Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 3 › Seite 21
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-09-28, Seite 21
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ausgeſchloſſen, verdammt und verflucht werde.
Aber dieſe Lehre reimt ſich weder mit jenen Bi—
belſtellen, noch iſt ſie die Lehre unſerer alten lu—
theriſchen Kirche geweſen.
So heißt es z. B. in der Chemnitz⸗Ley⸗
ſer⸗Gerhardiſchen Harmonie zu Joh. 12,
42: „Die Heuchler, indem ſie ſich fälſchlich den
Titel der Kirche zueignen, mißbrauchen zuweilen
des Bannes zur Unterdrückung der Wahrheit,
Joh. 16, 2., in welchem Falle der Bann getroſt
verachtet wird Pſ. 109, 28., weih wenn wir von
den Böſen gusgeſchloſſen werden, wir dann zur
Gemeinſchaft der Guten treten.“ Fernerſchreibt
Hollaz in ſeinem Werke von der chriſtlichen Glau—
benslehre: „Welche, indem ſie von einer Kirche
ungerecht gebannt worden find, ſich ſcheiden und
nrit derſelben Cemeinſchaft zu haben aufhören:
dieſe, wie ihnen die Schuld der Spaltung nicht
zugemeſſen werden kann, hören damit auch nicht
auf, wahre Glieder der Kirche zu ſein .. Wel⸗
che ungerecht gebannt werden, weil ſie nicht wi—
der das Gewiſſen Irrthümer annehmen wollen,
die ihnen für Glaubensartikel aufgedrungen
wurden, denen iſt die Schuld der Spaltung da—
rum nicht aufzubürden, weil ſie ſich nicht aus
Bosheit von der Kirche abwenden, ſondern durch
eine größere Macht hinausgetrieben werden“
. . . Unerlaubter Bann verletzt nicht den damit
Betroffenen, ſondern verdammt den, welcher den
Bann verhängt hat.“ (S. 1290. 91.
Am ausführlichſten und gründlichſten behan—
deln unſere Theologen dieſen Gegenſtand in den
Schriften, in welchen ſie die päpſtliche Kirche be—
kämpfen und den Vorwurf derſelben zurückwei⸗
fen, daß ſich die Lutheraner durch die Trennung
von der römiſchen Kirche der Sünde eines
Schisma, das heißt, einer Spaltung ſchuldig
gemacht haben. Unter Anderen hat dieſen Punkt
der berühmte Jenaiſche Theolog Johannes
Muſäus behandelt in ſeinem lateiniſch ge—
ſchriebenen „Tractat von der Kirche.“ Darin
führt Muſäus zuerſt folgende Worte der Gebrü⸗
der Walenburch, welche beide päbſtliche
Biſchöfe waren, an:
„Wenn ungerecht Gebannte Privatverſamm⸗
lungen aus ungerecht Gebannten anſtellen, ſo
machen ſie eine Spaltung, denn da die unge—
recht Gebannten noch Glieder der vereinigten.
Kirche ſind, ſo entſagen ſie durch ihre Anſtellung
von Privatverſammlungen freiwillig jener Ver—
einigung und verlaſſen die frühere Einigkeit.
Wenn daher Luther und ſeine Anhänger auch
keine Spaltung vor dem Bann gemacht hätten,
wie die Proteſtanten wollen, ſo hätten ſie doch
dann die frühere Gemeinſchaft verlaſſen, dan n⸗
die Einigkeit zerriſſen, dan ſich abgeſondert:
als ſie, von der früheren Einigkeit geſonderte
Verſammlungen anſtellten. Denn da der unge⸗
recht Gebannte nicht aufhört, ein Glied der Kir⸗
che zu ſein, durch welche er ungerecht gebannt
worden iſt, ſo iſt es von ſelbſt klar, daß ſich ein ſy
Gebannter von allen unſchuldigen Ehriſten der
früheren Einheit dann trennt und abſondert,
dann die frühere Gemeinſchaft verläßt: und ſpal⸗
———
Weil ſie alſo nur der Gewalt weichen. D. R..
