Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 3 › Seite 23
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-09-28, Seite 23
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noch mehr durch den fünften, worin von Auf⸗
nahme und Ausſchluß, von den Rechten und
Pflichten der Mitglieder die Rede iſt, und zwar
in ſehr entſchiedener Ausſprache. Und weil ihre
Feinde (oder vielmehr die Tr—b—s-Rorte), die
faſt ſämmtlich Glieder jener Geſellſchaft ſind, ſich
auf öffentlicher Straße und in den gemeinſten
Bier- und Branntweinbuden gar greulich ver⸗
ſchworen, ſie abermals zu ruiniren, ſo fand ſie es
für nöthig, eine Clauſel in die Verfaſſung mit
aufzunehmen, die ſie mit Gottes Hülfe vor ihren
Feinden ſichert und ſchützt, nehmlich Artikel V.,
52: „Vorausgeſetzt, daß niemand Mitglied die—
ſer Gemeinde ſein kann, welcher irgend einer ge—
heimen Geſellſchaft angehört.“ Die Gemeinde
nahm dieſe Clauſel mit 66 gegen 6 Stimmen an,
zog ſich aber durch dieſelbe nicht nur den Haß
der Welt und der offenbaren Feinde der Kirche
zu, ſondern mitunter auch den Haß derer, die ſich
Freunde des reinen und lautern evangeliſch⸗lu⸗
theriſchen Bekenntniſſes nennen, ja ſelbſt den
evangeliſch-lutheriſcher Prediger. Davon konnte
ſich einer völlig überzeugen, welcher den Ver—
handlungen des weſtlichen Diſtrikts der Synode
vou Ohio beiwohnte und hörte, wie es herging
bei Beantwortung der Frage, die durch Hrul.
Paſt. Laſar, von Marion, Marion County,
Obio, vor dieſen Ehrw. Körper ſchriftlich (nicht
obhne Gründe) gebracht wurde, nehmlich: „Wie
verhält ſich die Synode zu ihren Gliedern in Be⸗
zug auf die gebeimen Geſellſchaften?“ Denn da
wurden zuerſt Vorſchläge gemacht, daß man ſich
vor dieſem „Feuerbrand“ hüten und die ganze
Sache auf den Tiſch legen ſollte, u. ſ. w.
dies aber nicht ging, ſo wurde die eingereichte
Schrift einer Committee übergeben, die denn
auch, obgleich ziemlich lahm, darüber berichtete.
Hier ging denn der Lärm an: Der eine gebeime
Bruder wollte es ſo, der andere wieder anders
haben. Und mit Bedauern muß ich es ſagen,
daß nur „wenige“ vom chriſtlichen Standpunkte
aus ernſtlich in dieſer wichtigen Sache ſich be—
tbeiligten; es ſchien aber auch faſt unmöglich,
ſich über das Getöſe und die Witzmacherei der
geheimen Brüder zu erbeben. Das Weitere fin⸗
det der Leſer in den Verhandlungen der weſtli⸗
chen Diſtrikts-Synode von Ohio, gehalten in
Dayton, Ohio, vom 5—10. Juni, 1852.
Ganz beſonders zeichnete ſich aber ein Frei⸗
maurer, Hr. Paſt. Henkel, von Germantown,
Montgomery County, Ohio, aus. Er ſuchte
dieſe wichtige Frage immer ins Lächerliche zu
ziehen, indem er auf läppiſche Weiſe den heili—
gen Eheſtand als eine ähnliche geheime Geſell—
ſchaft darzuſtellen ſich erfrechte; von Hrn. Paſt.
Schladermundt wurde er jedoch in ſeiner eigenen
Schlinge gefangen und gebührendermaßen zu⸗
rückgewieſen. Daß er dadurch die aufrichtigen
Freunde der Kirche zu lähmen und zum Nach—
geben zu bringen, ſo wie für ſich und ſeinen „Or⸗
den“ einen Sieg zu feiern gedachte, bedarf wohl
keiner Erwahnung; denu er bekannte ja offen
vor der ganzen Synode und den anweſenden
Gemeindeglicdern: „Ich bin Maurer, darum
aber doch evangeliſch-lutheriſcher Prediger, der es
ſo kreu und aufrichtigemit der Kirche meint, als
Da
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nur irgend Jemand.“ Hätte der alte Mann
nur an 1 Cor. 8, 13. gedacht, ſo hätte er ſich
vor einer ſolchen Verſammlung nicht ſo ausdrü—
cken können. Wahrſcheinlich vergaß er auch, daß
er als Redner für die „Maurer,“ nicht Prediger
der evangeliſch⸗kutheriſchen Kirche ſein kann;
denn „niemand kann zweien Herren dienen.“
Matth. 6, 24. Freilich, Maurer bin ich auch,
aber ein Steinmaurer, und das iſt mein Beruf,
durch welchen ich mich mit Gottes Segen er—
nähre.
