Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 22 › Seite 173

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-06-22, Seite 173

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nacht, denn ſie fürchteten, durch dies mein Ver—
balten würde ihre, ihnen zur Befeſtigung der
Hierarchie zuträgliche Einmiſchung in zeitliche
Anpelegenbeiten gefährdet; deher ſie darnach!
Irackieten, mich bei euch zu verdächtigen und dann
fortzubringen.

Wenn ihr dieſen Herren zu Gefallen auch

leugnet, ſo bleibt es doch die Wahrheit, daß Hr.
Grabau und v. Rohr ſich auf's Aeußerſte dage—
gen geſetzt haben, daß ich eine geſunde Wohnung
zu Martinsville erhielte. Denn ſie haben es
nir geradezu geſagt, die Wohnung ſei gut genug
für mich; v. Nohr höhnte mich aus, als ich ihm
das Gegentheil bewies. Grabau rief mir zu:
„Wirſt Du blind, ſo wirſt du blind; Du kanuſt
auch als blinder Paſtor der Gemeine dienen,“
als ich ihm darthat, daß ich in der feuchten, mo—
naſtigen Wohnung erblinden würde, da mein Au—
genübel daher den Urſprung habe und die Au—
genärzte ſämmtlich daſſelbe Urtheil fällten. Hef—
tig opponirten die beiden Herren dagegen, daß
der Gemeine hierüber von mir eine Vorſtellung
gemacht würde. Und da ich dennoch die Ge—
meine bat, darauf bedacht zu ſein mir eine ge—
ſunde Wohnung zu verſchaffen und die Gemeine
comir abſchlug, ſo tadelte mich Paſt. Grabau
darüber mit Beiſtimmung des Hrn. v. Rohr, und
lezterer wörtlich ſo, wie ihr mir abſchläglich ge—
antwortet hattet. Sie haben euch aufgeredet
und darum iſt's traurig, daß ihr es leugnet.

—

Es ſoll nicht wahr ſein, behauptet der Mar—
iinsviller Aufſatz, daß Hr. v. Rohr vom Auguſt
1850 an, geheim und öffentlich euch gegen mich
mißtrauiſch gemacht habe. Aber Hr. v. Rohr
hat es, wie bereits dargethan, ſelbſt zugegeben
den 2. September 1850.

Ihr ſagt: „Es ſei eine Erdichtung, daß ich
bezeuge, ihr wäret durch ein Aushorcher- und
Angeber⸗-Spſtem zur Heuchelei und Hinterliſt
verführt worden.“ Da muß ich euch denn nun,
wir leid es mir gleich thut, hiermit erinnern:
wiſſet ihr es denn nicht mehr, daß ich gar oft
privatim abgewieſen habe, wenn ihr mir dieſe
und jene Mittheilung von Heimlichkeiten machen
wolltet? habe ich euch nicht privatim gebeten,
ſolche Spionerei zu unterlaſſen? habe ich nicht
öfentlich auf der Kanzel gebeten, mich mit ſol—
chen Zuträgereien zu verſchonen? Wiſſen denn
die unterſchriebenen Vorſteher, die während mei—
ner Amtsführung in Martinsville Vorſteher
waren, nicht, daß ſie mir geſagt haben: ſie
awollten auf der Straße und an den Häuſern
Abends horchen, was da vorginge? Das hätten
ſie auf Hrn. Grabau's und v. Rohr's Rath auch
gethan und da ſo Manches herausgekriegt! Da—
tauf habe ich ihnen erwiedert, dann müßte ich
ihnen gänzlich abratheu, denn Kirchenvorſteher
wären keine heimlichen Aufpaſſer und Aushorcher,
keine geheimen Polizeien; was wir zu wiſſen nö—
big hätten, würde Gott uns auf ehrlichem ordentli—
chem Wege kund werden laſſen; ich könnte und dürf⸗
e Berichte, aus ſolchen Spioniren geſchöpft, nicht
annehmen. (1. Cor. 14, 40. Sir. 21, 26.) Das⸗
hat euch und eure Vorſteher verdroſſen; ihr habt
bei Hrn. Grabau und v. Rohr euch hinter mei⸗

— 171— ·

nem Nücken über mich beſchwert und dieſe
Herren haben euch beigeſtimmt.

