem Tede des Königs von Babel. Itſ. 14, 4. ffg.