— 20—
tet, wenn er abgeſonderte Verſammlungen auf⸗
richtet, und daß ei ſo der Urheber der Spaltung
oder des von dem kirchlichen Körper getrennten
Theiles wird.“
Was antwortet nun Muſäus auf dieſes
papiſtiſche Raiſonnement? —Folgendes:
„Daß ungerecht Gebannte Glieder der Kirche
bleiben, kann einen zweifachen Sinn haben:
1. Daß ſie Glieder jener Kirche bleiben, wel—
che ſieungerecht bannt; 2. daß ſie Glie—
der der wahren Kirche bleiben, oder der Kir—
che, welche der wahre und lebendige Leib Chriſti
iſt.“
„Die Behauptung im erſten Sinne, in
welchem ſie die Gebrüder Walenburch verſtehen,
iſt durchans falſch. Denn da es eine zweifa—
che Einigkeit gibt, eine äußerliche und eine
innerliche, ſo hebt die Kirche, welche unge—
recht bannt, beide anf; die äußerliche nehm—
lich, weit der Bann nach feinem Weſen die Ver⸗
ſagung und Aufhebung der Gemeinſchaft iſt, in
welcher die äußerliche Einigkeit des Gebannten
mit dem Bannenden beſtand; die imnerliche“
(Einigkeit aber hebt die bannende Kirche auf),
„weil der, welcher ungerecht bannt, wahre und
lebendige Glieder des Leibes Chriſti davon ab—
ſchneidet ohne gerechte Urſache, denn ſonſt wäre
es kein ungerechter Bann. Aber wahre und le⸗
bendige Glieder des Leibes Chriſti ohne gerechte
Urſache abſchneiden, iſt eine Handlung des Bru—
derhaſſes, welche der brüderlichen Liebe geradezu
entgegengeſetzt iſt, wodurch daher die Liebe, die
das Baud der innerlichen Einigkeit iſt, von
Seiten des Bannenden aufgehoben wird, indem
er mit dem ungerecht Gebannten zugleich ein
wahres und lebenviges Glied des Einen iyſti⸗
ſchen“ Leibes zu ſein aufhört. Zwiſchen der un⸗—
bannten bleibt daher keine Einigkeit; die äußer⸗
und geradezu aufhebt; aber auch die innerliche
nicht, denn dazu gehört die gegenſeitige brüder—
liche Liebe, welche auf beiden Seiten aufhört,
und zwar auf Seiten der bannenden
Kirche, welche durch den Bruderhaß, den ſie
durch den ungerechten Bann verräth, die brüder⸗
liche Liebe verloren hat, auf Seiten aber
des ungerecht Gebannten, weil, ob⸗
gleich der ungerecht Gebaunte durch den über ihn
Liebe nicht verliert, jedoch die ungerecht bannen—
wahres Glied des Leibes Chriſti zu ſein aufge—
hört hat und dieſes dem ungerecht. Gebannten
offenbar geworden iſt) kein Gegenſtand der brü⸗—
derlichen Liebe iſt, ſo daß ſie nachher der, welcher
von ihr ungerecht gebannt worden, nicht mit brü⸗
derlicher Liebe umfaſſen kann.“
„Im anderen Sinne aber iſt es wahr,
was die Gebrüder Walenburch ſagen, daß nehm—
lich der ungerecht Gebannte ein Glüed der
Kirche bleibe, micht. zwar ein. Glied der.
Unter dem myſtiſchen Leibe iſt der geiſmliche Leib der Kirche
zu verſtehen, die eben auf eine myſtiſche, d. i. geheimnißvolle
Weiſe an Chriſto, wir die Glieder eines Leibes an ihrem
Haupte hbängt. D. R.
gerecht bannenden Kirche und dem ungerecht Ge⸗
liche nicht, da ſie der ungerechte Bann von ſelbſt!
verhängten ungerechten Bann die brüderliche.
de Kirche (da ſie eine ſchismaͤtiſche iſt und ein—
ungerecht bannenden Kirche, wie dieſel⸗!
ben es fälſchlich nehmen (denn dieſe hat, wie ge⸗
ſagt, durch den ungerechten Bann und durch die
daher eingeführte Spaltung, die wahre Kirche zu
ſein aufgehört und iſt eine ſchismatiſche gewor⸗
den), ſondern der wahren Kirche, welche die
Verſammlung der wahrhaft Gläubigen und Hei⸗
ligen iſt, welche weit und breit über den ganzen.