Ihr ſagt: Krauſe habe die Unterſuchung ver—
weigert.

Das iſt eine, von Hrn. Grabau und v. Rohr,
und auch von euern und den andern Deputirten
gemachte und euch für Wahrheit aufgebundene
feindſelige Erdichtung, die ihr durch eure Unter—
ſchrift als angenommen erklärt. Dieſe Herren
wiſſen aber recht gut, daß ich wiederholt ihnen
erklärt habe: ich würde an Ort und Stelle
vor der geſammten Martinsviller Gemeine
die Unterſuchung annehmen, ſobald ich mit Got—
tes Hülfe hergeſtellt wäre. Aber das war den
Herren Predigern nicht recht; denn ſie mußten
befürchten, daß dann die von ihnen getäuſchten
Martinsviller enttäuſcht werden und der Wahr—
heit die Ehre geben möchten. Da ſie nun dieſe
meine Erklärung nicht abweiſen konnten, ſo
ſuchten ſie ſich dadurch zu decken, —ſie ſuspen—
dirten mich nämlich flugs den 9. September
in der Nacht, wiederholten folgenden Tages die
Verhandlungen, ſagten mir aber kein Wort, daß
ich ſuspendirt wäre, und da ich bei meiner Er—
klärung ſtehen bleiben mußte, ſo reiſte den 11.
September Paſt. Grabau nach Martinsville,
wo ſich Paſt. v. Rohr verabredetermaßen ein—
ſtellte. Nun wurden Alt und Jung, Erwach⸗
ſene und Kinder verſammelt und dahin be—
redet, die gegen mich von Paſt. Grabau und
v. Nohr angeordnete und von Paſt. Lange ge—
nehmigte Suspenſion anzuerkennen. Da am
23. und 24. September die Hrn. Grabau und
v». Nohr die ungerechte Behauptung aufſtellten
und feſthielten, was ſie in Martinsville wider
mich zu Papier gebracht, ſei wahr und auf mei⸗
ne Entgegnung: „wovon ich aber das Gegen—
theil beweiſe?“ antworteten: es komme auf die
Ausſage an, —und als ich ihnen erwiederte:
nur auf wahre und nicht auf falſche Zeugen, —
ſie nur ſpotteten, ſchimpften und mich ohne wei—
teres für ſchuldig verurtheilten, erklärte ich ihnen:
ra ich bereits ohne Unterſuchung verurtheilt bin,
und ihr darauf ausgeht, dieß in Martinsville
nochmals zu thun, alſo in eurer Ungerech—
tigkeit verharren wollet, ſo iſt es ganz nutz—
los, daß weiter hierüber von mir etwas entgeg—
net wird. Gott wird's zuletzt wohl richten!“
Hiermit habe ich mich verabſchiedet und Tags
darauf, den 25. September meine Losſage von
ihrem Miniſterio und Synode ihnen zugeſendet.

Dann ſagt der Martinsviller Aufſatz: ich er
dichtete, ihr wäret von Paſt. Grabau und v.
Rohr bethöret, daß nur bei ihnen die Seligkeit
geſichert ſei.

Liebe Chriſten! Herr Paſt. Grabau mit Con—
ſens ſeiner Herren Collegen, lehrt in ſeinem Infor—
matorio nun gedruckt, was er und Hr. v. Rohr
euch ſonſt mündlich geſagt. Leſet ihr doch, wie
bekannt, dies Informatorium. Da ſindet ihr
ja, daß in dieſem Informatorio die rechtgläubige
lutheriſche Synode von Miſſouri und der treue
Zeuge der Wahrheit „Pfarrer Löhe“) gelä—

) So 3. B. in No. 2, Seite 11 des Informatorii heißt

der Pfarrer Löhe „ein für die norvamerikaniſche lutheri⸗
ſche Kirche thätiger Mann;“ in No. 5, Seite 3⁵

ſtert, geſchimpft und verſpottet werden als Irr⸗
lehrer, Schwärmer, Unioniſten u. ſ. w. Warum?
Weil ſie die Menſchenſatzungen der Herren Gra⸗
ban und v. Rohr nicht annehmen. Sehet, wie
widerlegt nun Hr. Grabau ſich ſelbſt und euch,
und beweiſet mit euch, daß ich die Wahrheit be⸗
zeuget habe.