Wenn es Freimaurer, Hermannsbrüder, ſon⸗
derbare Brüder, Druiden, und wie ſie alle hei⸗
ßen, ſo aufrichtig mit der „wahren“ (d. i. rein
evangeliſch⸗-lutheriſchen) Kirche des Herrn mei—
nen, ſo kann ich gar nicht begreifen, warum ſie
die Glieder derſelben um ihre im Schweiß
des Angeſichts erworbenen Kirchen bringen.
Denn gerade die genannten Ordensbrüder in
(Daytoner) Gemeinde um ihre Kirche brachten
und nun rationaliſtiſchen Unfug darin treiben.
Hr. Herzſch, der gegenwärtige Redner dieſer ab—
trünnigen Leute, leugnet nicht nur unſeres Herrn
Jeſu Chriſti Gottheit, ſondern lehrt auch, daß
man ſich an Gott nicht verſündigen könne; denn
alſo predigte er am 5. Sanntag in den Faſten:
„Man kann ſich viel eher an ſeinem Nebenmen⸗
ſchen denn an Gott verſündigen; ja an Gott
kann man ſich eigentlich nicht verſündigen, die—
weil man ibn nicht, wie ſeinen Nächſten, fieht.“
An 6. Sonntag nach Trinit. fragte er ein Kind,
welches er confirmirte: „Iſt der heilige Geiſt
auch eine Perſon in der Gottheit?“ „Nein,“ ant—
wortete das von Hertzſch unterrichtete Kind.
„Nein,“ ſagte er binzufügend, „denn ſonſt müß⸗
ten eilf heilige Geiſter bei der Ausgießung des
beil. Geiſtes geweſen ſein, —aber es war nur
Goͤttes Geiſt.“
Nun, Herr College, was ſagſt Du zu dem Ge—
treibe dieſes Mannes, welcher, ſo viel ich weiß,
auch ein guter „Ordensbruder“ iſt? Auch
bitte ich Dich, lieber Herr College, mich nicht
mehr hintergehen zu wollen; denn das gelingt
Dir doch nicht, und einen Jeden, der ſich ein
Chriſt zu ſein rühmt, er ſei nun Laie oder Predi⸗
ger und mit offenbaren Gottes-⸗ und Chriſtus⸗
leugnern in eine, und noch dazu gebeime Ver—
bindung tritt, welche es, nach meiner Anſicht, zu
ihrem Hauptzweck gemacht haben, die noch gläu⸗
bigen Chriſten ihres ſauer erworbenen Kirchen—
eigenthums zu berauben, um ſo die Kirche zu
zerſtören und um Heidenaltäre, wie hier in Day⸗
ton, ungehindert wieder aufzubauen, muß ich für
einen „Heuchler“ erklären, der, um nur recht für
rieller Gründe willen noch predigt, oder zur Kir—
che geht.
Der dreieinige Gott wolle doch Seine Kirche
ſtärken, daß ſie mit allem Ernſt gegen dieſe gö—
tzendieneriſchen Umtriebe kämpfen möge. Möch⸗
ten doch alle ſich chriſtlich nennenden, insbeſon—
dere die der rein evangeliſch-lutheriſchen Kirche
angehörenden Zeitſchriften ihre Stimmen mit
heiligem Ernſt und Eifer dagegen erheben.
Ties alſo, Herr College Henkel, ſind meine von
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vereinter Macht waren es, welche die hieſige
ſeinen Orden wirken zů können, oder um mate⸗
—
Dir am 10. Juni d. J. verlangten Anſichten
über die mit ibrer Wobltbätigkeit ſo ſehr prah⸗
lenden geheimen Geſellſchaften; und wollie!
Gott, daß es auch die Deinigen, ja die aller
Menſchen wären.
Dayton.
Johannes Bundenthal,
Grabauiana.
