Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 23 › Seite 179
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-07-17, Seite 179
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(Offenb. Job. Cav. 14. v. 6. 7.)
„GSottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
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herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten.
Nedigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 8.
St. Louis, Mo., den 17. Juli 1852.
No. 23.
— Be dingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen
Ertitribtienepreis von Elnem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber welche denſelben vorauszube⸗
In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents rerlauft.
Iyhien une das Poſtgeld zu tragen haben.
a ber.
Predigt,
uu der Kirche der deutſchen evangeliſch-lutheri—
ſhen Gemeinde zu Fort Wayne, Indiana, zur
tgeit der diesjährigen Sitzungen
ger dentſchen evangeliſch⸗lutheri⸗
ſhben Synode von Miſſouri, Ohio
nd anderen Staaten daſelbſt C(am 2. Juli)
gchalten und auf Anordnung derſelben hierdurch
—
mitgetheilt von C. F. W. W.
J. N. J.
„Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott dem
PBater, und von dem HErrn JEſu Chriſto, dem
Eehne des Vaters, in der Wahrheit und in der
Litbe, ſei mit euch. Amen. ö
In Chriſto geliebte lutheriſche Elaubensgenoſſen
und Ehrwürdige theure Brüder im Amte!
Daß der vor dreihundert Jahren durch Got—
Rs Hülfe zum Siege hinausgeführte Reforma⸗
lonskampf ein Befreiungskampf gewe⸗
ſen iſt, darüber iſt unter denen, welche noch
zur proteſtantiſchen Kirche gerechnet ſein wollen,
nur Eine Stimme. Fragen wir jedoch, welches
denn eigentlich die Freiheit geweſen ſei, für de—
nen Erringung da unſere Bäter, Martin Luther
an der Spitze, ſo tapfer geſtritten und Gut und
Blut ſo kühn auf das Spiel geſetzt haben, ſo fin—
den wir, daß hierüber die Anſichten gar ſehr ver—
ſchieden ſind. Wo auch immer in unſeren Ta⸗
gen eine Parthei eine Freiheit predigt, immer iſt
s Luther, der auch ihr erſter Bannerträger
geweſen ſein ſoll.
Die Reformation war es, ſo ſpricht der Na—
tionaliſt oder der Vernunftgläubige, mit welcher
endlich die mehr als tauſendjährige Nacht eines
finſteren, vernunftloſen Kirchenglaubens und
Aberglaubens ſchwand und das Morgenroth
der Aufklärung hervorbrach, deren Mittagslicht
jetzt in allen Landen ſcheint. Die Reformation
war es, ſo ruft der Lichtfreund, durch welche der
ſo lange gebundene Menſchengeiſt endlich von
jeder fremden Autorität entbunden und Ver—
nunft und Wiſſenſchaft in die Rechte eingeſetzt
worden iſt, die dieſe höchſten Güter des Men—
ſchen jetzt genießen. —Wohl iſt es nun wahr,
durch den Sieg der Reformation iſt dem Grund⸗
ſatz der römiſchen Kirche, daß ein jeder, wo nö—
thig und möglich, durch Feuer und Schwert zum
Glauben zu zwingen ſei, das Brandmaal
einer ewigen Schande aufgedrückt und den blu⸗
tigen Gräueln der Glaubensgerichte mächtig ge—
ſteuert worden. Wohl iſt es ferner wahr: un—
ter dem Schirme der Freiheit, welche durch die
Neformation erkämpft worden iſt, haben ſich in
unſeren Tagen viele Tauſende auch die Frei⸗
heit genommen, ihre Bernunft zur höchſten
Richterin in Glaubensſachen, ſelbſt über Gottes
heiliges, untrügliches, ewiges Wort zu machen.
Allein weit entfernt, daß durch die Reformation
der Grund zu dieſer Freiheit gelegt worden
ſein ſollte, ſo war der Reformationskampf
vielmehr ein Kampf gerade darum, daß aller
Menſchen Witz und Weisheit vor Gottes
Wort ſich beuge und verſtumme, und die
Nur die Briefe. welche Mittbeilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen
welche Geſchäftliches, Beſtellungen. Abbeſtellungen. Gelder ꝛ. enthalten, unter der Adreile
Mr. T. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anber zu ſenden.
beilige Schrift die höchſte und einige Rich—
terin aller Religionsſtreitigkeiten wieder werde
und bleibe. Wohin wir auch Luthern wäh—
rend ſeines ganzen Lebens begleiten, ſei es
in ſeine Kloſterzell e, wo wir ihn zuerſt mit Gott
ringend erblicken, oder ſei es nach Augsburg, wo
wir ihn vor einem hohen Kirchenprälaten, oder
ſei es nach Leipzig, wo wir ihn im Kampfe mit
der theologiſchen Wiſſenſchaft, oder ſei es nach
Worms, wo wir ihn vor Kaiſer und Reich, oder
ſei es nach Marburg, wo wir ihn einem falſchen
Proteſtantismus gegenüber, oder ſei es nach
Wittenberg, wo wir ihn auf Kanzel und Lehr—
ſtuhl erblicken; und welches Blatt ſeiner Schrif—
ten wir auch aufſchlagen mögen, ſei es nun in
ſeinen Streitſchriften oder in ſeinen Lehrſchrif⸗
ten, in ſeinen Schriften für die Gelehrten oder
in ſeinen Schriften für das Volk: überall ſehen
wir ihn kämpfen nicht für die Freiheit der
menſchlichen Vernunft von der Autorität des
göttlichen Wortes, ſondern vielmehr für die Frei⸗
heit des Wortes von der Herrſchaft jeder menſch—
lichen Satzung. So ſprach Luther —um unter
tauſenden nur Ein Zeugniß anzuführen —unter
anderen in ſeiner letzten, zu Wittenberg wenige
Tage vor ſeinem ſeligen Tode gehaltenen, Pre⸗
digt zu ſeinen Witteubergern: „Bisher habt ihr
das rechte wahrhaftige Wort gehort; nun ſehet
euch vor vor euren eigenen Gedanken und Klug⸗
heit. Der Teufel wird das Licht der
Vernunft anzünden und euch brin⸗
gen vom Glauben.. Ich habe mehr denn
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