Ferner ſagt ihr: „ich meinte, ihr ließet euch
verbieten, Lehre zu prüfen und zu urtheilen.“

Das meine ich nicht, das bilde ich mir nicht
ein, ſondern die Herren Grabau und v. Rohr
verbieten es euch wirklich. Wiſſet ihr denn nicht,
daß diejenigen Gemeinglieder der Buffaloer Sy—
node, welche die richtige Lehre von der Kirche,
vom Amt, vom allgemeinen-geiſtlichen Prieſter—
thum der Chriſten, von der chriſtlichen Frei—
heit für richtig anerkennen und bekennen, in
Kirchenzucht genommen, und wenn ſie an der
durch Gottes Gnade empfaͤngenen richtigen Ue—
berzeugung feſthalten, als Aufwiegler, Rotten—
geiſter und Miſſouriſche Schwärmer in Bann ge⸗
than werden? Habt ihr ſolche Bannungen be—
reits vergeſſen? Zeugen nicht viele in der Berg—
holzer Gemeine noch heut wider ſolch' ſündlichen
Bann? Es iſt ſo bekannt, daß nur eine abſicht—
liche Vergeßlichkeit dieß nicht mehr wiſſen könnte.

Zuletzt behauptet ihr: ich ſchmeichelte euch
und ſtellte euch über eure Paſtoren.

Darin irret ihr wiederum. Worin habe ich
euch geſchmeichelt? Womit habe ich euch über
eure Paſtoren geſtellt? Das iſt doch nicht Schmei—
chelei, wenn ich das Beſte vom Nächſten hoffe,
und noch dazu begründe, —wie ich von euch ge—
hofft habe und noch hoffe, laut Gottes Wort:
„Die Liebe hoffet Alles.“ (1 Cor. 13, 75

Iſt das ein Hochſtellen über eure Paſtoren,
wenn erkannt wird, daß Chriſten mit den einfäl—
tigen Glaubensaugen weiter ſehen, als ſpitzfindi—
ge Gelehrte, die den Grundſatz der Phariſäer
practiciren: „Das Volk, das nichts vom Geſetz
weiß, iſt verflucht!“ (Joh. 7, 49.)

Wenn gleich jetzt eure unterſchriebenen Kir—
chenvorſteher und Kirchräter wider beſſeres Wiſ—
ſen reden, ſo bleibt es voch dabei, —ihr ſeid nicht
Alle alſo geſinnt; denn Gottes Wort läßt ſich
nicht unbezeugt: „Er läſſet es den Aufrichtigen
gelingen und behütet die Einfältigen.“ (Spr.
2, 7. Pi, 116, 6.) Und wie weit dem Einen und
dem Andern das Gewiſſen aufgewachet iſt, und
er die Unlauterkeit erkennt, womit die Herrenl
Grabau und v. Rohr handthieren, —und ſolche
aufgewachte Seelen nach der geſunden Weide des
Evangelii ſich ſehnen, —wie weit es hierin mit
euch gekommen iſt ſeit dem 27. Juli 1851, als
daher der nach euch benannte Aufſatz im Infor—

werden Löhe's Worte genannt: „Donnerworte, die tief i
die Herzen eindringen, namentlich da vöhe ein Mann ſei, de
allgemein Achtung verdient.“ Und in Ro. 12, Seite 96 wir
Löhe flugs weggeworſen und geſagt: „er nehme dieſelb
Stellung gegen die baieriſche Landeskirche ein, wir diejenigen.
Prediger in Preußen, die innerhalb der unirten Landes-
kirche lutheriſch ſein wollen.“ Und warum taugt nun vöhe
bei Herm Grabau auf einmal nichts melr? Amwort: Weil
Löhe in Aufrichtigleit des Herzens der Wahrheit die Ehre gibt,
und kein Mitfechter Heern Grabau's wider die Wahrheit ge—
worden iß, worauf er gebofft katte. So bald erheben, ſo bald
niedertreten dieſe Herren ihren Nächſteu, je nachdem es *
Vortheil zu erheiſchen ſcheint. L. F. E. K.

English translation

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