Die Leſer wiſſen, daß die Herrn Grabauiſten
unaufhörlich geſchrieen haben: Beweiſe herl
Beweiſe ber, daß wir ungerecht gebannt u.
tyranniſch gehandelt haben! Nun war es uns
vorher bekannt geworden, daß ſich dieſe Hern
durch ihr unchriſtliches, abſcheuliches Auftreten
bereits alles Zutrauen bei chriſtlich geſinnten
Leuten genommen hatten, ſo daß ſich z. B. ſelbſt
diejenigen in Deutſchland ihrer ſchämten, die
doch in der Irrlehre mit ihnen übereinſtimmten,
nehmlich um des „abſcheulichen“ Sinnes wil⸗
len, welchen die Herrn bei ihrem Kampfe ver⸗
rathen hatten. Wir waren daher entſchloſſen⸗
geweſen, wenn irgend möglich, die ſcandalöſen
Geſchichten von ungerechtem Bann u. dgl., welche
in der Grabauiſchen Partei vorgekommen wa⸗
ren, nicht auch noch zum öffentlichen Scandal!
der Kirche und Welt mitzutheilen. Auf jenes':
herausfordernde Goliaths-Geſchrei hin aber
und nachdem Paſtor Grabau auch den etzten
Antrag unſerer ganzen Spuode zu einer Huͤm⸗
lichen Ausſprache abgeſchlagen) halt,
haben wir endlich erklären müſſen, ſo ſeien wir
denn durch die Herrn ſelbſt genöthigt, die är⸗
gerlichen Vorfälle zu publiciren und inſonder⸗
beit mit einem Mann, wie Pſt. Grabau, von
nun an in einem anderen Tone zu reden.
Was thun nun die Herren? Du lieber Le—
ſer wirſt denken, ſie werden ſich nun endlich zu⸗
—— ——
*) Paſtor Grabau will zwar, wahrſcheinlich weil ihm d
Sache nun bei ruhiger Ueberlegung doch ſelbſt zu ſchimpflich
zu ſein ſcheint, es nicht Wort haben, daß er die Unterrthang
abgeſchlagen habe; dazu bat dieſer Mann die Freh⸗
ben, zum Beweiſe, vaß dem nicht ſo ſei, das Schreſen,
darin er dieſelbe abſchlägt, abdrucken zu laſ⸗
ſen. Wir boffen aber, daß wenigſtens unſere Lutheraner.
leſer ſo viel Berſtand haben, daß ſie ſeben, daß derjeniht
eine Unterredung zum Zweck der Beilegung von Streitigkii⸗
ten abſchlägt, welcher zuvor verlaugt, daß ſich der, mil
welchem die Verhandlungen vorgenommen werden ſollen.
erſt ſchuldig geben müſſe. — Das iſt aber das Gericht, dah.
diejenigen, welche ſich von einem ſalſchen Lehrer thraunifren
laſſen, endlich ibm auch ibre geſunde Vernunft zum Oyſer
bringen und auch die verrückteſten Behauptungen u. Macht⸗
ſprüche als große Weisheit und Heiligthum anbeten müſ⸗
ſen (2 Cor. 11, 19, 20.) — Währends übrigens bisber Pf.
Grabau immer auf die Lehre, als das Erſte und alo dit
Hauptſache, gepocht und das Leben derſelben nachgeſetzt hat,
ſo fängt er jetzt an, wo es un ſer Leben und Verfaren
betrifft, eine andere Ordnung der Dinge vorzuſchlagen. Es⸗
ſoll ſich nebmlich hier handeln: „1. um richtige Ausſüh⸗
nung und Abthun des öffentlichen Unrechtes, 2. un
Herſtellung aller kirchlichen chriſtlichen Gerechtigkeit,
3. und wenn das geſchehen iſt, ſo iſt ein laytern
neſegneter Herzensgrund zubereitet, auf welchem die heiihe
und ſetige Einigkeit im Geiſt und in der Lehre ohne Hin⸗
derung geſucht und auigerichtet werden kann.“ Das glar⸗
ben wir wohl, wenn wir vereirs uns Pfl. Grabau zu Füßtu
gelegt und ihm in Allem Recht gegeben haben würden, dann
würden wir auch Gnade finden vor ſeinen Augen zu einen
Geſpräch über Lebre, d. h. zu einer zu erhaltenden gütiher
Belehrung. — Das ſind ſaubere Grundlagen zu tiner N
formation!
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