Erdkreis zerſtrent ſind urd, durch den Glauben
mit Chriſto vereinigt, ſeinen myſtiſchen Leib aus⸗
machen.
ben, der in ſeinem Herzen iſt und vermöge deſſen
er mit Chriſto dem Haupte vereinigt wird, noch—
die innerliche Liebe verliert, vermöge welcher er.
mit den wahren und lebendigen Gliedern des
Leibes Chriſti verbunden wird, wenigſtens der .
Fähigkeit nach, ſo bleibt er auch ohne Zweifel!
ein wahres und lebendiges Glied deſſelben durche“
wahren Glauben und Liebe zugleich. Ebenſo“!
muß man von ganzen ungerecht gebannten Ki
chen urtheilen. Wenn es ſich zuträgt, daß eine
Kirche nach entſtandenem Streit wider andere.
mit ihr vereinigte ſich feindlich erhebt und die⸗
ſelben ungerecht in den Bann thut, dann ladet.
diejenige, welche die anderen ungerecht bannt
durch ihre verwegene Zerreißung des Bandes.
der Einigkeit nur zu offenbar die Schuld der
Spaltung auf ſich und hört auf, ein Glied des⸗
myſtiſchen Läibes Chriſti zu ſein; welche aber un⸗
gerecht in den Bann gethan und von der Einig⸗
keit der bannenden ausgeſchloſſen worden ſind.
die bleiben (ſelbſt nach dem Geſtändniß der.
Herrn Gebrüder Walenburch) wahre Glieder des⸗
myſtiſchen Leibes Chriſti und daher wahre Kir—
chen. Welche daher nach dem über ſie verhäng—
ten ungerechten Bann wahre Kirchen bleiben, die⸗
laden, wenn ſie ihre eigenen, von den Verſamm⸗
lungen der bannenden ſchismatiſchen“ (Kirche).
„getrennten Verſammlungen halten, dadurch die—
Schuld des Schisma's (der Spaltung) nicht auf
ſich. Denn wie allen wahren Kirchen Chriſlin
das Recht zuſteht, in öffentlichen Verſammlun⸗
gen das Wort Gottes zu lehren und die Sacra⸗
mente zu verwalten, und was ſonſt zum Gottes⸗
dienſt gehört, zu verrichten, ſo muß auch den un⸗
gerecht gebannten Kirchen darum, weil dieſelben
durch den ungerechten Bann nicht aufhören.“
wahre Kirchen zu ſein, daſſelbe Recht zuſtehen.“
„Die Herrn Gebrüder können auch nicht vor⸗
wenden, daß ungerecht gebannte Kirchen, da ſie
Glieder der“ (mit. ihnen vormals) „vereinigten.
Kirche ſeien, durch die Anſtellung ihrer Verſamm—
lungen (welche dieſelben Privateonventikel nen⸗
nen) freiwillig jener Vereinigung entſagen und.
die frühere Einigkeit verlaſſen. Denn dieſer ihr.
Grund iſt in mehrfacher Beziehung ungereimt.
Denn erſtlich beruht er auf der Vorausſetzung, 4
daß eine ungerecht in. den Bann gethane Kirche.
noch ein Glied der, ungerecht bannenden Kirche—
ſei, was, wie eben darzethan worden, falſch iſt.
Es hilft ſie auch nichts, wenn ſie ſagen, die un—
gerecht gebannte Kirche ſondere ſich, wenn ſie ihre.
von den Verſammlungen der bannenden Kirche
geſonderten Verſammlungen hält, von ſämmi⸗
lichen unſchulddigen. Chriſten. de.r.
Denn da ein Gebannter durch den.
Bann, den er ungerecht leidet, weder den Glau⸗e
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