Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 22 › Seite 178

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-06-22, Seite 178

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ſcheinlich vergeſſen, was er verſprochen; ich ſähe
ja ſelbſt, daß er ſehr eifrig geworden wäre. Er

ſchickte daher den Jungen nochmals auf die.

Kanzel und wiederholte die vorige Bitte. Der
Pater machte Miene, als ob er zornig werden
wollte, wendete ſich herum, nahm eins von den
auf der Seite liegenden Büchern und ſagte:
„Damit niemand meine, als fürchtete ich mich
bei meiner Sache, ſo will ich das Buch dem, der
es begehrt, ſchicken, und daß er gleich ſehe, wo
es ſtehe, ſo will ich den Platz zeichnen.“ Er nahm
auch einen Röthelſtift aus der Taſche, machte
einen Schmitz (Strich) an die Seite eines Blat—
tes und übergab es dem Jungen, daß er mir
ſolches bringen ſollte. Als ich nun das Buch
nahm und den gezeichneten Ort las, ſo war das
Buch — erſtlich lateiniſch und die Paſſage
(die Stelle) handelte von ganz etwas Anderem,
als was der Pater hergeleſen hatte; ja, als ich
nun nach dem Titelblatt ſah, da war das Buch
—ein Band von den Schriften des alten Kir⸗
chenvaters Chryſoſtomus! Ich hielt daher
nun ſogleich Herrn Weislinger den Unfug des
Jeſuiten vor, hielt auch das Buch in die Höhe
und ſagte laut, „daß dies kein Tomus von Lu—
thers, ſondern von den Schriften des Chryſoſto—
mus ſei; man ſollte duvaus wner wie man
mit Luthern umginge!“ r Pater aber hatte
unterdeſſen oben ſich in chen neuen großen Ei⸗
fer verſtellt, damit man glauben ſollte, er höre
vor Eifer nicht, was unten vorgehe. So war
denn natürlich auch für mich an ſolchem Ort
nicht viel zu machen; ich mußte mich damit be—
gnügen laſſen, daß mir Weislinger Genugthu⸗
ung verſprach, der mich jedoch zugleich bat, ich
möchte den Pater, weil er von der Predigt müde
herunter kommen werde, nicht inkommodiren, er
wolle mir den rechten Tomus (Band der luther—
ſchen Schriften) ſchon ſelbſt zeigen. Allein da
ich ihn bald darauf ſeines Verſprechens erinner—
te, entſchuldigte er ſich mit anderen Geſchüften.“

„Derſchriſtliche Leſer ſieht hieraus“ — ſo be—
ſchließt Freſenius ſeine Erzählung, — „wie
falſch und leichtfertig man Lutheri Schriften

traktirt. Die Geſchichte kann nicht geleugnet
werden. Wenn Herr Weislinger nicht vorſätz—

lich leugnen will, ſo wird er einem jeden, der
ihn fragt, bekennen, daß ſich's ſo verhalte, wie
ich geſchrieben. Wiewohl der geneigte Leſer da—
ran um ſo weniger zweifeln wird, wenn er in
dieſem Traktat fortleſen, und finden wird, daß
unſere Widerſacher ſich ſo gar nicht entblöden,
dergleichen handgreifliche Schriftverfälſchungen
in öffentlichen Druck zu ſtellen; woraus
man ſchließen kann, daß ſie in ven Predigten
um ſolcher willen noch viel weniger Bedenken
tragen.“

Darum ſei auch Du, lieber Leſer des Luthe—
raner,“ vor den Jeſuiten und ihren Helfershel⸗
fern gewarnt. Du kannſt ihnen nicht trauen,
und wenn ſie tauſendmal ſchreien und ſchreiben:
„Sehet, leſet, ſo ſteht buchſtäblich in Luther's ei—
genen Schriften geſchrieben!“ Dieſe Herren ken—
nen keine Schaam noch Scheu; und wenn ſie
tauſendmal mit ihren Lügen über Luthern zu
Schanden geworden ſind, ſo ducken ſie ſich etwa

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eine kurze Zeit, aber bald kommen ſie wieder!

hervor, und, als hätten ſie nie ein Waſſer ge—
trübt, fangen ſie die alte Schalkheit wieder von
vorn an.

Vollſtändige Bibel.

Wir machen hierdurch die Leſer, Prediger
und Laien, auf eine Ausgabe der Bibel in Lu—
ther's deutſcher Ueberſetzung aufmerkſam, welche
durch die Herrn Eggers und Wilde in
Eincinnati, und Fr. W. Chriſtern und
King und Baird in Philadelphia beſorgt
worden iſt. Es iſt dieſe Ansgabe nicht nur den
gewöhnlichen, von der engliſch-amerikaniſchen
Bibelgeſellſchaft veranſtalteten vorzuziehen, ſon—
dern auch jeder andern amerikaniſchen Aus—
gabe. Sie enthält die Apokrophen; ſo
weit wir die Ausgabe vergleichen konnten, auch
gute, dem Glauben gemäſe Summarien,
auch in Betreff der prophetiſchen Stücke; eine
gute und vollſtändige Auswahl von Paralle—
len; eine vollſtändige Angabe der gebräuchli⸗
lichen Perikopen; Papier endlich und Druck
ſind vorzüglich; der Einband (ſchwarzer gepreſ⸗
ter Lererband) ſtark und dauerhaft; Format
Großoktav.

Der Verkaufspreis iſt § 1,75. für ein Er—
emplar. Der Preis pro Dutzend § 15,00.
Größerer Bedarf erhält noch günſtigere Bedin⸗
gungen, die auf ſchriftliche Anfrage bei den
Herren Herausgebern zu erfahren ſind. Es
ſind auch Eremplare in Goldſchnitt mit Futteral
per 52,2 5.; pro Dutzend für 3518,00 vorräthig.
Für den Weſten hat die Firma J. Eggers
und Wilde in Cincinnati das Haupt⸗
Depot.

Mittwoch nach dem heil. Pfingſtfeſte, als am
2. Juni, von mir, unter Aſſiſtenz von Henn
Paſtor Schürmann, vor verſammelter Gemeinde
feierlich ordinirt und in ſein Amt eingewieſen
worden, mit Verpflichtung auf ſämmtliche Sym⸗
bole unſerer theuern Ev. Luth. Kirche.

Der treue Gott und
Chriſt wolle den Neuberufenen, wie die demſel⸗
ben anvertraute Gemeinde überſchwenglich ſeg⸗

nen und ſie in -Seiner Gnade erhalten bis ans

Ende. Amen.
Hochachtungsvoll Ihr
Indianapolis, Carl Fricke.

den 3. Juni 1852.

Columbus, Ja., 8. Juni 1852.
Geehrter Herr Präſes!

Ich mache Ihnen hiermit die ergebenſte An—

zeige, daß der Candidat des heil. Predigtamtes,

Herr Jacob Rauſchert, geweſener Zögling des

Prediger-Seminars zu Fort Wayne, nachdem

er von meiner bisherigen Filial-Gemeinde an
der Clifto bei Columbus, Ja. einen ordentlichen
Beruf erhalten hatte, am Dienstag nach dem
Trinitatisfeſte, als am 8. Inni d. I., im Auf⸗

trage des Herrn Vice-Präſes Ur. W. Sihler von

mir unter Aſſiſtenz des Herrn Paſt. Sauer vor
verſammelter Gemeinde feierlich ordinirt und in

Geiſtes bewaffnet,

ſein Amt eingewieſen iſt.

Der treue Gott und Heiland ſeiner Kirche,

wolle dieſen lieben Brinder in ſeinem heiligen..

Amte ſtärken, damit er, mit dem Schwerte des
allem groben und liſtigen
Wüthen des Satans freudig die Stirne bieten
könne; und wolle ihn ſehr ſegnen, damit auch
an ihm wahr werde das Wort des 84. Pfalmes:

„Die Lehrer werden mit viel Segen geſchmückt.
Sie erhalten einen Sieg nach dem andern, dah

Wir meinen, die lieben Brüder im Amte ſoll-⸗

ten darauf bedacht ſein, anſtatt der gewöhnlichen
amerikaniſchen Ausgaben, welche theils unvoll—
ſtändig ſind, theils unrichtige Summarien und
Parrallelen haben, ja, ſelbſt hie und da von dem

lutheriſchen Text weſentlicher, als alle anderen,‚

abgehen, die angezeigte zu empfehlen.
ſchön wäre es, wenn ſich in jeder Gemeinde eine
kleine Bibelgeſellſchaſt bildete, einen ziemlichen
Vorrath ankaufte und es ſo möglich machte, daß
Jeder in der Gemeinde zu jeder Zeit eine e gute
Ausgabe der Bibel wohlfeil erhalten könnte!

αm

Kirchliche Nachrichten.

Es gereicht mir zu großer Freude, Ihnen fol—
gende kirchliche Nachricht mittheilen zu können:

Die deutſche evangeliſch-lutheriſche Mount—
Pleaſant-Gemeinde, in der Nähe von Cicero,
Hamilton County, Indiana, welche ſeit meinem
Hierſein nur ſehr nothdürftig als Filial von mir
mitbedient werden konnte, hat nun den Candi—
daten des heil. Predigtamts, Herrn Friedrich
Schumann zu ihrem Paſtor und Seelſorger or⸗
dentlich berufen und es iſt derſelbe ſodann im
Auftrage des erſten Vicepräſes unſrer Synode,
des Ehrw. Dr. W. Sihler zu Fort-Wayne, am

man ſagen muß, der rechte Gott ſei zu Zion.“

Ihr ergebenſter
Nudolph Klinckenberg.
Die Adreſſe des l. Bruders iſt:
Iicv. Jacohhb Nauschert,
Calumbits, Barchiolmet Coenty, Ja.
AFI m
Quittung.

Für den Bau der am Trinitatisfeſte 1851 eingeweikten
evang. luth. Drrieinigt'eitskirche zu Milwaukie, Wise., ſind
in Lauf eines Jabrts von luth. Gemeinden und einzeinen
Perſonen folgende milde Beiträge eingegangen:

Vater unſers Herrn Jeſu

—*

70.

30.

Von der Gemeinde in Cliraggs.. „89/0.
„ Herrn Rnuſch daſelbdſtſdi. 59.
„P der Gemeinde des Herrn Paſt. Schieferdecker

in Altenburg 4,00.

Dich Herrn Paſt. Lehmann inHannover, und zwar:

von D. B. Bertling
„ A. PaaTrr-r 25.
„Fr. Körber 25.
„ A. Rohht

Von der Zionsgemeinde des Herrn Paſt. Streckuß 3,00.
„ der Gemeinde des Herrn Paſt. Stubnat . 5/00.
„ der Gemeinde zu Fort Wagne 26,00.
„, der Gemeinde des Herrn Paſt. Baumgart auf

Elkhorn Prairie . 10,.
„ der Gem. des Herrn Paſt. Claus in Neumelle 5/00.
„ der Gemeinde zu St. Charles. 7ſ¾/0.
„ der Gemeinde in Neuendettelau .. 5/00.

Summa 876,/0.

Gedruckt bei M. Niedner,
Nord-Ecke der dritten und Cheſnut⸗Sirahr.

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